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Catena Aurea · Evangelium secundum Matthaeum
265 Kommentare der Kirchenväter · 20 Versabschnitte
Matthäusevangelium 6 in der Bibel lesen1 Achtet darauf, dass ihr euere Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei euerem Vater, der im Himmel ist.
11 KommentareCatena Aurea · Mt 6
(non occ.) Nachdem Christus nun das Gesetz in Bezug auf die Gebote erfüllt hat, beginnt Er es in Bezug auf die Verheißungen zu erfüllen, damit wir Gottes Gebote um himmlischen Lohnes willen halten, nicht um des irdischen willen, den das Gesetz in Aussicht stellte. Alle irdischen Dinge lassen sich auf zwei Hauptpunkte zurückführen, nämlich auf menschlichen Ruhm und auf die Fülle irdischer Güter; beide scheinen im Gesetz verheißen zu sein. Vom ersten spricht das Buch Deuteronomium: Der Herr wird dich höher machen als alle Völker, die auf dem Erdboden wohnen. (c. 28:1.) Und an derselben Stelle wird über den irdischen Reichtum hinzugefügt: Der Herr wird dich mit allen Gütern überhäufen. Daher verbietet der Herr nun diese beiden Dinge, Ruhm und Reichtum, der Aufmerksamkeit der Gläubigen.

Catena Aurea · Mt 6
(Hom. xix.) Doch sei es bekannt, dass das Verlangen nach Ruhm der Tugend nahe verwandt ist.
Catena Aurea · Mt 6
Denn wenn etwas wahrhaft Rühmliches getan wird, hat die Prahlerei dort ihre bereiteste Gelegenheit; so schließt der Herr zuerst jede Absicht aus, Ruhm zu suchen; denn Er weiß, dass dies von allen fleischlichen Lastern das für den Menschen gefährlichste ist. Die Diener des Teufels werden von allen Arten von Lastern gequält; aber es ist das Verlangen nach eitlem Ruhm, das die Diener des Herrn mehr quält als die Diener des Teufels.

Catena Aurea · Mt 6
(Prosper. Lib. Sentent. 318.) Wie große Stärke die Liebe zum menschlichen Ruhm hat, fühlt niemand, außer dem, der ihm den Krieg erklärt hat. Denn obwohl es für jeden leicht ist, Lob nicht zu wünschen, wenn es ihm verweigert wird, ist es schwierig, nicht Gefallen daran zu finden, wenn es angeboten wird.

Catena Aurea · Mt 6
Beachte, wie Er begonnen hat, gleichsam ein schwer zu erkennendes Tier zu beschreiben, das bereit ist, den zu beschleichen, der nicht sehr auf der Hut vor ihm ist; es dringt heimlich ein und trägt unmerklich all das davon, was im Inneren ist.
Catena Aurea · Mt 6
Und deshalb gebietet Er, dies sorgfältiger zu meiden: Hütet euch, eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen zu üben. Wir müssen unser Herz bewachen, denn wir haben es mit einer unsichtbaren Schlange zu tun, gegen die wir uns hüten müssen, die heimlich eindringt und verführt; aber wenn das Herz rein ist, in das der Feind einzudringen vermochte, spürt der Gerechte bald, dass er von einem fremden Geist angetrieben wird; wenn aber sein Herz voller Bosheiten wäre, bemerkt er die Eingebung des Teufels nicht so leicht, und deshalb lehrte Er uns zuerst: Zürne nicht, Begehre nicht, denn wer unter dem Joch dieser Übel steht, kann nicht auf sein eigenes Herz achten. Aber wie kann es sein, dass wir unser Almosen nicht vor den Menschen geben sollten? Oder wenn dies möglich ist, wie können sie so gegeben werden, dass wir nichts davon wissen? Denn wenn ein Armer vor uns in der Gegenwart von jemandem erscheint, wie sollen wir ihm heimlich Almosen geben können? Wenn wir ihn beiseite führen, muss man sehen, dass wir ihm geben. Beachte also, dass Er nicht einfach sagte: Nicht vor den Menschen, sondern hinzufügte: um von ihnen gesehen zu werden. Wer also Gerechtigkeit nicht aus diesem Beweggrund tut, auch wenn er sie vor den Augen der Menschen tut, ist deshalb nicht zu verurteilen; denn wer etwas um Gottes willen tut, sieht in seinem Herzen nichts als Gott, um dessentwillen er es tut; wie ein Arbeiter immer den vor Augen hat, der ihm die Arbeit anvertraut hat.

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. viii. 48.) Wenn wir also den Ruhm des Gebens suchen, machen wir sogar unsere öffentlichen Taten in Seinen Augen verborgen; denn wenn wir dabei unseren eigenen Ruhm suchen, dann sind sie bereits aus Seinen Augen verworfen, auch wenn es viele gibt, denen sie noch unbekannt sind. Es gehört nur zu den vollkommen Vollendeten, ihre Taten sehen zu lassen und das Lob dafür so zu empfangen, dass sie nicht durch eine geheime Selbstgefälligkeit erhoben werden; die Schwachen hingegen, weil sie diese vollkommene Verachtung ihres eigenen Ruhmes nicht erreichen können, müssen die guten Taten, die sie tun, verbergen.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 1.) Indem Er nur sagt: um von den Menschen gesehen zu werden, ohne jeden Zusatz, scheint Er verboten zu haben, dass wir dies zum Ziel unseres Handelns machen. Denn der Apostel, der erklärte: Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, wäre ich nicht der Knecht Christi; (Gal. 1:10.) sagt an anderer Stelle: Ich gefalle allen in allem. (1 Kor. 10:33.) Dies tat er nicht, um Menschen zu gefallen, sondern Gott, zu dessen Liebe er die Herzen der Menschen durch Gefallen hinwenden wollte. Wie wir nicht denken sollten, dass der absurd spricht, der sagen würde: Bei dieser meiner Mühe, ein Schiff zu suchen, suche ich nicht das Schiff, sondern mein Vaterland.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. 54. 2.) Er sagt dies: um von den Menschen gesehen zu werden, weil es einige gibt, die ihre Gerechtigkeit so vor den Menschen üben, dass nicht sie selbst gesehen werden, sondern die Werke selbst gesehen werden und ihr Vater im Himmel verherrlicht wird; denn sie rechnen nicht ihre eigene Gerechtigkeit, sondern die Seine, in deren Glauben sie leben.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 1.) Dass Er hinzufügt: Andernfalls werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel haben, bedeutet nichts anderes, als dass wir darauf achten sollen, nicht Menschenlob als Lohn für unsere Werke zu suchen.
Catena Aurea · Mt 6
Was wirst du von Gott empfangen, der du Gott nichts gegeben hast? Was um Gottes willen getan wird, ist Gott gegeben und wird von Ihm empfangen; was aber wegen der Menschen getan wird, ist in den Wind geworfen. Aber welche Weisheit ist es, unsere Güter hinzugeben, leere Worte zu ernten und den Lohn Gottes verachtet zu haben? Ja, du täuschst sogar den Menschen, auf dessen gutes Wort du hoffst; denn er denkt, du tust es um Gottes willen, sonst würde er dich eher tadeln als loben. Doch müssen wir annehmen, dass nur der seine Arbeit wegen der Menschen tut, der sie mit seinem ganzen Willen und seiner Absicht tut, die vom Gedanken an sie beherrscht wird. Wenn aber ein müßiger Gedanke, der danach strebt, von Menschen gesehen zu werden, im Herzen eines Menschen aufsteigt, aber vom verständigen Geist widerstanden wird, ist er deshalb nicht der Menschengefälligkeit zu verurteilen; denn dass der Gedanke ihm kam, war die Leidenschaft des Fleisches, was er wählte, war das Urteil seiner Seele.
2 Wenn du also Almosen gibst, so lass nicht vor dir her trompeten, wie es die Heuchler in den Synagogen und in den Gassen machen, um von den Menschen gelobt zu werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten. 3 Du aber, wenn du Almosen gibst, dann soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, 4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibt. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten.
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Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 2.) Oben hatte der Herr von der Gerechtigkeit im Allgemeinen gesprochen. Nun verfolgt Er sie durch ihre verschiedenen Teile.
Catena Aurea · Mt 6
(Hom. xv.) Er stellt drei Haupttugenden, Almosen, Gebet und Fasten, drei Übeln gegenüber, gegen die der Herr den Krieg der Versuchung aufnahm. Denn Er kämpfte für uns in der Wüste gegen die Völlerei; gegen die Habsucht auf dem Berg; gegen den falschen Ruhm auf dem Tempel. Es ist das Almosen, das gegen die Habsucht, die aufhäuft, ausgestreut wird; das Fasten gegen die Völlerei, die ihr entgegengesetzt ist; das Gebet gegen den falschen Ruhm, da alle anderen Übel aus dem Bösen kommen, dieses allein aber aus dem Guten; und deshalb wird es nicht niedergeworfen, sondern vielmehr vom Guten genährt, und es gibt kein Heilmittel, das dagegen hilft, außer allein das Gebet.
Catena Aurea · Mt 6
(Comm. in Tim. 4, 8.) Die Summe aller christlichen Disziplin ist in Barmherzigkeit und Frömmigkeit zusammengefasst, weshalb Er mit dem Almosengeben beginnt.
Catena Aurea · Mt 6
Die Trompete steht für jede Handlung oder jedes Wort, die auf eine Zurschaustellung unserer Werke abzielen; zum Beispiel Almosen zu geben, wenn wir wissen, dass eine andere Person zusieht, oder auf Bitte eines anderen, oder an eine Person in solcher Verfassung, dass sie uns eine Gegenleistung erweisen kann; und wenn nicht in solchen Fällen, sie nicht zu geben. Ja, selbst wenn sie an einem geheimen Ort mit der Absicht getan werden, für lobenswert gehalten zu werden, dann wird die Trompete geblasen.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Was Er also sagt: Blase nicht die Trompete vor dir, bezieht sich auf das, was Er oben gesagt hatte: Hütet euch, eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen zu üben.

Catena Aurea · Mt 6
Wer die Trompete vor sich bläst, wenn er Almosen gibt, ist ein Heuchler. Daher fügt er hinzu: wie die Heuchler tun.

Catena Aurea · Mt 6
(Etym. x. ex Aug. Serm.) Der Name ‚Heuchler‘ leitet sich vom Aussehen derer ab, die in den Schauspielen mit Masken verkleidet sind, die je nach der dargestellten Figur verschieden gefärbt sind, manchmal männlich, manchmal weiblich, um die Zuschauer zu täuschen, während sie in den Spielen auftreten.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Wie also die Heuchler (ein Wort, das ‚einer, der vortäuscht‘ bedeutet), indem sie die Charaktere anderer Menschen darstellen, Rollen spielen, die nicht von Natur aus ihre eigenen sind – denn wer Agamemnon darstellt, ist nicht wirklich Agamemnon, sondern täuscht vor, es zu sein –, so ist auch in den Kirchen jeder, der in seinem ganzen Verhalten scheinen will, was er nicht ist, ein Heuchler; er täuscht vor, gerecht zu sein, und ist es nicht wirklich, da sein einziger Beweggrund das Lob der Menschen ist.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) In den Worten: in den Straßen und Dörfern, kennzeichnet er die öffentlichen Orte, die sie auswählten; und in diesen, dass sie Ehre von den Menschen empfangen, kennzeichnet er ihr Motiv.

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. xxxi. 13.) Es ist zu wissen, dass es einige gibt, die das Gewand der Heiligkeit tragen und nicht fähig sind, das Verdienst der Vollkommenheit zu erwirken, die aber keineswegs zu den Heuchlern gezählt werden dürfen, weil es eines ist, aus Schwachheit zu sündigen, ein anderes aus listiger Ziererei.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 2.) Und solche Sünder empfangen von Gott, dem Herzenskenner, keine andere Belohnung als die Strafe für ihre Täuschung; Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn empfangen,

Catena Aurea · Mt 6
einen Lohn nicht von Gott, sondern von sich selbst, denn sie empfangen Lob von Menschen, um dessentwillen sie ihre Tugenden übten.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Dies bezieht sich auf das, was Er oben gesagt hatte: Sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel; und Er fährt fort, ihnen zu zeigen, dass sie ihr Almosen nicht wie die Heuchler geben sollen, sondern lehrt sie, wie sie es geben sollen.

Catena Aurea · Mt 6
Lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, ist als eine äußerste Ausdrucksweise gesagt, gleichsam als wolle Er sagen: Wenn es möglich wäre, dass du dich selbst nicht kenntest und dass deine eigenen Hände vor deinem Blick verborgen wären, das ist es, wonach du am meisten streben solltest.
Catena Aurea · Mt 6
Die Apostel im Buch der Konstitutionen deuten es so: Die rechte Hand ist das christliche Volk, das zur Rechten Christi steht; die linke Hand ist das ganze Volk, das zu Seiner Linken steht. Er meint also, dass, wenn ein Christ Almosen gibt, der Ungläubige es nicht sehen soll.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Aber nach dieser Auslegung wird es kein Fehler sein, Rücksicht darauf zu nehmen, den Gläubigen zu gefallen; und doch ist es uns verboten, als Ziel irgendeines guten Werkes das Gefallen irgendeiner Art von Menschen zu setzen. Wenn du jedoch willst, dass Menschen deine Handlungen nachahmen, die ihnen gefallen mögen, müssen sie sowohl vor Ungläubigen als auch vor Gläubigen getan werden. Wenn wir wiederum nach einer anderen Auslegung unter der linken Hand unseren Feind verstehen und dass unser Feind nicht wissen soll, wenn wir unser Almosen geben, warum heilte der Herr selbst barmherzig Menschen, als die Juden um Ihn standen? Und wie müssen wir auch mit unserem Feind selbst nach jenem Gebot umgehen: Wenn dein Feind hungert, speise ihn. (Spr. 25:21.) Eine dritte Auslegung ist lächerlich: dass die linke Hand die Ehefrau bezeichnet und dass, weil Frauen gewöhnlich in Sachen der Ausgaben aus der Familienkasse verschwiegener sind, daher die Wohltätigkeiten des Ehemannes vor der Ehefrau geheim gehalten werden sollten, um häuslichen Streit zu vermeiden. Aber dieses Gebot ist ebenso an Frauen wie an Männer gerichtet; was ist dann die linke Hand, vor der Frauen ihr Almosen verbergen sollen? Ist auch der Ehemann die linke Hand der Ehefrau? Und da geboten wird, dass sie einander mit guten Werken bereichern, ist es klar, dass sie ihre guten Taten nicht verbergen dürfen; noch darf ein Diebstahl begangen werden, um Gott zu dienen. Aber wenn in irgendeinem Fall etwas heimlich getan werden muss, aus Rücksicht auf die Schwachheit des anderen, obwohl es nicht unerlaubt ist, so ist doch klar, dass die Ehefrau hier nicht mit der linken Hand gemeint sein kann, und zwar aus dem Zusammenhang des ganzen Abschnitts; nein, nicht einmal eine solche, die er wohl link nennen könnte. Aber das, was an den Heuchlern getadelt wird, nämlich dass sie Menschenlob suchen, das ist es, was dir verboten wird zu tun; die linke Hand scheint daher das Wohlgefallen am Menschenlob zu bezeichnen; die rechte Hand bezeichnet die Absicht, die göttlichen Gebote zu erfüllen. Wann immer sich also ein Verlangen, Ehre von Menschen zu erlangen, mit dem Gewissen dessen vermischt, der Almosen gibt, dann weiß die linke Hand, was die rechte Hand, das rechte Gewissen, tut. Lass also die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, bedeutet: Lass nicht das Verlangen nach Menschenlob sich mit deinem Gewissen vermischen. Aber unser Herr verbietet noch stärker, dass die linke Hand allein in uns wirkt, als dass sie sich in die Werke der rechten Hand einmischt. Die Absicht, mit der Er all dies sagte, zeigt sich darin, dass Er hinzufügt: damit dein Almosen im Verborgenen sei; das heißt, allein in deinem guten Gewissen, das kein menschliches Auge sehen noch Worte entdecken können, obwohl vieles fälschlich über viele gesagt wird. Aber dein gutes Gewissen selbst genügt dir, um deinen Lohn zu verdienen, wenn du deinen Lohn von dem erwartest, der allein dein Gewissen sehen kann. Das ist es, was Er hinzufügt: Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Viele lateinische Handschriften haben: öffentlich.
Catena Aurea · Mt 6
Denn es ist unmöglich, dass Gott irgendein gutes Werk des Menschen im Verborgenen lässt; sondern Er macht es in dieser Welt offenbar und verherrlicht es in der nächsten Welt, weil es die Herrlichkeit Gottes ist; ebenso macht der Teufel das Böse offenbar, worin die Stärke seiner großen Bosheit gezeigt wird. Aber Gott macht eigentlich jedes gute Werk nur in jener Welt öffentlich, deren Güter nicht den Gerechten und den Gottlosen gemeinsam sind; wem also Gott dort Gunst erweisen wird, dem wird offenbar werden, dass es als Lohn seiner Gerechtigkeit geschah. Aber der Lohn der Tugend wird nicht in dieser Welt offenbart, in der sowohl Böse als auch Gute in ihren Geschicken gleich sind.

Catena Aurea · Mt 6
Aber in den griechischen Handschriften, die älter sind, haben wir nicht das Wort öffentlich.

