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Catena Aurea · Evangelium secundum Matthaeum
328 Kommentare der Kirchenväter · 21 Versabschnitte
Matthäusevangelium 5 in der Bibel lesen1 Als er aber die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg, und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. 2 Und er öffnete seinen Mund und lehrte sie. 3 Er sagte:Selig die Armen im Geist; denn ihnen gehört das Himmelreich.
27 KommentareCatena Aurea · Mt 5
Jeder Mensch freut sich in seinem eigenen Gewerbe oder Beruf, wenn er eine Gelegenheit sieht, es auszuüben; der Zimmermann, wenn er einen schönen Baum sieht, begehrt ihn zu fällen, um seine Kunst daran anzuwenden, und der Priester, wenn er eine volle Kirche sieht, freut sich sein Herz, er ist froh über die Gelegenheit zu lehren. So wurde der Herr, als er eine große Versammlung von Menschen sah, zum Lehren bewegt.

Catena Aurea · Mt 5
(de Cons. Ev. ii. 19.) Oder man kann annehmen, dass Er die dichteste Menge meiden wollte und den Berg bestieg, um allein zu seinen Jüngern zu sprechen.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. xv.) Dadurch, dass Er seinen Sitz nicht in der Stadt und auf dem Marktplatz wählte, sondern auf einem Berg in der Wüste, hat Er uns gelehrt, nichts aus Prahlerei zu tun und uns von Menschenmengen fernzuhalten, besonders wenn wir uns mit Philosophie beschäftigen oder über ernste Dinge sprechen sollen.
Catena Aurea · Mt 5
Man muss wissen, dass der Herr drei Rückzugsorte hatte, von denen wir lesen: das Schiff, den Berg und die Wüste; an einen dieser Orte pflegte Er sich zurückzuziehen, wann immer Er von der Menge bedrängt wurde.

Catena Aurea · Mt 5
Einige der weniger gelehrten Brüder nehmen an, der Herr habe das Folgende vom Ölberg aus gesprochen, was keineswegs der Fall ist; was vorausging und was folgt, legt den Ort in Galiläa fest. Einen Berg Tabor, können wir annehmen, oder irgendeinen anderen hohen Berg.

Catena Aurea · Mt 5
Er stieg auf einen Berg, erstens, damit Er die Prophezeiung des Isaias erfülle: „Steig auf einen hohen Berg“ (Is. 40:9.); zweitens, um zu zeigen, dass sowohl der, der lehrt, als auch der, der die Gerechtigkeit Gottes hört, auf einem hohen Grund geistlicher Tugenden stehen sollte; denn niemand kann im Tal bleiben und vom Berg sprechen. Wenn du auf der Erde stehst, sprich von der Erde; wenn du vom Himmel sprichst, steh auf im Himmel. Oder Er stieg auf den Berg, um zu zeigen, dass alle, die die Geheimnisse der Wahrheit lernen wollen, zum Berg der Kirche hinaufsteigen sollten, von dem der Prophet spricht: „Der Berg Gottes ist ein fetter Berg.“ (Ps. 68:15.)

Catena Aurea · Mt 5
Oder Er steigt auf den Berg, weil Er in der Erhabenheit der Majestät seines Vaters steht, wenn Er die Gebote des himmlischen Lebens gibt.

Catena Aurea · Mt 5
(de Serm. Dom. in Mont. i. 1.) Oder Er steigt auf den Berg, um zu zeigen, dass die Gebote der Gerechtigkeit, die Gott durch die Propheten den Juden gab, die noch unter der Knechtschaft der Furcht standen, die geringeren Gebote waren; dass aber durch seinen eigenen Sohn die größeren Gebote einem Volk gegeben wurden, das Er bestimmt hatte, durch Liebe zu befreien.

Catena Aurea · Mt 5
Er sprach zu ihnen sitzend und nicht stehend, denn sie hätten Ihn nicht verstehen können, wenn Er in seiner eigenen Majestät erschienen wäre.

Catena Aurea · Mt 5
Oder, um zu lehren, dass das Sitzen das Vorrecht des Meisters ist. Seine Jünger kamen zu ihm, damit die, welche im Geiste den Geboten näher kamen, ihm auch mit ihrer leiblichen Gegenwart am nächsten kämen.

Catena Aurea · Mt 5
Mystisch bedeutet dieses Sich-Niedersetzen Christi seine Menschwerdung; hätte er nicht Fleisch angenommen, hätte die Menschheit nicht zu ihm kommen können.

Catena Aurea · Mt 5
(de Cons. Ev. ii. 19.) Es erregt einen Gedanken, wie es kommt, dass Matthäus diese Rede als vom Herrn auf dem Berg sitzend gehalten berichtet; Lukas, als er in der Ebene stand. Diese Verschiedenheit in ihren Berichten würde uns zu der Annahme führen, dass die Anlässe verschieden waren. Warum sollte Christus nicht noch einmal wiederholen, was er zuvor gesagt hatte, oder noch einmal tun, was er zuvor getan hatte? Obwohl uns auch eine andere Methode zur Versöhnung der beiden einfallen könnte; nämlich, dass unser Herr zuerst mit seinen Jüngern allein auf einem höheren Gipfel des Berges war, als er die Zwölf erwählte; dass er dann mit ihnen nicht vom Berg ganz, sondern von der Spitze zu einer Ebene am Abhang hinabstieg, die eine große Menschenmenge fassen konnte; dass er dort stand, während die Menge sich um ihn sammelte, und nachdem er sich niedergesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm, und so sprach er zu ihnen und in Gegenwart der übrigen Menge dieselbe Rede, die Matthäus und Lukas wiedergeben, auf verschiedene Weise, aber mit gleicher Wahrheit der Tatsachen.

Catena Aurea · Mt 5
(Moral. iv. 1.) Als der Herr auf dem Berg im Begriff ist, seine erhabenen Gebote zu verkünden, heißt es: Er tat seinen Mund auf und lehrte sie, er, der zuvor den Mund der Propheten geöffnet hatte.
Catena Aurea · Mt 5
Wo immer gesagt wird, dass der Herr seinen Mund auftat, können wir wissen, wie große Dinge folgen werden.

Catena Aurea · Mt 5
(de Serm. in Mont. i. 1.) Oder der Ausdruck leitet eine längere als gewöhnliche Ansprache ein.

Catena Aurea · Mt 5
Oder damit wir verstehen, dass er manchmal lehrt, indem er seinen Mund im Sprechen öffnet, manchmal durch jene Stimme, die aus seinen Werken erklingt.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Wer sich die Mühe nimmt, mit frommem und nüchternem Geist zu prüfen, wird in dieser Rede einen vollkommenen Kodex des christlichen Lebens finden, soweit er sich auf die Führung des täglichen Lebens bezieht. Dementsprechend schließt der Herr sie mit den Worten: Jeder, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich einem klugen Mann vergleichen, usw.

Catena Aurea · Mt 5
(De Civ. Dei, xix. 1.) Das höchste Gut ist das einzige Motiv philosophischer Untersuchung; aber was auch immer Seligkeit verleiht, das ist das höchste Gut; daher beginnt er: Selig sind die Armen im Geiste.

Catena Aurea · Mt 5
(Id. de Serm. in Mont. i. 1.) Die Steigerung von ‚Geist‘ bedeutet im Allgemeinen Übermut und Stolz. Denn in der gewöhnlichen Sprache sagt man, die Stolzen hätten einen großen Geist, und mit Recht – denn Wind ist ein Geist, und wer weiß nicht, dass wir von stolzen Menschen sagen, sie seien ‚aufgeblasen‘, ‚aufgebläht‘. Hier also sind unter Armen im Geiste mit Recht die ‚Demütigen‘, ‚Gottesfürchtigen‘ verstanden, die keinen aufgeblasenen Geist haben.

Catena Aurea · Mt 5
Oder er nennt hier allen Hochmut der Seele und Gesinnung Geist; denn wie es viele gibt, die wider Willen demütig sind, durch ihre äußere Lage gezwungen, haben sie kein Lob; der Segen gilt denen, die sich aus eigener Wahl demütigen. So beginnt er sogleich an der Wurzel, reißt den Stolz aus, der die Wurzel und Quelle allen Übels ist, und setzt als Gegenteil die Demut als festes Fundament. Wenn dieses gut gelegt ist, können andere Tugenden fest darauf gebaut werden; wenn es untergraben wird, geht alles Gute, das du darauf sammelst, zugrunde.
Catena Aurea · Mt 5
Selig sind die Armen im Geiste, oder nach der wörtlichen Wiedergabe des Griechischen, ‚die Bettler‘, damit die Demütigen lernen, dass sie immer am Almosenhaus Gottes betteln sollen. Denn es gibt viele, die von Natur aus demütig und nicht aus dem Glauben sind, die nicht am Almosenhaus Gottes anklopfen; aber nur die sind demütig, die es aus dem Glauben sind.

Catena Aurea · Mt 5
Oder die Armen im Geiste können jene sein, die die Gebote Gottes fürchten und zittern, die der Herr durch den Propheten Jesaja lobt. Warum aber mehr als einfach demütig? Von den Demütigen mag es an dieser Stelle nur wenige geben, dort wieder eine Fülle.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Die Stolzen suchen ein irdisches Reich, nur den Demütigen gehört das Himmelreich.
Catena Aurea · Mt 5
Denn wie alle anderen Laster, besonders aber der Stolz, zur Hölle stürzen; so führen alle anderen Tugenden, besonders aber die Demut, zum Himmel; es ist angemessen, dass der, der sich demütigt, erhöht wird.

Catena Aurea · Mt 5
Die Armen im Geiste sind jene, die um des Heiligen Geistes willen freiwillige Armut annehmen.

Catena Aurea · Mt 5
(De Officiis i. 16.) In den Augen des Himmels beginnt die Seligkeit dort, wo in menschlicher Schätzung das Elend beginnt.
Catena Aurea · Mt 5
(interlin.) Denen, die gegenwärtig in Armut sind, wird passend der Reichtum des Himmels verheißen.
4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
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Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Wenn du so viel erreicht hast, sowohl Armut als auch Sanftmut, dann bedenke, dass du ein Sünder bist, trauere über deine Sünden, wie Er fortfährt: Selig, die trauern. Und es ist passend, dass die dritte Seligpreisung denen gilt, die über die Sünde trauern, denn es ist die Dreifaltigkeit, die die Sünde vergibt.

Catena Aurea · Mt 5
Die trauern, das heißt nicht über Verlust von Verwandten, Beleidigungen oder Verluste, sondern die über vergangene Sünden weinen.
Catena Aurea · Mt 5
Und die über ihre eigenen Sünden weinen, sind selig, aber viel mehr noch die, die über die Sünden anderer weinen; so sollten alle Lehrer tun.

Catena Aurea · Mt 5
Denn die hier gemeinte Trauer gilt nicht den Toten nach dem gewöhnlichen Lauf der Natur, sondern den Toten in Sünden und Lastern. So trauerte Samuel um Saul, so trauerte der Apostel Paulus um die, die nach der Unreinheit keine Buße getan hatten.
Catena Aurea · Mt 5
Der Trost der Trauernden ist das Aufhören ihrer Trauer; die also über ihre eigenen Sünden trauern, werden getröstet werden, wenn sie deren Nachlass erhalten haben.

Catena Aurea · Mt 5
Und obwohl es für solche genügen würde, Vergebung zu empfangen, ruht Er doch nicht nur dort mit seiner Barmherzigkeit, sondern lässt sie vieler Tröstungen teilhaftig werden, sowohl hier als auch in der Zukunft. Gottes Barmherzigkeit ist immer größer als unsere Not.
Catena Aurea · Mt 5
Aber auch die, die über die Sünden anderer trauern, werden getröstet werden, insofern sie Gottes Vorsehung in jenem weltlichen Geschlecht anerkennen und verstehen, dass die, die zugrunde gegangen sind, nicht von Gott waren, aus dessen Hand niemand reißen kann. Denn diese lassen das Trauern und werden in ihrer eigenen Seligkeit getröstet werden.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 2.) Anders; Trauer ist Schmerz über den Verlust dessen, was lieb ist; aber die, die sich zu Gott bekehren, verlieren die Dinge, die sie in dieser Welt lieb hielten; und da sie nun keine Freude mehr an solchen Dingen haben, wie sie zuvor Freude hatten, kann ihr Schmerz nicht geheilt werden, bis in ihnen eine Liebe zu ewigen Dingen gebildet ist. Dann werden sie vom Heiligen Geist getröstet werden, der deshalb vor allem Paraklet, das heißt Tröster, genannt wird; so dass sie für den Verlust ihrer zeitlichen Freuden ewige Freuden gewinnen werden.
Catena Aurea · Mt 5
(ap Anselm.) Oder mit Trauer sind zwei Arten von Schmerz gemeint; einer über die Mühsal dieser Welt, einer über den Mangel an himmlischen Dingen; so erbat die Tochter Kalebs sowohl die oberen als auch die unteren Quellen. Diese Art der Trauer haben nur die Armen und Sanftmütigen, die, da sie die Welt nicht lieben, sich selbst als elend erkennen und daher den Himmel ersehnen. Passend wird daher denen, die trauern, Trost verheißen, damit der, der jetzt Schmerz hat, danach Freude habe. Aber der Lohn des Trauernden ist größer als der des Armen oder Sanftmütigen, denn im Reich zu jubeln ist mehr, als es zu haben oder zu besitzen; denn vieles besitzen wir in Trauer.

Catena Aurea · Mt 5
Wir können bemerken, dass diese Seligpreisung nicht einfach, sondern mit großer Kraft und Betonung gegeben wird; es heißt nicht einfach: die Kummer haben, sondern die trauern. Und in der Tat ist dieses Gebot die Summe aller Philosophie. Denn wenn die, die über den Tod von Kindern oder Verwandten trauern, während der ganzen Zeit ihrer Trauer von keinen anderen Begierden berührt werden, wie nach Geld oder Ehre, nicht von Neid brennen, keine Kränkungen empfinden noch für irgendeine andere lasterhafte Leidenschaft offen sind, sondern einzig ihrer Trauer hingegeben sind; um wie viel mehr sollten die, die über ihre eigenen Sünden so trauern, wie sie über sie trauern sollten, diese höhere Philosophie zeigen.
5 Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
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Catena Aurea · Mt 5
(in Luc. c. v. 20.) Nachdem ich in der Armut Genügsamkeit gelernt habe, ist die nächste Lektion, mein Herz und meine Gesinnung zu beherrschen. Denn was nützt es mir, ohne weltliche Dinge zu sein, wenn ich nicht außerdem einen sanftmütigen Geist habe? Es folgt daher passend: Selig sind die Sanftmütigen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 2.) Die Sanftmütigen sind jene, die Unrecht nicht widerstehen und dem Bösen nachgeben; sondern das Böse durch das Gute überwinden.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Mäßige also dein Temperament, damit du nicht zürnst, wenigstens dass du zürnst und nicht sündigst. Es ist eine edle Sache, die Leidenschaft durch die Vernunft zu beherrschen; und es ist keine geringere Tugend, den Zorn zu zügeln, als gänzlich ohne Zorn zu sein, da das eine als Zeichen eines schwachen, das andere als Zeichen eines starken Geistes gilt.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Mögen also die Unnachgiebigen über irdische und zeitliche Dinge zanken und streiten, die Sanftmütigen sind selig, denn sie werden das Land erben und nicht daraus vertrieben werden; jenes Land, von dem es in den Psalmen heißt: Dein Los ist im Land der Lebendigen (Ps. 142,5), was die Beständigkeit eines ewigen Erbes bedeutet, in dem die Seele, die gute Gesinnung hat, ruht wie an ihrem eigenen Ort, so wie der Körper in einem irdischen Besitz, sie wird von ihrer eigenen Speise genährt, wie der Körper von der Erde; solches ist die Ruhe und das Leben der Heiligen.
Catena Aurea · Mt 5
Dieses Land, wie einige interpretieren, ist, solange es in seinem gegenwärtigen Zustand ist, das Land der Toten, da es der Vergänglichkeit unterworfen ist; aber wenn es von der Verwesung befreit ist, wird es das Land der Lebendigen, damit das Sterbliche ein unsterbliches Land erbe. Ich habe eine andere Auslegung gelesen, als ob der Himmel, in dem die Heiligen wohnen sollen, mit dem Land der Lebendigen gemeint sei, weil es im Vergleich zu den Regionen des Todes Himmel ist, im Vergleich zum Himmel darüber aber Erde. Andere wiederum sagen, dass dieser Leib, solange er dem Tod unterworfen ist, das Land der Toten ist, wenn er aber dem verherrlichten Leib Christi gleichförmig gemacht sein wird, wird er das Land der Lebendigen sein.

Catena Aurea · Mt 5
Oder der Herr verheißt den Sanftmütigen das Erbe des Landes, das heißt jenes Leibes, den Er selbst als sein Zelt annahm; und wie durch die Sanftmut unseres Sinnes Christus in uns wohnt, so werden auch wir mit der Herrlichkeit seines erneuerten Leibes bekleidet werden.

Catena Aurea · Mt 5
Anders; Christus hat hier sinnliche Dinge mit geistlichen vermischt. Weil allgemein angenommen wird, dass der Sanftmütige alles verliert, was er besitzt, gibt Christus hier eine entgegengesetzte Verheißung, dass der, der nicht vorwärtsdrängt, sein Eigenes in Sicherheit besitzen wird, der aber mit entgegengesetzter Gesinnung oft seine Seele und sein väterliches Erbe verliert. Aber weil der Prophet gesagt hatte: Die Sanftmütigen werden das Land erben (Ps. 36,11), verwendete Er diese wohlbekannten Worte, um seine Bedeutung zu vermitteln.
Catena Aurea · Mt 5
(ord.) Die Sanftmütigen, die sich selbst besessen haben, werden dereinst das Erbe des Vaters besitzen; besitzen ist mehr als haben, denn wir haben vieles, das wir sogleich verlieren.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
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Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Sobald ich über meine Sünden geweint habe, beginne ich nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten. Wer von einer schmerzhaften Krankheit geplagt ist, hat keinen Hunger.

Catena Aurea · Mt 5
Es genügt nicht, dass wir Gerechtigkeit begehren, wenn wir nicht auch nach ihr hungern, wodurch wir verstehen können, dass wir nie gerecht genug sind, sondern immer nach Werken der Gerechtigkeit hungern.
Catena Aurea · Mt 5
Alles Gute, das Menschen nicht aus Liebe zum Guten selbst tun, ist vor Gott unwillkommen. Der hungert nach Gerechtigkeit, der nach der Gerechtigkeit Gottes wandeln will; der dürstet nach Gerechtigkeit, der deren Erkenntnis erlangen will.

Catena Aurea · Mt 5
Er kann entweder die allgemeine Gerechtigkeit meinen oder jene besondere Tugend, die der Habgier entgegengesetzt ist. (ἡ καθόλου ἀρετή.) Da Er fortfahren wollte, von der Barmherzigkeit zu sprechen, zeigt Er im Voraus, von welcher Art unsere Barmherzigkeit sein soll, dass sie nicht aus Raubgewinnen oder Habgier stammen darf; daher schreibt Er der Gerechtigkeit das zu, was der Habsucht eigen ist, nämlich zu hungern und zu dürsten.

Catena Aurea · Mt 5
Die Seligkeit, die Er denen zuspricht, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, zeigt, dass die tiefe Sehnsucht der Heiligen nach der Lehre Gottes im Himmel vollkommene Erfüllung finden wird; dann werden sie gesättigt werden.
Catena Aurea · Mt 5
So groß ist die Güte eines lohnenden Gottes, dass seine Gaben größer sind als die Wünsche der Heiligen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder Er spricht von der Speise, mit der sie gegenwärtig gesättigt werden sollen; nämlich von jener Speise, von der der Herr sprach: Meine Speise ist, den Willen meines Vaters zu tun, das heißt die Gerechtigkeit, und von jenem Wasser, von dem, wer es trinkt, in ihm eine Quelle lebendigen Wassers sein wird, die zum ewigen Leben sprudelt.

Catena Aurea · Mt 5
Oder dies ist wiederum eine Verheißung eines zeitlichen Lohnes; denn wie man meint, dass Habsucht viele reich macht, so versichert Er im Gegenteil, dass vielmehr die Gerechtigkeit reich macht, denn wer die Gerechtigkeit liebt, besitzt alle Dinge in Sicherheit.
7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
7 KommentareCatena Aurea · Mt 5
(ord.) Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind so vereint, dass die eine mit der anderen vermischt sein muss; Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist Verschwendung – daher geht Er von der einen zur anderen über.
Catena Aurea · Mt 5
Der Barmherzige (misericors) ist der, welcher ein betrübtes Herz hat; er zählt das Elend der anderen als sein eigenes und ist über deren Kummer betrübt wie über seinen eigenen.

Catena Aurea · Mt 5
Barmherzigkeit wird hier nicht nur von Almosen gesagt, sondern ist in jeder Sünde eines Bruders, wenn wir einer des anderen Lasten tragen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Er preist die selig, die den Elenden helfen, weil sie dadurch belohnt werden, dass sie selbst von allem Elend befreit werden; wie es folgt: denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Catena Aurea · Mt 5
So sehr gefällt Gott unsere wohlwollende Gesinnung gegenüber allen Menschen, dass Er seine eigene Barmherzigkeit nur den Barmherzigen schenkt.

Catena Aurea · Mt 5
Der Lohn scheint hier zunächst nur eine gleiche Vergeltung zu sein; in der Tat aber ist er viel mehr; denn menschliche Barmherzigkeit und göttliche Barmherzigkeit sind nicht gleichzusetzen.
Catena Aurea · Mt 5
(ap. Anselm.) Gerechterweise wird den Barmherzigen Barmherzigkeit zuteil, damit sie mehr empfangen, als sie verdient hätten; und wie der, welcher mehr als genug hat, mehr empfängt als der, welcher nur genug hat, so ist die Herrlichkeit der Barmherzigkeit größer als die der bisher genannten Dinge.
8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
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Catena Aurea · Mt 5
(in Luc. vi. 22.) Der Barmherzige verliert den Nutzen seiner Barmherzigkeit, wenn er sie nicht aus reinem Herzen erweist; denn wenn er sucht, womit er sich rühmen kann, verliert er die Frucht seiner Taten; was daher als Nächstes folgt, ist: Selig sind, die reinen Herzens sind.
Catena Aurea · Mt 5
(ap. Anselm.) Die Reinheit des Herzens kommt zu Recht an sechster Stelle, weil am sechsten Tag der Mensch nach dem Bild Gottes erschaffen wurde, welches Bild durch die Sünde verdunkelt, aber in reinen Herzen durch die Gnade neu gebildet wird. Es folgt mit Recht den zuvor genannten Gnaden, weil, wenn diese nicht vorhanden sind, ein reines Herz im Menschen nicht geschaffen wird.

