
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
31 Es ist auch gesagt worden: Wer seine Frau entlässt, soll ihr einen Scheidebrief geben. 32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer wegen Unzucht, der macht sie zur Ehebrecherin, und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
(Serm. in Mont. i. 16.) Nichts kann ungerechter sein, als eine Frau wegen Unzucht zu entlassen und selbst dieser Sünde schuldig zu sein, denn dann ist geschehen: Worin du einen anderen richtest, verdammst du dich selbst. (Röm. 2,1.) Wenn Er sagt: Und wer die Entlassene heiratet, begeht Ehebruch, erhebt sich die Frage, ob die Frau in diesem Fall auch Ehebruch begeht? Denn der Apostel bestimmt, dass sie entweder unverheiratet bleibt oder sich mit ihrem Mann versöhnt. Es gibt diesen Unterschied in der Trennung, nämlich welcher von ihnen die Ursache war. Wenn die Frau den Mann entlässt und einen anderen heiratet, scheint sie ihren ersten Mann mit dem Wunsch nach Veränderung verlassen zu haben, was ein ehebrecherischer Gedanke ist. Aber wenn sie von ihrem Mann entlassen wurde, wie kann sie dann von derselben Schuld frei sein, wenn der, der sie heiratet, Ehebruch begeht? Und weiter, wenn der, der sie heiratet, Ehebruch begeht, ist sie die Ursache dafür, dass er Ehebruch begeht, was der Herr hier verbietet.