Catena Aurea · Mt 6
Wenn du also Zuschauer deiner guten Taten begehrst, siehe, so hast du nicht nur Engel und Erzengel, sondern den Gott des Universums.
5 Wenn ihr betet, so seid nicht wie die Heuchler; denn sie beten gern, wenn sie in den Synagogen und an den Straßenecken stehen, um sich vor den Leuten zu zeigen. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten. 6 Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer und schließe deine Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten.
22 KommentareCatena Aurea · Mt 6
(non occ.) Salomo sagt: Vor dem Gebet bereite deine Seele. (Sir. 18:23.) Das tut der, welcher zum Gebet kommt und Almosen gibt; denn gute Werke entfachen den Glauben des Herzens und geben der Seele Zuversicht im Gebet zu Gott. Almosen sind also eine Vorbereitung auf das Gebet, und daher fährt der Herr, nachdem Er über Almosen gesprochen hat, fort, uns entsprechend über das Gebet zu unterweisen.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 3.) Er befiehlt uns jetzt nicht zu beten, sondern unterweist uns, wie wir beten sollen; wie Er oben nicht gebot, Almosen zu geben, sondern die Art und Weise zeigte, sie zu geben.
Catena Aurea · Mt 6
Das Gebet ist gleichsam ein geistiges Opfer, das die Seele aus ihrem Inneren darbringt. Je herrlicher es daher ist, desto wachsamer müssen wir darauf achten, dass es nicht verächtlich gemacht wird, indem es geschieht, um von Menschen gesehen zu werden.

Catena Aurea · Mt 6
Er nennt sie Heuchler, weil sie vorgeben, zu Gott zu beten, sich aber nach Menschen umsehen; und Er fügt hinzu: Sie lieben es, in den Synagogen zu beten.
Catena Aurea · Mt 6
Aber ich vermute, dass der Herr hier nicht den Ort meint, sondern die Absicht dessen, der betet; denn es ist lobenswert, in der Versammlung der Gläubigen zu beten, wie gesagt wird: In euren Kirchen preiset Gott. (Ps. 68:26.) Wer also so betet, dass er von Menschen gesehen wird, blickt nicht auf Gott, sondern auf den Menschen, und soweit es seine Absicht betrifft, betet er in der Synagoge. Wer aber seinen Sinn im Gebet ganz auf Gott richtet, obwohl er in der Synagoge betet, scheint dennoch mit sich selbst im Verborgenen zu beten. An den Straßenecken, nämlich damit sie den Anschein erwecken, zurückgezogen zu beten; und so erlangen sie ein zweifaches Lob, sowohl dass sie beten, als auch dass sie zurückgezogen beten.
Catena Aurea · Mt 6
(ord.) Oder die Straßenecken sind die Orte, wo eine Straße eine andere kreuzt und vier Kreuzwege bildet.
Catena Aurea · Mt 6
Er verbietet uns, in einer Versammlung zu beten mit der Absicht, von dieser Versammlung gesehen zu werden, wie Er hinzufügt: damit sie von den Menschen gesehen werden. Wer also betet, soll nichts Auffälliges tun, das Aufmerksamkeit erregen könnte; wie schreien, sich an die Brust schlagen oder die Hände ausstrecken.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Nicht dass das bloße Gesehenwerden von Menschen eine Gottlosigkeit ist, sondern dass man dies tut, um von Menschen gesehen zu werden.

Catena Aurea · Mt 6
Es ist eine gute Sache, von der eitlen Ruhmsucht abgezogen zu werden, besonders im Gebet. Denn unsere Gedanken schweifen leicht von selbst ab; wenn wir uns dann mit dieser Krankheit behaftet zum Gebet wenden, wie sollen wir dann die Dinge verstehen, die von uns gesagt werden?

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Die Vertrautheit anderer Menschen ist von uns so weit zu meiden, als sie uns dazu führt, etwas mit der Gesinnung zu tun, dass wir die Frucht ihres Beifalls erwarten.
Catena Aurea · Mt 6
Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn empfangen; denn wo ein jeder sät, da erntet er auch; daher empfangen die, welche wegen der Menschen beten, nicht wegen Gott, Lob von den Menschen, nicht von Gott.

Catena Aurea · Mt 6
Er sagt: sie haben empfangen, weil Gott bereit war, ihnen jenen Lohn zu geben, der von Ihm selbst kommt; sie aber ziehen lieber das vor, was von den Menschen kommt. Dann fährt Er fort zu lehren, wie wir beten sollen.

Catena Aurea · Mt 6
Dies lehrt, im schlichten Sinne genommen, den Hörer, jedes Verlangen nach eitler Ehre beim Beten zu meiden.
Catena Aurea · Mt 6
Dass niemand dort anwesend sei außer dem, der betet; denn ein Zeuge behindert das Gebet eher, als dass er es fördert.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 2.) Der Herr hat uns in Seinen Unterweisungen geboten, im Verborgenen an abgelegenen und zurückgezogenen Orten zu beten, wie es dem Glauben am besten entspricht; damit wir gewiss seien, dass Gott, der überall gegenwärtig ist, alles hört und sieht und in der Fülle Seiner Majestät sogar verborgene Orte durchdringt.
Catena Aurea · Mt 6
Wir können unter der Tür der Kammer auch den Mund des Leibes verstehen; so dass wir zu Gott nicht mit lauter Stimme, sondern mit stillem Herzen beten sollen, aus drei Gründen. Erstens, weil Gott nicht durch heftiges Schreien gewonnen wird, sondern durch ein rechtes Gewissen, da Er ein Hörer des Herzens ist; zweitens, weil niemand außer dir und Gott um deine geheimen Gebete wissen soll; drittens, weil du, wenn du laut betest, jeden anderen daran hinderst, in deiner Nähe zu beten.
Catena Aurea · Mt 6
(Collat. ix. 35.) Auch sollen wir in unseren Gebeten tiefes Schweigen bewahren, damit unsere Feinde, die stets wachsam sind, uns zu jener Zeit zu umgarnen, nicht den Inhalt unserer Bitte erfahren.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Oder unter unseren Kammern sind unsere Herzen zu verstehen, von denen im vierten Psalm gesprochen wird; (Ps 4,4.) Was ihr in euren Herzen redet, und womit ihr in euren Kammern durchbohrt werdet. Die Tür sind die leiblichen Sinne; draußen sind alle weltlichen Dinge, die durch die Sinne in unsere Gedanken eindringen, und jene Menge eitler Einbildungen, die uns beim Gebet bedrängen.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 20.) Welch eine Unempfindlichkeit ist es, durch leichte und profane Einbildungen umherschweifend fortgerissen zu werden, wenn du dem Herrn deine Bitte vorträgst, als ob es etwas anderes gäbe, das du eher bedenken müsstest, als dass du mit Gott verkehrst! Wie kannst du von Gott verlangen, dass Er auf dich achtet, wenn du nicht auf dich selbst achtest? Das heißt gänzlich keine Vorsorge gegen den Feind treffen; das heißt, wenn du zu Gott betest, Gottes Majestät durch die Nachlässigkeit deines Gebets zu beleidigen.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Die Tür also muss geschlossen werden, das heißt, wir müssen dem leiblichen Sinn widerstehen, damit wir unseren Vater in einem solchen geistlichen Gebet ansprechen, wie es im innersten Geist verrichtet wird, wo wir Ihn wahrhaft im Verborgenen anbeten.
Catena Aurea · Mt 6
Es genüge dir, dass Er allein deine Bitten kennt, der die Geheimnisse aller Herzen kennt; denn Er, der alles sieht, wird auch dich erhören.

Catena Aurea · Mt 6
Er sagte nicht: ‚wird dir frei geben‘, sondern: wird dir vergelten; so macht Er Sich selbst zu deinem Schuldner.
7 Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden. Denn sie meinen erhört zu werden, wenn sie viele Worte machen. 8 Macht es also nicht wie sie. Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet.
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Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Wie die Heuchler sich gewöhnlich so hinstellen, dass sie in ihren Gebeten gesehen werden, deren Lohn es ist, den Menschen angenehm zu sein; so pflegen die Ethnici (das heißt die Heiden) zu meinen, dass sie wegen ihrer vielen Worte erhört werden; daher fügt Er hinzu: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viele Worte machen.
Catena Aurea · Mt 6
(Collat. ix. 36.) Wir sollen zwar oft beten, aber in kurzer Form, damit nicht, wenn wir lange in unseren Gebeten verweilen, der Feind, der uns auflauert, unseren Gedanken etwas einflüstere.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 10.) Doch lange im Gebet zu verharren ist nicht, wie einige meinen, das, was hier mit ‚viele Worte machen‘ gemeint ist. Denn viel reden ist eines, andauernde Inbrunst ein anderes. Denn vom Herrn selbst ist geschrieben, dass Er eine ganze Nacht im Gebet verharrte und sehr lange betete und uns ein Beispiel gab. Die Brüder in Ägypten sollen häufige Gebete verrichten, aber sehr kurze und gleichsam hastige Stoßgebete, damit nicht jene Inbrunst des Geistes, die für uns im Gebet am förderlichsten ist, durch längeres Andauern gewaltsam abgebrochen werde. Darin zeigen sie selbst hinreichend, dass diese Inbrunst des Geistes, da sie nicht erzwungen werden kann, wenn sie nicht andauern kann, so doch, wenn sie angedauert hat, nicht gewaltsam abgebrochen werden darf. Das Gebet sei also ohne viele Worte, aber nicht ohne viel Flehen, wenn dieser inbrünstige Geist aufrechterhalten werden kann; denn viele Worte im Gebet machen heißt, in einer notwendigen Sache mehr Worte als nötig zu gebrauchen. Aber viel flehen heißt, mit andauernder Herzenswärme Den zu bedrängen, an den unsere Bitte gerichtet ist; denn oft wird diese Sache mehr durch Seufzer als durch Worte, mehr durch Weinen als durch Rede bewirkt.

Catena Aurea · Mt 6
Hiermit rät Er von leerem Reden im Gebet ab; wie zum Beispiel, wenn wir von Gott unpassende Dinge erbitten, wie Herrschaften, Ruhm, Überwindung unserer Feinde oder Überfluss an Reichtum. Er gebietet also, dass unsere Gebete nicht lang sein sollen; lang, das heißt nicht an Zeit, sondern an Menge der Worte. Denn es ist recht, dass die, welche bitten, in ihrem Bitten verharren; beharrlich im Gebet, wie der Apostel unterweist; aber er gebietet uns dadurch nicht, ein Gebet aus zehntausend Versen zu verfassen und es ganz zu sprechen; worauf Er verborgen hinweist, wenn Er sagt: Macht nicht viele Worte.
Catena Aurea · Mt 6
(ord.) Was Er tadelt, ist das viele Reden im Gebet, das aus Mangel an Glauben kommt; wie es die Heiden tun. Denn eine Menge von Worten war für die Heiden nötig, da die Dämonen nicht wissen konnten, worum sie baten, bis sie von ihnen unterrichtet wurden; sie meinen, dass sie wegen ihrer vielen Worte erhört werden.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Und wahrlich, all der Überfluss an Rede ist von den Heiden gekommen, die sich mehr darum bemühen, ihre Zungen zu üben, als ihre Herzen zu reinigen, und diese Kunst der Rhetorik in das einführen, worin sie Gott überzeugen müssen.

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. xxxiii. 23.) Das wahre Gebet besteht eher in den bitteren Seufzern der Buße als in der Wiederholung festgelegter Wortformeln.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Denn wir gebrauchen dann viele Worte, wenn wir einen belehren müssen, der in Unwissenheit ist; welche Notwendigkeit besteht für Ihn, der der Schöpfer aller Dinge ist; Euer himmlischer Vater weiß, was ihr nötig habt, bevor ihr Ihn bittet.

Catena Aurea · Mt 6
Hier erhebt sich die Häresie gewisser Philosophen, die die irrige Lehre vertraten: Wenn Gott weiß, worum wir beten werden, und bevor wir bitten, weiß, was wir brauchen, dann ist unser Gebet unnötig an einen gerichtet, der solches Wissen hat. (Epikureer.) Ihnen antworten wir kurz: In unseren Gebeten belehren wir nicht, sondern flehen an; es ist eines, den Unwissenden zu unterrichten, ein anderes, den Einsichtigen zu bitten: das erste wäre lehren; das letztere ist die Erfüllung einer Pflicht.

Catena Aurea · Mt 6
Du betest also nicht, um Gott deine Nöte zu lehren, sondern um Ihn zu bewegen, damit du durch die Aufdringlichkeit deiner Bitten an Ihn Sein Freund werdest, damit du gedemütigt werdest, damit du an deine Sünden erinnert werdest.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Auch sollen wir nicht Worte gebrauchen, um von Gott zu erlangen, was wir wollen, sondern mit intensiver und inbrünstiger Hingabe des Geistes, mit reiner Liebe und flehendem Sinn suchen.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 9.) Aber auch mit Worten sollen wir zu bestimmten Zeiten Gebet zu Gott verrichten, damit wir durch diese Zeichen der Dinge uns selbst im Gedächtnis behalten und wissen, welche Fortschritte wir in solchem Verlangen gemacht haben, und uns selbst eifriger anregen, dieses Verlangen zu mehren, damit es, nachdem es begonnen hat, warm zu werden, nicht durch mancherlei Sorgen erkaltet und völlig erstarrt, ohne unsere ständige Sorge, es lebendig zu erhalten. Worte sind also für uns notwendig, damit wir durch sie bewegt werden, damit wir klar verstehen, was wir erbitten, nicht damit wir meinen, der Herr werde durch sie entweder unterrichtet oder überredet.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 3.) Dennoch könnte man fragen, welchen Nutzen das Gebet überhaupt hat, ob es in Worten oder in Betrachtung der Dinge verrichtet wird, wenn Gott bereits weiß, was für uns notwendig ist. Die geistige Haltung des Gebets beruhigt und reinigt die Seele und macht sie fähiger, die göttlichen Gaben zu empfangen, die in sie eingegossen werden. Denn Gott erhört uns nicht wegen der durchschlagenden Kraft unserer Bitten; Er ist allezeit bereit, uns Sein Licht zu geben, aber wir sind nicht bereit, es zu empfangen, sondern zu anderen Dingen geneigt. Im Gebet geschieht also eine Hinwendung des Leibes zu Gott und eine Reinigung des inneren Auges, während jene weltlichen Dinge, die wir begehrten, ausgeschlossen werden, damit das Auge des Geistes, eins geworden, das eine Licht zu ertragen vermag und in ihm verweile mit jener Freude, durch die das glückliche Leben vollendet wird.
9 So sollt ihr beten:Unser Vater im Himmel, / geheiligt werde dein Name,
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(e. Cypr.) Unter Seinen anderen heilbringenden Unterweisungen und göttlichen Lehren, mit denen Er die Gläubigen berät, hat Er uns in wenigen Worten eine Form des Gebets dargelegt; so gibt Er uns die Zuversicht, dass das schnell gewährt wird, worum Er uns so kurz beten lässt.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 1.) Der uns zu leben gab, lehrte uns auch zu beten, damit wir, indem wir im Gebet, das der Sohn gelehrt hat, zum Vater sprechen, eher erhört werden. Es ist ein Beten wie Freunde und Vertraute, Gott das Seine darzubringen. Der Vater erkenne die Worte des Sohnes, wenn wir unser Gebet darbringen; und da wir Ihn, wenn wir sündigen, als Fürsprecher beim Vater haben, so lasst uns die Worte unseres Fürsprechers vorbringen, wenn wir als Sünder für unsere Vergehen bitten.
Catena Aurea · Mt 6
(ord.) Doch beschränken wir uns nicht völlig auf diese Worte, sondern gebrauchen auch andere, die im gleichen Sinn gefasst sind, mit denen unser Herz entzündet wird.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 4.) Da wir in jeder Bitte zuerst die Gunst dessen gewinnen müssen, den wir anflehen, und danach erwähnen, worum wir bitten; und dies tun wir gewöhnlich, indem wir etwas zum Lob dessen sagen, den wir anflehen, und es an die Spitze unserer Bitte stellen; so befiehlt uns der Herr, nicht mehr zu sagen als nur: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln. Vieles wurde über sie zum Lob Gottes gesagt, doch finden wir nie, dass den Kindern Israels gelehrt wurde, Gott als ‚Unser Vater‘ anzureden; Er wird ihnen vielmehr als Herr über Sklaven vor Augen gestellt. Aber über das Volk Christi sagt der Apostel: Wir haben den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater, (Röm. 8,15.) und das nicht aufgrund unserer Verdienste, sondern aus Gnade. Dies also drücken wir im Gebet aus, wenn wir sagen: Vater; dieser Name erweckt auch Liebe. Denn was kann einem Vater teurer sein als Söhne? Und ein flehender Geist, indem die Menschen zu Gott sagen: Unser Vater. Und eine gewisse Zuversicht, dass wir erlangen werden; denn was wird Er Seinen Söhnen nicht geben, wenn sie Ihn bitten, der ihnen zuerst das gegeben hat, dass sie Söhne sein sollten? Schließlich, welche große Sorge ergreift seinen Geist, dass er, nachdem er Gott seinen Vater genannt hat, eines solchen Vaters nicht unwürdig sei. Dadurch werden die Reichen und Vornehmen ermahnt, wenn sie Christen geworden sind, nicht hochmütig zu sein gegenüber den Armen oder wahrhaft Geborenen, die wie sie Gott als Unser Vater anreden können; und sie können dies daher nicht wahrhaft oder fromm sagen, es sei denn, sie erkennen jene als Brüder an.