Catena Aurea · Mt 5
Mit den Reinen sind hier jene gemeint, die eine vollkommene Güte besitzen und sich keiner bösen Gedanken bewusst sind, oder wiederum jene, die in solcher Mäßigung leben, wie sie meist notwendig ist, um Gott zu sehen, nach dem Wort des heiligen Paulus: Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand Gott sehen wird. Denn da es viele Barmherzige, aber Unkeusche gibt, fügt er, um zu zeigen, dass Barmherzigkeit allein nicht genügt, dies über die Reinheit hinzu.

Catena Aurea · Mt 5
Der Reine ist an der Reinheit des Herzens erkennbar, denn der Tempel Gottes kann nicht unrein sein.
Catena Aurea · Mt 5
Wer in Gedanken und Tat alle Gerechtigkeit erfüllt, sieht Gott in seinem Herzen, denn die Gerechtigkeit ist ein Abbild Gottes, denn Gott ist die Gerechtigkeit. Soweit einer sich vom Bösen befreit hat und Gutes wirkt, soweit sieht er Gott, sei es kaum, sei es vollkommen, sei es manchmal, sei es immer, je nach den Fähigkeiten der menschlichen Natur. Aber in jener zukünftigen Welt werden die reinen Herzens Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, nicht wie hier in einem Spiegel und rätselhaft.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 2.) Töricht sind die, welche Gott mit leiblichem Auge zu sehen suchen, da Er doch nur mit dem Herzen gesehen wird, wie es anderswo geschrieben steht: In Einfalt des Herzens sucht Ihn; (Weish. 1:1.) das einfältige Herz ist dasselbe, was hier das reine Herz genannt wird.

Catena Aurea · Mt 5
(Civ. Dei, xxii 29.) Wenn aber die geistigen Augen im geistigen Leib nur so viel zu sehen vermögen, wie unsere jetzigen sehen können, dann wird Gott von ihnen zweifellos nicht gesehen werden können.

Catena Aurea · Mt 5
(de Trin. i. 8.) Dieses Gottsehen ist der Lohn des Glaubens; zu diesem Zweck werden unsere Herzen durch den Glauben rein gemacht, wie geschrieben steht: Er reinigte ihre Herzen durch den Glauben; (Apg 15:9.) aber der vorliegende Vers beweist dies noch stärker.

Catena Aurea · Mt 5
(de Genesi ad Literam. xii. 26.) Niemand, der Gott sieht, kann mit dem Leben am Leben bleiben, das die Menschen auf Erden haben, oder mit unseren leiblichen Sinnen. Wenn einer nicht gänzlich aus diesem Leben stirbt, sei es durch völliges Verlassen des Leibes, sei es so losgelöst von fleischlichen Begierden, dass er wahrhaft mit dem Apostel sagen kann: Ob im Leib oder außer dem Leib, ich weiß es nicht, so wird er nicht hinweggenommen, um diese Vision zu sehen.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Der Lohn dieser ist größer als der Lohn der Ersten; denn sie dürfen nicht nur am Tisch des Königs speisen, sondern auch sein Angesicht schauen.
9 Selig die Friedensstifter; denn sie werden Söhne Gottes heißen.
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Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Wenn du dein Inneres von jedem Flecken der Sünde gereinigt hast, damit nicht Zwietracht und Streit aus deinem Wesen hervorgehen, dann beginne den Frieden in dir selbst, damit du ihn so auf andere ausdehnest.

Catena Aurea · Mt 5
(Civ. Dei, xix. 13.) Friede ist die Festigkeit der Ordnung; unter Ordnung verstehe ich die Anordnung gleicher und ungleicher Dinge, die jedem seinen eigenen Platz zuweist. Und wie es keinen Menschen gibt, der nicht freiwillig Freude hätte, so gibt es auch keinen, der nicht Frieden hätte; denn selbst die, welche in den Krieg ziehen, begehren nichts mehr, als durch den Krieg zu einem ruhmvollen Frieden zu gelangen.

Catena Aurea · Mt 5
Die Friedensstifter (pacifici) werden selig gepriesen, nämlich die, welche zuerst Frieden in ihren eigenen Herzen stiften, dann zwischen zerstrittenen Brüdern. Denn was nützt es, Frieden zwischen anderen zu stiften, während im eigenen Herzen Kriege aufrührerischer Laster toben?

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 2.) Die Friedensstifter in sich selbst sind jene, die alle Störungen ihres Geistes gestillt, ihn der Vernunft unterworfen, ihre fleischlichen Begierden überwunden haben und das Reich Gottes geworden sind. Dort ist alles so geordnet, dass das, was im Menschen das Höchste und Vortrefflichste ist, jene Teile regiert, die wir mit den Tieren gemeinsam haben, obwohl sie dagegen ankämpfen; ja sogar das, was im Menschen vortrefflich ist, ist einem noch Größeren unterworfen, nämlich der Wahrheit selbst, dem Sohn Gottes. Denn es könnte nicht regieren, was ihm untergeordnet ist, wenn es nicht dem unterworfen wäre, was über ihm ist. Und das ist der Friede, der auf Erden den Menschen guten Willens gegeben wird.

Catena Aurea · Mt 5
(Retract. i. 19.) Kein Mensch kann in diesem Leben erreichen, dass nicht in seinen Gliedern ein Gesetz herrsche, das dem Gesetz seines Geistes widerstreitet. Aber die Friedensstifter gelangen dadurch, dass sie die Begierden des Fleisches überwinden, so weit, dass sie mit der Zeit zu einem vollkommensten Frieden gelangen.
Catena Aurea · Mt 5
Die Friedensstifter mit anderen sind nicht nur jene, die Feinde versöhnen, sondern auch jene, die, der Unbill nicht gedenkend, den Frieden pflegen. Jener Friede allein ist selig, der im Herzen wohnt und nicht nur in Worten besteht. Und die den Frieden lieben, die sind Söhne des Friedens.

Catena Aurea · Mt 5
Die Seligkeit der Friedensstifter ist der Lohn der Annahme an Kindesstatt: sie werden Söhne Gottes genannt werden. Denn Gott ist unser gemeinsamer Vater, und auf keinem anderen Weg können wir in seine Familie eingehen als dadurch, dass wir in brüderlicher Liebe miteinander leben.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Wenn die Friedensstifter jene sind, die nicht miteinander streiten, sondern die Streitenden versöhnen, so werden sie mit Recht Söhne Gottes genannt, da dies das vornehmste Werk des eingeborenen Sohnes war: das Getrennte zu versöhnen, den Streitenden Frieden zu geben.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Weil der Friede dann vollkommen ist, wenn nirgends ein Widerstand ist, werden die Friedensstifter Söhne Gottes genannt, weil nichts Gott widersteht und die Kinder das Ebenbild ihres Vaters tragen sollen.
Catena Aurea · Mt 5
(ap. Anselm.) Die Friedensstifter haben also den Platz der höchsten Ehre, insofern der, welcher Sohn des Königs genannt wird, der Höchste im Hause des Königs ist. Diese Seligpreisung steht an siebter Stelle, weil am Sabbat die Ruhe des wahren Friedens gegeben werden wird, wenn die sechs Zeitalter vergangen sind.
10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.
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Catena Aurea · Mt 5
Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, das heißt um der Tugend willen, für die Verteidigung anderer, für die Frömmigkeit; denn alle diese Dinge werden unter dem Titel der Gerechtigkeit zusammengefasst. Dies folgt auf die Seligpreisung der Friedensstifter, damit wir nicht meinen, es sei gut, zu jeder Zeit Frieden zu suchen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 2.) Wenn der Friede einmal fest in uns begründet ist, so vermehrt jede Verfolgung, die der, welcher hinausgeworfen wurde, erregt oder führt, jene Herrlichkeit, die vor den Augen Gottes ist.

Catena Aurea · Mt 5
Um der Gerechtigkeit willen, fügt er ausdrücklich hinzu; denn viele leiden Verfolgung wegen ihrer Sünden und sind deshalb nicht gerecht. Ebenso bedenke, wie die achte Seligpreisung der wahren Beschneidung durch das Martyrium abgeschlossen wird.
Catena Aurea · Mt 5
(vid. Phil. 3:2:3.) Er sagte nicht: Selig, die Verfolgung von den Heiden leiden; damit wir nicht annehmen, die Seligpreisung sei nur über jene ausgesprochen, die verfolgt werden, weil sie sich weigern, den Götzen zu opfern; ja, wer immer Verfolgung von Häretikern leidet, weil er die Wahrheit nicht verlassen will, ist ebenfalls selig, da er um der Gerechtigkeit willen leidet. Wenn ferner einer der Großen, die Christen zu sein scheinen, von dir wegen seiner Sünden zurechtgewiesen, dich verfolgen sollte, bist du selig mit Johannes dem Täufer. Denn wenn die Propheten wahrhaft Märtyrer sind, wenn sie von ihren eigenen Landsleuten getötet werden, so hat ohne Zweifel der, welcher um Gottes willen leidet, den Lohn des Martyriums, obwohl er von seinem eigenen Volk leidet. Die Schrift nennt daher nicht die Personen der Verfolger, sondern nur die Ursache der Verfolgung, damit du lernst, nicht darauf zu schauen, von wem, sondern warum du leidest.

Catena Aurea · Mt 5
So schließt er zuletzt jene in die Seligpreisung ein, deren Wille bereit ist, alles um Christi willen zu leiden, der unsere Gerechtigkeit ist. Denn auch für diese ist das Reich bewahrt, denn sie sind in der Verachtung dieser Welt arm im Geiste.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder: Die achte Seligpreisung kehrt gleichsam zum Anfang zurück, weil sie den vollkommenen, vollendeten Charakter zeigt. In der ersten und der achten wird nämlich das Himmelreich genannt, denn die sieben dienen dazu, den vollkommenen Menschen zu bilden, die achte offenbart und erweist seine Vollkommenheit, damit alle durch diese Stufen zur Vollkommenheit geführt werden.

Catena Aurea · Mt 5
(in Luc. vi. 23.) Andernfalls: Das erste Himmelreich wurde den Heiligen verheißen in der Erlösung vom Leibe; das zweite, dass sie nach der Auferstehung bei Christus sein werden. Denn nach deiner Auferstehung wirst du beginnen, die Erde zu besitzen, vom Tode befreit, und in diesem Besitz wirst du Trost finden. Auf den Trost folgt die Lust, und auf die Lust die göttliche Barmherzigkeit. Aber wem Gott barmherzig ist, den ruft er, und wen er ruft, der schaut den, der ihn gerufen hat. Wer Gott schaut, wird in die Rechte der göttlichen Geburt angenommen, und dann endlich erfreut er sich als Sohn Gottes am Reichtum des himmlischen Reiches. Das Erste beginnt, das Letzte wird vollendet.

Catena Aurea · Mt 5
Wundere dich nicht, wenn du nicht unter jeder Seligpreisung das ‚Reich‘ erwähnt hörst; denn wenn gesagt wird: sie werden getröstet werden, sie werden Barmherzigkeit finden, und das Übrige, so ist in allen diesen das Himmelreich stillschweigend mitverstanden, so dass du nicht nach irgendetwas Sinnlichem suchen darfst. Denn wahrlich, der wäre nicht selig, der mit jenen Dingen gekrönt würde, die mit diesem Leben vergehen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Die Zahl dieser Sätze ist sorgfältig zu beachten; diesen sieben Graden der Seligkeit entspricht die Wirkung jenes siebenfältigen Heiligen Geistes, den Isaias beschrieben hat. Aber wie er dort mit dem Höchsten begann, so beginnt er hier mit dem Niedrigsten; denn dort wird gelehrt, dass der Sohn Gottes zum Niedrigsten herabsteigen wird; hier, dass der Mensch vom Niedrigsten zur Ähnlichkeit mit Gott aufsteigen wird. Hier wird der erste Platz der Furcht gegeben, die den Demütigen zukommt, von denen gesagt wird: Selig die Armen im Geiste, das heißt jene, die nicht Hohes denken, sondern fürchten. Der zweite ist die Frömmigkeit, die den Sanftmütigen gehört; denn wer fromm sucht, verehrt, tadelt nicht, widersteht nicht; und das heißt sanftmütig werden. Der dritte ist die Erkenntnis, die jenen gehört, die trauern, die gelernt haben, welchen Übeln sie versklavt sind, die sie einst als Güter verfolgten. Der vierte, die Tapferkeit, gehört mit Recht denen, die hungern und dürsten, die, nach Freude an wahren Gütern suchend, sich mühen, von irdischen Begierden abzulassen. Der fünfte, der Rat, ist angemessen für die Barmherzigen, denn es gibt ein Heilmittel, um von so großen Übeln zu befreien, nämlich zu geben und anderen auszuteilen. Der sechste ist die Einsicht und gehört den Reinen im Herzen, die mit geläutertem Auge sehen können, was das Auge nicht sieht. Der siebte ist die Weisheit und kann den Friedensstiftern zugewiesen werden, in denen keine aufrührerische Regung ist, sondern die dem Geist gehorchen. So wird der eine Lohn, das Himmelreich, unter verschiedenen Namen vorgelegt. An erster Stelle wird, wie es recht war, das Himmelreich gesetzt, welches der Anfang der vollkommenen Weisheit ist; als ob gesagt würde: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Den Sanftmütigen ein Erbe, als denen, die in Frömmigkeit die Ausführung des Willens des Vaters suchen. Den Trauernden Trost, als Personen, die wissen, was sie verloren hatten und worin sie versunken waren. Den Hungernden Fülle, als Erquickung für die, welche für das Heil arbeiten. Den Barmherzigen Barmherzigkeit, damit denen, die dem besten Rat gefolgt sind, das erwiesen werde, was sie anderen erwiesen haben. Den Reinen im Herzen die Fähigkeit, Gott zu schauen, als Menschen, die ein reines Auge tragen, um die Dinge der Ewigkeit zu verstehen. Den Friedensstiftern die Ähnlichkeit mit Gott. Und all dies, glauben wir, kann in diesem Leben erreicht werden, wie wir glauben, dass es in den Aposteln erfüllt wurde; denn was die Dinge nach diesem Leben betrifft, so können sie mit keinen Worten ausgedrückt werden.
11 Selig seid ihr, wenn sie euch um meinetwillen schmähen und verfolgen und euch alles lügnerische nachsagen. 12 Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben sie auch die Propheten vor euch verfolgt.
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Catena Aurea · Mt 5
Die vorhergehenden Seligpreisungen waren allgemein; nun beginnt Er, Seine Rede an die Anwesenden zu richten und ihnen die Verfolgungen vorherzusagen, die sie um Seines Namens willen erleiden sollten.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Es könnte gefragt werden, worin der Unterschied besteht zwischen „sie werden euch schmähen“ und „werden allerlei Böses über euch reden“; schmähen, so könnte man sagen, bedeutet nichts anderes als Böses reden. Aber ein Schmähwort, das mit Beleidigung einem Anwesenden ins Gesicht gesagt wird, ist etwas anderes als eine Verleumdung, die gegen den Ruf eines Abwesenden vorgebracht wird. Verfolgen aber schließt sowohl offene Gewalt als auch geheime Nachstellungen ein.
Catena Aurea · Mt 5
Wenn es aber wahr ist, dass der, welcher einen Becher Wasser reicht, seinen Lohn nicht verliert, so wird folglich auch der, dem Unrecht geschehen ist, und sei es nur durch ein einziges Wort der Verleumdung, nicht ohne Lohn bleiben. Damit aber die Geschmähten Anspruch auf diesen Segen haben, sind zwei Dinge notwendig: es muss falsch sein, und es muss um Gottes willen geschehen; sonst hat er nicht den Lohn dieses Segens; deshalb fügt Er hinzu: fälschlich um meinetwillen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont i. 5.) Dies, so vermute ich, wurde hinzugefügt wegen jener, die sich der Verfolgungen und der bösen Nachreden über ihre Schande rühmen wollen und deshalb beanspruchen, zu Christus zu gehören, weil viel Böses über sie gesagt wird; aber entweder sind diese Dinge wahr, oder wenn sie falsch sind, so geschehen sie doch nicht um Christi willen.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. in Ezech. i. 9. 17.) Welchen Schaden könnt ihr erleiden, wenn die Menschen euch herabsetzen, obwohl ihr keine andere Verteidigung habt als nur euer eigenes Gewissen? Aber wie wir die Zungen der Verleumder nicht absichtlich aufstacheln dürfen, damit sie nicht durch ihre Verleumdung zugrunde gehen, so sollen wir es doch, wenn ihre eigene Bosheit sie angetrieben hat, mit Gelassenheit ertragen, damit unser Verdienst vermehrt werde. Freuet euch, sagt Er, und frohlocket, denn euer Lohn ist reichlich im Himmel.
Catena Aurea · Mt 5
(ap. Anselm.) Freuet euch, das heißt im Geiste, frohlocket mit dem Leibe, denn euer Lohn ist nicht nur groß, sondern reichlich im Himmel.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 5.) Glaubt nicht, dass mit „Himmel“ hier die oberen Regionen des Himmels dieser sichtbaren Welt gemeint sind, denn euer Lohn soll nicht in sichtbaren Dingen liegen, sondern unter „Himmel“ versteht das geistliche Firmament, wo die ewige Gerechtigkeit wohnt. Diejenigen also, deren Freude in geistlichen Dingen liegt, werden schon hier einen Vorgeschmack jenes Lohnes haben; aber er wird in jedem Teil vollkommen werden, wenn dieses Sterbliche die Unsterblichkeit angezogen haben wird.

Catena Aurea · Mt 5
Dies zu erlangen steht in der Macht eines jeden von uns, dass wir, wenn unser guter Ruf durch Verleumdung geschädigt wird, uns im Herrn freuen. Nur wer nach eitler Ehre strebt, kann dies nicht erlangen. Lasst uns also freuen und frohlocken, damit unser Lohn im Himmel für uns bereitet werde.
Catena Aurea · Mt 5
Denn je mehr einer am Lob der Menschen Gefallen findet, desto mehr betrübt ihn ihr böses Reden. Wenn du aber deine Ehre im Himmel suchst, wirst du keine Verleumdungen auf Erden fürchten.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. in Ezech. i. 9. 17.) Dennoch sollten wir manchmal unsere Verleumder zurechtweisen, damit sie nicht durch die Verbreitung böser Nachreden über uns die unschuldigen Herzen derer verderben, die von uns Gutes hören könnten.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Er lädt sie zur Geduld ein, nicht nur durch die Aussicht auf Lohn, sondern auch durch das Beispiel, wenn Er hinzufügt: denn so haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.
Catena Aurea · Mt 5
Denn ein Mensch in Trauer empfängt großen Trost aus der Erinnerung an die Leiden anderer, die ihm als Beispiel der Geduld vor Augen gestellt werden; als ob Er gesagt hätte: Bedenket, dass ihr Seine Apostel seid, von denen auch jene Propheten waren.

Catena Aurea · Mt 5
Zugleich bezeichnet Er Seine Gleichheit an Ehre mit dem Vater, als ob Er gesagt hätte: Wie sie für meinen Vater gelitten haben, so werdet ihr für mich leiden. Und indem Er sagt: die Propheten, die vor euch waren, lehrt Er, dass sie selbst bereits Propheten geworden sind.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Verfolgt, sagt Er allgemein, und schließt sowohl Schmähungen als auch Verleumdung des Rufes ein.
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten wird.
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Catena Aurea · Mt 5
Nachdem Er Seinen Aposteln so erhabene Vorschriften überliefert hatte, die so viel größer waren als die Vorschriften des Gesetzes, damit sie nicht bestürzt würden und sagten: Wie sollen wir diese Dinge erfüllen können?, beschwichtigt Er ihre Furcht, indem Er Lob mit Seinen Unterweisungen vermischt und spricht: Ihr seid das Salz der Erde. Dies zeigt ihnen, wie notwendig diese Vorschriften für sie waren. Nicht nur für euer eigenes Heil oder für ein einziges Volk, sondern für die ganze Welt ist diese Lehre euch anvertraut. Es ziemt sich also für euch nicht, den Menschen zu schmeicheln und glatt mit ihnen umzugehen, sondern im Gegenteil rau und beißend zu sein wie das Salz. Wenn ihr dafür, dass ihr die Menschen so durch Zurechtweisung beleidigt, geschmäht werdet, so freuet euch; denn dies ist die eigentliche Wirkung des Salzes, für den verdorbenen Gaumen herb und kratzend zu sein. So wird das böse Reden anderer euch keine Unannehmlichkeit bringen, sondern vielmehr ein Zeugnis eurer Standhaftigkeit sein.

Catena Aurea · Mt 5
Hier lässt sich eine Angemessenheit in der Sprache unseres Herrn erkennen, die man durch Betrachtung des Apostelamtes und der Natur des Salzes erfassen kann. Dieses wird, wie es von Menschen fast für jeden Zweck verwendet wird, bewahrt die Körper, die damit bestreut werden, vor Verwesung; und darin, wie auch in jedem Sinn seines Geschmacks als Würzmittel, ist die Parallele höchst genau. Die Apostel sind Verkünder himmlischer Dinge und somit gleichsam Salzer mit Ewigkeit; mit Recht das Salz der Erde genannt, da sie durch die Kraft ihrer Lehre gleichsam die Körper für die Ewigkeit salzen und bewahren.
Catena Aurea · Mt 5
Außerdem wird Salz durch drei Mittel in eine andere Art von Substanz verwandelt: durch Wasser, durch die Hitze der Sonne und durch den Hauch des Windes. So wurden auch apostolische Menschen durch das Wasser der Taufe, die Hitze der Liebe und den Hauch des Heiligen Geistes in die geistliche Wiedergeburt verwandelt. Jene himmlische Weisheit auch, die die Apostel predigten, trocknet die Säfte der fleischlichen Werke aus, entfernt die Unreinheit und Fäulnis des bösen Wandels, tötet das Werk lüsterner Gedanken und auch jenen Wurm, von dem gesagt ist: ihr Wurm stirbt nicht. (Jes. 66,24.)
Catena Aurea · Mt 5
Die Apostel sind das Salz der Erde, das heißt der weltlichen Menschen, die Erde genannt werden, weil sie diese Erde lieben.

Catena Aurea · Mt 5
Oder weil durch die Apostel das ganze Menschengeschlecht gewürzt wird.
Catena Aurea · Mt 5
Ein Lehrer, wenn er mit allen vorhergehenden Tugenden geschmückt ist, dann ist er wie gutes Salz, und sein ganzes Volk wird gesalzen, indem es ihn sieht und hört.
Catena Aurea · Mt 5
Es ist zu wissen, dass im Alten Testament Gott kein Opfer dargebracht wurde, wenn es nicht zuvor mit Salz bestreut worden war; denn niemand kann Gott ein annehmbares Opfer darbringen ohne den Geschmack der himmlischen Weisheit.

