
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(ubi sup.) Nehmen wir also an, es sei gesagt: Geh mit ihm noch zwei weitere, damit die Zahl drei vollendet werde; durch welche Zahl Vollkommenheit bezeichnet wird; damit, wer dies tut, sich erinnere, dass er vollkommene Gerechtigkeit erfüllt. Aus diesem Grund übermittelt er dieses Gebot unter drei Beispielen, und in diesem dritten Beispiel fügt er dem einen einzigen Maß ein zweifaches Maß hinzu, damit die dreifache Zahl vollständig sei. Oder wir können es so betrachten, als hätte er bei der Durchsetzung dieser Pflicht mit dem begonnen, was am leichtesten zu ertragen war, und sich allmählich gesteigert. Denn zuerst gebot er, dass wir, wenn die rechte Wange geschlagen wird, auch die andere hinhalten sollen; darin zeigen wir uns bereit, ein weiteres Unrecht zu ertragen, das geringer ist als das, das du bereits empfangen hast. Zweitens, dem, der deinen Rock nehmen will, befiehlt er, dich von deinem Mantel (oder Gewand, wie einige Abschriften lesen) zu trennen, was entweder ebenso ein großer Verlust ist oder vielleicht ein wenig größer. Im dritten verdoppelt er das zusätzliche Unrecht, das er uns bereit zu ertragen wünscht. Und da es eine Kleinigkeit ist, nicht zu verletzen, es sei denn, du erweist weiterhin Freundlichkeiten, fügt er hinzu: Dem, der dich bittet, gib.