Catena Aurea · Mt 6
Denn welchen Schaden hat solche Verwandtschaft mit denen unter uns, wenn wir alle gleichermaßen verwandt sind mit Einem über uns? Denn wer Gott Vater nennt, bekennt in diesem einen Titel zugleich die Vergebung der Sünden, die Annahme an Kindesstatt, die Erbschaft, die Bruderschaft, die er mit dem Eingeborenen hat, und die Gabe des Geistes. Denn niemand kann Gott Vater nennen, außer dem, der alle diese Segnungen erlangt hat. Auf zweifache Weise also bewegt er das Gefühl der Betenden, sowohl durch die Würde dessen, der angefleht wird, als auch durch die Größe jener Wohltaten, die wir durch das Gebet erlangen.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 4.) Wir sagen nicht Mein Vater, sondern Unser Vater, denn der Lehrer des Friedens und Meister der Einheit wollte nicht, dass die Menschen einzeln und gesondert beten, da, wenn jemand betet, er nicht nur für sich selbst beten soll. Unser Gebet ist allgemein und für alle, und wenn wir beten, beten wir nicht für eine Person, sondern für uns alle, weil wir alle eins sind. So wollte Er auch, dass einer für alle bete, wie Er selbst in einem uns alle getragen hat.
Catena Aurea · Mt 6
Für uns selbst zu beten, dazu zwingt uns unsere Notwendigkeit; für andere zu beten, dazu treibt uns brüderliche Liebe an.
Catena Aurea · Mt 6
(ord.) Auch weil Er ein gemeinsamer Vater aller ist, sagen wir: Unser Vater; nicht Mein Vater, was allein Christus zukommt, der Sein Sohn von Natur ist.
Catena Aurea · Mt 6
Der Du bist in den Himmeln, wird hinzugefügt, damit wir wissen, dass wir einen himmlischen Vater haben, und erröten, uns ganz in irdische Dinge zu versenken, da wir einen Vater im Himmel haben.
Catena Aurea · Mt 6
(Collat. ix. 18.) Und dass wir mit starkem Verlangen dorthin eilen, wo unser Vater wohnt.

Catena Aurea · Mt 6
In den Himmeln, nicht um Gottes Gegenwart darauf zu beschränken, sondern um die Gedanken des Bittenden von der Erde wegzuziehen und auf das Droben zu richten.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 5.) Oder; in den Himmeln ist unter den Heiligen und Gerechten; denn Gott ist nicht im Raum enthalten. Denn die Himmel sind buchstäblich die oberen Teile des Universums, und wenn man meint, Gott sei in ihnen, dann sind die Vögel verdienstvoller als die Menschen, da sie ihre Wohnung näher bei Gott haben müssen. Aber Gott ist nahe, (Ps. 34,18.) es wird nicht zu den Menschen von hoher Gestalt gesagt oder zu den Bewohnern der Berggipfel; sondern zu den Zerbrochenen im Herzen. Aber wie der Sünder ‚Erde‘ genannt wird, denn Erde bist du, und zur Erde musst du zurückkehren, (Gen. 3,19.) so könnte andererseits der Gerechte ‚der Himmel‘ genannt werden. So wäre es also zu Recht gesagt: Der Du bist in den Himmeln, denn es scheint geistig ebenso viel Unterschied zwischen Gerechten und Sündern zu bestehen wie örtlich zwischen Himmel und Erde. Um dies zu bezeichnen, wenden wir beim Gebet unsere Gesichter nach Osten, nicht als ob Gott nur dort wäre und alle anderen Teile der Erde verließe; sondern damit der Geist erinnert werde, sich jener Natur zuzuwenden, die vortrefflicher ist, das heißt Gott, wenn sein Leib, der von der Erde ist, dem vortrefflicheren Leib zugewandt wird, der vom Himmel ist. Denn es ist wünschenswert, dass alle, Klein und Groß, rechte Vorstellungen von Gott haben, und daher ist es für solche, die ihre Gedanken nicht auf geistige Naturen richten können, besser, dass sie Gott als im Himmel seiend denken denn auf Erden.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Nachdem wir den genannt haben, an den das Gebet gerichtet wird, und wo Er wohnt, lasst uns nun sehen, um welche Dinge wir bitten sollen. Aber das erste aller Dinge, um die gebetet wird, ist: Geheiligt werde Dein Name, was nicht bedeutet, dass der Name Gottes nicht heilig wäre, sondern dass er von den Menschen heilig gehalten werde; das heißt, dass Gott so erkannt werde, dass nichts für heiliger geachtet werde.

Catena Aurea · Mt 6
Oder; Er befiehlt uns, im Gebet zu erbitten, dass Gott in unserem Leben verherrlicht werde; als ob wir sagen würden: Lass uns so leben, dass alle Dinge Dich durch uns verherrlichen. Denn geheiligt bedeutet dasselbe wie verherrlicht. Es ist eine des Menschen würdige Bitte an Gott, nichts vor der Verherrlichung des Vaters zu erbitten, sondern alles Seinem Lob nachzuordnen.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 7.) Andernfalls sagen wir dies nicht, als wünschten wir, dass Gott durch unsere Gebete geheiligt werde, sondern wir bitten Ihn, dass Sein Name in uns heilig gehalten werde. Denn da Er selbst gesagt hat: Seid heilig, denn auch Ich bin heilig, (Lev. 20,7.) ist es dies, was wir erbitten und erbitten, dass wir, die wir in der Taufe geheiligt wurden, so verharren, wie wir begonnen haben.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 2.) Aber warum wird diese Beharrlichkeit von Gott erbeten, wenn sie, wie die Pelagianer sagen, nicht von Gott gegeben wird? Ist es nicht eine spöttische Bitte, von Gott zu erbitten, was wir wissen, dass es nicht von Ihm gegeben wird, sondern in der Macht des Menschen selbst liegt, es zu erlangen?

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Denn darum bitten wir täglich, weil wir einer täglichen Heiligung bedürfen, damit wir, die wir Tag für Tag sündigen, unsere Vergehen durch eine fortwährende Heiligung von neuem reinigen.
10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auch auf Erden.
17 KommentareCatena Aurea · Mt 6
(ord.) Es folgt passend, dass wir nach unserer Annahme als Söhne ein Reich erbitten, das den Söhnen zusteht.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 6.) Dies ist nicht so gesagt, als ob Gott jetzt nicht auf Erden herrschte oder nicht immer über sie geherrscht hätte. „Komm“ muss daher als „werde den Menschen offenbart“ verstanden werden. Denn niemand wird dann sein Reich nicht kennen, wenn sein Eingeborener nicht nur im Verständnis, sondern in sichtbarer Gestalt kommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten. Dieser Tag des Gerichts, lehrt der Herr, wird dann kommen, wenn das Evangelium allen Völkern gepredigt worden sein wird; was zur Heiligung des Namens Gottes gehört.

Catena Aurea · Mt 6
Entweder ist es ein allgemeines Gebet für das Reich der ganzen Welt, dass die Herrschaft des Teufels aufhöre; oder für das Reich in jedem von uns, dass Gott dort herrsche und die Sünde nicht in unserem sterblichen Leib herrsche.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 8.) Oder: es ist jenes Reich, das uns von Gott verheißen und mit dem Blut Christi erkauft wurde; dass wir, die wir zuvor in der Welt Knechte waren, danach unter der Herrschaft Christi herrschen mögen.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 11.) Denn das Reich Gottes wird kommen, ob wir es wünschen oder nicht. Aber hierin entfachen wir unsere Sehnsucht nach jenem Reich, dass es zu uns komme und wir in ihm herrschen.
Catena Aurea · Mt 6
(Collat. ix. 19.) Oder: weil der Heilige durch das Zeugnis seines Gewissens weiß, dass er, wenn das Reich Gottes erscheinen wird, daran teilhaben wird.

Catena Aurea · Mt 6
Doch sei angemerkt, dass es aus hohem Vertrauen und einem unbefleckten Gewissen allein kommt, um das Reich Gottes zu bitten und das Gericht nicht zu fürchten.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Das Reich Gottes kann für Christus selbst stehen, den wir Tag für Tag zu kommen wünschen und für dessen Ankunft wir beten, dass sie uns schnell offenbart werde. Wie Er unsere Auferstehung ist, weil wir in Ihm auferstehen, so kann Er das Reich Gottes genannt werden, weil wir in Ihm herrschen sollen. Zu Recht bitten wir um das Reich Gottes, das heißt um das himmlische, weil es daneben ein Reich dieser Erde gibt. Wer jedoch der Welt entsagt hat, ist erhaben über ihre Ehren und ihr Reich; und daher sehnt sich der, der sich Gott und Christus weiht, nicht nach dem Reich der Erde, sondern nach dem Reich des Himmels.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 2.) Wenn sie beten: „Dein Reich komme“, um was anderes beten dann die, die bereits heilig sind, als dass sie in jener Heiligkeit beharren mögen, die ihnen jetzt gegeben ist? Denn das Reich Gottes wird nicht anders kommen, als dass es gewiss zu denen kommt, die bis ans Ende beharren.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 6.) In jenem Reich der Seligkeit wird das glückliche Leben in den Heiligen vollendet werden, wie es jetzt in den himmlischen Engeln ist; und daher folgt nach der Bitte „Dein Reich komme“: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.“ Das heißt: Wie durch die Engel, die im Himmel sind, Dein Wille so geschieht, dass sie Dich genießen, ohne dass ein Irrtum ihr Wissen trübt, kein Schmerz ihre Seligkeit beeinträchtigt; so möge es durch Deine Heiligen geschehen, die auf Erden sind und die, was ihre Leiber betrifft, aus Erde gemacht sind. So dass „Dein Wille geschehe“ zu Recht verstanden wird als „Deinen Geboten werde gehorcht“; „wie im Himmel, so auf Erden“, das heißt: wie von den Engeln, so von den Menschen; nicht dass sie tun, was Gott von ihnen will, sondern sie tun es, weil Er will, dass sie es tun; das heißt, sie handeln nach Seinem Willen.

Catena Aurea · Mt 6
Siehe, wie vortrefflich dies folgt; nachdem Er uns gelehrt hat, himmlische Dinge zu begehren durch das, was Er sagte: „Dein Reich komme“, befiehlt Er uns, bevor wir in den Himmel kommen, diese Erde in einen Himmel zu verwandeln, indem Er sagt: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.“

Catena Aurea · Mt 6
Beschämt seien durch diesen Text die, die fälschlich behaupten, dass es tägliche Fälle (ruinas) im Himmel gebe.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Oder: wie von den Gerechten, so von den Sündern; als ob Er gesagt hätte: Wie die Gerechten Deinen Willen tun, so mögen es auch die Sünder tun; sei es durch Bekehrung zu Dir, sei es durch Empfang des gerechten Lohnes eines jeden, was im letzten Gericht geschehen wird. Oder: Unter Himmel und Erde können wir den Geist und das Fleisch verstehen. Wie der Apostel sagt: „Mit meinem Geiste diene ich dem Gesetz Gottes“ (Röm 7,25), sehen wir den Willen Gottes im Geiste erfüllt. Aber in jener Veränderung, die den Gerechten dort verheißen ist: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“; das heißt: Wie der Geist Gott nicht widersteht, so möge das Fleisch dem Geiste nicht widerstehen. Oder: „wie im Himmel, so auf Erden“, wie in Christus Jesus selbst, so in Seiner Kirche; wie in dem Mann, der den Willen Seines Vaters tat, so in der Frau, die mit Ihm vermählt ist. Und Himmel und Erde können passend als Mann und Frau verstanden werden, da ja die Erde vom Himmel ihre Früchte hervorbringt.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Wir bitten nicht, dass Gott Seinen eigenen Willen tue, sondern dass wir befähigt werden, zu tun, was Er will, dass es von uns getan werde; und damit es in uns geschehe, bedürfen wir jenes Willens, das heißt der Hilfe und des Schutzes Gottes; denn kein Mensch ist stark durch eigene Kraft, sondern ist sicher in der Nachsicht und dem Erbarmen Gottes.

Catena Aurea · Mt 6
Denn die Tugend ist nicht aus unseren eigenen Anstrengungen, sondern aus der Gnade von oben. Hier wird wiederum jedem von uns das Gebet für die ganze Welt auferlegt, insofern wir nicht sagen sollen: „Dein Wille geschehe in mir“ oder „in uns“, sondern auf der ganzen Erde, dass der Irrtum aufhöre, die Wahrheit gepflanzt, die Bosheit verbannt werde und die Tugend zurückkehre, und so die Erde nicht vom Himmel verschieden sei.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 3.) Aus dieser Stelle wird klar gegen die Pelagianer gezeigt, dass der Anfang des Glaubens Gottes Geschenk ist, wenn die heilige Kirche für die Ungläubigen betet, dass sie anfangen zu glauben. Da es aber bei den Heiligen schon geschehen ist, warum beten sie dann noch, dass es geschehe, wenn nicht, dass sie in dem beharren, was sie zu sein begonnen haben?
Catena Aurea · Mt 6
Diese Worte „Wie im Himmel, so auf Erden“ müssen als gemeinsam für alle drei vorhergehenden Bitten verstanden werden. Beachte auch, wie sorgfältig sie formuliert sind; Er sagte nicht: Vater, heilige Deinen Namen in uns, Dein Reich komme über uns, Tue Deinen Willen in uns. Noch auch: Lasst uns Deinen Namen heiligen, lasst uns in Dein Reich eingehen, lasst uns Deinen Willen tun; damit es nicht scheine, als sei es entweder nur Gottes Werk oder nur des Menschen Werk. Sondern Er gebrauchte eine mittlere Ausdrucksweise und das unpersönliche Verb; denn wie der Mensch ohne Gottes Hilfe nichts Gutes tun kann, so wirkt auch Gott nichts Gutes im Menschen, es sei denn der Mensch will es.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute,
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Catena Aurea · Mt 6
(Enchir. 115.) Diese drei Dinge also, die in den vorhergehenden Bitten erbeten wurden, beginnen hier auf Erden und werden nach unserem Fortschritt in uns vermehrt; aber in einem anderen Leben werden wir sie, wie wir hoffen, in Vollkommenheit ewig besitzen. In den vier verbleibenden Bitten erbitten wir zeitliche Güter, die notwendig sind, um das Ewige zu erlangen; das Brot, das dementsprechend die nächste Bitte in der Reihenfolge ist, ist ein notwendiges.

Catena Aurea · Mt 6
Das griechische Wort, das wir hier mit ‚supersubstantialis‘ wiedergeben, ist ἐπιούσιος. Die LXX verwenden oft das Wort περιούσιος, womit sie, wie wir beim Vergleich mit dem Hebräischen finden, stets das Wort sogolac wiedergeben. Symmachus übersetzt es mit ἐξαίρετος, das heißt ‚vorzüglich‘ oder ‚hervorragend‘, obwohl er an einer Stelle ‚eigentümlich‘ interpretiert hat. Wenn wir also Gott bitten, uns unser ‚eigentümliches‘ oder ‚vorzügliches‘ Brot zu geben, meinen wir Ihn, der im Evangelium sagt: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. (Joh 6,51.)

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Denn Christus ist das Brot des Lebens, und dieses Brot gehört nicht allen Menschen, sondern uns. Dieses Brot bitten wir, dass es Tag für Tag gegeben werde, damit wir, die wir in Christus sind und die wir täglich die Eucharistie als Speise des Heils empfangen, nicht durch die Zulassung irgendeines schweren Vergehens und weil uns deshalb das himmlische Brot verweigert wird, vom Leib Christi getrennt werden. Daher bitten wir also, dass wir, die wir in Christus bleiben, nicht von seiner Heiligung und seinem Leib zurückweichen.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 4.) Hier bitten die Heiligen also um die Beharrlichkeit von Gott, wenn sie beten, dass sie nicht vom Leib Christi getrennt werden, sondern in jener Heiligkeit bleiben und kein Vergehen begehen.
Catena Aurea · Mt 6
d. Oder mit ‚supersubstantialis‘ kann ‚täglich‘ gemeint sein.
Catena Aurea · Mt 6
(Coll. ix. 21.) Dadurch, dass Er sagt: heute, zeigt Er, dass es täglich genommen werden muss und dass dieses Gebet zu allen Zeiten dargebracht werden soll, da es keinen Tag gibt, an dem wir nicht durch den Empfang dieses Brotes das Herz des inneren Menschen stärken müssten.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 7.) Hier entsteht eine Schwierigkeit durch den Umstand, dass es im Osten viele gibt, die nicht täglich am Abendmahl des Herrn teilnehmen. Und sie verteidigen ihre Praxis mit der kirchlichen Autorität, dass sie dies ohne Anstoß tun und von denen, die den Kirchen vorstehen, nicht verboten werden. Aber ohne in dieser Sache irgendetwas in die eine oder andere Richtung zu entscheiden, sollte uns gewiss der Gedanke kommen, dass wir hier vom Herrn eine Regel für das Gebet empfangen haben, die wir nicht übertreten dürfen. Wer wird es also wagen zu behaupten, dass wir dieses Gebet nur einmal verrichten dürfen? Oder wenn zweimal oder dreimal, dann doch nur bis zu jener Stunde, in der wir den Leib des Herrn empfangen? Denn danach können wir nicht sagen: Gib uns heute, was wir bereits empfangen haben. Oder wird uns jemand deshalb zwingen können, dieses Sakrament am Ende des Tages zu feiern?
Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Obwohl der Ausdruck ‚heute‘ vom gegenwärtigen Leben verstanden werden kann; so: Gib uns dieses Brot, solange wir in dieser Welt verweilen.