Catena Aurea · Mt 5
Und weil der Mensch stets dem Wandel unterworfen ist, warnt Er daher die Apostel, die als Salz der Erde bezeichnet worden sind, in der Kraft der ihnen übertragenen Macht standhaft zu bleiben, wenn Er hinzufügt: Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit soll es gesalzen werden?

Catena Aurea · Mt 5
Das heißt: Wenn der Lehrer geirrt hat, durch welchen anderen Lehrer soll er korrigiert werden?

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 6.) Wenn ihr, durch die die Völker gesalzen werden sollen, das Himmelreich aus Furcht vor zeitlicher Verfolgung verlieren solltet, wer sind dann die, durch die euer Irrtum korrigiert werden soll? Eine andere Handschrift hat: Wenn das Salz allen Geschmack verloren hat, was zeigt, dass die als geschmacklos angesehen werden müssen, die entweder dem Überfluss nachjagen oder den Mangel an zeitlichen Gütern fürchten und dabei die ewigen verlieren, die die Menschen weder geben noch nehmen können.

Catena Aurea · Mt 5
Wenn aber die Lehrer, nachdem sie geschmacklos geworden sind und den Geschmack, den sie einst hatten, verloren haben, nicht imstande sind, verdorbenen Dingen die Gesundheit wiederzugeben, sind sie nutzlos geworden; und von da an nur noch geeignet, hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

Catena Aurea · Mt 5
Das Gleichnis ist aus der Landwirtschaft genommen. Salz ist zwar notwendig zum Würzen von Speisen und zum Konservieren von Fleisch, hat aber keinen weiteren Nutzen. In der Tat lesen wir in der Schrift von besiegten Städten, die von den Siegern mit Salz besät wurden, damit dort nichts mehr wachse.
Catena Aurea · Mt 5
(ap. Anselm.) Wenn also die, die die Häupter sind, abgefallen sind, sind sie zu nichts mehr nütze, als aus dem Amt des Lehrers hinausgeworfen zu werden.

Catena Aurea · Mt 5
Oder sogar aus den Vorratskammern der Kirche hinausgeworfen, um von denen, die vorübergehen, mit Füßen getreten zu werden.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Nicht der, der Verfolgung erleidet, wird von den Menschen mit Füßen getreten, sondern der, der aus Furcht vor Verfolgung abfällt. Denn wir können nur auf das treten, was unter uns ist; der aber ist in keiner Weise unter uns, der, wie sehr er auch im Leib leiden mag, doch sein Herz im Himmel festhält.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
26 KommentareCatena Aurea · Mt 5
Wie die Lehrer durch ihren guten Wandel das Salz sind, mit dem das Volk gesalzen wird, so sind sie durch ihr Wort der Lehre das Licht, durch das die Unwissenden erleuchtet werden.
Catena Aurea · Mt 5
Aber gut zu leben muss dem gut zu lehren vorausgehen; daher nennt Er die Apostel, nachdem Er sie Salz genannt hat, nun das Licht der Welt. Oder: Weil das Salz eine Sache in ihrem gegenwärtigen Zustand bewahrt, damit sie sich nicht zum Schlechteren verändere, das Licht aber sie durch Erleuchtung in einen besseren Zustand bringt, wurden die Apostel zuerst Salz genannt in Bezug auf die Juden und jenen christlichen Leib, der die Erkenntnis Gottes hatte und den sie in dieser Erkenntnis bewahren; und nun Licht in Bezug auf die Heiden, die sie zum Licht dieser Erkenntnis bringen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Unter der Welt dürfen wir hier nicht Himmel und Erde verstehen, sondern die Menschen, die in der Welt sind; oder die, die die Welt lieben, zu deren Erleuchtung die Apostel gesandt wurden.

Catena Aurea · Mt 5
Es liegt in der Natur des Lichts, seine Strahlen auszusenden, wohin es auch getragen wird, und wenn es in ein Haus gebracht wird, die Dunkelheit dieses Hauses zu vertreiben. So wurde die Welt, die jenseits des Bereichs der Gotteserkenntnis stand, in der Finsternis der Unwissenheit gehalten, bis das Licht der Erkenntnis durch die Apostel zu ihr gebracht wurde, und von da an leuchtete die Erkenntnis Gottes hell, und aus ihren kleinen Leibern wird, wohin sie auch gingen, Licht für die Finsternis gespendet.
Catena Aurea · Mt 5
Denn wie die Sonne ihre Strahlen aussendet, so sandte der Herr, die Sonne der Gerechtigkeit, seine Apostel aus, um die Nacht des Menschengeschlechts zu vertreiben.

Catena Aurea · Mt 5
Beachte, wie groß seine Verheißung an sie ist, an Männer, die in ihrem eigenen Land kaum bekannt waren, dass ihr Ruhm bis an die Enden der Erde reichen sollte. Die Verfolgungen, die Er vorhergesagt hatte, konnten ihr Licht nicht verdunkeln, ja sie machten es nur noch sichtbarer.

Catena Aurea · Mt 5
Er belehrt sie, wie groß die Kühnheit ihrer Verkündigung sein soll, dass sie als Apostel nicht aus Furcht verborgen bleiben sollen wie Lampen unter einem Scheffel, sondern mit aller Zuversicht hervortreten und was sie in den geheimen Kammern gehört haben, auf den Dächern verkünden sollen.

Catena Aurea · Mt 5
So zeigt Er ihnen, dass sie auf ihren eigenen Wandel und ihre Lebensführung bedacht sein müssen, da sie vor aller Augen gestellt sind wie eine Stadt auf einem Berg oder eine Lampe auf einem Leuchter.
Catena Aurea · Mt 5
Diese Stadt ist die Kirche, von der gesagt wird: Herrliche Dinge werden von dir gesprochen, du Stadt Gottes. (Ps. 87,3.) Ihre Bürger sind alle Gläubigen, von denen der Apostel spricht: Ihr seid Mitbürger der Heiligen. (Eph. 2,19.) Sie ist auf Christus, den Berg, gebaut, von dem Daniel so spricht: Ein Stein, ohne Hände gehauen (Dan. 2,34.), wurde zu einem großen Berg.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder der Berg ist die große Gerechtigkeit, die durch den Berg bezeichnet wird, von dem der Herr jetzt lehrt.
Catena Aurea · Mt 5
Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben, auch wenn sie es wollte; der Berg, der sie trägt, macht, dass sie von allen Menschen gesehen wird; so können die Apostel und Priester, die auf Christus gegründet sind, nicht verborgen bleiben, auch wenn sie es wollten, weil Christus sie offenbar macht.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Die Stadt bezeichnet das Fleisch, das Er angenommen hat; denn in Ihm war durch diese Annahme der menschlichen Natur gleichsam eine Sammlung des Menschengeschlechts, und wir werden durch die Teilhabe an Seinem Fleisch zu Bewohnern jener Stadt. Er kann also nicht verborgen bleiben, weil Er, in die Höhe der Macht Gottes versetzt, allen Menschen zur Betrachtung dargeboten wird, die Seine Werke bewundern.
Catena Aurea · Mt 5
Wie Christus Seine Heiligen offenbart und nicht zulässt, dass sie verborgen bleiben, zeigt Er durch einen weiteren Vergleich, indem Er hinzufügt: Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Im Gleichnis von der Stadt bezeichnete Er Seine eigene Macht; durch das Licht ermahnt Er die Apostel, mit Kühnheit zu predigen; als ob Er sagte: ‚Ich habe zwar das Licht angezündet, aber dass es weiter brennt, wird eure Sorge sein, nicht nur um euretwillen, sondern auch für die anderen, die sein Licht empfangen werden, und zur Ehre Gottes.‘
Catena Aurea · Mt 5
Das Licht ist das göttliche Wort, von dem gesagt ist: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte. (Ps. 119:105.) Die, welche dieses Licht anzünden, sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) In welchem Sinn, meinen wir, wurden die Worte ‚unter einen Scheffel zu stellen‘ gesagt? Um einfach die Verbergung auszudrücken, oder hat der Scheffel eine besondere Bedeutung? Das Licht unter den Scheffel stellen bedeutet, die leibliche Bequemlichkeit und das Vergnügen der Pflicht, das Evangelium zu predigen, vorzuziehen und das Licht der guten Lehre unter zeitlichem Genuss zu verbergen. Der Scheffel bezeichnet treffend die Dinge des Leibes, sei es, weil unser Lohn uns zugemessen wird, wie jeder empfängt, was er im Leib getan hat; (2 Kor. 5:10.) oder weil die weltlichen Güter, die den Leib betreffen, innerhalb eines bestimmten Maßes der Zeit kommen und gehen, was durch den Scheffel bezeichnet wird, während die ewigen und geistlichen Dinge nicht in solchen Grenzen enthalten sind. Er stellt sein Licht auf einen Leuchter, der seinen Leib dem Dienst des Wortes unterwirft, die Verkündigung der Wahrheit am höchsten stellt und den Leib unter sie beugt. Denn der Leib selbst dient dazu, die Lehre klarer erstrahlen zu lassen, während die Stimme und andere Bewegungen des Leibes in guten Werken dazu dienen, sie denen zu empfehlen, die lernen.
Catena Aurea · Mt 5
Oder: Die Weltmenschen können im Scheffel dargestellt werden, wie dieser oben leer, aber unten voll ist; so sind die Weltmenschen töricht in geistlichen Dingen, aber weise in irdischen, und deshalb halten sie wie ein Scheffel das Wort Gottes verborgen, wann immer sie um irgendeiner weltlichen Ursache willen nicht gewagt haben, das Wort offen und die Wahrheit des Glaubens zu verkünden. Der Leuchter für das Licht ist die Kirche, die das Wort des Lebens trägt, und alle kirchlichen Personen. (vgl. Phil. 2:15.)

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Der Herr verglich die Synagoge mit einem Scheffel, der nur die Frucht in sich aufnahm, die er hervorbrachte, und ein bestimmtes Maß begrenzten Gehorsams enthielt.

Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Und deshalb soll keiner seinen Glauben auf das Maß des Gesetzes beschränken, sondern sich an die Kirche wenden, in der die Gnade des siebenfältigen Geistes erstrahlt.
Catena Aurea · Mt 5
(in loc. quoad sens.) Oder: Christus selbst hat dieses Licht angezündet, als Er das irdene Gefäß der menschlichen Natur mit dem Feuer Seiner Gottheit erfüllte, das Er weder denen, die glauben, verbergen, noch unter einen Scheffel stellen wollte, der unter dem Maß des Gesetzes verschlossen ist, oder auf die Grenzen irgendeiner Rede beschränken. Der Leuchter ist die Kirche, auf die Er das Licht setzte, als Er unseren Stirnen den Glauben an Seine Menschwerdung einprägte.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Das Licht, d. h. Christus selbst, wird auf seinen Leuchter gestellt, als Er in Seiner Passion am Kreuz erhöht wurde, um denen, die in der Kirche wohnen, ewig Licht zu geben; Licht, sagt Er, allen, die im Haus sind.

Catena Aurea · Mt 5
Denn es ist nicht absurd, wenn jemand das Haus als die Kirche versteht. Oder das Haus kann die Welt selbst sein, gemäß dem, was Er oben sagte: Ihr seid das Licht der Welt.

Catena Aurea · Mt 5
Er lehrt die Apostel, mit solchem Licht zu leuchten, dass in der Bewunderung ihres Werkes Gott gepriesen werde: So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen.
Catena Aurea · Mt 5
Das heißt: mit so reinem Licht lehren, dass die Menschen nicht nur eure Worte hören, sondern eure Werke sehen, damit die, die ihr als Lichter durch das Wort erleuchtet habt, ihr als Salz durch euer Beispiel würzt. Denn durch jene Lehrer, die ebenso handeln wie lehren, wird Gott verherrlicht; denn die Disziplin des Meisters zeigt sich im Verhalten der Hausgemeinschaft. Und deshalb folgt: und sie werden euren Vater im Himmel preisen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 7.) Hätte Er nur gesagt: Damit sie eure guten Werke sehen, so hätte Er als Ziel das Lob der Menschen aufgestellt, das die Heuchler begehren; indem Er aber hinzufügt: und euren Vater preisen, lehrt Er, dass wir nicht als Ziel suchen sollen, den Menschen mit unseren guten Werken zu gefallen, sondern alles auf die Ehre Gottes beziehen und deshalb suchen, den Menschen zu gefallen, damit darin Gott verherrlicht werde.

Catena Aurea · Mt 5
Er meint nicht, dass wir die Ehre der Menschen suchen sollen, sondern dass, obwohl wir sie verbergen, unser Werk zur Ehre Gottes vor denen erstrahlen soll, unter denen wir leben.
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. 18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Jota oder Häkchen vom Gesetz vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. 19 Wer also eines dieser geringsten Gebote aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird der Geringste im Himmelreich sein. Wer sie aber hält und lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.
23 KommentareCatena Aurea · Mt 5
(ord.) Nachdem Er nun Seine Hörer ermahnt hat, alles um der Gerechtigkeit willen zu erdulden und auch nicht zu verbergen, was sie empfangen sollen, sondern um der anderen willen mehr zu lernen, damit sie andere lehren, fährt Er nun fort, ihnen zu sagen, was sie lehren sollen, als ob Er gefragt worden wäre: ‚Was ist das, was du nicht verborgen haben willst und für das du alles ertragen willst? Willst du etwas sagen, das über das hinausgeht, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht?‘ Daher sagt Er: Denkt nicht, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen.
Catena Aurea · Mt 5
Und das aus zwei Gründen. Erstens, damit Er durch diese Worte Seine Jünger ermahne, dass sie, wie Er das Gesetz erfüllte, so auch danach streben sollten, es zu erfüllen. Zweitens, weil die Juden sie fälschlich beschuldigen würden, das Gesetz aufzulösen, deshalb begegnet Er der Verleumdung im Voraus, aber so, dass man nicht glauben sollte, Er komme einfach, um das Gesetz zu predigen, wie es die Propheten getan hatten.
Catena Aurea · Mt 5
Er behauptet hier zwei Dinge: Er leugnet, dass Er gekommen sei, das Gesetz aufzulösen, und bekräftigt, dass Er gekommen sei, es zu erfüllen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 8.) In diesem letzten Satz gibt es wieder einen doppelten Sinn: das Gesetz zu erfüllen, entweder indem man etwas hinzufügt, was es nicht hatte, oder indem man tut, was es gebietet.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. xvi.) Christus erfüllte also die Propheten, indem Er vollbrachte, was darin über Ihn vorhergesagt war – und das Gesetz, erstens, indem Er keines seiner Gebote übertrat; zweitens, indem Er durch den Glauben rechtfertigte, was das Gesetz durch den Buchstaben nicht tun konnte.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 7. et seq.) Und schließlich, weil es sogar für die, die unter der Gnade waren, in diesem sterblichen Leben schwer war, das Gesetz zu erfüllen: „Du sollst nicht begehren“, hat Er, indem Er durch das Opfer Seines Fleisches zum Priester gemacht wurde, für uns diese Nachsicht erlangt, indem Er auch darin das Gesetz erfüllte, dass wir, wo wir durch unsere Schwachheit nicht konnten, durch Seine Vollkommenheit gestärkt werden sollten, deren Haupt wir alle Glieder sind. Denn so, meine ich, müssen diese Worte verstanden werden: „das Gesetz erfüllen“, indem man ihm hinzufügt, was entweder zur Erklärung der alten Glossen beiträgt oder es ermöglicht, sie zu halten. Denn der Herr hat uns gezeigt, dass selbst eine böse Regung der Gedanken zum Schaden eines Bruders als eine Art Mord zu gelten hat. Der Herr lehrt uns auch, dass es besser ist, ohne Schwören nahe bei der Wahrheit zu bleiben, als mit einem wahren Eid nahe an die Gotteslästerung zu kommen.

Catena Aurea · Mt 5
Aber wie kommt es, ihr Manichäer, dass ihr das Gesetz und die Propheten nicht annehmt, da Christus hier sagt, dass Er nicht gekommen ist, sie aufzulösen, sondern zu erfüllen? Darauf antwortet der Häretiker Faustus: Wessen Zeugnis gibt es dafür, dass Christus dies gesagt hat? Das des Matthäus. Wie kam es dann, dass Johannes dieses Wort nicht überliefert, der doch mit Ihm auf dem Berg war, sondern nur Matthäus, der Jesus erst folgte, nachdem Er vom Berg herabgestiegen war? Darauf antwortet Augustinus: Wenn niemand die Wahrheit über Christus sagen kann außer dem, der Ihn sah und hörte, dann gibt es heute niemanden, der die Wahrheit über Ihn sagt. Warum also konnte Matthäus nicht aus dem Mund des Johannes die Wahrheit hören, wie Christus sie gesprochen hatte, ebenso wie wir, die wir so lange danach geboren sind, die Wahrheit aus dem Buch des Johannes sprechen können? In derselben Weise ist es auch, dass nicht nur das Evangelium des Matthäus, sondern auch die des Lukas und Markus von uns angenommen werden, und das auf nicht geringerer Autorität. Füge hinzu, dass der Herr selbst dem Matthäus die Dinge hätte mitteilen können, die Er getan hatte, bevor Er ihn berief. Aber sprich es offen aus und sage, dass du das Evangelium nicht glaubst; denn die, die im Evangelium nichts glauben außer dem, was sie glauben wollen, glauben sich selbst mehr als dem Evangelium. Darauf erwidert Faustus: Wir werden beweisen, dass dies nicht von Matthäus geschrieben wurde, sondern von einer anderen, unbekannten Hand unter seinem Namen. Denn weiter unten sagt er: Jesus sah einen Mann am Zoll sitzen, mit Namen Matthäus. (Mat. 9:9.) Wer, wenn er von sich selbst schreibt, sagt: „sah einen Mann“ und nicht vielmehr: „sah mich“? Augustinus: Matthäus tut nicht mehr als Johannes, wenn er sagt: Petrus wandte sich um und sah jenen anderen Jünger, den Jesus liebte; und es ist wohlbekannt, dass dies die übliche Art der Schriftsteller ist, wenn sie ihre eigenen Taten beschreiben. Faustus wiederum: Aber was sagst du dazu, dass gerade die Versicherung, Er sei nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzulösen, direkt dazu angetan war, ihren Verdacht zu erregen, dass Er es doch sei? Denn Er hatte noch nichts getan, was die Juden zu der Annahme hätte führen können, dass dies Sein Ziel sei. Augustinus: Das ist eine sehr schwache Einwendung, denn wir leugnen nicht, dass Christus den Juden, die keine Einsicht hatten, als einer erschienen sein könnte, der die Zerstörung des Gesetzes und der Propheten androhte. Faustus: Aber was, wenn das Gesetz und die Propheten diese Erfüllung nicht annehmen, gemäß dem im Deuteronomium: Diese Gebote, die ich dir gebe, sollst du halten, du sollst nichts hinzufügen und nichts wegnehmen. Augustinus: Hier versteht Faustus nicht, was es heißt, das Gesetz zu erfüllen, wenn er annimmt, dass es von der Hinzufügung von Worten verstanden werden muss. Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe, die der Herr durch die Sendung Seines Heiligen Geistes gegeben hat. Das Gesetz wird erfüllt, entweder wenn die dort gebotenen Dinge getan werden oder wenn die dort vorhergesagten Dinge eintreten. Faustus: Aber indem wir bekennen, dass Jesus der Urheber eines Neuen Testaments war, was anderes ist das, als zu bekennen, dass Er das Alte abgeschafft hat? Augustinus: Im Alten Testament waren Figuren kommender Dinge, die, als die Dinge selbst durch Christus eingeführt wurden, hinweggenommen werden mussten, damit gerade in dieser Hinwegnahme das Gesetz und die Propheten erfüllt würden, worin geschrieben steht, dass Gott ein Neues Testament gab. Faustus: Wenn Christus also diese Sache gesagt hat, dann hat Er sie entweder mit einer anderen Bedeutung gesagt, oder Er hat falsch gesprochen (was Gott verhüte), oder wir müssen die andere Alternative annehmen: Er hat sie überhaupt nicht gesagt. Aber dass Jesus falsch gesprochen hat, wird niemand behaupten; also hat Er sie entweder mit einer anderen Bedeutung gesagt, oder Er hat sie überhaupt nicht gesagt. Was mich betrifft, so bin ich von der Notwendigkeit dieser Alternative durch den manichäischen Glauben befreit, der mich von Anfang an lehrte, nicht all das zu glauben, was im Namen Jesu gelesen wird, als ob Er es gesagt hätte; denn es gibt viele Unkräuter, die zur Verderbung des guten Samens ein nächtlicher Sämann über fast die ganze Schrift verstreut hat. Augustinus: Manichäus lehrte einen gottlosen Irrtum, dass du nur so viel vom Evangelium annehmen sollst, wie nicht mit deiner Häresie in Konflikt steht, und nicht annehmen sollst, was mit ihr in Konflikt steht. Wir haben vom Apostel jene fromme Vorsicht gelernt: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium predigt als das, das wir gepredigt haben, der sei verflucht. (Gal. 1:8.) Der Herr hat auch erklärt, was die Unkräuter bedeuten: nicht falsche Dinge, die mit den wahren Schriften vermischt sind, wie du es auslegst, sondern Menschen, die Kinder des Bösen sind. Faustus: Wenn ein Jude dich fragt, warum du die Vorschriften des Gesetzes und der Propheten nicht hältst, von denen Christus hier erklärt, dass Er nicht gekommen ist, sie aufzulösen, sondern zu erfüllen, wirst du entweder zu einem leeren Aberglauben getrieben, oder dieses Kapitel als falsch verwerfen, oder leugnen, dass du ein Jünger Christi bist. Augustinus: Die Katholiken sind wegen dieses Kapitels in keiner Schwierigkeit, als ob sie das Gesetz und die Propheten nicht beobachteten; denn sie hegen Liebe zu Gott und ihrem Nächsten, woran das ganze Gesetz und die Propheten hängen. Und was auch immer im Gesetz und den Propheten vorhergesagt wurde, sei es in Taten, in der Feier sakramentaler Riten oder in Redeweisen, all das wissen sie in Christus und der Kirche erfüllt. Deshalb unterwerfen wir uns weder einem falschen Aberglauben, noch verwerfen wir das Kapitel, noch leugnen wir, Jünger Christi zu sein. Wer also sagt, dass, wenn Christus nicht das Gesetz und die Propheten abgeschafft hätte, die mosaischen Riten zusammen mit den christlichen Ordnungen fortbestanden hätten, der kann weiter behaupten, dass, wenn Christus nicht das Gesetz und die Propheten abgeschafft hätte, Er nur als zukünftig geboren, leidend und auferstehend verheißen wäre. Da Er sie aber nicht abgeschafft, sondern vielmehr erfüllt hat, sind Seine Geburt, Passion und Auferstehung jetzt nicht mehr als zukünftige Dinge verheißen, die durch die Sakramente des Gesetzes bezeichnet wurden; sondern Er wird als bereits geboren, gekreuzigt und auferstanden gepredigt, was durch die Sakramente bezeichnet wird, die jetzt von Christen gefeiert werden. Es ist also klar, wie groß der Irrtum derer ist, die annehmen, dass, wenn die Zeichen oder Sakramente geändert werden, die Dinge selbst anders sind, während doch dieselben Dinge, die die prophetische Ordnung als Verheißungen darbot, die evangelische Ordnung als erfüllt aufzeigt. Faustus: Angenommen, dies seien Christi echte Worte, sollten wir untersuchen, was Sein Motiv war, so zu sprechen, ob um die blinde Feindseligkeit der Juden zu besänftigen, die, als sie ihre heiligen Dinge von Ihm mit Füßen getreten sahen, Ihm nicht einmal Gehör geschenkt hätten; oder ob Er sie wirklich sagte, um uns zu belehren, die wir aus den Heiden glauben sollten, uns dem Joch des Gesetzes zu unterwerfen. Wenn dies nicht Sein Plan war, dann muss das Erstere der Fall gewesen sein; noch lag in einem solchen Vorhaben irgendeine Täuschung oder Betrug. Denn es gibt drei Arten von Gesetzen. Das erste ist das der Hebräer, von Paulus das Gesetz der Sünde und des Todes genannt (Röm. 8:2); das zweite das der Heiden, das er das Gesetz der Natur nennt, indem er sagt: Von Natur aus tun die Heiden die Werke des Gesetzes (Röm. 2:14); das dritte das Gesetz der Wahrheit, das er nennt: Das Gesetz des Geistes des Lebens. Auch gibt es Propheten, einige von den Juden, wie sie wohlbekannt sind; andere von den Heiden, wie Paulus sagt: Ein Prophet von ihnen selbst hat gesagt (Tit. 1:12); und andere der Wahrheit, von denen Jesus spricht: Ich sende zu euch Weise und Propheten. (Mat. 23:34.) Wenn nun Jesus im folgenden Teil dieser Bergpredigt irgendeine der hebräischen Observanzen vorgebracht hätte, um zu zeigen, wie Er sie erfüllt habe, würde niemand gezweifelt haben, dass Er jetzt vom jüdischen Gesetz und den Propheten sprach; aber wenn Er auf diese Weise nur jene älteren Vorschriften vorbringt: Du sollst nicht töten, Du sollst nicht ehebrechen, die vor alters Enoch, Seth und den anderen Gerechten verkündet wurden, wer sieht nicht, dass Er hier vom Gesetz und den Propheten der Wahrheit spricht? Wo immer Er Anlass hat, von etwas rein Jüdischem zu sprechen, reißt Er es mit der Wurzel aus und gibt direkt entgegengesetzte Vorschriften; zum Beispiel bei jenem Gebot: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Augustinus: Welches das Gesetz und welche die Propheten waren, die Christus nicht auflösen, sondern erfüllen wollte, ist offenkundig, nämlich das durch Moses gegebene Gesetz. Und die Unterscheidung, die Faustus zwischen den Vorschriften der Gerechten vor Moses und dem mosaischen Gesetz zieht, indem er behauptet, Christus habe das eine erfüllt, das andere aber aufgehoben, ist nicht so. Wir behaupten, dass das Gesetz des Moses sowohl seinem vorübergehenden Zweck wohl angemessen war als auch jetzt von Christus nicht aufgehoben, sondern erfüllt wurde, wie im Einzelnen zu sehen sein wird. Dies wurde von denen nicht verstanden, die in einem so hartnäckigen Irrtum verharrten, dass sie die Heiden zur Judaisierung zwangen – jene Häretiker, meine ich, die Nazarener genannt wurden.
Catena Aurea · Mt 5
Da aber alle Dinge, die vom Anfang der Welt bis zu ihrem Ende geschehen sollten, im Gesetz vorgebildet und im Typus vorhergezeigt wurden, damit Gott nicht als unwissend über irgendeines jener Dinge angesehen werde, die geschehen, erklärt Er hier, dass Himmel und Erde nicht vergehen werden, bis alles, was so im Gesetz vorhergezeigt wurde, seine tatsächliche Erfüllung gefunden hat.
Catena Aurea · Mt 5
Amen ist ein hebräisches Wort und kann im Lateinischen mit „vere“, „fidenter“ oder „fiat“ wiedergegeben werden, das heißt „wahrlich“, „gläubig“ oder „so sei es“. Der Herr verwendet es entweder wegen der Herzenshärte derer, die langsam zum Glauben kamen, oder um die Aufmerksamkeit derer, die glaubten, besonders zu erregen.