Catena Aurea · Mt 6
Wir können das Wort ‚supersubstantialis‘ auch anders interpretieren, als das, was über allen anderen Substanzen steht und vortrefflicher ist als alle Geschöpfe, nämlich der Leib des Herrn.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Oder mit ‚täglich‘ können wir das Geistige verstehen, nämlich die göttlichen Gebote, die wir bedenken und befolgen sollen.

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. xxiv. 7.) Wir nennen es unser Brot und beten dennoch, dass es uns gegeben werde, denn es ist Gottes Sache zu geben, und es wird durch unseren Empfang zu unserem.

Catena Aurea · Mt 6
Andere verstehen es wörtlich nach jenem Wort des Apostels: Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen, dass die Heiligen nur für die gegenwärtige Nahrung sorgen sollen; wie es folgt: Sorget nicht für den morgigen Tag.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130. 11.) So dass wir hierin unter dem einen Namen Brot um ein Ausreichen an allen notwendigen Dingen bitten.
Catena Aurea · Mt 6
Wir beten: Gib uns heute unser tägliches Brot, nicht nur damit wir zu essen haben, was sowohl Gerechten als auch Sündern gemeinsam ist; sondern damit wir, was wir essen, aus der Hand Gottes empfangen, was nur den Heiligen zukommt. Denn dem gibt Gott Brot, der es auf gerechte Weise erwirbt; dem aber, der es durch Sünde erwirbt, gibt es der Teufel. Oder weil es, da es von Gott gegeben wird, geheiligt empfangen wird; und deshalb fügt Er hinzu ‚unser‘, das heißt, solches Brot, wie wir es für uns bereitet haben, das mögest Du uns geben, damit es durch Deine Gabe geheiligt werde. Wie der Priester das Brot vom Laien nimmt, es heiligt und es ihm dann darbringt; das Brot ist zwar sein, der es als Opfergabe brachte, aber dass es geheiligt wird, ist die Wohltat des Priesters. Er sagt ‚unser‘ aus zwei Gründen. Erstens, weil alles, was Gott uns gibt, Er durch uns anderen gibt, damit wir von dem, was wir von Ihm empfangen, den Hilflosen mitteilen. Wer also von dem, was er durch eigene Mühe erwirbt, nichts anderen zukommen lässt, isst nicht nur sein eigenes Brot, sondern auch das Brot anderer. Zweitens: Wer Brot isst, das er gerecht erworben hat, isst sein eigenes Brot; wer aber Brot isst, das er mit Sünde erworben hat, isst das Brot anderer.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 7.) Jemand könnte vielleicht eine Schwierigkeit darin finden, dass wir hier beten, um die notwendigen Dinge dieses Lebens wie Nahrung und Kleidung zu erlangen, wo doch der Herr uns angewiesen hat: Sorget nicht, was ihr essen oder womit ihr euch kleiden sollt. Aber es ist unmöglich, sich nicht zu sorgen um das, worum wir beten, es zu erlangen.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130. 6.) Aber die notwendigen Dinge des Lebens und nichts weiter zu wünschen, ist nicht unangemessen; denn solch ein Ausreichen wird nicht um seiner selbst willen erstrebt, sondern für die Gesundheit des Leibes und für solche Kleidung und Ausstattung der Person, die uns denen, mit denen wir in allem guten Ruf zusammenleben müssen, nicht unangenehm machen. Um diese Dinge dürfen wir bitten, dass sie vorhanden seien, wenn wir sie entbehren, dass sie bewahrt bleiben, wenn wir sie haben.

Catena Aurea · Mt 6
Es sollte bedacht werden, wie Er, nachdem Er uns diese Bitte überliefert hatte: Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden, dann, weil Er zu Menschen im Fleisch sprach und nicht zu engelhaften Naturen ohne Leidenschaft oder Verlangen, nun zu den Bedürfnissen unseres Leibes herabsteigt. Und Er lehrt uns, nicht um Geld oder die Befriedigung der Begierde zu beten, sondern um das tägliche Brot; und als weitere Einschränkung fügt Er hinzu: heute, damit wir uns nicht mit Gedanken an den kommenden Tag beunruhigen.
Catena Aurea · Mt 6
Und diese Worte könnten auf den ersten Blick verbieten, dass wir etwas für den morgigen oder übermorgigen Tag vorbereitet haben. Wenn dem so wäre, könnte dieses Gebet nur wenigen entsprechen; etwa den Aposteln, die hierhin und dorthin reisten und lehrten – oder vielleicht keinem unter uns. Doch sollten wir die Lehre Christi so anpassen, dass alle Menschen daraus Nutzen ziehen.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 14.) Mit Recht also bittet der Jünger Christi um die Versorgung für heute, ohne in seinem Gebet übermäßige Wünsche zu hegen. Es wäre ein selbstwidersprüchliches und unvereinbares Ding für uns, die wir beten, dass das Reich Gottes schnell komme, auf ein langes Leben in der Welt unten zu schauen.
Catena Aurea · Mt 6
Oder; Er fügt hinzu ‚täglich‘, damit ein Mensch nur so viel esse, wie die natürliche Vernunft erfordert, nicht wie die Begierde des Fleisches drängt. Denn wenn du für ein Gastmahl so viel aufwendest, wie für hundert Tage ausreichen würde, isst du nicht die Versorgung für heute, sondern die für viele Tage.

Catena Aurea · Mt 6
Im Evangelium mit dem Titel Das Evangelium nach den Hebräern wird ‚supersubstantialis‘ mit ‚mohar‘ wiedergegeben, das heißt ‚morgiges‘; so dass der Sinn wäre: Gib uns heute das morgige Brot; d. h. für die kommende Zeit.
12 und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir unsern Schuldnern vergeben haben.
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Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 15.) Nach der Gewährung der Speise wird als Nächstes um Vergebung der Sünden gebeten, damit der, der von Gott gespeist wird, in Gott lebe und nicht nur für das gegenwärtige und vergängliche Leben gesorgt werde, sondern auch für das ewige; wohin wir gelangen können, wenn wir die Vergebung unserer Sünden empfangen, die der Herr mit dem Namen Schulden bezeichnet, wie er weiter unten sagt: Ich habe dir alle jene Schuld erlassen, weil du mich darum gebeten hast. (Mat. 18:32.) Wie gut ist es für unsere Not, wie vorsehend und heilsam, daran erinnert zu werden, dass wir Sünder sind und gezwungen, für unsere Vergehen zu bitten, damit der Geist, indem er Gottes Nachsicht erbittet, zur Erinnerung an seine Schuld zurückgerufen wird. Damit sich niemand mit dem Anschein der Unschuld brüste und durch Selbsterhebung noch elender zugrunde gehe, wird ihm eingeschärft, dass er täglich sündigt, indem ihm geboten wird, für seine Sünden zu beten.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 5.) Mit dieser Waffe empfingen die pelagianischen Häretiker ihren Todesstoß, die zu sagen wagen, dass ein Gerechter in diesem Leben gänzlich frei von Sünde sei und dass aus solchen gegenwärtig eine Kirche bestehe, die weder Flecken noch Runzel habe.

Catena Aurea · Mt 6
Dass dieses Gebet für die Gläubigen bestimmt ist, lehren sowohl die Gesetze der Kirche als auch der Anfang des Gebets, der uns anweist, Gott Vater zu nennen. Indem er die Gläubigen so lehrt, um Vergebung der Sünden zu bitten, zeigt er, dass auch nach der Taufe die Sünde nachgelassen werden kann (gegen die Novatianer).

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Der also, der uns gelehrt hat, für unsere Sünden zu beten, hat uns verheißen, dass seine väterliche Barmherzigkeit und Vergebung folgen werde. Aber er hat außerdem eine Regel hinzugefügt, die uns unter der festen Bedingung und Verantwortung bindet, dass wir darum bitten, unsere Sünden in der Weise vergeben zu bekommen, wie wir denen vergeben, die uns Schuldner sind.

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. x. 15.) Das Gute, das wir in unserer Buße von Gott erbitten, sollen wir zuerst unserem Nächsten zuwenden und erweisen.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 8.) Dies wird nicht nur von Geldschulden gesagt, sondern von allen Dingen, in denen jemand gegen uns sündigt, und unter diesen auch von Geld, weil der gegen dich sündigt, der dir geschuldetes Geld nicht zurückgibt, wenn er es zurückgeben kann. Wenn du diese Sünde nicht vergibst, kannst du nicht sagen: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.
Catena Aurea · Mt 6
Mit welcher Hoffnung betet also der, der Hass gegen einen anderen hegt, von dem ihm Unrecht geschehen ist? Während er mit einer Lüge auf den Lippen betet, wenn er sagt: Ich vergebe, und nicht vergibt, bittet er Gott um Nachsicht, aber ihm wird keine Nachsicht gewährt. Es gibt viele, die, weil sie denen, die gegen sie sündigen, nicht vergeben wollen, dieses Gebet nicht sprechen. Wie töricht! Erstens, weil der, der nicht in der Weise betet, wie Christus es gelehrt hat, nicht Christi Jünger ist; und zweitens, weil der Vater kein Gebet bereitwillig erhört, das der Sohn nicht vorgegeben hat; denn der Vater kennt die Absicht und die Worte des Sohnes und wird keine Bitten annehmen, die menschliche Anmaßung vorgeschlagen hat, sondern nur die, die Christi Weisheit dargelegt hat.

Catena Aurea · Mt 6
(Enchir. 73.) Da eine so große Güte, nämlich Schulden zu vergeben und unsere Feinde zu lieben, nicht von einer so großen Zahl besessen werden kann, wie wir annehmen, dass sie im Gebrauch dieses Gebets erhört werden, so werden ohne Zweifel die Bedingungen dieser Vereinbarung erfüllt, auch wenn einer nicht zu solcher Vollkommenheit gelangt ist, seinen Feind zu lieben; doch wenn er von einem, der gegen ihn gesündigt hat, gebeten wird, ihm zu vergeben, und er ihm von Herzen vergibt; denn er selbst wünscht, wenigstens dann Vergebung zu erlangen, wenn er um Vergebung bittet. Und wenn einer durch das Bewusstsein seiner Sünde bewegt wurde, den um Vergebung zu bitten, gegen den er gesündigt hat, so ist er nicht mehr als Feind zu betrachten, so dass etwas Schwieriges darin läge, ihn zu lieben, wie es der Fall war, als er in aktiver Feindschaft stand.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen.
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Da er oben viele hohe Dinge in den Mund der Menschen gelegt hatte, indem er sie lehrte, Gott ihren Vater zu nennen, zu beten, dass sein Reich komme, so fügt er nun eine Lektion der Demut hinzu, wenn er sagt: und führe uns nicht in Versuchung.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 9.) Einige Handschriften lesen: Trage uns nicht hinein, ein gleichbedeutendes Wort, da beide eine Übersetzung eines griechischen Wortes sind, εἰσενέγκης. Viele sagen bei der Auslegung: ‚Lass nicht zu, dass wir in Versuchung geführt werden‘, was im Wort ‚führen‘ impliziert ist. Denn Gott führt den Menschen nicht selbst hinein, sondern lässt zu, dass der hineingeführt wird, von dem er seine Hilfe zurückgezogen hat.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 17.) Hierin wird gezeigt, dass der Widersacher nichts gegen uns vermag, wenn Gott es ihm nicht zuerst erlaubt; so dass all unsere Furcht und Hingabe an Gott gerichtet sein muss.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Aber es ist eines, in Versuchung geführt zu werden, ein anderes, versucht zu werden; denn ohne Versuchung kann niemand bewährt werden, weder vor sich selbst noch vor einem anderen; aber jeder Mensch ist Gott vor aller Prüfung vollkommen bekannt. Daher beten wir hier nicht, dass wir nicht versucht werden, sondern dass wir nicht in Versuchung geführt werden. Wie wenn einer, der lebendig verbrannt werden soll, nicht betet, dass er vom Feuer nicht berührt werde, sondern dass er nicht verbrannt werde. Denn dann werden wir in Versuchung geführt, wenn solche Versuchungen über uns kommen, denen wir nicht widerstehen können.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 11.) Wenn wir also sagen: Führe uns nicht in Versuchung, bitten wir darum, dass wir nicht, von seiner Hilfe verlassen, entweder durch die listigen Fallstricke zustimmen oder der gewaltsamen Macht irgendeiner Versuchung nachgeben.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Und indem wir so beten, werden wir an unsere eigene Gebrechlichkeit und Schwäche gemahnt, damit sich niemand anmaßend erhebe; damit, während ein demütiges und unterwürfiges Bekenntnis an erster Stelle steht und alles auf Gott bezogen wird, alles, worum wir flehentlich bitten, durch seine gnädige Gunst gewährt werde.

Catena Aurea · Mt 6
(De Don. Pers. 5.) Wenn die Heiligen beten: Führe uns nicht in Versuchung, worum beten sie dann anderes, als dass sie in ihrer Heiligkeit beharren. Ist dies einmal gewährt – und dass dies Gottes Gabe ist, zeigt, dass wir es von ihm erbitten –, so hält keiner der Heiligen bis zum Ende an seiner bleibenden Heiligkeit fest; denn keiner hört auf, an seinem christlichen Bekenntnis festzuhalten, bis er zuerst von der Versuchung überwältigt wird. Daher suchen wir nicht in Versuchung geführt zu werden, damit dies nicht geschehe; und wenn es nicht geschieht, so ist es Gott, der es nicht zulässt, dass es geschieht; denn nichts geschieht, außer was er entweder tut oder zulässt, dass es getan werde. Er ist daher fähig, unseren Willen vom Bösen zum Guten zu wenden, den Gefallenen aufzurichten und ihn auf den Weg zu leiten, der ihm wohlgefällt, zu dem wir nicht vergeblich flehen: Führe uns nicht in Versuchung. Denn wer nicht durch seinen eigenen bösen Willen in Versuchung geführt wird, ist frei von aller Versuchung; denn jeder wird von seiner eigenen Begierde versucht. (Jakobus 1:14.) Gott will, dass wir ihn bitten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden, obwohl er es auch ohne unser Gebet hätte gewähren können, damit wir im Gedächtnis behalten, von wem wir alle Wohltaten empfangen. Die Kirche soll daher ihre täglichen Gebete verrichten; sie betet, dass die Ungläubigen glauben, daher ist es Gott, der die Menschen zum Glauben bekehrt; sie betet, dass die Gläubigen beharren; Gott gibt ihnen Beharrlichkeit bis ans Ende.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Wir sollen nicht nur beten, dass wir nicht in das Böse geführt werden, von dem wir gegenwärtig frei sind, sondern auch, dass wir von dem befreit werden, in das wir bereits geführt worden sind. Daher folgt: Erlöse uns von dem Bösen.

Catena Aurea · Mt 6
(Tr. vii. 18.) Nach all diesen vorausgehenden Bitten kommt am Schluss des Gebets ein Satz, der kurz und zusammenfassend das Ganze unserer Bitten und Wünsche enthält. Denn es bleibt uns nichts weiter zu erbitten, nachdem wir um Gottes Schutz vor dem Bösen gebeten haben; denn ist dieser erlangt, stehen wir sicher und geborgen gegen alles, was der Teufel und die Welt gegen uns wirken. Welche Furcht hat er vor diesem Leben, der Gott durch das Leben hindurch als seinen Beschützer hat?

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 11.) Diese Bitte, mit der das Gebet des Herrn schließt, ist von solcher Tragweite, dass ein Christenmensch, in welche Bedrängnis auch immer geworfen, in dieser Bitte Seufzer ausstoßen, hier Tränen vergießen, hier sein Gebet beginnen und hier beenden wird. Und daher folgt: Amen, wodurch das starke Verlangen dessen ausgedrückt wird, der betet.

Catena Aurea · Mt 6
Amen, das hier am Schluss erscheint, ist das Siegel des Gebets des Herrn. Aquila übersetzte ‚treu‘ – wir vielleicht ‚wahrhaftig‘.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Wir brauchen uns nicht zu wundern, geliebteste Brüder, dass dies Gottes Gebet ist, da seine Unterweisung all unser Bitten in einem heilsamen Satz umfasst. Dies war bereits vom Propheten Jesaja vorhergesagt worden: Ein kurzes Wort wird Gott auf der ganzen Erde machen. (Jes. 10:22.) Denn als unser Herr Jesus Christus zu allen kam und sowohl die Gelehrten als auch die Ungelehrten versammelte, legte er jedem Geschlecht und Alter die Gebote des Heils dar und machte ein vollständiges Kompendium seiner Unterweisungen, damit das Gedächtnis der Schüler nicht in der himmlischen Disziplin mühsam arbeite, sondern alles Notwendige bereitwillig in einem einfachen Glauben annehme.