Catena Aurea · Mt 5
Aus dem hier verwendeten Ausdruck „vergehen“ können wir schließen, dass die konstituierenden Elemente von Himmel und Erde nicht vernichtet werden.
Catena Aurea · Mt 5
Sondern in ihrem Wesen bleiben, aber durch Erneuerung hindurchgehen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 8.) Unter den Worten: „Ein Jota oder ein Punkt wird nicht vom Gesetz vergehen“, müssen wir nur eine starke Metapher der Vollständigkeit verstehen, die von den Buchstaben der Schrift hergenommen ist, wobei das Jota der kleinste Buchstabe ist, mit einem Federstrich gemacht, und ein Punkt ein kleiner Tupfen am Ende desselben Buchstabens. Die Worte zeigen dort, dass das Gesetz bis zum geringsten Punkt erfüllt werden soll.

Catena Aurea · Mt 5
Er erwähnt passend das griechische Jota und nicht das hebräische Jod, weil das Jota im Griechischen für die Zahl Zehn steht und so eine Anspielung auf den Dekalog gegeben ist, dessen Punkt und Vollendung das Evangelium ist.
Catena Aurea · Mt 5
Wenn sogar ein ehrenwerter Mann errötet, bei einer Lüge ertappt zu werden, und ein Weiser kein Wort, das er einmal gesprochen hat, leer fallen lässt, wie könnte es da sein, dass die Worte des Himmels leer zu Boden fallen? Daher schließt Er: „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst“, usw. Und ich nehme an, der Herr fährt fort, Selbst auf die Frage zu antworten: Welches sind die kleinsten Gebote? Nämlich diese, die Ich jetzt gleich sprechen werde.

Catena Aurea · Mt 5
Er spricht dies nicht von den alten Gesetzen, sondern von denen, die Er jetzt erlassen wollte, von denen Er sagt: „die kleinsten“, obwohl sie alle groß waren. Denn wie Er so oft demütig von Sich Selbst sprach, so spricht Er jetzt demütig von Seinen Vorschriften.
Catena Aurea · Mt 5
Anders: Die Vorschriften des Moses sind leicht zu befolgen: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Die Größe des Verbrechens selbst ist ein Hemmnis für das Verlangen, es zu begehen; daher ist der Lohn für die Beobachtung gering, die Sünde der Übertretung groß. Aber Christi Vorschriften: Du sollst nicht zürnen, Du sollst nicht begehren, sind schwer zu befolgen, und daher sind sie in ihrem Lohn groß, in ihrer Übertretung „klein“. So spricht Er von diesen Vorschriften Christi, wie „Du sollst nicht zürnen“, „Du sollst nicht begehren“, als von den „kleinsten“; und die, welche diese geringeren Sünden begehen, sind die Kleinsten im Reich Gottes; das heißt, wer gezürnt und nicht schwer gesündigt hat, ist sicher vor der Strafe der ewigen Verdammnis; doch erlangt er nicht jene Herrlichkeit, die die erlangen, welche auch diese kleinsten erfüllen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder die Vorschriften des Gesetzes werden „die kleinsten“ genannt, im Gegensatz zu Christi Vorschriften, die groß sind. Die kleinsten Gebote werden durch das Jota und den Punkt bezeichnet. Wer sie also auflöst und die Menschen so lehrt, das heißt, zu tun wie er, der wird der Kleinste genannt werden im Himmelreich. Daher können wir vielleicht schließen, dass es nicht wahr ist, dass dort niemand sein wird außer den Großen.
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(ord.) Mit „auflösen“ ist gemeint: nicht zu tun, was man richtig versteht, oder nicht zu verstehen, was man verdorben hat, oder die Vollkommenheit der Zusätze Christi zu zerstören.

Catena Aurea · Mt 5
Oder wenn du die Worte hörst: „der Kleinste im Himmelreich“, dann stelle dir nichts Geringeres vor als die Strafe der Hölle. Denn Er verwendet das Wort „Reich“ oft nicht nur für die Freuden des Himmels, sondern auch für die Zeit der Auferstehung und für das furchtbare Kommen Christi.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. in Ev. xii. 1.) Oder unter dem Himmelreich ist die Kirche zu verstehen, in der jener Lehrer, der ein Gebot auflöst, der Kleinste genannt wird, weil, wenn sein Leben verachtet wird, auch seine Predigt verachtet bleibt.

Catena Aurea · Mt 5
Oder Er nennt die Passion und das Kreuz das Kleinste; wenn jemand sie nicht offen bekennt, sondern sich ihrer schämt, wird er der Kleinste sein, das heißt der Letzte und gleichsam kein Mensch; dem aber, der sie bekennt, verheißt Er die große Herrlichkeit einer himmlischen Berufung.

Catena Aurea · Mt 5
Dieser Abschnitt ist eng mit dem vorhergehenden verbunden. Er richtet sich gegen die Pharisäer, die, indem sie die Gebote Gottes verachteten, ihre eigenen Traditionen aufstellten, und bedeutet, dass ihre Lehre des Volkes ihnen nichts nützen würde, wenn sie das geringste Gebot im Gesetz zerstörten. Wir können es in einem anderen Sinn auffassen. Die Gelehrsamkeit des Lehrers, wenn sie mit Sünde verbunden ist, sei sie auch noch so klein, raubt ihm den höchsten Platz, noch nützt es jemandem, Gerechtigkeit zu lehren, wenn er sie in seinem Leben zerstört. Vollkommene Seligkeit ist für den, der in der Tat erfüllt, was er in Worten lehrt.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Anders: Wer das geringste dieser Gebote auflöst, das heißt des Gesetzes des Moses, und die Menschen so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden; wer aber (diese geringsten) tut und so lehrt, der wird zwar nicht als groß gelten, aber auch nicht so klein wie der, der sie auflöst. Damit er groß sei, muss er tun und lehren, was Christus jetzt lehrt.
20 Denn ich sage euch: Wenn euere Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Hohen Rat verfallen sein. Und wer sagt: Du Narr!, soll der Feuerhölle verfallen sein.
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Einen schönen Übergang macht Er hier zu einer Lehre, die über die Werke des Gesetzes hinausgeht, indem Er den Aposteln erklärt, dass sie keinen Zutritt zum Himmelreich haben werden ohne eine Gerechtigkeit, die über die der Pharisäer hinausgeht.

Catena Aurea · Mt 5
Mit Gerechtigkeit ist hier die allgemeine Tugend gemeint. Doch beachte die überlegene Kraft der Gnade, dass Er von Seinen Jüngern, die noch ununterrichtet waren, verlangt, besser zu sein als jene, die unter dem Alten Testament Meister waren. So nennt Er die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht ungerecht, sondern spricht von ihrer Gerechtigkeit. Und siehe, wie Er auch hierin das Alte Testament bestätigt, dass Er es mit dem Neuen vergleicht, denn das Größere und das Kleinere sind immer von derselben Art.
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Die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer sind die Gebote des Mose; aber die Gebote Christi sind die Erfüllung jenes Gesetzes. Das also ist Seine Bedeutung: Wer immer zusätzlich zu den Geboten des Gesetzes Meine Gebote nicht erfüllt, wird nicht in das Himmelreich eingehen. Denn jene bewahren zwar vor der Strafe, die den Übertretern des Gesetzes geschuldet ist, führen aber nicht in das Reich ein; Meine Gebote aber befreien sowohl von der Strafe als auch führen in das Reich ein. Da aber das geringste Gebot brechen und es nicht halten ein und dasselbe ist, warum sagt Er oben von dem, der die Gebote bricht, dass er der Geringste im Himmelreich sein wird, und hier von dem, der sie nicht hält, dass er nicht in das Himmelreich eingehen wird? Siehe, wie der Geringste im Reich sein dasselbe ist wie nicht in das Reich eingehen. Denn für einen Menschen, im Reich zu sein, bedeutet nicht, mit Christus zu herrschen, sondern nur unter Christi Volk gezählt zu werden; was Er also von dem sagt, der die Gebote bricht, ist, dass er zwar unter die Christen gerechnet wird, doch der Geringste von ihnen. Wer aber in das Reich eingeht, wird mit Christus an Seinem Reich teilhaben. Daher wird der, der nicht in das Himmelreich eingeht, zwar nicht an Christi Herrlichkeit teilhaben, doch wird er im Himmelreich sein, das heißt in der Zahl derer, über die Christus als König des Himmels herrscht.

Catena Aurea · Mt 5
(De Civ. Dei, xx. 9.) Andernfalls, wenn eure Gerechtigkeit nicht die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer übertrifft, das heißt, diejenigen übertrifft, die selbst brechen, was sie lehren, wie anderswo von ihnen gesagt wird: Sie sagen es, und tun es nicht; (Mat. 23:3.) als ob Er gesagt hätte: Wenn eure Gerechtigkeit nicht in der Weise übertrifft, dass ihr tut, was ihr lehrt, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Wir müssen daher hier unter dem Himmelreich etwas anderes verstehen als gewöhnlich, in dem sowohl der sein wird, der bricht, was er lehrt, als auch der, der es tut, aber der eine der Geringste, der andere groß; dieses Himmelreich ist die gegenwärtige Kirche. In einem anderen Sinn wird das Himmelreich von jenem Ort gesprochen, wo niemand eingeht außer dem, der tut, was er lehrt, und dies ist die Kirche, wie sie künftig sein wird.

Catena Aurea · Mt 5
(Id. cont. Faust. xix. 31.) Dieser Ausdruck, das Himmelreich, so oft von unserem Herrn gebraucht, ich weiß nicht, ob jemand ihn in den Büchern des Alten Testaments finden würde. Er gehört eigentlich zur Offenbarung des Neuen Testaments, aufbewahrt für Seinen Mund, den das Alte Testament als einen König vorausbildete, der kommen sollte, um über Seine Diener zu herrschen. Dieses Ziel, auf das seine Vorschriften bezogen werden sollten, war im Alten Testament verborgen, obwohl auch dieses seine Heiligen hatte, die auf die Offenbarung vorausschauten, die geschehen sollte.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Oder wir können es erklären, indem wir auf die Weise verweisen, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer das Gesetz verstanden, nicht auf den tatsächlichen Inhalt des Gesetzes.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 30.) Denn fast alle Vorschriften, die der Herr gab, indem Er sagte: Ich aber sage euch, finden sich in jenen alten Büchern. Aber weil sie von keinem Mord wussten außer der Zerstörung des Leibes, zeigt der Herr ihnen, dass jeder böse Gedanke zum Schaden eines Bruders für eine Art von Mord zu halten ist.
Catena Aurea · Mt 5
Christus, der zeigen will, dass Er derselbe Gott ist, der einst im Gesetz sprach und der jetzt in der Gnade Gebote gibt, stellt nun an die erste Stelle seiner Gebote (vid. Mat. 19:18.) jenes, das im Gesetz das erste war, wenigstens das erste von allen, die die Verletzung unseres Nächsten verboten.

Catena Aurea · Mt 5
(De Civ. Dei, i. 20.) Wir halten es nicht, weil wir gehört haben: Du sollst nicht töten, deshalb für unerlaubt, einen Zweig abzupflücken, gemäß dem Irrtum der Manichäer, noch betrachten wir es als auf vernunftlose Tiere ausgedehnt; durch die gerechteste Anordnung des Schöpfers ist ihr Leben und Tod unseren Bedürfnissen unterworfen. Es bleibt also nur der Mensch, von dem wir es verstehen können, und zwar nicht irgendein anderer Mensch, noch du allein; denn wer sich selbst tötet, tut nichts anderes als einen Menschen töten. Doch haben jene in keiner Weise gegen dieses Gebot gehandelt, die unter Gottes Autorität Kriege führten, oder die, mit der Verwaltung bürgerlicher Macht betraut, durch gerechteste und vernünftigste Anordnungen Verbrechern den Tod zufügten. Auch Abraham wurde nicht der Grausamkeit beschuldigt, sondern empfing sogar das Lob der Frömmigkeit, weil er bereit war, Gott im Töten seines Sohnes zu gehorchen. Ausgenommen von diesem Gebot sind jene, denen Gott befiehlt, getötet zu werden, sei es durch ein allgemeines gegebenes Gesetz oder durch besondere Ermahnung zu einer bestimmten Zeit. Denn der ist nicht der Töter, der dem Befehl dient, wie ein Griff dem, der mit einem Schwert schlägt, noch ist Samson anders freizusprechen für die Zerstörung seiner selbst zusammen mit seinen Feinden, als weil er so vom Heiligen Geist insgeheim unterwiesen wurde, der durch ihn die Wunder wirkte.

Catena Aurea · Mt 5
Dies, es wurde von ihnen in alten Zeiten gesagt, zeigt, dass sie dieses Gebot schon vor langer Zeit empfangen hatten. Er sagt dies, damit Er Seine trägen Hörer dazu anrege, zu erhabeneren Vorschriften fortzuschreiten, wie ein Lehrer zu einem trägen Knaben sagen könnte: Weißt du nicht, wie viel Zeit du schon damit verbracht hast, nur das Buchstabieren zu lernen? In dem Ich aber sage euch, beachte die Autorität des Gesetzgebers; keiner der alten Propheten sprach so; sondern vielmehr: So spricht der Herr. Sie wiederholten als Diener die Befehle ihres Herrn; Er als Sohn verkündete den Willen Seines Vaters, der auch der Seine war. Sie predigten ihren Mitdienern; Er als Herr erließ ein Gesetz für Seine Knechte.

Catena Aurea · Mt 5
(de Civ. Dei, ix. 4.) Es gibt zwei verschiedene Meinungen unter den Philosophen bezüglich der Leidenschaften der Seele: Die Stoiker erlauben nicht, dass irgendeine Leidenschaft dem Weisen widerfährt; die Peripatetiker behaupten, dass sie dem Weisen widerfahren, aber in gemäßigtem Maße und der Vernunft unterworfen; wie zum Beispiel, wenn Barmherzigkeit in einer Weise gezeigt wird, dass Gerechtigkeit bewahrt bleibt. Aber in der christlichen Regel untersuchen wir nicht, ob die Seele zuerst von Zorn oder von Trauer betroffen ist, sondern woher.
Catena Aurea · Mt 5
Wer ohne Grund zürnt, wird gerichtet werden; wer aber mit Grund zürnt, wird nicht gerichtet werden. Denn wenn es keinen Zorn gäbe, würde weder die Lehre nützen, noch Gerichte bestehen, noch Verbrechen kontrolliert werden. So dass der, der bei gerechtem Grund nicht zürnt, in Sünde ist; denn eine unvernünftige Geduld sät Laster, erzeugt Nachlässigkeit und lädt die Guten wie die Bösen zum Bösen ein.

Catena Aurea · Mt 5
Einige Handschriften fügen hier die Worte ohne Grund hinzu; aber durch die wahre Lesart wird das Gebot unbedingt gemacht und Zorn gänzlich verboten. Denn wenn uns gesagt wird, für die zu beten, die uns verfolgen, wird jede Gelegenheit zum Zorn genommen. Die Worte ohne Grund müssen also gestrichen werden, denn der Zorn des Menschen wirkt nicht die Gerechtigkeit Gottes.
Catena Aurea · Mt 5
Doch jener Zorn, der aus gerechtem Grund entsteht, ist in der Tat nicht Zorn, sondern ein Urteilsspruch. Denn Zorn bedeutet eigentlich ein Gefühl der Leidenschaft; wer aber aus gerechtem Grund zürnt, erleidet keine Leidenschaft und wird zu Recht als urteilend bezeichnet, nicht als zürnend.

Catena Aurea · Mt 5
(Retract. i. 19.) Auch dies, behaupten wir, sollte in Betracht gezogen werden, was es heißt, mit einem Bruder zu zürnen; denn der zürnt nicht mit einem Bruder, der über dessen Vergehen zürnt. Der also ist es, der ohne Grund zürnt, der mit seinem Bruder zürnt und nicht mit dem Vergehen.

Catena Aurea · Mt 5
(de Civ. Dei, xiv. 9.) Aber mit einem Bruder zu zürnen, damit er korrigiert werde, verbietet kein Mensch von gesundem Verstand. Solche Arten von Regungen, die aus Liebe zum Guten und aus heiliger Nächstenliebe kommen, sind nicht Laster zu nennen, wenn sie der rechten Vernunft folgen.
Catena Aurea · Mt 5
Aber ich denke, dass Christus nicht vom Zorn des Fleisches spricht, sondern vom Zorn des Herzens; denn das Fleisch kann nicht so diszipliniert werden, dass es die Leidenschaft nicht fühlt. Wenn also ein Mensch zürnt, aber davon ablässt, zu tun, wozu sein Zorn ihn antreibt, ist sein Fleisch zornig, aber sein Herz ist frei von Zorn.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 9.) Und es gibt denselben Unterschied zwischen dem ersten Fall, den der Erlöser hier anführt, und dem zweiten: Im ersten Fall gibt es eine Sache, die Leidenschaft; im zweiten zwei, den Zorn und die darauf folgende Rede. Wer zu seinem Bruder sagt: Raca, ist in Gefahr vor dem Rat. Einige suchen die Auslegung dieses Wortes im Griechischen und meinen, dass Raca zerlumpt bedeutet, vom griechischen ῥάκος, ein Lumpen. Aber wahrscheinlicher ist es kein Wort mit irgendeiner Bedeutung, sondern ein bloßer Laut, der die Leidenschaft der Seele ausdrückt, den die Grammatiker Interjektion nennen, wie der Schrei des Schmerzes, ‚heu‘.

Catena Aurea · Mt 5
Oder Racha ist ein Wort, das Verachtung und Wertlosigkeit bezeichnet. Denn wo wir in der Anrede an Diener oder Kinder sagen: Geh du, oder: Sag du ihm; im Syrischen würden sie Racha für ‚du‘ sagen. Denn der Herr steigt zu den kleinsten Kleinigkeiten sogar unseres Verhaltens herab und gebietet uns, einander mit gegenseitigem Respekt zu behandeln.