Catena Aurea · Mt 6
(Epist. 130, 12.) Und welche anderen Worte wir auch immer gebrauchen mögen, sei es als Einleitung, um die Zuneigung zu beleben, oder als Abschluss, um sie zu vermehren, wir sagen nichts mehr, als was im Gebet des Herrn enthalten ist, wenn wir recht und zusammenhängend beten. Denn wer sagt: Verherrliche dich unter allen Völkern, wie du unter uns verherrlicht wirst, (Sir. 36,4.) was sagt er anderes als: Geheiligt werde dein Name? (Ps. 80,3.) Wer betet: Zeige dein Angesicht, und wir werden gerettet werden, was ist das anderes als zu sagen: Dein Reich komme? (Ps. 119,133.) Zu sagen: Leite meine Schritte nach deinem Wort, was ist das mehr als: Dein Wille geschehe? (Spr. 30,8.) Zu sagen: Gib mir weder Armut noch Reichtum, was ist das anderes als: Gib uns heute unser tägliches Brot? Herr, gedenke Davids und all seiner Barmherzigkeit! (Ps. 131,1.) und: Wenn ich Böses mit Bösem vergolten habe, (Ps. 7,4.) was anderes als: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben? Wer sagt: Entferne weit von mir alle Gier des Bauches, was sagt er anderes als: Führe uns nicht in Versuchung? (Ps. 59,1.) Wer sagt: Rette mich, mein Gott, vor meinen Feinden, was sagt er anderes als: Erlöse uns von dem Bösen? Und wenn du so alle Worte der heiligen Gebete durchgehst, wirst du nichts finden, was nicht im Gebet des Herrn enthalten ist. Wer also solche Worte spricht, die keine Beziehung zu diesem evangelischen Gebet haben, betet fleischlich; und ein solches Gebet weiß ich nicht, warum wir es nicht für unerlaubt erklären sollten, da der Herr die Wiedergeborenen nur lehrt, geistig zu beten. Wer aber im Gebet sagt: Herr, vermehre meinen Reichtum, füge meine Ehren hinzu; und das aus Verlangen nach solchen Dingen, nicht in der Absicht, den Menschen nach Gottes Willen durch solche Dinge zu dienen; ich denke, dass er nichts im Gebet des Herrn findet, worauf er solche Bitten stützen könnte. Ein solcher möge dann aus Scham davon abgehalten werden, für solche Dinge zu beten, wenn nicht gar sie zu begehren. Wenn er aber Scham vor dem Verlangen hat, das Verlangen aber dennoch überwindet, wird er besser tun, um Befreiung von dem Übel des Verlangens zu dem zu beten, zu dem wir sagen: Erlöse uns von dem Bösen.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 11.) Diese Zahl der Bitten scheint der siebenfachen Zahl der Seligpreisungen zu entsprechen. Wenn es die Furcht Gottes ist, durch die die Armen im Geiste selig gemacht werden, denn ihrer ist das Himmelreich, so lasst uns bitten, dass der Name Gottes unter den Menschen geheiligt werde, eine ehrfürchtige Furcht, die immer und ewig bleibt. Wenn es die Frömmigkeit ist, durch die die Sanftmütigen selig sind, so lasst uns beten, dass sein Reich komme, damit wir sanftmütig werden und ihm nicht widerstehen. Wenn es die Erkenntnis ist, durch die die Trauernden selig sind, so lasst uns beten, dass sein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden; denn wenn der Leib mit dem Geist übereinstimmt wie die Erde mit dem Himmel, werden wir nicht trauern. Wenn die Tapferkeit es ist, durch die die Hungernden selig sind, so lasst uns beten, dass uns heute unser tägliches Brot gegeben werde, durch das wir zur vollen Sättigung gelangen. Wenn es der Rat ist, durch den die Barmherzigen selig sind, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen, so lasst uns Schulden vergeben, damit uns unsere Schulden vergeben werden. Wenn es die Einsicht ist, durch die die reinen Herzens selig sind, so lasst uns beten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden, damit wir nicht ein doppeltes Herz haben beim Streben nach zeitlichen und irdischen Dingen, die zu unserer Prüfung dienen. Wenn es die Weisheit ist, durch die die Friedensstifter selig sind, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden, so lasst uns beten, von dem Bösen erlöst zu werden; denn eben diese Erlösung wird uns als Söhne Gottes frei machen.

Catena Aurea · Mt 6
Nachdem er uns durch die Erwähnung unseres Feindes in dem, was er gesagt hat: Erlöse uns von dem Bösen, beunruhigt hat, stellt er das Vertrauen wieder her durch das, was in einigen Handschriften hinzugefügt ist: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, da, wenn sein das Reich ist, niemand sich fürchten muss, da sogar der, der gegen uns kämpft, ihm untertan sein muss. Da aber seine Kraft und Herrlichkeit unendlich sind, kann er nicht nur vom Bösen erlösen, sondern auch herrlich machen.
Catena Aurea · Mt 6
Dies ist auch mit dem Vorhergehenden verbunden. Dein ist das Reich bezieht sich auf Dein Reich komme, damit niemand deshalb sage, Gott habe kein Reich auf Erden. Die Kraft antwortet auf Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden, damit niemand dazu sage, Gott könne nicht vollbringen, was er wolle. Und die Herrlichkeit antwortet auf alles, was folgt, worin Gottes Herrlichkeit gezeigt wird.
14 Wenn ihr nämlich den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euer Vater auch euere Verfehlungen nicht vergeben.
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Durch das Wort Amen zeigt er, dass der Herr ohne Zweifel alles gewähren wird, was recht erbeten wird, und von denen, die die beigefügte Bedingung nicht verfehlen: Denn wenn ihr den Menschen ihre Sünden vergebt, wird euch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben.

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(Serm. in Mont. ii. 11.) Hier sollten wir nicht übersehen, dass er von allen vom Herrn auferlegten Bitten diejenige für würdig hielt, weiter eingeschärft zu werden, die sich auf die Vergebung der Sünden bezieht, in der er uns barmherzig haben will; welche das einzige Mittel ist, dem Elend zu entgehen.
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Er sagt nicht, dass Gott uns zuerst vergeben wird und dass wir danach unseren Schuldnern vergeben sollen. Denn Gott weiß, wie trügerisch das Herz des Menschen ist, und dass sie, obwohl sie selbst Vergebung empfangen haben, doch ihren Schuldnern nicht vergeben; deshalb lehrt er uns, zuerst zu vergeben, und uns wird danach vergeben werden.

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(Enchir. 74.) Wer dem nicht vergibt, der in wahrer Reue um Vergebung bittet, der soll nicht meinen, dass seine Sünden vom Herrn irgendwie vergeben werden.

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(Tr. vii. 16.) Denn keine Entschuldigung wird dir am Tag des Gerichts bleiben, wenn du nach deinem eigenen Urteil gerichtet wirst und dir so, wie du an anderen gehandelt hast, selbst gehandelt wird.

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Wenn aber das geschrieben steht: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter, aber ihr werdet wie Menschen sterben, (Ps. 83,6.7.) zu denen gesagt wird, die wegen ihrer Sünden verdienen, statt Götter Menschen zu werden, dann werden die, denen Sünden vergeben sind, zu Recht Menschen genannt.

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Er erwähnt den Himmel und den Vater, um unsere Aufmerksamkeit zu beanspruchen, denn nichts macht dich Gott so ähnlich, wie dem zu vergeben, der dich verletzt hat. Und es wäre wahrlich unpassend, wenn der Sohn eines solchen Vaters ein Sklave würde und einer, der eine himmlische Berufung hat, wie von dieser Erde und nur von diesem Leben lebte.
16 Wenn ihr fastet, so schaut nicht finster drein wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten.
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Denn da jenes Gebet, das in demütigem Geist und zerknirschtem Herzen dargebracht wird, einen bereits starken und disziplinierten Geist zeigt; wer aber in Selbstgenuss versunken ist, keinen demütigen Geist und kein zerknirschtes Herz haben kann; so ist es klar, dass ohne Fasten das Gebet schwach und kraftlos sein muss; deshalb, wenn jemand für irgendeine Not, in der sie sich befinden mochten, beten wollte, verbanden sie das Fasten mit dem Gebet, weil es eine Hilfe dafür ist. Dementsprechend fügt der Herr nach seiner Lehre über das Gebet eine Lehre über das Fasten hinzu und sagt: Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht wie die Heuchler traurig dreinschauen. Der Herr wusste, dass Eitelkeit aus jedem guten Werk entspringen kann, und deshalb befiehlt er uns, das Dornengestrüpp der Ruhmsucht auszurotten, das im guten Boden wächst, damit es nicht die Frucht des Fastens ersticke. Denn obwohl es nicht sein kann, dass das Fasten bei jemandem nicht entdeckt wird, ist es doch besser, dass das Fasten dich zeigt, als dass du dein Fasten zeigst. Aber es ist unmöglich, dass jemand beim Fasten fröhlich ist, deshalb sagte er nicht: Sei nicht traurig, sondern: Mache dich nicht traurig; denn die, die sich durch irgendeine falsche Zurschaustellung ihrer Betrübnis entdecken, sind nicht traurig, sondern machen sich traurig; wer aber von Natur aus infolge anhaltenden Fastens traurig ist, macht sich nicht traurig, sondern ist es.

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Das Wort exterminare, das so oft in den kirchlichen Schriften durch einen Fehler der Übersetzer verwendet wird, hat eine ganz andere Bedeutung als die, in der es gewöhnlich verstanden wird. Es wird eigentlich von Verbannten gesagt, die über die Grenze ihres Landes geschickt werden. Statt dieses Wortes scheint es besser, das Wort demoliri, ‚zerstören‘, bei der Übersetzung des griechischen ἀφανίζειν zu verwenden. Der Heuchler zerstört sein Gesicht, damit er Trauer vortäusche, und trägt mit einem Herzen voller Freude Trauer in seiner Miene.

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(Mor. viii. 44.) Denn durch die blasse Miene, die zitternden Glieder und die hervorbrechenden Seufzer und durch all die große Mühe und Not ist im Sinn nichts als die Wertschätzung der Menschen.

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(Serm. in Epiph. iv. 5.) Aber dass das Fasten nicht rein ist, das kommt nicht aus Gründen der Enthaltsamkeit, sondern aus den Künsten der Täuschung.
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Wenn also der, der fastet und sich traurig macht, ein Heuchler ist, wie viel böser ist dann der, der nicht fastet, aber eine erheuchelte Blässe des Gesichts als Zeichen des Fastens annimmt.

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(Serm. in Mont. ii. 12.) Zu diesem Abschnitt ist besonders zu bemerken, dass nicht nur in äußerem Glanz und Pomp, sondern sogar in der Kleidung der Trauer und des Leids Raum für Zurschaustellung ist, und das umso gefährlicher, als sie unter dem Namen von Gottesdiensten täuscht. Denn wer durch übermäßige Mühe mit seiner Person oder seiner Kleidung oder durch den Glanz seines sonstigen Aufzugs hervorsticht, wird durch eben diese Umstände leicht als Anhänger des Pomps dieser Welt erwiesen, und niemand wird durch irgendeinen Anschein erheuchelter Heiligkeit in ihm getäuscht. Wenn aber jemand im Bekenntnis des Christentums die Augen der Menschen durch ungewohnte Bettelhaftigkeit und Schäbigkeit der Kleidung auf sich zieht, so kann man, wenn dies freiwillig und nicht erzwungen ist, an seinem sonstigen Verhalten sehen, ob er dies tut, um von den Menschen gesehen zu werden, oder aus Verachtung der Verfeinerungen der Kleidung.
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Der Lohn des Fastens der Heuchler wird gezeigt, wenn hinzugefügt wird: Damit sie von den Menschen als Fastende gesehen werden; wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn empfangen; das heißt, den Lohn, auf den sie gehofft hatten.
17 Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haar und wasche dein Gesicht, 18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten.
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(ap. Anselm.) Nachdem der Herr uns gelehrt hat, was wir nicht tun sollen, fährt er nun fort, uns zu lehren, was wir tun sollen, und sagt: Wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht.

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(ubi sup.) Hier pflegt eine Frage aufgeworfen zu werden; denn sicherlich würde niemand wörtlich gebieten, dass wir, wie wir unsere Gesichter aus täglicher Gewohnheit waschen, so unsere Häupter salben sollen, wenn wir fasten; eine Sache, die alle für höchst schändlich halten.
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Wenn Er uns also gebot, nicht traurigen Angesichts zu sein, damit wir nicht vor den Menschen zu fasten scheinen, so werden doch, wenn Salbung des Hauptes und Waschung des Angesichts beim Fasten immer beachtet werden, sie zu Kennzeichen des Fastens.

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Er spricht aber gemäß den Sitten der Provinz Palästina, wo es an Festtagen Brauch ist, das Haupt zu salben. Was Er also gebietet, ist, dass wir, wenn wir fasten, den Anschein von Freude und Frohsinn tragen sollen.
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Daher ist die einfache Auslegung hiervon, dass dies als eine hyperbolische Erklärung des Gebotes hinzugefügt wird; als ob Er gesagt hätte: Ja, so weit sollt ihr von jeder Zurschaustellung eures Fastens entfernt sein, dass ihr, wenn es möglich wäre (was es doch nicht ist), so zu tun, sogar solche Dinge tun solltet, die Kennzeichen von Üppigkeit und Festmahl sind.

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(Hom. xx.) Beim Almosengeben sagte Er zwar nicht einfach: ‚Tu dein Almosen nicht vor den Menschen‘, sondern fügte hinzu: ‚um von ihnen gesehen zu werden.‘ Beim Fasten und Beten aber fügte Er nichts Derartiges hinzu; denn Almosen können nicht so gegeben werden, dass sie gänzlich verborgen bleiben, Fasten und Beten können so verrichtet werden. Die Verachtung des Menschenlobs ist keine geringe Frucht, denn dadurch werden wir von der schweren Knechtschaft der menschlichen Meinung befreit und werden recht eigentlich Täter der Tugend, indem wir sie um ihrer selbst willen lieben und nicht um anderer willen. Denn wie wir es als Beleidigung ansehen, wenn wir nicht um unserer selbst, sondern um anderer willen geliebt werden, so dürfen wir auch nicht der Tugend wegen dieser Menschen nachfolgen, noch Gott um der Menschen willen gehorchen, sondern um Seiner selbst willen. Daher folgt hier: ‚Aber zu deinem Vater, der im Verborgenen sieht.‘
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(ord.) Das heißt, zu deinem himmlischen Vater, der unsichtbar ist oder der durch den Glauben im Herzen wohnt. Der fastet für Gott, der sich aus Liebe zu Gott kasteit und anderen gibt, was er sich selbst versagt.
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Denn es genügt dir, dass der, der dein Gewissen sieht, dein Vergelter ist.
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Geistig ausgelegt – das Angesicht kann das geistige Gewissen bedeuten. Und wie vor den Augen der Menschen ein schönes Angesicht Anmut hat, so hat vor den Augen Gottes ein reines Gewissen Wohlgefallen. Dieses Angesicht verunstalten die Heuchler, die um der Menschen willen fasten, und suchen dadurch sowohl Gott als auch die Menschen zu täuschen; denn das Gewissen des Sünders ist immer verwundet. Wenn du also alle Bosheit aus deinem Herzen ausgetrieben hast, hast du dein Gewissen gewaschen und fastest gut.

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(Serm. in Quadr. vi. 2.) Das Fasten soll nicht nur in Enthaltung von Speise erfüllt werden, sondern viel mehr im Abschneiden der Laster. Denn wenn wir uns jener Zucht unterwerfen, um das zu entziehen, was die Amme der fleischlichen Begierden ist, so ist keine Art guten Gewissens mehr zu erstreben, als dass wir uns nüchtern halten von ungerechtem Willen und enthaltsam von unehrenhafter Tat. Dies ist ein Akt der Religion, von dem die Kranken nicht ausgeschlossen sind, da Lauterkeit des Herzens auch in einem schwachen Körper gefunden werden kann.
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Wiederum geistig: Dein Haupt bezeichnet Christus. Gib dem Durstigen zu trinken und speise den Hungrigen, und darin hast du dein Haupt gesalbt, das heißt Christus, der im Evangelium ausruft: ‚Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.‘ (Mat. 25:40.)

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(Hom. in Ev. xvi. 6.) Denn Gott billigt jenes Fasten, das vor Seinen Augen die Hände der Almosen öffnet. Was du dir also versagst, das schenke einem anderen, damit, worin dein Fleisch kasteit wird, dein notleidender Nächster erquickt werde.

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(ubi sup.) Oder: Unter dem Haupt verstehen wir mit Recht die Vernunft, weil sie in der Seele vorherrscht und die übrigen Glieder des Menschen regiert. Nun hat die Salbung des Hauptes eine gewisse Beziehung zum Frohlocken. Er freue sich also innerlich wegen seines Fastens, der sich im Fasten vom Tun des Willens der Welt abwendet, damit er Christus untertan sei.
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(ord.) Siehe, wie nicht alles im Neuen Testament wörtlich zu nehmen ist. Es wäre lächerlich, beim Fasten mit Öl bestrichen zu werden; aber es ist förderlich, dass der Geist mit dem Geist Seiner Liebe gesalbt werde, an dessen Leiden wir durch Selbstkasteiung teilhaben sollen.
Catena Aurea · Mt 6
Und wahrlich, wir sollen unser Angesicht waschen, aber unser Haupt salben und nicht waschen. Denn solange wir im Leibe sind, ist unser Gewissen durch Sünde befleckt. Christus aber, der unser Haupt ist, hat keine Sünde getan.
19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen. 20 Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21 Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
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Nachdem Er die Krankheit der Eitelkeit vertrieben hat, tut Er gut daran, die Rede von der Verachtung des Reichtums einzuführen. Denn es gibt keine größere Ursache für die Begierde nach Geld als die Liebe zum Lob; denn deswegen begehren die Menschen Scharen von Sklaven, mit Gold geschmückte Pferde und Tische aus Silber, nicht zum Gebrauch oder Vergnügen, sondern damit sie von vielen gesehen werden; daher sagt Er: ‚Sammelt euch nicht Schätze auf Erden.‘

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(Serm. in Mont. ii. 13.) Denn wenn jemand ein Werk mit der Absicht tut, dadurch ein irdisches Gut zu erlangen, wie wird sein Herz rein sein, während es so auf Erden wandelt? Denn alles, was mit einer niedrigeren Natur vermischt wird, wird dadurch verunreinigt, obwohl jene niedrigere in ihrer Art rein ist. So wird Gold legiert, wenn es mit reinem Silber vermischt wird; und in gleicher Weise wird unser Geist durch die Begierde nach irdischen Dingen befleckt, obwohl die Erde in ihrer eigenen Art rein ist.
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Andernfalls: Da der Herr oben nichts über Almosen, Gebet oder Fasten gelehrt, sondern nur deren Vortäuschung getadelt hatte, geht Er nun dazu über, eine Lehre in drei Teilen vorzutragen, gemäß der Einteilung, die Er zuvor gemacht hatte, in dieser Reihenfolge. Erstens ein Rat, dass Almosen gegeben werden sollen; zweitens, um den Nutzen des Almosengebens zu zeigen; drittens, dass die Furcht vor Armut kein Hindernis für unsere Absicht des Almosengebens sein soll.