Catena Aurea · Mt 5
Oder Racha ist ein hebräisches Wort, das ‚leer‘, ‚nichtig‘ bedeutet; wie wir in der gewöhnlichen Redewendung des Vorwurfs sagen könnten: ‚Hohlkopf‘. Beachte, dass Er Bruder sagt; denn wer ist unser Bruder, außer dem, der denselben Vater hat wie wir?
Catena Aurea · Mt 5
Und es wäre ein unwürdiger Vorwurf, den, der den Heiligen Geist in sich hat, ‚leer‘ zu nennen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Im dritten Fall sind drei Dinge: der Zorn, die Stimme, die den Zorn ausdrückt, und ein Wort des Vorwurfs: Du Narr. So gibt es hier drei verschiedene Grade der Sünde; im ersten, wenn einer zürnt, aber die Leidenschaft in seinem Herzen behält, ohne ein Zeichen davon zu geben. Wenn er wiederum irgendeinen Laut zulässt, der die Leidenschaft ausdrückt, so ist das mehr, als wenn er den aufsteigenden Zorn still unterdrückt hätte; und wenn er ein Wort spricht, das einen direkten Vorwurf enthält, so ist das eine noch größere Sünde.
Catena Aurea · Mt 5
Aber wie keiner leer ist, der den Heiligen Geist hat, so ist keiner ein Narr, der die Erkenntnis Christi hat; und wenn Racha ‚leer‘ bedeutet, so ist es ein und dasselbe, soweit die Bedeutung des Wortes reicht, Racha zu sagen oder ‚du Narr‘. Aber es gibt einen Unterschied in der Bedeutung des Sprechers; denn Racha war ein Wort, das bei den Juden allgemein gebräuchlich war und nicht Zorn oder Hass ausdrückte, sondern eher in leichter, sorgloser Weise eine zuversichtliche Vertrautheit, nicht Zorn. Aber du wirst vielleicht sagen: Wenn Racha kein Ausdruck des Zornes ist, wie ist es dann eine Sünde? Weil es zum Streit gesagt wird, nicht zur Erbauung; und wenn wir nicht einmal gute Worte sprechen sollen außer um der Erbauung willen, wie viel weniger solche, die an sich schlecht sind?

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Hier haben wir drei Anklagen: das Gericht, den Rat und das Höllenfeuer, die verschiedene Stufen sind, die von den geringeren zu den größeren aufsteigen. Denn im Gericht gibt es noch Gelegenheit zur Verteidigung; zum Rat gehört der Aufschub des Urteils, die Zeit, in der die Richter unter sich beraten, welches Urteil verhängt werden soll; im dritten, dem Höllenfeuer, ist die Verdammnis sicher und die Strafe festgesetzt. Daher sieht man, welch ein Unterschied zwischen der Gerechtigkeit der Pharisäer und Christus besteht; im ersten unterwirft der Mord den Menschen dem Gericht; im zweiten der Zorn allein, welcher der geringste der drei Grade der Sünde ist.

Catena Aurea · Mt 5
Der Heiland nennt hier die Qualen der Hölle, Gehenna, ein Name, von dem man annimmt, dass er von einem Tal in der Nähe Jerusalems stammt, das den Götzen geweiht war und einst mit Leichen gefüllt und von Josia entweiht wurde, wie wir im Buch der Könige lesen.

Catena Aurea · Mt 5
Dies ist die erste Erwähnung der Hölle, obwohl das Himmelreich schon einige Zeit vorher erwähnt wurde, was zeigt, dass die Gaben des einen aus seiner Liebe kommen, die Verdammnis des anderen aus unserer Trägheit. Viele, die dies für eine zu schwere Strafe für ein bloßes Wort halten, sagen, dass dies bildlich gemeint war. Aber ich fürchte, dass wir, wenn wir uns hier mit Worten täuschen, dort tatsächlich Strafe erleiden werden. Halte dies also nicht für eine zu schwere Strafe, wenn so viele Leiden und Sünden ihren Anfang in einem Wort haben; ein kleines Wort hat oft einen Mord erzeugt und ganze Städte umgestürzt. Und doch ist es nicht als ein kleines Wort zu betrachten, das einem Bruder die Vernunft und Einsicht abspricht, durch die wir Menschen sind und uns von den Tieren unterscheiden.
Catena Aurea · Mt 5
In Gefahr des Rates; das heißt (nach der Auslegung, die die Apostel in ihren Konstitutionen geben), in Gefahr, einer jenes Rates zu sein, der Christus verurteilte.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Wer einen, der voll des Heiligen Geistes ist, mit Leerheit schmäht, wird der in der Versammlung der Heiligen angeklagt und nach ihrem Urteil für eine Beleidigung gegen den Heiligen Geist selbst bestraft werden.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Sollte jemand fragen, welche größere Strafe für Mord reserviert ist, wenn üble Nachrede mit Höllenfeuer geahndet wird? Dies zwingt uns zu verstehen, dass es Grade in der Hölle gibt.

Catena Aurea · Mt 5
Oder: Das Gericht und der Rat bezeichnen die Strafe in diesem Wort; das Höllenfeuer die zukünftige Strafe. Er verkündet Strafe gegen den Zorn, erwähnt aber keine besondere Strafe, was zeigt, dass es nicht möglich ist, dass ein Mensch völlig frei von der Leidenschaft ist. Der Rat hier bedeutet den jüdischen Senat, denn Er wollte nicht scheinen, immer alle ihre bestehenden Institutionen außer Kraft zu setzen und fremde einzuführen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) In allen diesen drei Sätzen sind einige Wörter zu ergänzen. Im ersten nämlich, wie viele Handschriften ohne Grund lesen, ist nichts zu ergänzen. Im zweiten, ‚Wer zu seinem Bruder sagt: Racha‘, müssen wir die Worte ‚ohne Grund‘ ergänzen; und wiederum in ‚Wer sagt: Du Narr‘ sind zwei Dinge zu verstehen: ‚zu seinem Bruder‘ und ‚ohne Grund‘. Und dies bildet die Verteidigung des Apostels, wenn er die Galater Narren nennt, obwohl er sie als seine Brüder betrachtet; denn er tat es nicht ohne Grund.
23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh erst hin und versöhne dich mit deinem Bruder. Dann komm und bringe deine Gabe dar.
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Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 10.) Wenn es nicht erlaubt ist, auf einen Bruder zornig zu sein oder zu ihm Racha oder Du Narr zu sagen, wie viel weniger ist es erlaubt, irgendetwas im Gedächtnis zu behalten, was den Zorn in Hass verwandeln könnte.

Catena Aurea · Mt 5
Es heißt nicht: Wenn du etwas gegen deinen Bruder hast; sondern: Wenn dein Bruder etwas gegen dich hat, damit die Notwendigkeit der Versöhnung dringlicher sei.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Und er hat etwas gegen uns, wenn wir ihm Unrecht getan haben; und wir haben etwas gegen ihn, wenn er uns Unrecht getan hat; in diesem Fall wäre es nicht nötig, zu ihm zu gehen, um uns zu versöhnen, da wir ihm nur vergeben müssten, wie wir wünschen, dass der Herr uns vergibt.
Catena Aurea · Mt 5
Aber wenn er es ist, der dir Unrecht getan hat, und du dennoch der Erste bist, der die Versöhnung sucht, wirst du einen großen Lohn erhalten.

Catena Aurea · Mt 5
Wenn die Liebe allein nicht ausreicht, um uns zu bewegen, uns mit unserem Nächsten zu versöhnen, sollte der Wunsch, dass unser Werk nicht unvollkommen bleibt, und besonders an heiliger Stätte, uns dazu bewegen.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. 1. in Ezech. viii. 9.) Siehe, Er ist nicht bereit, das Opfer aus den Händen derer anzunehmen, die im Streit liegen. Daher bedenke, wie groß ein Übel der Streit ist, der das verwirft, was das Mittel zur Vergebung der Sünde sein sollte.
Catena Aurea · Mt 5
Siehe die Barmherzigkeit Gottes, dass Er eher an den Nutzen des Menschen denkt als an Seine eigene Ehre; Er liebt die Eintracht unter den Gläubigen mehr als Opfer an Seinem Altar; denn solange Zwietracht unter den Gläubigen herrscht, wird ihre Gabe nicht angesehen, ihr Gebet nicht erhört. Denn niemand kann zugleich ein wahrer Freund zweier sein, die Feinde sind. Ebenso bewahren wir nicht unsere Treue zu Gott, wenn wir Seine Freunde nicht lieben und Seine Feinde nicht hassen. Aber wie das Vergehen war, so soll auch die Versöhnung sein. Wenn du im Gedanken gesündigt hast, versöhne dich im Gedanken; wenn in Worten, versöhne dich in Worten; wenn in Taten, versöhne dich in Taten. Denn so ist es bei jeder Sünde: In welcher Art sie begangen wurde, in derselben Art wird die Buße getan.

Catena Aurea · Mt 5
Er befiehlt uns, wenn der Friede mit unseren Mitmenschen wiederhergestellt ist, dann zum Frieden mit Gott zurückzukehren, von der Liebe zu den Menschen zur Liebe zu Gott überzugehen; dann geh und opfere deine Gabe.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Wenn diese Anweisung wörtlich genommen wird, könnte sie einige zu der Annahme verleiten, dass dies tatsächlich so getan werden müsste, wenn unser Bruder anwesend ist, denn es kann keine lange Zeit gemeint sein, wenn uns geboten wird, unsere Opfergabe dort vor dem Altar zu lassen. Denn wenn er abwesend oder möglicherweise jenseits des Meeres ist, wäre es absurd anzunehmen, dass die Opfergabe vor dem Altar gelassen werden müsste, um sie darzubringen, nachdem wir über Land und Meer gegangen sind, um ihn zu suchen. Deshalb müssen wir einen inneren, geistigen Sinn des Ganzen erfassen, wenn wir es ohne Absurdität verstehen wollen. Die Gabe, die wir Gott darbringen, sei es Gelehrsamkeit oder Rede oder was auch immer, kann von Gott nicht angenommen werden, wenn sie nicht vom Glauben getragen wird. Wenn wir also einem Bruder in irgendetwas geschadet haben, müssen wir hingehen und uns mit ihm versöhnen, nicht mit den leiblichen Füßen, sondern in Gedanken des Herzens, wenn du in demütiger Zerknirschung dich zu den Füßen deines Bruders niederwerfen kannst im Angesicht Dessen, dem du deine Opfergabe darbringen willst. Denn so kannst du, als ob Er gegenwärtig wäre, mit ungeheucheltem Herzen Seine Vergebung suchen; und von dort zurückkehren, das heißt, deine Gedanken wieder auf das zurückbringen, was du zuerst begonnen hattest zu tun, und deine Opfergabe darbringen.
25 Vertrage dich ohne Zögern mit deinem Widersacher, solange du noch mit ihm unterwegs (zum Gericht) bist, damit der Widersacher dich nicht etwa dem Richter übergibt und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Amen, ich sage dir: Du kommst von dort sicherlich nicht heraus, bis du den letzten Quadrans bezahlt hast.
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Catena Aurea · Mt 5
Der Herr lässt uns zu keiner Zeit Mangel an Friedfertigkeit des Gemüts leiden und befiehlt uns daher, uns schnell mit unserem Widersacher zu versöhnen, solange wir auf dem Weg des Lebens sind, damit wir nicht in die Zeit des Todes geworfen werden, bevor Friede zwischen uns geschlossen ist.

Catena Aurea · Mt 5
Das Wort hier in unseren lateinischen Büchern ist ‚consentiens‘, im Griechischen εὐνοῶν, was ‚gütig‘, ‚wohlwollend‘ bedeutet.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 11.) Sehen wir, wer dieser Gegner ist, dem gegenüber wir aufgefordert werden, wohlwollend zu sein. Es kann dann entweder der Teufel sein, oder der Mensch, oder das Fleisch, oder Gott, oder seine Gebote. Aber ich sehe nicht, wie wir aufgefordert werden können, wohlwollend zu sein oder mit dem Teufel übereinzustimmen; denn wo Wohlwollen ist, da ist Freundschaft, und niemand wird sagen, dass Freundschaft mit dem Teufel geschlossen werden sollte, oder dass es gut sei, mit ihm übereinzustimmen, nachdem wir ihm einmal den Krieg erklärt haben, als wir ihm abschworen; noch dürfen wir mit ihm übereinstimmen, mit dem wir, hätten wir nie zugestimmt, nie in solche Umstände geraten wären,

Catena Aurea · Mt 5
Einige wollen aus jenem Vers des Petrus, Euer Widersacher, der Teufel, usw. (1 Petr. 5,8.), den Befehl des Erlösers so verstehen, dass wir dem Teufel barmherzig sein sollen, indem wir nicht verursachen, dass er um unseretwillen Strafe erleidet. Denn da er uns die Anreize zum Laster in den Weg legt, wird er, wenn wir seinen Eingebungen nachgeben, um unseretwillen gequält werden. Andere folgen einer gezwungeneren Auslegung, dass wir in der Taufe jeder einen Bund mit dem Teufel geschlossen haben, indem wir ihm abschworen. Wenn wir diesen Bund halten, dann stimmen wir mit unserem Gegner überein und werden nicht ins Gefängnis geworfen werden.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Ich sehe wiederum nicht, wie es vom Menschen verstanden werden kann. Denn wie kann der Mensch sagen, dass er uns dem Richter übergibt, wo wir doch nur Christus als den Richter kennen, vor dessen Tribunal alle gestellt werden müssen. Wie kann er dann dem Richter übergeben, der selbst vor ihm erscheinen muss? Zudem, wenn jemand gegen einen anderen gesündigt hat, indem er ihn tötete, hat er keine Gelegenheit, mit ihm auf dem Weg, das heißt in diesem Leben, übereinzukommen; und doch hindert das nicht, dass er durch Reue vom Gericht errettet werden kann. Noch weniger sehe ich, wie wir aufgefordert werden können, mit dem Fleisch übereinzustimmen; denn die sind eher Sünder, die mit ihm übereinstimmen; die es aber unterwerfen, stimmen nicht mit ihm überein, sondern zwingen es, mit ihnen übereinzustimmen.

Catena Aurea · Mt 5
Und wie kann der Leib ins Gefängnis geworfen werden, wenn er nicht mit dem Geist übereinstimmt, da Seele und Leib zusammen gehen müssen und das Fleisch nichts tun kann außer dem, was die Seele befiehlt?

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Vielleicht ist es also Gott, mit dem wir hier aufgefordert werden, übereinzukommen. Er kann unser Gegner genannt werden, weil wir durch die Sünde von ihm abgewichen sind und er den Stolzen widersteht. Wer also in diesem Leben nicht mit Gott versöhnt worden ist durch den Tod seines Sohnes, wird von ihm dem Richter übergeben werden, das heißt dem Sohn, dem er alles Gericht übertragen hat. Und der Mensch kann gesagt werden, mit Gott auf dem Weg zu sein, weil er überall ist. Aber wenn wir nicht sagen wollen, dass die Gottlosen mit Gott sind, der überall gegenwärtig ist, wie wir nicht sagen, dass die Blinden mit jenem Licht sind, das sie überall umgibt, bleibt nur das Gesetz Gottes übrig, das wir unter unserem Gegner verstehen können. Denn dieses Gesetz ist ein Gegner für die, die gerne sündigen, und ist uns für dieses Leben gegeben, damit es mit uns auf dem Weg sei. Mit diesem sollten wir schnell übereinkommen, indem wir es lesen, hören und ihm die höchste Autorität zuerkennen, und dass wir es, wenn wir es verstehen, nicht hassen, weil es unseren Sünden widersteht, sondern es vielmehr lieben, weil es sie zurechtweist; und wenn es dunkel ist, beten, dass wir es verstehen.

Catena Aurea · Mt 5
Aber aus dem Kontext ist der Sinn offensichtlich; der Herr ermahnt uns zum Frieden und zur Eintracht mit unserem Nächsten; wie oben gesagt wurde: Geh, versöhne dich mit deinem Bruder.
Catena Aurea · Mt 5
Der Herr drängt uns, uns zu beeilen, Freundschaft mit unseren Feinden zu schließen, solange wir noch in diesem Leben sind, da er weiß, wie gefährlich es für uns ist, dass einer unserer Feinde stirbt, bevor Frieden mit uns geschlossen ist. Denn wenn der Tod uns noch in Feindschaft zum Richter bringt, wird er uns Christus übergeben und uns durch sein Urteil für schuldig erklären. Unser Gegner übergibt uns auch dem Richter, wenn er der erste ist, der Versöhnung sucht; denn wer sich zuerst seinem Feind unterwirft, bringt ihn vor Gott für schuldig.

Catena Aurea · Mt 5
Oder der Gegner übergibt dich dem Richter, wenn dein Verharren im Zorn gegen ihn dich überführt.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Unter dem Richter verstehe ich Christus, denn der Vater hat alles Gericht dem Sohn übergeben; (Joh 5,22.) und unter dem Diener oder Beamten einen Engel, denn Engel kamen und dienten ihm; und wir glauben, dass er mit seinen Engeln zum Gericht kommen wird.
Catena Aurea · Mt 5
Der Beamte, das heißt der dienende Engel der Strafe, und er wird dich in das Gefängnis der Hölle werfen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Unter dem Gefängnis verstehe ich die Strafe der Finsternis. Und damit niemand diese Strafe verachte, fügt er hinzu: Wahrlich, ich sage dir, du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast.

Catena Aurea · Mt 5
Ein Heller ist eine Münze, die zwei Scherflein enthält. Was er also sagt, ist: ‚Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du für die kleinsten Sünden bezahlt hast.‘

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder es ist ein Ausdruck, um zu bezeichnen, dass nichts ungestraft bleibt; wie wir sagen ‚bis zur Neige‘, wenn wir von etwas sprechen, das so geleert ist, dass nichts darin übrig bleibt. Oder mit dem letzten Heller (quadrans) können irdische Sünden bezeichnet werden. Denn das vierte und letzte Element dieser Welt ist die Erde. Bezahlt, das heißt in ewiger Strafe; und ‚bis‘ wird im selben Sinn verwendet wie in: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache; (Ps 110,1.) denn er hört nicht auf zu herrschen, wenn seine Feinde ihm zu Füßen gelegt werden. So bedeutet hier ‚bis du bezahlt hast‘ so viel wie: du wirst niemals von dort herauskommen, denn er bezahlt immer den letzten Heller, während er die ewige Strafe für irdische Sünden erduldet.
Catena Aurea · Mt 5
Oder: Wenn du noch in dieser Welt Frieden schließt, kannst du Vergebung selbst der schwersten Vergehen erhalten; aber wenn du einmal verdammt und in das Gefängnis der Hölle geworfen bist, wird von dir Strafe nicht nur für schwere Sünden gefordert werden, sondern für jedes unnütze Wort, was durch den letzten Heller bezeichnet werden kann.

Catena Aurea · Mt 5
Denn weil die Liebe eine Menge von Sünden bedeckt, werden wir deshalb den letzten Heller der Strafe bezahlen, es sei denn, wir lösen durch den Aufwand der Liebe die Schuld unserer Sünde ab.
Catena Aurea · Mt 5
Oder das Gefängnis ist weltliches Unglück, das Gott oft über Sünder sendet.

Catena Aurea · Mt 5
Oder er spricht hier von den Richtern dieser Welt, vom Weg, der zu diesem Gericht führt, und von menschlichen Gefängnissen; so verwendet er nicht nur zukünftige, sondern auch gegenwärtige Beweggründe, da die Dinge, die vor Augen liegen, uns am meisten beeinflussen, wie auch der heilige Paulus erklärt: Wenn du Böses tust, fürchte die Macht, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. (Röm 13,4.)
27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau begehrlich anblickt, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen.
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Catena Aurea · Mt 5
(Hom. xvii.) Nachdem der Herr erklärt hat, wie viel im ersten Gebot enthalten ist, nämlich: Du sollst nicht töten, fährt er in regelmäßiger Reihenfolge zum zweiten fort.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. ix. 3 und 10.) Du sollst nicht ehebrechen, das heißt: Du sollst nirgendwo hingehen außer zu deiner rechtmäßigen Frau. Denn wenn du dies von deiner Frau verlangst, solltest du dasselbe tun, denn der Ehemann soll der Frau in der Tugend vorangehen. Es ist eine Schande für den Ehemann zu sagen, dass dies unmöglich sei. Warum nicht der Ehemann ebenso wie die Frau? Und der Unverheiratete soll nicht glauben, dass er dieses Gebot nicht durch Unzucht bricht; du kennst den Preis, mit dem du erkauft worden bist, du weißt, was du isst und was du trinkst, daher halte dich von Unzuchten fern. Denn da alle solche Akte der Wollust Gottes Bild (das du bist) beflecken und zerstören, gibt dir der Herr, der weiß, was gut für dich ist, dieses Gebot, damit du seinen Tempel, der du zu sein begonnen hast, nicht niederreißt.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 23.) Er fährt dann fort, den Irrtum der Pharisäer zu korrigieren, indem er erklärt: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen. Denn das Gebot des Gesetzes: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, (Exod. 20:17.) verstanden die Juden so, dass man sie wegnehme, nicht dass man mit ihr Ehebruch begehe.

Catena Aurea · Mt 5
Zwischen πάθος und προπάθεια, das heißt zwischen der tatsächlichen Leidenschaft und der ersten spontanen Regung des Geistes, besteht folgender Unterschied: Die Leidenschaft ist sogleich eine Sünde; die spontane Regung des Geistes aber, obwohl sie am Übel der Sünde teilhat, wird doch nicht als begangene Verfehlung angerechnet. Wenn also einer eine Frau ansieht und sein Geist dabei getroffen wird, so liegt eine Prop passion vor; gibt er dieser nach, so geht er von der Prop passion zur Leidenschaft über, und dann fehlt nicht mehr der Wille, sondern die Gelegenheit zur Sünde. Wer also eine Frau ansieht, sie zu begehren, das heißt, sie so ansieht, dass er sie begehrt und danach trachtet, sie zu erlangen, von dem wird mit Recht gesagt, dass er in seinem Herzen Ehebruch mit ihr begeht.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 12.) Denn drei Dinge machen eine Sünde aus: die Anregung entweder durch die Erinnerung oder durch die gegenwärtige Wahrnehmung; wenn der Gedanke an die Lust der Befriedigung folgt, so ist das ein unrechtmäßiger Gedanke und zurückzuhalten; wenn du dann zustimmst, ist die Sünde vollständig. Denn vor der ersten Zustimmung ist die Lust entweder keine oder sehr gering, und die Zustimmung zu ihr macht die Sünde aus. Wenn aber die Zustimmung zur offenen Tat fortschreitet, dann scheint das Verlangen gesättigt und gelöscht. Und wenn die Anregung erneut wiederholt wird, ist die erwogene Lust größer, die vor der Gewohnheitsbildung nur gering war, nun aber schwerer zu überwinden ist.

Catena Aurea · Mt 5
(Mor. xxi. 2.) Wer aber seine Augen unvorsichtig umherschweifen lässt, wird oft von der Lust der Sünde ergriffen, und in Begierden verstrickt beginnt er zu wünschen, was er nicht wollte. Groß ist die Kraft des Fleisches, uns nach unten zu ziehen, und der Reiz der Schönheit, einmal durch das Auge ins Herz aufgenommen, ist kaum durch Anstrengung zu verbannen. Wir müssen daher von Anfang an auf der Hut sein, wir dürfen nicht auf das blicken, was zu begehren unrechtmäßig ist. Damit nämlich das Herz im Gedanken rein bewahrt werde, müssen die Augen, die gleichsam auf der Lauer stehen, uns zur Sünde zu reißen, von lüsternen Blicken abgewandt werden.

Catena Aurea · Mt 5
Wenn du dir erlaubst, oft auf schöne Gesichter zu schauen, wirst du gewiss gefangen werden, auch wenn du deinen Geist zwei- oder dreimal beherrschen kannst. Denn du bist nicht über die Natur und die menschliche Kraft erhaben. Auch sie, die sich kleidet und schmückt, um die Blicke der Männer auf sich zu ziehen, wird, obwohl ihr Bemühen fehlschlagen sollte, dennoch dereinst bestraft werden; denn sie mischte das Gift und reichte den Kelch, obwohl sich niemand fand, der davon trinken wollte. Denn was der Herr nur zum Manne zu sprechen scheint, gilt gleichermaßen für die Frau; da er, wenn er zum Haupt spricht, die Warnung für den ganzen Leib meint.
29 Wenn dich daher dein rechtes Auge zur Sünde reizt, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde reizt, so haue sie ab und wirf sie von dir. Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle fährt.
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(non occ.) Weil wir nicht nur die tatsächliche Sünde meiden, sondern auch jede Gelegenheit zur Sünde beseitigen sollen, lehrt er uns, nachdem er gelehrt hat, dass Ehebruch nicht nur in der Tat, sondern im Herzen zu meiden ist, als Nächstes, die Anlässe zur Sünde abzuschneiden.
Catena Aurea · Mt 5
Wenn aber nach dem Wort des Propheten kein ganzer Teil in unserem Leibe ist, (Ps. 38:3.) so ist es notwendig, dass wir jedes Glied abschneiden, das wir haben, damit die Strafe der Verderbtheit des Fleisches gleichkomme. Ist es denn möglich, dies vom leiblichen Auge oder der Hand zu verstehen? Wie der ganze Mensch, wenn er sich Gott zuwendet, der Sünde abgestorben ist, so ist auch das Auge, wenn es aufgehört hat, Böses zu sehen, von der Sünde abgeschnitten. Aber diese Erklärung passt nicht auf das Ganze; denn wenn er sagt: Dein rechtes Auge ärgert dich, was ist dann mit dem linken Auge? Widerspricht es dem rechten Auge, und bleibt es unschuldig erhalten?

Catena Aurea · Mt 5
Daher müssen wir unter dem rechten Auge und der rechten Hand die Liebe zu Brüdern, Ehegatten, Eltern und Verwandten verstehen; wenn wir finden, dass sie unsere Sicht auf das wahre Licht behindern, sollen wir sie von uns trennen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 13.) Wie das Auge die Betrachtung bezeichnet, so bezeichnet die Hand treffend die Tat. Unter dem Auge müssen wir unseren innigsten Freund verstehen, wie jene zu sagen pflegen, die zärtliche Zuneigung ausdrücken wollen: ‚Ich liebe ihn wie mein eigenes Auge.‘ Und auch einen Freund, der Rat gibt, wie das Auge uns den Weg zeigt. Das rechte Auge mag vielleicht nur einen höheren Grad der Zuneigung ausdrücken, denn es ist das, dessen Verlust die Menschen am meisten fürchten. Oder unter dem rechten Auge kann man einen verstehen, der uns in himmlischen Dingen berät, und unter dem linken einen, der in irdischen Dingen berät. Und dies wird der Sinn sein: Was auch immer das ist, das du liebst wie dein eigenes rechtes Auge, wenn es dich ärgert, das heißt, wenn es ein Hindernis für dein wahres Glück ist, schneide es ab und wirf es von dir. Denn wenn das rechte Auge nicht zu verschonen war, war es überflüssig, vom linken zu sprechen. Die rechte Hand ist auch von einem geliebten Helfer in göttlichen Dingen zu verstehen, die linke Hand in irdischen Dingen.
Catena Aurea · Mt 5
Andernfalls; Christus wollte, dass wir nicht nur auf unsere eigene Sünde achten, sondern auch darauf, dass sogar die, die zu uns gehören, sich vom Bösen fernhalten. Hast du einen Freund, der auf deine Angelegenheiten schaut wie dein eigenes Auge oder sie führt wie deine eigene Hand, und du weißt von einer skandalösen oder niederträchtigen Handlung, die er begangen hat, so stoße ihn von dir, er ist ein Ärgernis; denn wir werden nicht nur für unsere eigenen Sünden Rechenschaft ablegen, sondern auch für die unserer Nächsten, soweit es in unserer Macht steht, sie zu verhindern.

Catena Aurea · Mt 5
So wird uns eine erhabenere Stufe der Unschuld zugewiesen, indem wir ermahnt werden, nicht nur selbst von der Sünde frei zu bleiben, sondern auch von solchen, die uns von außen berühren könnten.

Catena Aurea · Mt 5
Andernfalls; Wie er oben die Lust in das Ansehen einer Frau gelegt hatte, so nennt er nun den Gedanken und die Sinne, die hierhin und dorthin abschweifen, ‚das Auge‘. Mit der rechten Hand und den anderen Teilen des Leibes meint er die ersten Regungen des Verlangens und der Zuneigung.
Catena Aurea · Mt 5
Das Auge des Fleisches ist der Spiegel des inneren Auges. Der Leib hat auch seinen eigenen Sinn, das heißt das linke Auge, und seinen eigenen Appetit, das heißt die linke Hand. Aber die Teile der Seele werden rechte genannt, denn die Seele wurde sowohl mit freiem Willen als auch unter dem Gesetz der Gerechtigkeit erschaffen, damit sie sowohl recht sehe als auch recht handle. Die Glieder des Leibes aber, da sie nicht mit freiem Willen, sondern unter dem Gesetz der Sünde stehen, werden linke genannt. Doch befiehlt er uns nicht, den Sinn oder Appetit des Fleisches abzuschneiden; wir können die Begierden des Fleisches behalten und doch nicht danach handeln, aber wir können nicht abschneiden, dass wir die Begierden haben. Wenn wir aber willentlich Böses beabsichtigen und denken, dann ärgern uns unsere rechten Begierden und unser rechter Wille, und daher befiehlt er uns, sie abzuschneiden. Und diese können wir abschneiden, weil unser Wille frei ist. Oder andernfalls; Jedes Ding, wie gut es auch an sich sein mag, das uns oder andere ärgert, sollen wir von uns abschneiden. Zum Beispiel, eine Frau zu religiösen Zwecken zu besuchen, diese gute Absicht ihr gegenüber kann ein rechtes Auge genannt werden, aber wenn ich sie oft besuche und in das Netz der Begierde gefallen bin, oder wenn jemand, der zusieht, Anstoß nimmt, dann ärgert mich das rechte Auge, das heißt etwas an sich Gutes. Denn das rechte Auge ist die gute Absicht, die rechte Hand ist das gute Verlangen.
Catena Aurea · Mt 5
(ord.) Oder; das rechte Auge ist das kontemplative Leben, das dadurch ärgert, dass es Ursache von Trägheit oder Selbstgefälligkeit ist, oder in unserer Schwäche, dass wir es nicht unvermischt ertragen können. Die rechte Hand ist die guten Werke oder das aktive Leben, das uns ärgert, wenn wir von der Gesellschaft und den Geschäften des Lebens verstrickt werden. Wenn also jemand das kontemplative Leben nicht aufrechterhalten kann, soll er nicht träge von aller Tätigkeit ruhen; oder andererseits, während er mit Tätigkeit beschäftigt ist, die Quelle der süßen Betrachtung versiegen lassen.
Catena Aurea · Mt 5
Der Grund, warum das rechte Auge und die rechte Hand weggeworfen werden sollen, ist hinzugefügt in dem: Denn es ist besser, usw.
Catena Aurea · Mt 5
Denn da wir alle Glieder eines des anderen sind, ist es besser, dass wir ohne eines dieser Glieder gerettet werden, als dass wir mit ihnen zugrunde gehen. Oder, es ist besser, dass wir ohne eine gute Absicht oder ein gutes Werk gerettet werden, als dass wir, während wir alle guten Werke vollbringen wollen, mit allen zugrunde gehen.
31 Es ist auch gesagt worden: Wer seine Frau entlässt, soll ihr einen Scheidebrief geben. 32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer wegen Unzucht, der macht sie zur Ehebrecherin, und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
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(non occ.) Der Herr hatte uns oben gelehrt, dass das Weib unseres Nächsten nicht zu begehren ist; nun fährt er fort zu lehren, dass unser eigenes Weib nicht zu entlassen ist.

Catena Aurea · Mt 5
Denn bezüglich der Erlaubnis des Mose zur Scheidung erklärt der Herr und Heiland abschließend vollständiger, dass sie wegen der Härte der Herzen der Ehemänner geschah, nicht so sehr um Zwietracht zu billigen, als um Blutvergießen zu verhindern.
Catena Aurea · Mt 5
Denn als Mose die Kinder Israel aus Ägypten führte, waren sie zwar der Abstammung nach Hebräer, aber in ihren Sitten Ägypter. Und es war durch die heidnischen Sitten verursacht, dass der Ehemann die Ehefrau hasste; und wenn es ihm nicht erlaubt war, sie zu entlassen, war er bereit, sie entweder zu töten oder schlecht zu behandeln. Mose duldete daher den Scheidebrief, nicht weil es an sich eine gute Praxis war, sondern weil es ein schlimmeres Übel verhinderte.

Catena Aurea · Mt 5
Der Herr aber, der Frieden und Wohlwollen auf Erden brachte, wollte, dass es besonders im Ehebund herrsche.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 26.) Das Gebot des Herrn, dass eine Ehefrau nicht entlassen werden darf, steht nicht im Widerspruch zum Gebot des Gesetzes, wie Manichäus behauptete. Hätte das Gesetz erlaubt, dass jeder, der wollte, seine Frau entlassen dürfe, so wäre es in der Tat das genaue Gegenteil, keinen entlassen zu dürfen. Aber die Schwierigkeit, die Mose sorgfältig in den Weg legt, zeigt, dass er keineswegs ein Freund dieser Praxis war. Denn er verlangte einen Scheidebrief, dessen Ausstellung und Verzögerung oft jähzornige Wut und Zwietracht abkühlen würde, zumal nach hebräischem Brauch nur die Schriftgelehrten die hebräischen Buchstaben verwenden durften, in denen sie eine einzigartige Fertigkeit beanspruchten. Zu diesen also würde das Gesetz den senden, dem es gebot, einen Scheidebrief zu geben, wenn er seine Frau entlassen wollte, der zwischen ihm und seiner Frau vermitteln und sie wieder versöhnen könnte, es sei denn, die Gemüter wären zu eigensinnig, um sich durch Friedensratschläge bewegen zu lassen. So hat Er also weder das Gesetz der Alten durch Hinzufügung von Worten ergänzt, noch hat Er das von Mose gegebene Gesetz zerstört, indem Er Dinge anordnete, die ihm widersprechen, wie Manichäus behauptete; sondern Er wiederholte und bestätigte vielmehr alles, was das hebräische Gesetz enthielt, so dass alles, was Er in eigener Person mehr als jenes sprach, entweder die Auslegung im Blick hatte, die an verschiedenen dunklen Stellen des Gesetzes dringend nötig war, oder die genauere Beachtung seiner Anordnungen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 14.) Durch diese Verzögerung in der Art der Entlassung zeigte der Gesetzgeber so klar, wie es harten Herzen gezeigt werden konnte, dass er Streit und Zwietracht hasste. Der Herr bestätigt also diese Zurückhaltung im Gesetz, so dass Er nur einen Fall ausnimmt, den Grund der Unzucht; jede andere Unannehmlichkeit, die eintreten mag, befiehlt Er uns mit Geduld zu ertragen in Anbetracht des Eheversprechens.
Catena Aurea · Mt 5
Wenn wir die Lasten von Fremden tragen sollen, in Gehorsam gegenüber dem Apostelwort: Einer trage des anderen Last (Gal. 6,2), wie viel mehr die unserer Frauen und Männer? Der christliche Ehemann soll sich nicht nur von jeder Befleckung fernhalten, sondern auch darauf achten, anderen keinen Anlass zur Befleckung zu geben; denn so wird ihre Sünde dem zugerechnet, der den Anlass gab. Wer also durch die Entlassung seiner Frau einem anderen Mann Anlass zur Ehebruchstat gibt, wird selbst für dieses Verbrechen verurteilt.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Ja mehr noch, Er erklärt den Mann, der die Entlassene heiratet, zum Ehebrecher.

Catena Aurea · Mt 5
Sage hier nicht: Es genügt, dass ihr Mann sie entlassen hat; denn auch nach der Entlassung bleibt sie die Frau dessen, der sie entlassen hat.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Der Apostel hat hier die Grenze festgelegt und verlangt, dass sie sich, solange ihr Mann lebt, einer neuen Ehe enthält. Nach seinem Tod erlaubt er ihr zu heiraten. Wenn aber die Frau nicht heiraten darf, solange ihr früherer Mann lebt, um wie viel weniger darf sie sich unerlaubten Genüssen hingeben. Aber dieses Gebot des Herrn, das die Entlassung einer Frau verbietet, wird von dem nicht übertreten, der mit ihr nicht fleischlich, sondern geistlich lebt, in jener seligeren Ehe derer, die sich keusch halten. Hier erhebt sich auch die Frage, was jene Unzucht ist, die der Herr als Scheidungsgrund zulässt; ob die fleischliche Sünde, oder nach dem Schriftgebrauch des Wortes jede unerlaubte Leidenschaft, wie Götzendienst, Habsucht, kurz jede Übertretung des Gesetzes durch verbotene Begierden. Denn wenn der Apostel die Scheidung einer Frau erlaubt, wenn sie ungläubig ist (obwohl es freilich besser ist, sie nicht zu entlassen), und der Herr jede Scheidung außer wegen Unzucht verbietet, dann muss auch der Unglaube Unzucht sein. Und wenn der Unglaube Unzucht ist, und der Götzendienst Unglaube, und die Habsucht Götzendienst, so ist nicht zu bezweifeln, dass die Habsucht Unzucht ist. Und wenn die Habsucht Unzucht ist, wer kann dann von irgendeiner Art unerlaubter Begierde sagen, sie sei nicht eine Art von Unzucht?

Catena Aurea · Mt 5
(Retract. i. 19. 6.) Doch möchte ich nicht, dass der Leser diese unsere Erörterung in einer so schwierigen Sache für ausreichend hält; denn nicht jede Sünde ist geistliche Unzucht, und Gott vernichtet nicht jeden Sünder, denn Er hört seine Heiligen täglich zu sich schreien: Vergib uns unsere Schulden; aber jeden Menschen, der Hurerei treibt und Ihn verlässt, den vernichtet Er. Ob dies die Unzucht ist, für die die Scheidung erlaubt ist, ist eine höchst verwickelte Frage – denn es steht außer Frage, dass sie für die Unzucht durch fleischliche Sünde erlaubt ist.

Catena Aurea · Mt 5
(lib. 83. Quæst. q. ult.) Wenn jemand behauptet, die einzige Unzucht, für die der Herr die Scheidung erlaubt, sei die der fleischlichen Sünde, so kann er sagen, dass der Herr von gläubigen Ehemännern und Ehefrauen gesprochen hat und beiden verbietet, den anderen außer wegen Unzucht zu verlassen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 16.) Er erlaubt nicht nur, eine Frau zu entlassen, die Unzucht begeht, sondern wer eine Frau entlässt, durch die er zur Unzucht getrieben wird, entlässt sie wegen Unzucht, sowohl um seinet- als auch um ihretwillen.

Catena Aurea · Mt 5
(de Fid. et Op. 16.) Er entlässt auch zu Recht seine Frau, wenn sie sagen sollte: Ich will nicht deine Frau sein, es sei denn, du verschaffst mir Geld durch Raub; oder wenn sie verlangen sollte, dass er ein anderes Verbrechen begeht. Wenn der Ehemann hier wahrhaft reuig ist, wird er das Glied abschneiden, das ihn ärgert.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 16.) Nichts kann ungerechter sein, als eine Frau wegen Unzucht zu entlassen und selbst dieser Sünde schuldig zu sein, denn dann ist geschehen: Worin du einen anderen richtest, verdammst du dich selbst. (Röm. 2,1.) Wenn Er sagt: Und wer die Entlassene heiratet, begeht Ehebruch, erhebt sich die Frage, ob die Frau in diesem Fall auch Ehebruch begeht? Denn der Apostel bestimmt, dass sie entweder unverheiratet bleibt oder sich mit ihrem Mann versöhnt. Es gibt diesen Unterschied in der Trennung, nämlich welcher von ihnen die Ursache war. Wenn die Frau den Mann entlässt und einen anderen heiratet, scheint sie ihren ersten Mann mit dem Wunsch nach Veränderung verlassen zu haben, was ein ehebrecherischer Gedanke ist. Aber wenn sie von ihrem Mann entlassen wurde, wie kann sie dann von derselben Schuld frei sein, wenn der, der sie heiratet, Ehebruch begeht? Und weiter, wenn der, der sie heiratet, Ehebruch begeht, ist sie die Ursache dafür, dass er Ehebruch begeht, was der Herr hier verbietet.
33 Ferner habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, sondern du sollst dem Herrn deine Schwüre halten. 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du vermagst nicht, ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 So sei euer Wort: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.
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(non occ.) Der Herr hat bisher gelehrt, sich davon zu enthalten, den Nächsten zu verletzen, indem Er Zorn mit Mord, Lust mit Ehebruch und die Entlassung einer Frau mit einem Scheidebrief verbietet. Nun fährt Er fort, zu lehren, sich von der Verletzung Gottes zu enthalten, indem Er nicht nur den Meineid als ein Übel an sich verbietet, sondern sogar alle Eide als Ursache des Übels, und sagt: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören. Es steht in Leviticus: Du sollst nicht falsch schwören bei meinem Namen; (Kap. 19,12.) und dass sie sich nicht Götter aus dem Geschöpf machen sollten, wird ihnen geboten, Gott ihre Eide zu leisten und nicht bei irgendeinem Geschöpf zu schwören: Dem Herrn sollst du deine Eide leisten; das heißt, wenn du Anlass hast zu schwören, sollst du beim Schöpfer und nicht beim Geschöpf schwören. Wie in Deuteronomium geschrieben steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und bei seinem Namen schwören. (Kap. 6,13.)

Catena Aurea · Mt 5
Dies war unter dem Gesetz erlaubt, wie für Kinder; wie sie Gott opferten, damit sie es nicht den Götzen täten, so wurde ihnen erlaubt, bei Gott zu schwören; nicht dass die Sache recht war, sondern dass es besser sei, es Gott als Dämonen zu tun.
Catena Aurea · Mt 5
Denn niemand kann oft schwören, ohne sich manchmal falsch zu schwören; wie der, der die Gewohnheit hat, viel zu reden, manchmal töricht redet.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 23.) Da die Sünde des Meineids eine schwere Sünde ist, muss der, der keinen Eid gebraucht, weiter davon entfernt sein als der, der bei jeder Gelegenheit bereit ist zu schwören, und der Herr will lieber, dass wir nicht schwören und uns an die Wahrheit halten, als dass wir durch Schwören dem Meineid nahe kommen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 17.) Dieses Gebot bestätigt auch die Gerechtigkeit der Pharisäer, nicht falsch zu schwören; denn wer gar nicht schwört, kann sich nicht falsch schwören. Aber da Gott zum Zeugen anrufen Schwören ist, übertritt der Apostel dann nicht dieses Gebot, wenn er mehrmals zu den Galatern sagt: Was ich euch schreibe, siehe, vor Gott, ich lüge nicht. (Gal. 1,20.) So die Römer: Gott ist mein Zeuge, dem ich in meinem Geist diene. (Röm. 1,9) Es sei denn, jemand könnte sagen, es sei kein Eid, wenn ich nicht die Form des Schwörens bei einem Gegenstand verwende; und dass der Apostel nicht geschworen habe, als er sagte: Gott ist mein Zeuge. Es ist lächerlich, einen solchen Unterschied zu machen; doch der Apostel hat sogar diese Form verwendet: Ich sterbe täglich, bei eurem Rühmen. (1 Kor. 15,31.) Dass dies nicht bedeutet: Euer Rühmen hat mein tägliches Sterben verursacht, sondern ein Eid ist, ist aus dem Griechischen klar, das νὴ τὴν ὑμετέραν καύχησιν lautet.

Catena Aurea · Mt 5
(de Mendac. 15.) Aber was wir durch bloße Worte nicht verstehen konnten, das können wir aus dem Verhalten der Heiligen entnehmen, in welchem Sinn verstanden werden soll, was leicht in die entgegengesetzte Richtung gezogen werden könnte, wenn es nicht durch Beispiele erklärt würde. Der Apostel hat in seinen Briefen Eide verwendet und zeigt uns dadurch, wie jenes zu verstehen ist: Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, nämlich damit wir nicht dadurch, dass wir uns überhaupt das Schwören erlauben, zur Bereitschaft zu schwören gelangen, von der Bereitschaft zur Gewohnheit des Schwörens, und von der Gewohnheit des Schwörens in den Meineid fallen. Und so findet man, dass der Apostel einen Eid nur im Schreiben verwendet hat, da der größere Gedanke und die Vorsicht, die jenes erfordert, keinen Versprecher zulassen. Doch ist das Gebot des Herrn so allgemein: Schwört überhaupt nicht, dass Er es sogar im Schreiben verboten zu haben scheint. Aber da es eine Gottlosigkeit wäre, Paulus zu beschuldigen, dieses Gebot übertreten zu haben, besonders in seinen Briefen, müssen wir das Wort überhaupt so verstehen, dass es besagt: Soweit es in deiner Macht steht, sollst du das Schwören nicht zur Gewohnheit machen, es nicht als etwas Gutes anstreben, an dem du Gefallen findest.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 23.) Daher findet man, dass der Apostel in seinen Schriften, da das Schreiben größere Umsicht erlaubt, an mehreren Stellen einen Eid verwendet hat, damit niemand annehme, es liege eine direkte Sünde im Schwören dessen, was wahr ist; sondern nur, dass unsere schwachen Herzen besser vor Meineid bewahrt werden, indem wir uns alles Schwörens enthalten.