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Indem Er sagt: ‚Sammelt euch nicht Schätze auf Erden‘, fügt Er hinzu: ‚wo Rost und Motte zerstören‘, um die Unsicherheit jenes Schatzes hier und den Vorteil jenes im Himmel zu zeigen, sowohl wegen des Ortes als auch wegen der Dinge, die schaden. Als ob Er gesagt hätte: Warum fürchtet ihr, dass euer Reichtum verzehrt werde, wenn ihr Almosen gebt? Ja, gebt vielmehr Almosen, und sie werden Zuwachs erhalten, denn jene Schätze im Himmel werden ihnen hinzugefügt werden, welche Schätze verderben, wenn ihr keine Almosen gebt. Er sagte nicht: Ihr hinterlasst sie anderen, denn das ist den Menschen angenehm.

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(ap. Anselm.) Hier sind drei Vorschriften gemäß den drei verschiedenen Arten von Reichtum. Metalle werden durch Rost zerstört, Kleider durch Motten; da es aber andere Dinge gibt, die weder Rost noch Motte fürchten, wie Edelsteine, nennt Er daher einen allgemeinen Schaden, den durch Diebe, die Reichtum jeder Art rauben können. a
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Eine andere Lesart ist: ‚Wo Motte und Schmauserei verzehren.‘ Denn eine dreifache Zerstörung erwartet alle Güter dieses Lebens. Sie verfallen entweder und werden von Motten wie Stoff gefressen; oder sie werden durch das üppige Leben ihres Herrn verzehrt; oder sie werden von Fremden geplündert, sei es durch Gewalt, Diebstahl, falsche Anschuldigung oder eine andere ungerechte Handlung. Denn alle können Diebe genannt werden, die durch irgendein unrechtmäßiges Mittel danach streben, fremdes Gut zu ihrem eigenen zu machen. Aber du wirst sagen: Verlieren alle, die diese Dinge haben, sie zwangsläufig? Ich würde beiläufig antworten, dass, wenn nicht alle, so doch viele. Aber schlecht gehorteten Reichtum hast du geistig verloren, wenn nicht tatsächlich, weil er dir nicht zum Heil nützt.

Catena Aurea · Mt 6
Allegorisch: Rost bezeichnet den Stolz, der den Glanz der Tugend verdunkelt. Die Motte, die heimlich Kleider zerfrisst, ist die Eifersucht, die die gute Absicht zernagt und das Band der Einheit zerstört. Diebe bezeichnen Häretiker und Dämonen, die stets auf der Lauer sind, um den Menschen ihren geistigen Schatz zu rauben.

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Aber das Lob des Himmels ist ewig und kann nicht von einem einbrechenden Dieb fortgetragen noch von der Motte und dem Rost des Neides verzehrt werden.

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(Serm. in Mont, ii. 13.) Unter Himmel verstehe ich an dieser Stelle nicht die materiellen Himmel, denn alles, was einen Körper hat, ist irdisch. Aber es ziemt sich, dass die ganze Welt von dem verachtet wird, der seinen Schatz in jenem Himmel aufbewahrt, von dem gesagt wird: Der Himmel der Himmel ist des Herrn, (Ps. 115:16.) das heißt im geistlichen Firmament. Denn Himmel und Erde werden vergehen; (Mat. 24:35.) aber wir dürfen unseren Schatz nicht in dem anlegen, was vergeht, sondern in dem, was ewig bleibt.
Catena Aurea · Mt 6
Was ist also besser? Ihn auf Erden anzulegen, wo seine Sicherheit zweifelhaft ist, oder im Himmel, wo er gewiss bewahrt wird? Welch eine Torheit, ihn an diesem Ort zu lassen, von dem du bald scheiden musst, und ihn nicht dorthin vorauszusenden, wohin du gehen wirst? Darum lege deinen Besitz dort an, wo deine Heimat ist.

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Da aber nicht jeder irdische Schatz durch Rost oder Motte zerstört oder von Dieben geraubt wird, führt Er daher ein anderes Motiv an: Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Das heißt soviel wie: Wenn dir auch keiner dieser früheren Verluste widerfahren sollte, wirst du doch keinen geringen Verlust erleiden, indem du deine Zuneigung an die Dinge unter dir hängst und ihnen zum Sklaven wirst und vom Himmel abfällst und unfähig bist, an irgendetwas Hohes zu denken.

Catena Aurea · Mt 6
Dies muss nicht nur vom Geld verstanden werden, sondern von all unserem Besitz. Der Gott eines Schlemmeres ist sein Bauch; der eines Liebenden seine Lust; und so dient jeder dem, dem er verfallen ist; und hat sein Herz dort, wo sein Schatz ist.
Catena Aurea · Mt 6
Andernfalls; Er lehrt nun den Nutzen des Almosengebens. Wer seinen Schatz auf Erden anlegt, hat im Himmel nichts zu erwarten; denn warum sollte er zum Himmel aufblicken, wo er nichts für sich aufbewahrt hat? So sündigt er doppelt; erstens, weil er Böses sammelt; zweitens, weil er sein Herz auf Erden hat; und so handelt er im Gegenteil in zweifacher Weise richtig, der seinen Schatz im Himmel anlegt.
22 Das Licht des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge gesund ist, wird dein ganzer Leib licht sein. 23 Wenn aber dein Auge krank ist, wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn also das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
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Catena Aurea · Mt 6
Nachdem Er davon gesprochen hat, den Verstand gefangen zu nehmen, weil es nicht leicht war, von vielen verstanden zu werden, überträgt Er es auf ein sinnliches Beispiel und sagt: Das Licht deines Leibes ist dein Auge. Als ob Er gesagt hätte: Wenn du nicht weißt, was mit dem Verlust des Verstandes gemeint ist, so lerne ein Gleichnis von den leiblichen Gliedern; denn was das Auge für den Leib ist, das ist der Verstand für die Seele. Wie wir durch den Verlust der Augen viel vom Gebrauch der anderen Glieder einbüßen, so ist, wenn der Verstand verdorben ist, dein Leben mit vielen Übeln erfüllt.

Catena Aurea · Mt 6
Dies ist eine Veranschaulichung, die von den Sinnen hergenommen ist. Wie der ganze Leib in Finsternis ist, wenn das Auge nicht einfältig ist, so wird, wenn die Seele ihren ursprünglichen Glanz verloren hat, jeder Sinn oder jener ganze Teil der Seele, dem die Empfindung zukommt, in Finsternis bleiben. Deshalb sagt Er: Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann diese Finsternis! das heißt, wenn die Sinne, die das Licht der Seele sind, durch Laster verfinstert werden, in wie große Finsternis, meinst du, wird dann die Finsternis selbst gehüllt sein?
Catena Aurea · Mt 6
Es scheint, dass Er hier nicht vom leiblichen Auge spricht oder vom äußeren sichtbaren Leib, sonst hätte Er gesagt: Wenn dein Auge gesund oder schwach ist; aber Er sagt: einfältig und böse. Aber wenn einer ein gütiges, doch krankes Auge hat, ist sein Leib deshalb im Licht? Oder wenn ein böses, doch gesundes, ist sein Leib deshalb in Finsternis?

Catena Aurea · Mt 6
Die ein dickes Augenlicht haben, sehen die Lichter vervielfacht; aber das einfältige und klare Auge sieht sie einfach und klar.

Catena Aurea · Mt 6
Oder; Das Auge, von dem Er spricht, ist nicht das äußere, sondern das innere Auge. Das Licht ist der Verstand, durch den die Seele Gott sieht. Wer sein Herz Gott zugewandt hat, hat ein Auge voll Licht; das heißt, sein Verstand ist rein, nicht durch den Einfluss weltlicher Begierden verzerrt. Die Finsternis in uns sind unsere leiblichen Sinne, die stets die Dinge begehren, die zur Finsternis gehören. Wer also ein reines Auge hat, das heißt einen geistlichen Verstand, bewahrt seinen Leib im Licht, das heißt ohne Sünde; denn obwohl das Fleisch Böses begehrt, widersteht ihm doch die Seele durch die Macht der göttlichen Furcht. Wer aber ein Auge hat, das heißt einen Verstand, der entweder durch den Einfluss der bösen Leidenschaften verfinstert oder durch böse Begierden befleckt ist, besitzt seinen Leib in Finsternis; er widersteht dem Fleisch nicht, wenn es Böses begehrt, weil er keine Hoffnung im Himmel hat, welche Hoffnung allein uns die Kraft gibt, der Begierde zu widerstehen.

Catena Aurea · Mt 6
Andernfalls; vom Amt des Lichtes des Auges her nennt Er es das Licht des Herzens; wenn dieses einfältig und strahlend bleibt, wird es dem Leib die Helligkeit des ewigen Lichtes verleihen und in das verdorbene Fleisch den Glanz seines Ursprungs zurückgießen, das heißt in der Auferstehung. Wenn es aber durch Sünde und bösen Willen verdunkelt wird, wird die leibliche Natur doch allen Übeln des Verstandes unterworfen bleiben.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Andernfalls; unter dem Auge können wir hier unsere Absicht verstehen; wenn diese rein und recht ist, sind alle unsere Werke, die wir danach wirken, gut. Diese nennt Er hier den Leib, wie der Apostel gewisse Werke als Glieder bezeichnet; Tötet eure Glieder, Unzucht und Unreinheit. (Kol. 3:5.) Wir sollten also nicht darauf schauen, was jemand tut, sondern mit welchem Geist er es tut. Denn dies ist das Licht in uns, weil wir dadurch sehen, dass wir mit guter Absicht tun, was wir tun. Denn alles, was offenbar macht, ist Licht. (Eph. 5:13.) Aber die Taten selbst, die in die menschliche Gesellschaft hinausgehen, haben für uns ein ungewisses Ergebnis, und deshalb nennt Er sie Finsternis; wie wenn ich einem Bedürftigen Geld gebe, weiß ich nicht, was er damit tun wird. Wenn nun die Absicht deines Herzens, die du kennen kannst, durch die Begierde nach zeitlichen Dingen befleckt ist, um wie viel mehr ist die Tat selbst befleckt, deren Ausgang ungewiss ist. Denn selbst wenn einer Gutes aus dem ernten sollte, was du mit einer nicht guten Absicht tust, wird es dir zugerechnet, wie du es getan hast, nicht wie es ihm ergangen ist. Wenn jedoch unsere Werke mit einer einfältigen Absicht getan werden, das heißt mit dem Ziel der Liebe, dann sind sie rein und wohlgefällig in Gottes Augen.

Catena Aurea · Mt 6
(cont. Mendac. 7.) Aber Handlungen, die an sich als Sünden bekannt sind, dürfen nicht mit guter Absicht getan werden; sondern nur solche Werke, die entweder gut oder böse sind, je nachdem die Beweggründe, aus denen sie getan werden, gut oder böse sind, und die nicht an sich Sünden sind; wie den Armen Speise zu geben gut ist, wenn es aus barmherzigen Beweggründen geschieht, aber böse, wenn es aus Prahlerei geschieht. Aber solche Werke, die an sich Sünden sind, wer wird sagen, dass sie mit guten Beweggründen getan werden sollen oder dass sie keine Sünden sind? Wer würde sagen: Lasst uns die Reichen berauben, damit wir den Armen geben können?

Catena Aurea · Mt 6
(Mor. xxviii. 11.) Andernfalls; wenn das Licht, das in dir ist, das heißt, wenn wir, was wir gut zu tun begonnen haben, durch böse Absicht verdunkeln, indem wir Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie an sich böse sind, wie groß ist dann die Finsternis!
Catena Aurea · Mt 6
(ap. Gloss. ord.) Andernfalls; der Glaube wird mit einem Licht verglichen, weil durch ihn die Wege des inneren Menschen, das heißt das Handeln, erleuchtet werden, damit er nicht strauchelt nach dem Wort: Dein Wort ist meinen Füßen ein Licht. (Ps. 119:105.) Wenn dieser also rein und einfältig ist, ist der ganze Leib Licht; wenn er aber befleckt ist, wird der ganze Leib finster sein. Doch andernfalls; unter dem Licht kann der Vorsteher der Kirche verstanden werden, der wohl das Auge genannt werden kann, da er es ist, der darauf sehen soll, dass dem ihm unterstellten Volk heilsame Dinge bereitgestellt werden, die unter dem Leib verstanden werden. Wenn also der Vorsteher der Kirche irrt, um wie viel mehr wird das ihm unterstellte Volk irren?
24 Niemand kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben oder an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
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Der Herr hatte oben gesagt, dass der, welcher einen geistlichen Sinn hat, seinen Leib von Sünde frei halten kann; und dass der, welcher ihn nicht hat, es nicht kann. Dafür gibt Er hier den Grund an und sagt: Niemand kann zwei Herren dienen.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) Andernfalls; es war oben erklärt worden, dass gute Dinge böse werden, wenn sie mit weltlicher Absicht getan werden. Daher könnte jemand sagen: Ich will gute Werke zugleich aus weltlichen und himmlischen Beweggründen tun. Dagegen sagt der Herr: Niemand kann zwei Herren dienen.

Catena Aurea · Mt 6
(Hom. xxi.) Oder andernfalls; im Vorhergehenden hatte Er die Tyrannei der Habgier durch viele und gewichtige Motive eingeschränkt, nun aber fügt Er noch mehr hinzu. Reichtümer schaden uns nicht nur dadurch, dass sie Räuber gegen uns bewaffnen und unseren Verstand verdunkeln, sondern sie wenden uns auch vom Dienst Gottes ab. Dies beweist Er aus vertrauten Vorstellungen und sagt: Niemand kann zwei Herren dienen; zwei, meint Er, deren Befehle entgegengesetzt sind; denn Eintracht macht aus vielen einen. Dies wird durch das Folgende bewiesen: denn entweder wird er den einen hassen. Er erwähnt zwei, damit wir sehen, dass die Änderung zum Besseren leicht ist. Denn wenn einer sich verzweifelt als Sklave der Reichtümer hingegeben hätte, nämlich indem er sie liebt, kann er daraus lernen, dass es ihm möglich ist, sich in einen besseren Dienst zu begeben, nämlich indem er sich solcher Knechtschaft nicht unterwirft, sondern sie verachtet.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) Oder; Er scheint auf zwei verschiedene Arten von Dienern anzuspielen; eine Art, die frei aus Liebe dient, eine andere, die knechtisch aus Furcht dient. Wenn also einer zwei Herren von entgegengesetztem Charakter aus Liebe dient, muss es sein, dass er den einen hasst; wenn aus Furcht, während er vor dem einen zittert, muss er den anderen verachten. Aber je nachdem, ob die Welt oder Gott im Herzen eines Menschen vorherrscht, muss er in entgegengesetzte Richtungen gezogen werden; denn Gott zieht den, der Ihm dient, zum Hohen; die Erde zieht zum Niedrigen; deshalb schließt Er: Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen.

Catena Aurea · Mt 6
Mammon – so werden Reichtümer im Syrischen genannt. Der Habsüchtige, der den christlichen Namen trägt, höre dies, dass er nicht zugleich Christus und dem Reichtum dienen kann. Doch sagte Er nicht: „Wer Reichtümer hat“, sondern: „Wer der Diener des Reichtums ist“. Denn wer der Sklave des Geldes ist, bewacht sein Geld wie ein Sklave; wer aber das Joch seiner Knechtschaft abgeworfen hat, verteilt es wie ein Herr.
Catena Aurea · Mt 6
(ord.) Mit Mammon ist der Teufel gemeint, der Herr des Geldes, nicht dass er es geben könnte, es sei denn, Gott will es, sondern weil er durch es die Menschen täuscht.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 14.) Wer Mammon dient (das heißt dem Reichtum), dient wahrhaft dem, der wegen der Verdienste seiner Verkehrtheit über diese irdischen Dinge gesetzt und vom Herrn „der Fürst dieser Welt“ genannt wird. Oder anders: Wer die zwei Herren sind, zeigt Er, wenn Er sagt: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen“, das heißt Gott und dem Teufel. Entweder also wird der Mensch den einen hassen und den anderen lieben, nämlich Gott; oder er wird den einen ertragen und den anderen verachten. Denn wer Mammons Diener ist, erträgt einen harten Herrn; denn von seiner eigenen Begierde gefangen, ist er dem Teufel unterworfen und liebt ihn nicht. Wie einer, dessen Leidenschaften ihn mit der Magd eines anderen verbunden haben, eine harte Knechtschaft erleidet, doch den nicht liebt, dessen Magd er liebt. Aber Er sagte: „er wird verachten“, nicht „er wird hassen“ den anderen, denn niemand kann mit rechtem Gewissen Gott hassen. Aber er verachtet, das heißt, er fürchtet Ihn nicht, da er von Seiner Güte überzeugt ist.
25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um eueren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als das Kleid?
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(Serm. in Mont. ii. 15.) Der Herr hatte oben gelehrt, dass wer Gott lieben und darauf achten will, nicht zu sündigen, nicht meinen soll, er könne zwei Herren dienen; damit nicht etwa, obwohl er vielleicht nicht nach Überflüssigem strebt, sein Herz doch wegen der notwendigsten Dinge zwiespältig werde und seine Gedanken darauf gerichtet seien, sie zu erlangen. Darum sage Ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt.

Catena Aurea · Mt 6
Er meint damit nicht, dass der Geist Nahrung braucht, denn er ist unkörperlich, sondern Er spricht nach allgemeinem Sprachgebrauch, denn die Seele kann nicht im Körper bleiben, wenn der Körper nicht ernährt wird.

Catena Aurea · Mt 6
(ubi sup.) Oder wir können verstehen, dass die Seele an dieser Stelle für das animalische Leben steht.

Catena Aurea · Mt 6
Einige Handschriften fügen hier hinzu: „noch was ihr trinken sollt“. Das, was allen Tieren gleichermaßen natürlich ist, sowohl den wilden Tieren und Lasttieren als auch dem Menschen, davon werden wir nicht durch jeden Gedanken befreit. Aber uns wird geboten, nicht besorgt zu sein, was wir essen sollen, denn im Schweiße unseres Angesichts erwerben wir unser Brot; die Mühe ist auf sich zu nehmen, die Sorge abzulegen. Dieses „Sorget nicht“ ist von der leiblichen Nahrung und Kleidung zu verstehen; für die Nahrung und Kleidung des Geistes aber ziemt es uns, immer besorgt zu sein.

Catena Aurea · Mt 6
(De Hæres. 57.) Es gibt gewisse Häretiker, Euchiten genannt, die behaupten, ein Mönch dürfe keine Arbeit verrichten, auch nicht für seinen Unterhalt; die dieses Bekenntnis annehmen, um von der Notwendigkeit täglicher Arbeit befreit zu sein.

Catena Aurea · Mt 6
(De Op. Monach. 1) Denn sie sagen, der Apostel habe nicht von persönlicher Arbeit gesprochen, wie der von Bauern oder Handwerkern, als er sagte: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (et seq. 2 Thess. 3:10.) Denn er könne nicht so sehr dem Evangelium widersprechen, wo es heißt: „Darum sage Ich euch: Sorget nicht.“ Daher müssen wir in jenem Wort des Apostels geistliche Werke verstehen, von denen es anderswo heißt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen.“ (1 Kor. 3:6.) Und so glauben sie, dem apostolischen Gebot gehorsam zu sein, indem sie das Evangelium so auslegen, dass es von der Nicht-Sorge für die Bedürfnisse des Leibes spricht, und der Apostel von geistlicher Arbeit und Nahrung. Zuerst wollen wir beweisen, dass der Apostel meinte, die Diener Gottes sollten mit dem Leib arbeiten. Er hatte gesagt: „Ihr selbst wisst, wie ihr uns nachahmen sollt, dass wir nicht unruhig unter euch waren, noch das Brot eines anderen umsonst aßen; sondern unter Mühe und Anstrengung arbeiteten wir Tag und Nacht, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht dass wir nicht die Macht hätten, sondern damit wir uns selbst euch als Vorbild gäben, dem ihr nachahmen sollt. Denn als wir bei euch waren, lehrten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Was sollen wir dazu sagen, da er durch sein Beispiel lehrte, was er als Gebot übergab, indem er selbst mit eigenen Händen arbeitete. Dies wird aus der Apostelgeschichte bewiesen, wo gesagt wird, dass er bei Aquila und seiner Frau Priscilla blieb und mit ihnen arbeitete, denn sie waren Zeltmacher. (Apg. 18:3.) Und doch hatte der Herr dem Apostel als Verkünder des Evangeliums, als Soldat Christi, als Pflanzer des Weinbergs, als Hirte seiner Herde bestimmt, dass er vom Evangelium leben sollte; aber er lehnte diese Zahlung ab, die ihm rechtmäßig zustand, um sich selbst als Beispiel denen zu geben, die forderten, was ihnen nicht zustand. Diejenigen sollen dies hören, die nicht jene Macht haben, die er hatte; nämlich umsonst Brot zu essen und nur mit geistlicher Arbeit zu arbeiten. Wenn sie nämlich Evangelisten sind, wenn Diener des Altars, wenn Spender der Sakramente, haben sie diese Macht. Oder wenn sie in dieser Welt Besitztümer gehabt hätten, durch die sie sich ohne Arbeit hätten ernähren können, und diese bei ihrer Bekehrung zu Gott den Bedürftigen ausgeteilt hätten, dann wäre ihre Schwachheit zu glauben und zu ertragen. Und es wäre nicht wichtig, an welchem Ort er die Verteilung vornahm, da es nur ein Gemeinwesen aller Christen gibt. Aber diejenigen, die aus dem Landleben, dem Handwerk oder der gewöhnlichen Arbeit in den Dienst Gottes eintreten, sind nicht zu entschuldigen, wenn sie nicht arbeiten. Denn es ziemt sich keineswegs, dass in jenem Leben, in dem Senatoren zu Arbeitern werden, arbeitende Männer müßig werden; oder dass dort, wo Herren von Landgütern ihre Luxusgüter aufgegeben haben, ländliche Sklaven kommen, um Luxus zu finden. Wenn aber der Herr sagt: „Sorget nicht“, meint Er nicht, dass sie sich nicht das beschaffen sollen, was sie brauchen, wo immer sie es ehrlich können, sondern dass sie nicht auf diese Dinge schauen und nicht um ihretwillen tun sollen, was ihnen in der Verkündigung des Evangeliums geboten ist; denn diese Absicht nannte Er kurz zuvor das Auge.

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Oder wir können den Zusammenhang anders verbinden: Als der Herr die Verachtung des Geldes eingeschärft hatte, damit niemand sage: Wie werden wir dann leben können, wenn wir alles aufgegeben haben? Fügt Er hinzu: „Darum sage Ich euch: Sorget nicht für euer Leben.“
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(interlin.) Das heißt: Werdet nicht durch zeitliche Sorgen von den ewigen Dingen abgezogen.

Catena Aurea · Mt 6
Das Gebot ist also, nicht besorgt zu sein, was wir essen sollen. Denn es ist auch geboten, dass wir im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen müssen. Mühe ist also auferlegt, Sorge verboten.
Catena Aurea · Mt 6
Brot kann nicht durch Sorge des Geistes erlangt werden, sondern durch Mühe des Leibes; und denen, die arbeiten wollen, ist es reichlich vorhanden, da Gott es als Lohn ihrer Tüchtigkeit gibt; und es fehlt den Müßigen, da Gott es als Strafe für ihre Trägheit entzieht. Der Herr bestätigt auch unsere Hoffnung und sagt, vom Größeren zum Kleineren herabsteigend: „Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“

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Der das Größere gegeben hat, wird Er nicht auch das Kleinere geben?
Catena Aurea · Mt 6
Denn hätte Er nicht gewollt, dass das, was war, erhalten bleibe, hätte Er es nicht erschaffen; aber was Er so erschaffen hat, dass es durch Nahrung erhalten wird, dem muss Er notwendig Nahrung geben, solange Er will, dass es erhalten bleibt.

Catena Aurea · Mt 6
Anders: Weil die Gedanken der Ungläubigen übel beschäftigt waren mit der Sorge um zukünftige Dinge, indem sie spitzfindig fragten, wie das Aussehen unserer Leiber in der Auferstehung sein werde, welche Nahrung im ewigen Leben, deshalb fährt Er fort: „Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung?“ Er will nicht dulden, dass unsere Hoffnung in Sorge um Speise und Trank und Kleidung in der Auferstehung hängt, damit nicht dem, der uns das Kostbarere gegeben hat, Schmach angetan werde, indem wir besorgt sind, dass Er uns auch das Geringere gebe.
26 Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer aber von euch kann mit seinen Sorgen seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?
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Nachdem Er unsere Hoffnung durch dieses Argument vom Größeren zum Kleineren bestätigt hat, bestätigt Er sie als Nächstes durch ein Argument vom Kleineren zum Größeren: „Seht die Vögel des Himmels, sie säen nicht, sie ernten nicht.“

Catena Aurea · Mt 6
(De Op. Monach. 23.) Einige argumentieren, dass sie nicht arbeiten sollten, weil die Vögel des Himmels weder säen noch ernten. Warum achten sie dann nicht auf das, was folgt: „noch sammeln sie in Scheunen“? Warum suchen sie, ihre Hände müßig und ihre Speicher voll zu haben? Warum mahlen sie tatsächlich Korn und bereiten es zu? Denn das tun die Vögel nicht. Oder selbst wenn sie Menschen finden, die sie überreden können, ihnen täglich fertige Speisen zu liefern, schöpfen sie wenigstens Wasser aus der Quelle und stellen es für sich auf den Tisch, was die Vögel nicht tun. Wenn sie aber auch nicht dazu getrieben werden, sich Gefäße mit Wasser zu füllen, dann sind sie einen neuen Schritt der Gerechtigkeit über die hinausgegangen, die damals in Jerusalem waren (vgl. Apg. 11:29), die aus Korn, das ihnen als freie Gabe gesandt wurde, Brote machten oder machen ließen, was die Vögel nicht tun. Aber nichts für den morgigen Tag aufzubewahren, kann von denen nicht beachtet werden, die sich viele Tage lang vom Anblick der Menschen zurückgezogen haben und niemanden zu sich kommen lassen, um in großer Inbrunst des Gebets zu leben. Was? Willst du sagen, dass die Menschen, je heiliger sie werden, in dieser Hinsicht desto unähnlicher den Vögeln des Himmels werden? Was Er über die Vögel des Himmels sagt, sagt Er zu dem Zweck, dass keiner seiner Diener denke, Gott habe keine Gedanken für ihre Bedürfnisse, wenn sie sehen, dass Er sogar für diese geringeren Geschöpfe sorgt. Und Gott nährt auch die nicht, die ihr Brot durch eigene Arbeit verdienen; und weil Gott gesagt hat: „Rufe mich an am Tag der Not, und Ich will dich erretten“ (Ps. 50:15), hätte der Apostel deshalb nicht fliehen, sondern still bleiben sollen, um ergriffen zu werden, damit Gott ihn errette, wie Er die drei Jünglinge aus der Mitte des Feuers errettete. Wenn jemand dies den Heiligen bei ihrer Flucht vor Verfolgung entgegenhielte, würden sie antworten, dass sie Gott nicht versuchen dürften, und dass Gott, wenn es Ihm gefiele, sie so erretten würde, wie Er Daniel aus den Löwen, Petrus aus dem Gefängnis errettet hatte, als sie sich nicht mehr selbst helfen konnten; aber dass, indem Er ihnen die Flucht möglich machte, sie durch Flucht gerettet wurden, sie von Gott gerettet wurden. In gleicher Weise würden solche Diener Gottes, die die Kraft haben, ihre Nahrung durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen, leicht jedem antworten, der ihnen dies aus dem Evangelium über die Vögel des Himmels entgegenhielte, dass sie weder säen noch ernten; und würden sagen: Wenn wir durch Krankheit oder ein anderes Hindernis nicht arbeiten können, wird Er uns nähren, wie Er die Vögel nährt, die nicht arbeiten. Aber wenn wir arbeiten können, dürfen wir Gott nicht versuchen, da auch diese unsere Fähigkeit Seine Gabe ist; und dass wir hier leben, leben wir aus Seiner Güte, die uns fähig gemacht hat zu leben; Er nährt uns, durch den die Vögel des Himmels genährt werden; wie Er sagt: „Euer himmlischer Vater nährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert?“

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(Serm. in Mont. ii. 15.) Ihr seid mehr wert, weil ein vernunftbegabtes Lebewesen, wie der Mensch es ist, in der Stufenordnung der Natur höher steht als ein vernunftloses, wie es die Vögel des Himmels sind.

Catena Aurea · Mt 6
(De Civ. Dei, xi. 16.) In der Tat wird oft ein höherer Preis für ein Pferd als für einen Sklaven gezahlt, für ein Juwel als für eine Dienerin, aber dies nicht aus vernünftiger Bewertung, sondern aus dem Bedürfnis der Person, die es benötigt, oder vielmehr aus ihrem Verlangen, das es begehrt.
Catena Aurea · Mt 6
Denn Gott erschuf alle Tiere für den Menschen, den Menschen aber für sich selbst; je kostbarer also die Erschaffung des Menschen ist, desto größer ist Gottes Sorge für ihn. Wenn nun die Vögel ohne Mühe Nahrung finden, sollte da der Mensch sie nicht finden, dem Gott sowohl die Kenntnis der Arbeit als auch die Hoffnung auf Fruchtbarkeit gegeben hat?

Catena Aurea · Mt 6
Es gibt einige, die danach streben, die Grenzen ihrer Väter zu überschreiten und in die Luft emporzufliegen, doch in die Tiefe sinken und ertrinken. Diese wollen, dass die Vögel des Himmels die Engel bedeuten und die anderen Mächte im Dienst Gottes, die ohne eigene Sorge von Gottes Vorsehung ernährt werden. Wenn dies aber tatsächlich so wäre, wie sie es wollen, wie folgt dann daraus, was zu den Menschen gesagt wird: Seid ihr nicht mehr wert als sie? Man muss es also im schlichten Sinne verstehen: Wenn die Vögel, die heute sind und morgen nicht mehr sind, durch Gottes Vorsehung ernährt werden, ohne eigenes Denken oder Mühen, wie viel mehr dann die Menschen, denen die Ewigkeit verheißen ist!

Catena Aurea · Mt 6
Man kann sagen, dass Er uns unter dem Namen der Vögel durch das Beispiel der unreinen Geister ermahnt, denen ohne eigene Mühe im Suchen und Sammeln die Nahrung des Lebens durch die Kraft der Ewigen Weisheit gegeben wird. Und um uns dazu zu führen, dies auf die unreinen Geister zu beziehen, fügt Er passend hinzu: Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? So zeigt Er den großen Abstand zwischen Frömmigkeit und Bosheit.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) Er lehrt uns nicht nur durch das Beispiel der Vögel, sondern fügt einen weiteren Beweis hinzu, dass für unser Sein und Leben unsere eigene Sorge nicht ausreicht, sondern die göttliche Vorsehung darin wirkt; Er sagt: Wer von euch kann durch Sorgen seiner Gestalt eine Elle hinzufügen?
Catena Aurea · Mt 6
Denn Gott ist es, der Tag für Tag das Wachstum eures Leibes bewirkt, ohne dass ihr es fühlt. Wenn also die Vorsehung Gottes so täglich in eurem eigenen Leib wirkt, wie sollte dieselbe Vorsehung es unterlassen, in den Notwendigkeiten des Lebens zu wirken? Und wenn ihr durch Sorgen nicht den kleinsten Teil zu eurem Leib hinzufügen könnt, wie sollt ihr dann durch Sorgen gänzlich gerettet werden?

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 15.) Oder es kann mit dem Folgenden verbunden werden; als ob Er sagen wollte: Nicht durch unsere Sorge wurde unser Leib zu seiner jetzigen Größe gebracht; damit wir wissen, dass wir, wenn wir eine Elle hinzufügen wollten, dazu nicht imstande wären. Überlasst also die Sorge um die Bekleidung jenes Leibes dem, der ihn zu seiner jetzigen Größe heranwachsen ließ.

Catena Aurea · Mt 6
Anders; Wie Er durch das Beispiel der Geister unseren Glauben an die Versorgung mit Nahrung für unser Leben gefestigt hatte, so schneidet Er nun durch ein Urteil des gemeinsamen Verstandes alle Angst um die Versorgung mit Kleidung ab. Da Er es ist, der in einem vollkommenen Menschen jede verschiedene Art von Leib, die je Atem holte, auferwecken wird und allein imstande ist, einem jeden Menschen eine, zwei oder drei Ellen zur Gestalt hinzuzufügen, so bieten wir sicherlich, indem wir um Kleidung besorgt sind, das heißt um das Aussehen unserer Leiber, Ihm Hohn, der einem jeden Menschen so viel zur Gestalt hinzufügen wird, dass Er alle zur Gleichheit bringt.