Catena Aurea · Mt 5
Schließlich bedenke, dass der Erlöser hier nicht verbietet, bei Gott zu schwören, sondern beim Himmel, bei der Erde, bei Jerusalem, beim Haupt eines Menschen. Denn diese üble Praxis, bei den Elementen zu schwören, hatten die Juden immer, und sie werden deshalb oft in den prophetischen Schriften angeklagt. Denn wer schwört, zeigt entweder Ehrfurcht oder Liebe für das, wobei er schwört. Wenn also die Juden bei den Engeln, bei der Stadt Jerusalem, beim Tempel und den Elementen schworen, erwiesen sie dem Geschöpf die Ehre und Anbetung, die Gott gebührt; denn im Gesetz ist geboten, dass wir nur beim Herrn, unserem Gott, schwören sollen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 17.) Oder: Es wird hinzugefügt: Beim Himmel usw., weil die Juden sich nicht gebunden fühlten, wenn sie bei solchen Dingen schworen. Als hätte Er gesagt: Wenn ihr beim Himmel und bei der Erde schwört, denkt nicht, dass ihr euren Eid nicht dem Herrn, eurem Gott, schuldet, denn es ist erwiesen, dass ihr bei dem geschworen habt, dessen Thron der Himmel und dessen Fußschemel die Erde ist; was nicht so gemeint ist, als hätte Gott solche Glieder auf Himmel und Erde gesetzt, nach Art eines sitzenden Menschen; sondern jener Sitz bezeichnet Gottes Gericht über uns. Und da im ganzen Umfang dieses Universums der Himmel die höchste Schönheit hat, wird gesagt, dass Gott auf den Himmeln sitzt, um zu zeigen, dass die göttliche Macht vortrefflicher ist als der überragendste Glanz der Schönheit; und Er steht auf der Erde, um eine geringere Schönheit zum niedrigsten Gebrauch zu verwenden. Geistlich werden durch die Himmel heilige Seelen bezeichnet, durch die Erde die sündigen, da der Geistliche alles richtet. (1 Kor. 2,15.) Zum Sünder aber wird gesagt: Erde bist du, und zur Erde sollst du zurückkehren. (Gen. 3,19.) Und wer unter einem Gesetz bleiben will, wird unter ein Gesetz gestellt, und deshalb fügt Er hinzu: Es ist der Schemel seiner Füße. Nicht bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs; dies ist besser gesagt als ‚es ist meine‘; obwohl es als dasselbe verstanden wird. Und weil Er auch wahrhaft Herr ist, schuldet, wer bei Jerusalem schwört, seinen Eid dem Herrn. Nicht bei deinem Haupt. Was könnte jemand für völlig sein eigenes Eigentum halten als sein eigenes Haupt? Aber wie ist es unser, wenn wir nicht die Macht haben, ein Haar schwarz oder weiß zu machen? Wer also bei seinem eigenen Haupt schwört, schuldet seine Gelübde auch dem Herrn; und daraus kann das Übrige verstanden werden.

Catena Aurea · Mt 5
Beachte, wie Er die Elemente der Welt erhöht, nicht aus ihrer eigenen Natur, sondern aus der Rücksicht, die sie auf Gott nehmen, so dass keine Gelegenheit zum Götzendienst eröffnet wird.

Catena Aurea · Mt 5
Nachdem Er das Schwören verboten hat, unterweist Er uns, wie wir sprechen sollen: Eure Rede sei Ja, Ja; Nein, Nein. Das heißt, um etwas zu bejahen, genügt es zu sagen: ‚Es ist so‘; um zu verneinen, zu sagen: ‚Es ist nicht so.‘ Oder Ja, Ja; Nein, Nein werden deshalb zweimal wiederholt, damit du, was du mit dem Mund bejahst, in der Tat beweisest, und was du mit Worten verneinst, nicht durch dein Verhalten bestätigest.

Catena Aurea · Mt 5
Andernfalls; Diejenigen, die in der Einfachheit des Glaubens leben, haben nicht nötig zu schwören, bei ihnen ist immer, was ist, ist, was nicht ist, ist nicht; dadurch werden ihr Leben und ihr Wandel stets in der Wahrheit bewahrt.

Catena Aurea · Mt 5
Daher lässt die evangelische Wahrheit keinen Eid zu, da die ganze Rede der Gläubigen anstelle eines Eides steht.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Und wer gelernt hat, dass ein Eid nicht zu den guten, sondern zu den notwendigen Dingen zu zählen ist, wird sich so weit wie möglich zurückhalten, keinen Eid ohne Notwendigkeit zu gebrauchen, es sei denn, er sieht, dass Menschen nur ungern glauben, was zu ihrem Heil zu glauben wäre, ohne die Bestätigung eines Eides. Dies also ist gut und wünschenswert, dass unsere Rede nur Ja, Ja; Nein, Nein sei; denn was darüber hinausgeht, ist vom Übel. Das heißt, wenn du gezwungen wirst zu schwören, so wisse, dass es aus der Notwendigkeit der Schwachheit derer geschieht, die du überzeugen willst; welche Schwachheit gewiss ein Übel ist. Was darüber hinausgeht, ist so vom Übel; nicht dass du Böses tust in diesem gerechten Gebrauch eines Eides, um einen anderen zu etwas ihm Nützlichem zu überreden; sondern es ist ein Übel in dem, dessen Schwachheit dich so zum Eid nötigt.

Catena Aurea · Mt 5
Oder; vom Übel, das heißt, aus der Schwachheit derer, denen das Gesetz den Gebrauch eines Eides erlaubte. Nicht dass dadurch das alte Gesetz als vom Teufel stammend bezeichnet würde, sondern Er führt uns von der alten Unvollkommenheit zur neuen Fülle.
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
28 KommentareCatena Aurea · Mt 5
(non occ.) Nachdem der Herr gelehrt hat, dass wir unserem Nächsten kein Unrecht zufügen oder dem Herrn keine Ehrfurcht verweigern sollen, fährt Er nun fort zu zeigen, wie der Christ sich denen gegenüber verhalten soll, die ihm Unrecht tun.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 25.) Dieses Gesetz, Auge für Auge, Zahn für Zahn, wurde erlassen, um die Flammen des gegenseitigen Hasses zu dämpfen und ihre zügellosen Geister im Zaum zu halten. Denn wer, wenn er Rache nehmen wollte, begnügte sich jemals damit, gerade so viel Übel zurückzugeben, wie er empfangen hatte? Sehen wir nicht Menschen, die einen geringfügigen Schaden erlitten haben, sogleich Mord planen, nach Blut dürsten und kaum genug Übel finden, das sie ihren Feinden antun können, um ihren Zorn zu befriedigen? Dieser maßlosen und grausamen Wut setzt das Gesetz Grenzen, wenn es ein lex talionis erlässt; das heißt, dass jeder, der einem anderen ein Unrecht oder einen Schaden zugefügt hat, gerade dasselbe als Vergeltung erleiden soll. Dies geschieht nicht, um Wut zu fördern, sondern um sie zu hemmen; denn es entfacht nicht wieder, was erloschen war, sondern hindert die bereits entzündeten Flammen an weiterer Ausbreitung. Es ordnet eine gerechte Vergeltung an, die dem, der das Unrecht erlitten hat, rechtmäßig zusteht. Aber dass die Barmherzigkeit jede Schuld vergibt, macht es nicht ungerecht, dass Zahlung gefordert worden war. Da also der sündigt, der eine maßlose Rache sucht, aber der nicht sündigt, der nur eine gerechte begehrt, ist derjenige weiter von der Sünde entfernt, der überhaupt keine Vergeltung sucht. Ich könnte es auch so ausdrücken: Zu den Alten wurde gesagt: Du sollst nicht ungleiche Vergeltung üben; Ich aber sage euch: Ihr sollt nicht vergelten; dies ist eine Vollendung des Gesetzes, wenn in diesen Worten etwas zum Gesetz hinzugefügt wird, was ihm fehlte; ja vielmehr das, was das Gesetz zu tun suchte, nämlich der ungleichen Rache ein Ende zu setzen, wird sicherer gewährleistet, wenn es überhaupt keine Rache gibt.
Catena Aurea · Mt 5
Denn ohne dieses Gebot könnten die Gebote des Gesetzes nicht bestehen. Denn wenn wir nach dem Gesetz alle beginnen, Böses mit Bösem zu vergelten, werden wir alle böse werden, da die, die Schaden zufügen, überhandnehmen. Wenn wir aber nach Christus dem Bösen nicht widerstehen, so bleiben, obwohl die Bösen nicht gebessert werden, doch die Guten gut.

Catena Aurea · Mt 5
So schneidet unser Herr, indem Er alle Vergeltung abschafft, die Anfänge der Sünde ab. So korrigiert das Gesetz die Fehler, das Evangelium beseitigt ihre Anlässe.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Oder man könnte sagen, dass der Herr dies sagte, indem Er etwas zur Gerechtigkeit des alten Gesetzes hinzufügte.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 19.) Denn die Gerechtigkeit der Pharisäer ist eine geringere Gerechtigkeit, nämlich das Maß der gleichen Vergeltung nicht zu überschreiten; und dies ist der Anfang des Friedens; aber vollkommener Friede ist, alle solche Vergeltung zu verweigern. Zwischen jener ersten Weise also, die nicht nach dem Gesetz war, nämlich dass ein größeres Übel für ein geringeres zurückgegeben werde, und dieser, die der Herr gebietet, um Seine Jünger vollkommen zu machen, nämlich dass kein Übel für ein Übel zurückgegeben werde, hält diese die Mitte, dass ein gleiches Übel zurückgegeben werde, was so der Übergang von äußerster Zwietracht zu äußerstem Frieden war. Wer also zuerst einem anderen Böses tut, entfernt sich am weitesten von der Gerechtigkeit; und wer nicht zuerst ein Unrecht tut, aber wenn ihm Unrecht geschieht, mit einem schwereren Unrecht vergilt, ist etwas von der äußersten Ungerechtigkeit abgewichen; wer nur vergilt, was er empfangen hat, gibt noch etwas mehr auf, denn es wäre nur strenges Recht, dass der, welcher der erste Angreifer ist, einen größeren Schaden erleiden sollte als der, den er zugefügt hat. Diese so teilweise begonnene Gerechtigkeit vollendet Er, der gekommen ist, das Gesetz zu erfüllen. Die zwei dazwischenliegenden Stufen lässt Er zu verstehen; denn es gibt einen, der nicht so viel, sondern weniger vergilt; und es gibt noch über ihm einen, der überhaupt nicht vergilt; doch dies scheint dem Herrn zu wenig, wenn du nicht auch bereit bist, Unrecht zu erleiden. Daher sagt Er nicht: Vergilt nicht Böses mit Bösem, sondern: Widerstehet nicht dem Übel, nicht nur vergilt nicht, was dir angetan wird, sondern widerstehe nicht, dass es dir nicht angetan werde. Denn so erklärt Er entsprechend jenes Wort: Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, biete ihm auch die andere dar. Was als ein hoher Teil der Barmherzigkeit denen bekannt ist, die solchen dienen, die sie sehr lieben; von denen sie, sei es mürrisch oder wahnsinnig, vieles ertragen, und wenn es für ihre Gesundheit ist, sich anbieten, mehr zu ertragen. Der Herr also, der Arzt der Seelen, lehrt Seine Jünger, die Krankheiten derer mit Geduld zu ertragen, für deren geistliche Gesundheit sie sorgen sollen. Denn alle Bosheit kommt aus einer Krankheit des Geistes; nichts ist unschuldiger als der, welcher gesund und von vollkommener Gesundheit in der Tugend ist.

Catena Aurea · Mt 5
(de Mendac. 15.) Die Dinge, die von den Heiligen im Neuen Testament getan werden, dienen als Beispiele für das Verständnis jener Schriften, die in die Form von Geboten gefasst sind. So lesen wir bei Lukas: Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem biete auch die andere dar. (Lukas 6,29.) Nun gibt es kein vollkommeneres Beispiel der Geduld als das des Herrn; doch Er sagte, als Er geschlagen wurde, nicht: ‚Siehe, die andere Wange‘, sondern: Wenn ich übel geredet habe, so bezeuge, dass es übel ist; wenn aber gut, warum schlägst du mich? (Johannes 18,23.) Damit zeigt Er uns, dass jenes Darbieten der anderen Wange im Herzen geschehen soll.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm in Mont. i. 19.) Denn der Herr war bereit, nicht nur auf die andere Wange geschlagen zu werden für das Heil der Menschen, sondern mit Seinem ganzen Leib gekreuzigt zu werden. Es könnte gefragt werden: Was bedeutet ausdrücklich die rechte Wange? Da das Antlitz das ist, wodurch ein Mensch erkannt wird, bedeutet, auf das Antlitz geschlagen zu werden, nach dem Apostel, verachtet und geringgeschätzt zu werden. Aber da wir nicht ‚rechtes Antlitz‘ und ‚linkes Antlitz‘ sagen können, und doch einen zweifachen Namen haben, einen vor Gott und einen vor der Welt, wird es gleichsam in die rechte Wange und die linke Wange aufgeteilt, damit jeder Jünger Christi, der verachtet wird, weil er Christ ist, bereit sei, noch mehr verachtet zu werden für irgendeine Ehre dieser Welt, die er haben mag. Alle Dinge, in denen wir Unrecht erleiden, werden in zwei Arten eingeteilt, von denen die eine das ist, was nicht wiederhergestellt werden kann, die andere, was wiederhergestellt werden kann. In jener Art, die nicht wiederhergestellt werden kann, pflegen wir den Trost der Rache zu suchen. Denn was nützt es, wenn du, geschlagen, wieder schlägst, wird dadurch der deinem Körper zugefügte Schaden wiedergutgemacht? Aber der von Wut geschwollene Geist sucht solche Linderungen.
Catena Aurea · Mt 5
Oder hat dein Gegenschlag ihn überhaupt davon abgehalten, dich wieder zu schlagen? Er hat ihn eher zu einem weiteren Schlag gereizt. Denn Zorn wird nicht durch entgegenkommenden Zorn gehemmt, sondern nur noch mehr gereizt.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 20.) Daher urteilt der Herr, dass die Schwachheit anderer eher mit Mitleid ertragen werden sollte, als dass unsere eigene durch den Schmerz anderer gelindert werde. Denn jene Vergeltung, die auf Züchtigung abzielt, ist hier nicht verboten, denn solche ist tatsächlich ein Teil der Barmherzigkeit; noch hindert diese Absicht, dass der, welcher einen anderen züchtigen will, nicht zugleich bereit ist, selbst mehr aus dessen Händen zu nehmen. Aber es wird verlangt, dass der die Strafe verhängt, dem die Macht durch den Lauf der Dinge gegeben ist, und mit solchem Geist, wie der Vater ihn gegenüber einem Kind hat, wenn er den züchtigt, den er unmöglich hassen kann. Und heilige Männer haben einige Sünden mit dem Tod bestraft, damit eine heilsame Furcht den Lebenden eingeflößt werde, und so nicht sein Tod, sondern die Wahrscheinlichkeit der Zunahme seiner Sünde, wenn er gelebt hätte, der Schaden des Verbrechers war. So bestrafte Elias viele mit dem Tod, und als die Jünger sein Beispiel nachahmen wollten, wurden sie vom Herrn getadelt, der nicht dieses Beispiel des Propheten tadelte, sondern ihren unwissenden Gebrauch davon, da Er sah, dass sie die Strafe nicht um der Züchtigung willen begehrten, sondern aus zornigem Hass. Aber nachdem Er die Liebe zum Nächsten eingeschärft und ihnen den Heiligen Geist gegeben hatte, fehlten nicht Beispiele solcher Vergeltung; wie Ananias und seine Frau, die auf die Worte des Petrus tot niederfielen, und der Apostel Paulus einige dem Satan übergab zum Verderben des Fleisches. Doch einige wüten mit einer Art blinder Opposition gegen die zeitlichen Strafen des Alten Testaments, ohne zu wissen, mit welchem Geist sie verhängt wurden.

Catena Aurea · Mt 5
(Epist. 185. 5.) Aber wer, der nüchternen Geistes ist, würde zu Königen sagen: Es ist nicht eure Sache, wer religiös oder wer gottlos lebt? Man kann ihnen nicht einmal sagen, dass es nicht ihre Sache sei, wer keusch oder wer unkeusch lebt. Es ist zwar besser, dass Menschen durch rechte Lehre als durch Strafen dazu geführt werden, Gott zu dienen; doch hat es vielen genützt, wie die Erfahrung uns bestätigt hat, zuerst durch Schmerz und Furcht gezwungen zu werden, damit sie später belehrt werden oder dazu gebracht werden, in Taten dem zu entsprechen, was sie in Worten gelernt hatten. Die besseren Menschen werden zwar von Liebe geleitet, aber die Mehrzahl der Menschen wird durch Furcht bearbeitet. Sie sollen am Fall des Apostels Paulus lernen, wie Christus ihn zuerst zwang und danach lehrte.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 20.) Daher werden Christen bei dieser Art von Verletzungen, die gewöhnlich Rache hervorrufen, ein solches Maß beobachten, dass kein Hass durch die Verletzungen, die sie erleiden mögen, verursacht wird, und doch die heilsame Züchtigung nicht von dem aufgegeben wird, der das Recht entweder des Rates oder der Macht hat.

Catena Aurea · Mt 5
Mystisch ausgelegt: Als wir auf die rechte Wange geschlagen werden, sagte Er nicht: Biete ihm deine linke dar, sondern die andere; denn der Gerechte hat keine linke. Das heißt, wenn ein Häretiker uns in der Disputation geschlagen hat und uns in einer rechten Lehre verwunden wollte, soll ihm mit einem anderen Zeugnis aus der Schrift begegnet werden.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Die andere Art von Verletzungen sind die, bei denen volle Wiedergutmachung geleistet werden kann, von denen es zwei Arten gibt; eine betrifft Geld, die andere Arbeit; von der ersten spricht Er, wenn Er fortfährt: Wer mit dir um deinen Rock rechten will, dem lass auch den Mantel. Wie durch die Wange solche Verletzungen der Bösen bezeichnet werden, die keine Wiedergutmachung, sondern nur Rache zulassen, so wird durch diese Ähnlichkeit der Gewänder eine Verletzung bezeichnet, die Wiedergutmachung zulässt. Und diese, wie die vorherige, ist zu Recht von der Bereitschaft des Herzens zu verstehen, nicht von der Zurschaustellung der äußeren Handlung. Und was bezüglich unserer Kleider geboten wird, ist in allen Dingen zu beachten, die wir mit irgendeinem Recht als unser eigen im weltlichen Eigentum bezeichnen. Denn wenn das Gebot in diesen notwendigen Lebensartikeln ausgedrückt wird, wie viel mehr gilt es dann bei Überflüssigem und Luxuriösem? Und wenn Er sagt: Wer mit dir rechten will, beabsichtigt Er klar, alles einzuschließen, wofür es möglich ist, dass wir verklagt werden. Es könnte gefragt werden, ob es von Sklaven zu verstehen ist, denn ein Christ sollte seinen Sklaven nicht auf derselben Grundlage besitzen wie sein Pferd; obwohl es sein könnte, dass das Pferd den höheren Geldwert hatte. Und wenn dein Sklave an dir einen milderen Herrn hat als an dem, der ihn von dir nehmen will, weiß ich nicht, ob er so leicht aufgegeben werden sollte wie dein Rock.
Catena Aurea · Mt 5
Denn es wäre eine unwürdige Sache, dass ein Gläubiger in seiner Sache vor einem ungläubigen Richter stünde. Oder wenn ein Gläubiger, obwohl (wie er sein muss) ein Weltmensch, obwohl er euch um der Würde des Glaubens willen verehrt hätte, euch verklagt, weil die Sache eine notwendige ist, werdet ihr die Würde Christi für das Geschäft der Welt verlieren. Ferner erregt jeder Rechtsstreit das Herz und erregt böse Gedanken; denn wenn du siehst, dass Unehrlichkeit oder Bestechung gegen dich angewandt wird, eilst du, deine eigene Sache mit ähnlichen Mitteln zu unterstützen, obwohl du ursprünglich nichts dergleichen beabsichtigt haben magst.

Catena Aurea · Mt 5
(Enchir. 78.) Der Herr verbietet hier seinen Jüngern, Rechtsstreitigkeiten mit anderen um weltlichen Besitz zu führen. Da jedoch der Apostel solche Arten von Streitigkeiten zwischen Brüdern und vor Schiedsrichtern, die Brüder sind, entscheiden lässt, aber sie völlig ohne die Kirche ablehnt, ist offenbar, was der Schwachheit als verzeihlich zugestanden wird.

Catena Aurea · Mt 5
(Mor. xxxi. 13.) Es gibt solche, die so weit zu ertragen sind, dass sie uns unserer weltlichen Güter berauben; aber es gibt solche, die wir hindern sollten, und zwar ohne das Gesetz der Liebe zu brechen, nicht nur damit wir nicht dessen beraubt werden, was unser ist, sondern damit sie nicht durch Beraubung anderer sich selbst zugrunde richten. Wir müssen viel mehr fürchten für die Menschen, die uns berauben, als eifrig zu sein, die leblosen Dinge zu retten, die sie uns nehmen. Wenn der Friede mit unserem Nächsten in der Angelegenheit weltlichen Besitzes aus dem Herzen verbannt wird, ist es klar, dass unser Besitz mehr geliebt wird als unser Nächster.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 19.) Die dritte Art von Unrecht, die in der Angelegenheit der Arbeit besteht, umfasst sowohl solche, die Wiedergutmachung zulassen, als auch solche, die es nicht tun – oder mit oder ohne Rache – denn wer gewaltsam einen Menschen zum Dienst presst und ihn zwingt, ihm gegen seinen Willen Hilfe zu leisten, kann entweder für sein Verbrechen bestraft werden oder die Arbeit zurückgeben. In dieser Art von Unrecht also lehrt der Herr, dass der christliche Sinn äußerst geduldig ist und bereit, noch mehr zu ertragen als angeboten wird; Wenn jemand dich zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, geh noch zwei weitere mit ihm. Dies ist ebenfalls nicht so sehr von tatsächlichem Dienst mit deinen Füßen gemeint, als von Bereitschaft des Sinnes.

Catena Aurea · Mt 5
(Hom. xviii.) Das hier verwendete Wort bedeutet, ungerecht, ohne Grund und mit Beleidigung zu schleppen.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Nehmen wir also an, es sei gesagt: Geh mit ihm noch zwei weitere, damit die Zahl drei vollendet werde; durch welche Zahl Vollkommenheit bezeichnet wird; damit, wer dies tut, sich erinnere, dass er vollkommene Gerechtigkeit erfüllt. Aus diesem Grund übermittelt er dieses Gebot unter drei Beispielen, und in diesem dritten Beispiel fügt er dem einen einzigen Maß ein zweifaches Maß hinzu, damit die dreifache Zahl vollständig sei. Oder wir können es so betrachten, als hätte er bei der Durchsetzung dieser Pflicht mit dem begonnen, was am leichtesten zu ertragen war, und sich allmählich gesteigert. Denn zuerst gebot er, dass wir, wenn die rechte Wange geschlagen wird, auch die andere hinhalten sollen; darin zeigen wir uns bereit, ein weiteres Unrecht zu ertragen, das geringer ist als das, das du bereits empfangen hast. Zweitens, dem, der deinen Rock nehmen will, befiehlt er, dich von deinem Mantel (oder Gewand, wie einige Abschriften lesen) zu trennen, was entweder ebenso ein großer Verlust ist oder vielleicht ein wenig größer. Im dritten verdoppelt er das zusätzliche Unrecht, das er uns bereit zu ertragen wünscht. Und da es eine Kleinigkeit ist, nicht zu verletzen, es sei denn, du erweist weiterhin Freundlichkeiten, fügt er hinzu: Dem, der dich bittet, gib.
Catena Aurea · Mt 5
Denn Reichtum ist nicht unser, sondern Gottes; Gott will, dass wir Verwalter seines Reichtums sind, nicht Herren.

Catena Aurea · Mt 5
Wenn wir dies nur von Almosen verstehen, kann es nicht mit dem Zustand der meisten Menschen bestehen, die arm sind; selbst die Reichen, wenn sie immer gegeben haben, werden nicht in der Lage sein, immer weiter zu geben.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Daher sagt er nicht: ‚Gib alles dem, der bittet‘; sondern: Gib jedem, der bittet; dass du nur geben sollst, was du ehrlich und recht geben kannst. Denn was, wenn jemand um Geld bittet, um es zur Unterdrückung des Unschuldigen zu verwenden? Was, wenn er um deine Zustimmung zu unreiner Sünde bittet? Wir müssen dann nur geben, was weder uns noch anderen schadet, soweit Menschen urteilen können; und wenn du eine unzulässige Bitte abgelehnt hast, damit du nicht den leer wegschickst, der gebeten hat, zeige die Gerechtigkeit deiner Ablehnung; und solche Zurechtweisung des unerlaubten Bittstellers wird oft eine bessere Gabe sein als die Gewährung seiner Bitte.

Catena Aurea · Mt 5
(Epist. 93. 2.) Denn mit mehr Nutzen wird dem Hungrigen die Speise genommen, wenn die Gewissheit der Versorgung ihn dazu bringt, die Gerechtigkeit zu vernachlässigen, als dass ihm Speise geliefert wird, damit er einer Tat der Gewalt und des Unrechts zustimmt.

Catena Aurea · Mt 5
Aber es kann vielleicht vom Reichtum der Lehre verstanden werden: Reichtum, der niemals versagt, sondern je mehr davon weggegeben wird, desto mehr überfließt.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 20.) Dass er gebietet: Und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab, muss auf den Sinn bezogen werden; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. (2 Kor 9,7.) Und jeder, der empfängt, borgt zwar, obwohl nicht er es ist, der zurückzahlen wird, sondern Gott, der dem Barmherzigen vielfach vergilt. Oder, wenn du unter Borgen nur das Nehmen mit Versprechen der Rückzahlung verstehen willst, müssen wir das Gebot des Herrn so verstehen, dass es beide Arten der Gewährung von Hilfe umfasst; ob wir nun geradeheraus geben oder leihen, um wieder zu empfangen. Und von dieser letzten Art, Barmherzigkeit zu erweisen, ist gut gesagt: Wende dich nicht ab, das heißt, sei nicht deshalb zurückhaltend zu leihen, als ob, weil der Mensch dir zurückzahlen wird, Gott es deshalb nicht tun werde; denn was du auf Gottes Befehl tust, kann nicht ohne Frucht sein.
Catena Aurea · Mt 5
Christus befiehlt uns zu leihen, aber nicht auf Wucher; denn wer zu solchen Bedingungen gibt, schenkt nicht sein Eigenes, sondern nimmt von einem anderen; er löst von einer Kette, um mit vielen zu binden, und gibt nicht um der Gerechtigkeit Gottes willen, sondern um seines eigenen Gewinns willen. Denn auf Wucher genommenes Geld ist wie der Biss einer Natter; wie das Gift der Natter heimlich die Glieder verzehrt, so verwandelt der Wucher all unseren Besitz in Schulden.

Catena Aurea · Mt 5
(Epist. 138. 2.) Einige wenden ein, dass dieses Gebot Christi völlig unvereinbar mit dem bürgerlichen Leben in Gemeinwesen sei; Wer, sagen sie, würde, wenn er es hindern könnte, die Plünderung seines Besitzes durch einen Feind erleiden; oder würde nicht das erlittene Übel einer geplünderten Provinz Roms den Plünderern nach den Rechten des Krieges vergelten? Aber diese Gebote der Geduld sind in Bereitschaft des Herzens zu beobachten, und jene Barmherzigkeit, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, muss immer durch den Willen erfüllt werden. Doch müssen wir oft eine barmherzige Schärfe im Umgang mit den Halsstarrigen anwenden. Und auf diese Weise, wenn das irdische Gemeinwesen die christlichen Gebote halten wird, wird sogar Krieg nicht ohne gute Werke der Nächstenliebe geführt werden, um unter den Besiegten friedliche Harmonie der Frömmigkeit und Gerechtigkeit zu errichten. Denn jener Sieg ist dem nützlich, dem er die Lizenz zur Sünde entreißt; da nichts unglücklicher für Sünder ist als das Glück ihrer Sünden, das eine Straflosigkeit nährt, die Strafe nach sich zieht, und ein böser Wille wird gestärkt wie ein innerer Feind.
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
26 KommentareCatena Aurea · Mt 5
(non occ.) Der Herr hat oben gelehrt, dass wir dem, der uns ein Unrecht zufügt, nicht widerstehen, sondern bereit sein müssen, noch mehr zu erleiden; nun verlangt er weiter von uns, dass wir denen, die uns Unrecht tun, sowohl Liebe als auch ihre Wirkungen erweisen. Und wie die vorhergehenden Dinge zur Vollendung der Gerechtigkeit des Gesetzes gehören, so ist auch dieses letzte Gebot auf die Vollendung des Gesetzes der Liebe zu beziehen, das nach dem Apostel die Erfüllung des Gesetzes ist.

Catena Aurea · Mt 5
(de Doctr. Christ. i. 30.) Dass durch das Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben, die ganze Menschheit gemeint war, zeigte der Herr im Gleichnis von dem Mann, der halbtot liegen gelassen wurde, welches uns lehrt, dass unser Nächster jeder ist, der zu irgendeiner Zeit in den Fall kommen mag, unserer Werke der Barmherzigkeit zu bedürfen; und wer sieht nicht, dass dies keinem verweigert werden darf, wenn der Herr sagt: Tut Gutes denen, die euch hassen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 21.) Dass es Abstufungen in der Gerechtigkeit der Pharisäer gab, die unter dem alten Gesetz stand, zeigt sich darin, dass viele sogar die hassten, von denen sie geliebt wurden. Wer also seinen Nächsten liebt, ist eine Stufe aufgestiegen, obwohl er noch seinen Feind hasst; was in dem ausgedrückt wird: und sollst deinen Feind hassen; was nicht als Gebot für die Gerechten zu verstehen ist, sondern als Zugeständnis an die Schwachen.

Catena Aurea · Mt 5
(cont. Faust. xix. 24.) Ich frage die Manichäer, warum sie dies für eigentümlich für das mosaische Gesetz halten wollen, dass von ihnen in alten Zeiten gesagt wurde: Du sollst deinen Feind hassen? Hat nicht Paulus von bestimmten Menschen gesagt, dass sie Gott verhasst waren? Wir müssen also untersuchen, wie wir verstehen können, dass nach dem Beispiel Gottes, dem der Apostel hier einige Menschen als verhasst bezeichnet, unsere Feinde zu hassen sind; und wiederum nach demselben Vorbild dessen, der seine Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt, unsere Feinde zu lieben sind. Hier ist also die Regel, nach der wir zugleich unseren Feind um des Bösen willen, das in ihm ist, das heißt seine Ungerechtigkeit, hassen und ihn um des Guten willen, das in ihm ist, das heißt seinen vernünftigen Teil, lieben können. Dies also, so von den Alten geäußert, aber nicht verstanden, trieb die Menschen zum Hass auf den Menschen, während sie nichts als das Laster hätten hassen sollen. Solche korrigiert der Herr, indem er fortfährt und sagt: Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde. Er, der gerade erklärt hatte, dass er nicht gekommen sei, das Gesetz aufzuheben, sondern zu erfüllen, brachte uns durch das Gebot, unsere Feinde zu lieben, zum Verständnis, wie wir zugleich denselben Menschen für seine Sünden hassen können, den wir für seine menschliche Natur lieben.
Catena Aurea · Mt 5
(ord.) Aber es sollte bekannt sein, dass im ganzen Gesetzeskorpus nirgends geschrieben steht: Du sollst deinen Feind hassen. Aber es ist auf die Tradition der Schriftgelehrten zu beziehen, die es für gut hielten, dies dem Gesetz hinzuzufügen, weil der Herr den Kindern Israel gebot, ihre Feinde zu verfolgen und Amalek unter dem Himmel auszurotten.
Catena Aurea · Mt 5
Wie jenes: Du sollst nicht begehren, nicht zum Fleisch gesprochen wurde, sondern zum Geist, so ist in diesem zwar das Fleisch nicht fähig, seinen Feind zu lieben, aber der Geist ist es; denn die Liebe und der Hass des Fleisches sind im Sinn, aber die des Geistes sind im Verstand. Wenn wir also Hass gegen einen empfinden, der uns Unrecht getan hat, und dennoch nicht nach diesem Gefühl handeln wollen, so wisse, dass unser Fleisch unseren Feind hasst, aber unsere Seele ihn liebt.

Catena Aurea · Mt 5
(Mor. xxii. 11.) Die Liebe zum Feind wird dann beobachtet, wenn wir nicht traurig sind über seinen Erfolg oder uns über seinen Fall freuen. Wir hassen den, dem wir nicht wünschen, dass es ihm besser ergeht, und verfolgen mit üblen Wünschen den Wohlstand des Menschen, über dessen Fall wir uns freuen. Doch kann es oft geschehen, dass ohne jede Aufopferung der Liebe der Fall eines Feindes uns erfreut und wiederum seine Erhöhung uns traurig macht, ohne jeden Verdacht des Neides; wenn nämlich durch seinen Fall ein verdienstvoller Mensch erhoben oder durch seinen Erfolg ein unverdienter niedergedrückt wird. Doch hierbei muss ein strenges Maß an Unterscheidung beachtet werden, damit wir nicht, indem wir unseren eigenen Hass verfolgen, ihn vor uns selbst unter dem trügerischen Vorwand des Nutzens anderer verbergen. Wir sollten abwägen, wie viel wir dem Fall des Sünders, wie viel wir der Gerechtigkeit des Richters schulden. Denn wenn der Allmächtige einen verstockten Sünder geschlagen hat, müssen wir sogleich seine Gerechtigkeit als Richter preisen und mit dem Leiden des anderen, der zugrunde geht, mitfühlen.
Catena Aurea · Mt 5
(ord.) Die, welche sich gegen die Kirche stellen, widerstehen ihr auf dreifache Weise: mit Hass, mit Worten und mit körperlichen Martern. Die Kirche hingegen liebt sie, wie es hier heißt: Liebet eure Feinde; sie tut ihnen Gutes, wie es heißt: Tut Gutes denen, die euch hassen; und sie betet für sie, wie es heißt: Betet für die, die euch verfolgen und euch fälschlich anklagen.

Catena Aurea · Mt 5
Viele, die die Gebote Gottes an ihrer eigenen Schwäche messen, nicht an der Stärke der Heiligen, halten diese Gebote für unmöglich und sagen, es sei Tugend genug, unsere Feinde nicht zu hassen; sie aber zu lieben, sei ein Gebot, das zu befolgen über die menschliche Natur hinausgehe. Doch muss man verstehen, dass Christus nicht Unmögliches, sondern Vollkommenheit gebietet. So war die Gesinnung Davids gegenüber Saul und Absalom; auch der Märtyrer Stephanus betete für seine Feinde, während sie ihn steinigten, und Paulus wünschte sich selbst zum Anathema um seiner Verfolger willen. (Röm. 9,3.) Jesus lehrte und tat dasselbe, indem er sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lk. 23,34.)

Catena Aurea · Mt 5
(Enchir. 73.) Dies sind zwar Beispiele der vollkommenen Söhne Gottes; doch danach soll jeder Gläubige streben und durch Gebet zu Gott und Kämpfe mit sich selbst seinen menschlichen Geist zu dieser Gesinnung erheben. Doch diese so große Segnung wird nicht allen jenen Mengen zuteil, von denen wir glauben, dass sie erhört werden, wenn sie beten: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 21.) Hier erhebt sich eine Frage, dass dieses Gebot des Herrn, durch das er uns befiehlt, für unsere Feinde zu beten, vielen anderen Teilen der Schrift entgegenzustehen scheint. Bei den Propheten finden sich viele Verwünschungen gegen Feinde; wie jene im 108. Psalm: Seine Kinder sollen Waisen werden. (Ps. 109,9.) Doch muss man wissen, dass die Propheten kommende Dinge in Form eines Gebets oder Wunsches vorherzusagen pflegen. Größeres Gewicht hat als Schwierigkeit, dass Johannes sagt: Es gibt eine Sünde zum Tode, ich sage nicht, dass er für sie beten soll; (1 Joh. 5,16.) was deutlich zeigt, dass es einige Brüder gibt, für die er uns nicht zu beten befiehlt; denn was vorausging, war: Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde usw. Doch der Herr befiehlt uns, für unsere Verfolger zu beten. Diese Frage kann nur gelöst werden, wenn wir zugeben, dass es in Brüdern einige Sünden gibt, die schwerwiegender sind als die Sünde der Verfolgung in unseren Feinden. Denn so betet Stephanus für die, die ihn steinigten, weil sie noch nicht an Christus geglaubt hatten; aber der Apostel Paulus (2 Tim. 4,14.) betet nicht für Alexander, obwohl er ein Bruder war, sondern durch Eifersucht die Bruderschaft angegriffen und gesündigt hatte. Für wen du aber nicht betest, gegen den betest du damit nicht. Was sollen wir also von denen sagen, gegen die wir wissen, dass die Heiligen gebetet haben, und zwar nicht, dass sie korrigiert werden sollten (denn das wäre eher, für sie zu beten), sondern für ihre ewige Verdammnis; nicht wie jenes Gebet des Propheten gegen den Verräter des Herrn, denn das ist eine Prophezeiung der Zukunft, nicht eine Verwünschung der Strafe; sondern wie wenn wir in der Apokalypse das Gebet der Märtyrer lesen, dass sie gerächt werden. (Offb. 6,10.) Doch dürfen wir uns davon nicht beeinflussen lassen. Denn wer dürfte behaupten, dass sie gegen jene Personen selbst gebetet haben und nicht gegen das Reich der Sünde? Denn das wäre eine ebenso gerechte wie barmherzige Rache der Märtyrer, das Reich der Sünde zu stürzen, unter dessen Fortdauer sie all jene Übel erduldeten. Und es wird gestürzt durch die Besserung einiger und die Verdammnis derer, die in der Sünde verharren. Scheint dir nicht Paulus an seinem eigenen Leib Stephanus gerächt zu haben, wie er spricht: (1 Kor. 9,27.) Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Knechtschaft.
Catena Aurea · Mt 5
(Hil. Quæst. V. and N. Test. q. 68.) Und die Seelen der Erschlagenen schreien um Rache; wie das Blut Abels aus der Erde schrie, nicht mit einer Stimme, sondern im Geist1. Wie das Werk den Werkmeister lobt, wenn er sich an seinem Anblick erfreut; denn die Heiligen sind nicht so ungeduldig, dass sie vorantreiben, was sie wissen, dass es zur bestimmten Zeit geschehen wird.

Catena Aurea · Mt 5
Beachte, über welche Stufen wir nun hierher aufgestiegen sind und wie er uns auf den Gipfel der Tugend gestellt hat. Die erste Stufe ist, niemandem Unrecht anzutun; die zweite, dass wir bei der Rache für ein uns zugefügtes Unrecht mit gleicher Vergeltung zufrieden sind; die dritte, nichts von dem zurückzugeben, was wir erlitten haben; die vierte, sich selbst der Erduldung des Bösen hinzugeben; die fünfte, bereit zu sein, noch mehr Böses zu erleiden, als der Bedränger zuzufügen begehrt; die sechste, den nicht zu hassen, von dem wir solches erleiden; die siebte, ihn zu lieben; die achte, ihm Gutes zu tun; die neunte, für ihn zu beten. Und weil das Gebot groß ist, ist auch der verheißene Lohn groß, nämlich Gott gleich gemacht zu werden: Ihr werdet Söhne eures Vaters im Himmel sein.

Catena Aurea · Mt 5
Denn wer die Gebote Gottes hält, wird dadurch zum Sohn Gottes gemacht; der also, von dem er hier spricht, ist nicht von Natur aus sein Sohn, sondern durch seinen eigenen Willen.

Catena Aurea · Mt 5
(Serm. in Mont. i. 23.) Nach dieser Regel müssen wir hier verstehen, wovon Johannes spricht: Er gab ihnen die Macht, Söhne Gottes zu werden. Einer ist sein Sohn von Natur; wir werden Söhne durch die Macht, die wir empfangen haben; das heißt, sofern wir das erfüllen, was uns geboten ist. So sagt er nicht: Tut dies, weil ihr Söhne seid; sondern: Tut dies, damit ihr Söhne werdet. Indem er uns dazu beruft, beruft er uns zu seiner Ähnlichkeit, denn er sagt: Er lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte. Unter der Sonne können wir nicht diese sichtbare verstehen, sondern jene, von der gesagt ist: Euch, die ihr den Namen des Herrn fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen; (Mal. 4,2.) und unter dem Regen das Wasser der Lehre der Wahrheit; denn Christus wurde gesehen und wurde sowohl Guten als auch Bösen gepredigt.

Catena Aurea · Mt 5
Oder Sonne und Regen beziehen sich auf die Taufe mit Wasser und Geist.

Catena Aurea · Mt 5
(ubi sup.) Oder wir können es von dieser sichtbaren Sonne und vom Regen verstehen, durch den die Früchte genährt werden, wie die Gottlosen im Buch der Weisheit klagen: Die Sonne ist für uns nicht aufgegangen. (Weish. 5,6.) Und vom Regen ist gesagt: Ich will den Wolken gebieten, dass sie nicht auf es regnen. (Jes. 5,6.) Doch ob es dies oder jenes ist, es ist von der großen Güte Gottes, die uns zur Nachahmung vorgelegt wird. Er sagt nicht: ‚die Sonne‘, sondern: seine Sonne, das heißt die Sonne, die er selbst gemacht hat, damit wir dadurch ermahnt werden, mit wie großer Freigebigkeit wir jene Dinge spenden sollen, die wir nicht erschaffen, sondern als Geschenk von ihm empfangen haben.

Catena Aurea · Mt 5
(Epist. 93. 2.) Aber wie wir ihn für seine Gaben loben, so lasst uns auch bedenken, wie er die züchtigt, die er liebt. Denn nicht jeder, der schont, ist ein Freund, noch jeder, der züchtigt, ein Feind; es ist besser, mit Strenge zu lieben, als Milde zu üben, womit man täuscht. (vgl. Spr. 27,6.)
Catena Aurea · Mt 5
Er war darauf bedacht zu sagen: Über Gerechte und Ungerechte, und nicht ‚über die Ungerechten wie über die Gerechten‘; denn Gott gibt alle guten Gaben nicht um der Menschen willen, sondern um der Heiligen willen, wie auch Züchtigungen um der Sünder willen. Bei der Gewährung seiner guten Gaben trennt er die Sünder nicht von den Gerechten, damit sie nicht verzweifeln; so auch bei seinen Heimsuchungen nicht die Gerechten von den Sündern, damit sie nicht hochmütig werden; und umso mehr, da die Gottlosen keinen Nutzen aus den guten Dingen ziehen, die sie empfangen, sondern sie durch ihr böses Leben zu ihrem Schaden wenden; noch werden die Guten durch die bösen Dinge geschädigt, sondern sie nützen ihnen zur Mehrung der Gerechtigkeit.

Catena Aurea · Mt 5
(De Civ. Dei, i. 8.) Denn der gute Mensch wird nicht durch weltliche Güter aufgeblasen noch durch weltliches Unglück gebrochen. Der böse Mensch aber wird in zeitlichen Verlusten bestraft, weil er durch zeitliche Gewinne verdorben wird. Oder aus einem anderen Grund wollte er, dass Gutes und Böses beiden Arten von Menschen gemeinsam sei, damit gute Dinge nicht mit heftigem Verlangen gesucht würden, da sie ja auch von den Gottlosen genossen wurden; noch die bösen Dinge schändlich gemieden würden, da ja auch die Gerechten von ihnen betroffen werden.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Einen zu lieben, der uns liebt, ist von Natur aus, aber unseren Feind zu lieben, ist aus Liebe. Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? nämlich im Himmel. Wahrlich keinen, denn von solchen ist gesagt: Ihr habt euren Lohn empfangen. Aber diese Dinge sollen wir tun und jene nicht lassen.

Catena Aurea · Mt 5
Wenn also Sünder von Natur aus dazu geführt werden, denen Freundlichkeit zu erweisen, die sie lieben, mit wie viel größerem Zeichen der Zuneigung solltet ihr nicht auch jene umfangen, die euch nicht lieben? Denn es folgt: Tun das nicht auch die Zöllner? Die Zöllner sind jene, die die öffentlichen Abgaben eintreiben; oder vielleicht jene, die dem öffentlichen Geschäft oder dem Gewinn dieser Welt nachgehen.
Catena Aurea · Mt 5
(non occ.) Aber wenn ihr nur für die betet, die eure Verwandten sind, was hat eure Wohltätigkeit dann mehr als die der Ungläubigen? Der Gruß ist eine Art von Gebet.

Catena Aurea · Mt 5
Ethnici, das heißt die Heiden, denn das griechische Wort ἔθνος wird im Lateinischen mit ‚gens‘ übersetzt; jene also, die so bleiben, wie sie geboren wurden, nämlich unter der Sünde.
Catena Aurea · Mt 5
Weil die höchste Vollkommenheit der Liebe nicht über die Liebe zu den Feinden hinausgehen kann, fährt der Herr, sobald er uns geboten hat, unsere Feinde zu lieben, fort: Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Er ist wahrhaft vollkommen, da allmächtig; der Mensch, da vom Allmächtigen unterstützt. Denn das Wort ‚wie‘ wird in der Schrift manchmal für Identität und Gleichheit verwendet, wie in jenem: Wie ich mit Mose war, so will ich mit dir sein; (Jos. 1,5.) manchmal nur, um Ähnlichkeit auszudrücken, wie hier.
Catena Aurea · Mt 5
Denn wie unsere leiblichen Söhne ihren Vätern in einem Teil ihrer körperlichen Gestalt gleichen, so gleichen geistliche Söhne ihrem Vater Gott in Heiligkeit.