Catena Aurea · Mt 6
(De Civ. Dei, xxii. 15.) Wenn aber Christus mit derselben Gestalt auferstanden ist, mit der Er starb, so ist es gottlos zu sagen, dass, wenn die Zeit der Auferstehung aller kommt, Seinem Leib eine Größe hinzugefügt werde, die Er bei Seiner eigenen Auferstehung nicht hatte (denn Er erschien Seinen Jüngern mit jenem Leib, in dem Er unter ihnen bekannt gewesen war), so dass Er dem Größten unter den Menschen gleich werde. Wenn wir wiederum sagen, dass alle Leiber der Menschen, ob groß oder klein, gleichermaßen zur Größe und Gestalt des Leibes des Herrn gebracht werden, dann wird viel von vielen Leibern vergehen, obwohl Er erklärt hat, dass kein Haar fallen soll. Es bleibt also, dass jeder in seiner eigenen Gestalt auferweckt wird – jener Gestalt, die er in der Jugend hatte, wenn er im Alter starb; wenn in der Kindheit, jener Gestalt, die er erreicht hätte, wenn er gelebt hätte. Denn der Apostel sagt nicht: „Zum Maß der Gestalt“, sondern: Zum Maß des vollkommenen Alters Christi. (Eph. 4:13.) Denn die Leiber der Toten werden in Jugend und Reife auferstehen, die, wie wir wissen, Christus erreicht hat.
28 Und was sorgt ihr euch wegen der Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. 29 Ich sage euch aber: selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen!
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Catena Aurea · Mt 6
(Hom. xxii.) Nachdem Er gezeigt hat, dass es nicht recht ist, um Nahrung besorgt zu sein, geht Er zu dem über, was geringer ist; (denn Kleidung ist nicht so notwendig wie Nahrung;) und fragt: Und warum seid ihr besorgt, womit ihr bekleidet werdet? Er verwendet hier nicht das Beispiel der Vögel, obwohl Er einige hätte anführen können, wie den Pfau oder den Schwan, sondern bringt die Lilien vor und sagt: Betrachtet die Lilien des Feldes. Er wollte in zwei Dingen die überreiche Güte Gottes beweisen; nämlich den Reichtum der Schönheit, mit der sie bekleidet sind, und den geringen Wert der Dinge, die damit bekleidet sind.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 15.) Die angeführten Dinge sind nicht allegorisch zu deuten, so dass wir untersuchen, was durch die Vögel des Himmels oder die Lilien des Feldes bezeichnet wird; sie sind nur Beispiele, um Gottes Sorge für das Größere aus Seiner Sorge für das Geringere zu beweisen.
Catena Aurea · Mt 6
Denn die Lilien werden innerhalb einer festgesetzten Zeit zu Zweigen geformt, in Weiß gekleidet und mit süßem Duft begabt, wobei Gott durch ein unsichtbares Wirken übermittelt, was die Erde der Wurzel nicht gegeben hatte. Doch in allem wird dieselbe Vollkommenheit beobachtet, damit sie nicht für zufällig gebildet gehalten, sondern als von Gottes Vorsehung geordnet erkannt werden. Wenn Er sagt: Sie arbeiten nicht, spricht Er zum Trost der Männer; Noch spinnen sie, für die Frauen.

Catena Aurea · Mt 6
Er verbietet nicht die Arbeit, sondern die Sorgen, sowohl hier als auch oben, als Er vom Säen sprach.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) Und zur größeren Erhebung der Vorsehung Gottes in jenen Dingen, die über menschliches Bemühen hinausgehen, fügt Er hinzu: Ich sage euch, dass Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet war wie eine von diesen.

Catena Aurea · Mt 6
Denn wahrlich, welcher königliche Purpur, welche Seide, welches Gewebe aus mannigfachen Farben vom Webstuhl kann mit Blumen wetteifern? Welches Menschenwerk hat das rote Erröten der Rose? Das reine Weiß der Lilie? Wie der tyrische Farbstoff dem Veilchen weicht, kann allein der Anblick und nicht Worte ausdrücken.

Catena Aurea · Mt 6
So weit die Wahrheit von der Lüge entfernt ist, so weit unterscheiden sich unsere Kleider von Blumen. Wenn also Salomo, der hervorragender war als alle anderen Könige, doch von Blumen übertroffen wurde, wie sollt ihr dann die Schönheit der Blumen durch eure Gewänder übertreffen? Und Salomo wurde von den Blumen nicht nur einmal oder zweimal übertroffen, sondern während seiner ganzen Regierungszeit; und das ist es, was Er sagt: In all seiner Herrlichkeit; denn an keinem Tag war er bekleidet wie die Blumen.
Catena Aurea · Mt 6
Oder die Bedeutung kann sein, dass Salomo, obwohl er nicht für seine eigene Kleidung arbeitete, doch den Befehl zu ihrer Herstellung gab. Wo aber Befehl ist, da findet sich oft sowohl das Ärgernis derer, die dienen, als auch der Zorn dessen, der befiehlt. Wenn dann jemand ohne diese Dinge ist, dann ist er bekleidet wie die Lilien.

Catena Aurea · Mt 6
Oder; Unter den Lilien sind die Höhen der himmlischen Engel zu verstehen, denen ein übertreffender Glanz der Weiße von Gott mitgeteilt wird. Sie arbeiten nicht, noch spinnen sie, weil die Engelsmächte schon in der allerersten Zuteilung ihrer Existenz eine solche Natur empfingen, dass sie, wie sie geschaffen wurden, immerfort so bleiben sollten; und wenn in der Auferstehung die Menschen den Engeln gleich sein werden, so will Er, dass sie durch dieses Beispiel engelhafter Vortrefflichkeit eine Bedeckung mit engelhafter Herrlichkeit erwarten.
Catena Aurea · Mt 6
Wenn Gott also so für die Blumen der Erde sorgt, die nur aufsprießen, um gesehen zu werden und zu sterben, sollte Er da die Menschen übersehen, die Er nicht geschaffen hat, um eine Zeit lang gesehen zu werden, sondern damit sie für immer seien?

Catena Aurea · Mt 6
Morgen wird in der Schrift für die zukünftige Zeit im Allgemeinen gesetzt. Jakob sagt: So wird meine Gerechtigkeit mir morgen antworten. (Gen. 30:33.) Und im Trugbild Samuels sagt die Wahrsagerin zu Saul: Morgen wirst du mit mir sein. 1 Sam. 28:19.)
Catena Aurea · Mt 6
Einige Abschriften haben ins Feuer, oder, in einen Haufen, was das Aussehen eines Ofens hat.

Catena Aurea · Mt 6
Er nennt sie nicht mehr Lilien, sondern das Gras des Feldes, um ihren geringen Wert zu zeigen; und fügt noch einen weiteren Grund für ihren geringen Wert hinzu: welches heute ist. Und Er sagte nicht: und morgen nicht ist, sondern was noch tiefer fällt, wird in den Ofen geworfen. Indem Er sagt: Wie viel mehr ihr, ist implizit die Würde des Menschengeschlechts vermittelt, als hätte Er gesagt: Ihr, denen Er eine Seele gegeben hat, für die Er einen Leib bereitet hat, denen Er Propheten gesandt und seinen eingeborenen Sohn gegeben hat.
Catena Aurea · Mt 6
Er sagt: Kleingläubige, denn der Glaube ist klein, der nicht einmal der geringsten Dinge sicher ist.

Catena Aurea · Mt 6
Oder unter der Bedeutung des Grases werden die Heiden angedeutet. Wenn also den Heiden nur deshalb eine ewige Existenz gewährt wird, damit sie bald den Gerichtsfeuern übergeben werden; wie gottlos ist es, dass die Heiligen am Erlangen der ewigen Herrlichkeit zweifeln, wenn den Gottlosen die Ewigkeit zur Strafe verliehen wird.
Catena Aurea · Mt 6
Geistlich sind mit den Vögeln des Himmels die Heiligen gemeint, die im Wasser der heiligen Taufe wiedergeboren sind; und durch Hingabe erheben sie sich über die Erde und suchen den Himmel. Die Apostel werden wertvoller als diese genannt, weil sie die Häupter der Heiligen sind. Unter den Lilien können auch die Heiligen verstanden werden, die ohne die Mühe der gesetzlichen Zeremonien allein durch den Glauben Gott gefielen; von ihnen heißt es: Mein Geliebter, der unter den Lilien weidet. (Hld 2,16.) Die heilige Kirche wird auch unter den Lilien verstanden wegen der Weiße ihres Glaubens und des Wohlgeruchs ihres guten Wandels, von der an derselben Stelle gesagt wird: Wie die Lilie unter den Dornen. Mit dem Gras werden die Ungläubigen bezeichnet, von denen es heißt: Das Gras ist verdorrt, und seine Blumen sind verwelkt. (Jes 40,7.) Mit dem Ofen die ewige Verdammnis; so dass der Sinn ist: Wenn Gott den Ungläubigen zeitliche Güter gewährt, wie viel mehr wird Er euch ewige Güter gewähren!
31 Sorgt euch also nicht und sagt nicht: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken? oder: Was werden wir anziehen? 32 Denn nach all dem trachten die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr das alles braucht. 33 Sucht vielmehr zuerst das Reich und seine Gerechtigkeit: dann wird euch all das dazugegeben.
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(non occ.) Nachdem Er so ausdrücklich alle Sorge um Nahrung und Kleidung abgeschnitten hat, durch ein Argument, das aus der Betrachtung der niederen Schöpfung gezogen ist, fügt Er ein weiteres Verbot hinzu: Seid also nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen, was sollen wir trinken, oder womit sollen wir uns kleiden?
Catena Aurea · Mt 6
Der Herr wiederholte dies, um zu zeigen, wie höchst notwendig dieses Gebot ist, und um es unseren Herzen stärker einzuprägen.

Catena Aurea · Mt 6
Es ist zu beachten, dass Er nicht sagt: Sucht nicht oder seid nicht besorgt um Nahrung, Trank und Kleidung, sondern: was ihr essen, was ihr trinken oder womit ihr euch kleiden sollt. Worin meiner Meinung nach die überführt werden, die selbst die übliche Nahrung und Kleidung gebrauchen, aber von denen, mit denen sie leben, entweder größeren Aufwand oder größere Strenge in beidem verlangen.
Catena Aurea · Mt 6
(non occ.) Es gibt auch eine weitere unnötige Sorge, in der Menschen sündigen, wenn sie von Erzeugnissen oder Geld mehr zurücklegen, als die Notwendigkeit erfordert, und geistliche Dinge verlassend, auf diese bedacht sind, als ob sie an der Güte Gottes verzweifelten; das ist es, was verboten wird; denn nach all dem trachten die Heiden.
Catena Aurea · Mt 6
Da sie glauben, dass das Schicksal und nicht die Vorsehung in menschlichen Angelegenheiten waltet, und nicht meinen, dass ihr Leben durch Gottes Ratschluss gelenkt wird, sondern dem unsicheren Zufall folgen, fürchten sie sich und verzweifeln, da sie keinen haben, der sie führt. Wer aber glaubt, dass er durch Gottes Ratschluss geführt wird, vertraut seine Nahrungsversorgung Gottes Hand an; wie es folgt: denn euer Vater weiß, dass ihr diese Dinge nötig habt.

Catena Aurea · Mt 6
Er sagte nicht: Gott weiß, sondern: Euer Vater weiß, um sie zu größerer Hoffnung zu führen; denn wenn Er ihr Vater ist, wird Er es nicht ertragen, seine Kinder zu vergessen, da selbst menschliche Väter das nicht könnten. Er sagt: Dass ihr alle diese Dinge nötig habt, damit ihr gerade deshalb, weil sie notwendig sind, umso mehr alle Sorge ablegt. Denn wer seinem Sohn das bloß Notwendige verweigert, in welcher Weise ist der ein Vater? Aber auf Überflüssiges haben sie kein Recht, mit gleichem Vertrauen zu blicken.

Catena Aurea · Mt 6
(De Trin. xv. 13.) Gott erlangte dieses Wissen nicht zu einer bestimmten Zeit, sondern vor aller Zeit, ohne Anfang des Wissens, wusste Er im Voraus, dass die Dinge der Welt sein würden, und unter anderem, sowohl was als auch wann wir Ihn bitten würden.

Catena Aurea · Mt 6
(De Civ. Dei, xii. 18.) Was einige sagen, dass diese Dinge so zahlreich sind, dass sie nicht durch Gottes Wissen erfasst werden können; sie müssten mit gleichem Recht weiter behaupten, dass Gott nicht alle Zahlen wissen kann, die gewiss unendlich sind. Aber die Unendlichkeit der Zahl ist nicht jenseits des Umfangs Seines Verstandes, der selbst unendlich ist. Wenn also alles, was durch Wissen erfasst wird, durch den Umfang dessen begrenzt wird, der das Wissen hat, dann ist alle Unendlichkeit in einer gewissen unaussprechlichen Weise durch Gott begrenzt, weil sie durch Sein Wissen nicht unbegreiflich ist.
Catena Aurea · Mt 6
(De Nat. Hom. 42.) Dass es eine Vorsehung gibt, wird durch folgende Zeichen gezeigt: Der Fortbestand aller Dinge, besonders derer, die im Zustand des Verfalls und der Wiederherstellung sind, und der Ort und die Ordnung aller existierenden Dinge wird immer in ein und demselben Zustand bewahrt; und wie könnte dies geschehen, wenn nicht durch eine waltende Macht? Aber einige behaupten, dass Gott zwar für den allgemeinen Fortbestand aller Dinge im Universum sorgt und dafür vorsorgt, dass aber alle besonderen Ereignisse vom Zufall abhängen. Nun gibt es nur drei Gründe, die angeführt werden können, dass Gott keine Vorsehung für besondere Ereignisse ausübt: entweder ist Gott unwissend, dass es gut ist, Kenntnis von besonderen Dingen zu haben; oder Er will nicht; oder Er kann nicht. Aber Unwissenheit ist gänzlich fremd für die selige Substanz; denn wie sollte Gott nicht wissen, was jeder weise Mensch weiß, dass, wenn die Einzeldinge zerstört würden, das Ganze zerstört würde? Aber nichts hindert, dass alle Individuen zugrunde gehen, wenn keine Macht über sie wacht. Wenn Er wiederum nicht will, muss dies aus einem von zwei Gründen sein: Untätigkeit oder die Geringfügigkeit der Beschäftigung. Aber Untätigkeit wird durch zwei Dinge hervorgerufen: entweder werden wir durch irgendein Vergnügen abgelenkt oder durch irgendeine Furcht gehindert, von denen keines fromm von Gott angenommen werden kann. Wenn sie behaupten, es wäre unziemlich, weil es unter solcher Seligkeit ist, sich zu so geringfügigen Dingen herabzulassen, wie ist es dann nicht widersprüchlich, dass ein Handwerker, der eine ganze Maschine überwacht, keinen noch so unbedeutenden Teil ohne Beachtung lässt, da er weiß, dass das Ganze nur aus den Teilen besteht, und so Gott den Schöpfer aller Dinge für weniger weise erklären als Handwerker? Wenn es aber ist, dass Er nicht kann, dann kann Er uns keine Wohltaten erweisen. Aber wenn wir die Art der besonderen Vorsehung nicht begreifen können, haben wir deshalb noch kein Recht, ihre Wirkung zu leugnen; wir könnten ebenso gut sagen, dass, weil wir die Zahl der Menschheit nicht kannten, es deshalb keine Menschen gäbe.
Catena Aurea · Mt 6
So also soll der, der glaubt, unter der Herrschaft von Gottes Ratschluss zu stehen, seine Versorgung in Gottes Hand legen; aber er soll über Gut und Böse nachsinnen, denn wenn er das nicht tut, wird er weder das Böse meiden noch das Gute ergreifen. Daher wird hinzugefügt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit. Das Reich Gottes ist der Lohn guter Werke; Seine Gerechtigkeit ist der Weg der Frömmigkeit, auf dem wir zu jenem Reich gehen. Wenn du also bedenkst, wie groß die Herrlichkeit der Heiligen ist, wirst du entweder aus Furcht vor Strafe vom Bösen ablassen oder aus Verlangen nach Herrlichkeit zum Guten eilen. Und wenn du bedenkst, was die Gerechtigkeit Gottes ist, was Er liebt und was Er hasst, wird die Gerechtigkeit selbst dir Seine Wege zeigen, da sie denen beiwohnt, die sie lieben. Und die Rechenschaft, die wir ablegen müssen, ist nicht, ob wir arm oder reich gewesen sind, sondern ob wir gut oder schlecht gehandelt haben, was in unserer eigenen Macht liegt.
Catena Aurea · Mt 6
(interlin.) Oder Er sagt: seine Gerechtigkeit, als ob Er sagen wollte: ‚Ihr werdet durch Ihn gerecht gemacht, und nicht durch euch selbst.‘
Catena Aurea · Mt 6
Die Erde ist wegen der Sünde des Menschen verflucht, dass sie keine Frucht hervorbringen soll, gemäß dem in Genesis: Verflucht ist der Boden in deinen Werken; aber wenn wir Gutes tun, dann ist er gesegnet. (Gen 3,17.) Trachtet also nach Gerechtigkeit, und du wirst keine Nahrung entbehren. Daher folgt: und all diese Dinge werden euch hinzugefügt werden.

Catena Aurea · Mt 6
(Serm. in Mont. ii. 16.) Nämlich diese zeitlichen Güter, die so offensichtlich nicht solche Güter sind wie jene unsere Güter, um derentwillen wir Gutes tun sollten; und doch sind sie notwendig. Das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit ist unser Gut, das wir zu unserem Ziel machen sollen. Aber da wir, um dieses Ziel zu erreichen, in diesem Leben kämpfen, das ohne die Versorgung mit diesen Notwendigkeiten nicht gelebt werden kann, verspricht Er: Diese Dinge werden euch hinzugefügt werden. Dass Er sagt: Zuerst, impliziert, dass diese an zweiter Stelle gesucht werden sollen, nicht in der Zeit, sondern im Wert; das eine ist unser Gut, das andere ist uns notwendig. Zum Beispiel sollten wir nicht predigen, damit wir essen, denn so würden wir das Evangelium für weniger wert halten als unsere Nahrung; sondern wir sollten deshalb essen, damit wir das Evangelium predigen. Aber wenn wir zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen, das heißt, dies vor alle anderen Dinge setzen und andere Dinge um dieses willen suchen, sollten wir nicht besorgt sein, dass wir Notwendigkeiten entbehren; und daher sagt Er: All diese Dinge werden euch hinzugefügt werden; das heißt natürlich, ohne euch ein Hindernis zu sein: damit ihr nicht, indem ihr sie sucht, von dem anderen abgewandt werdet und so zwei Ziele vor euch setzt.

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Und Er sagte nicht: Wird gegeben werden, sondern: Wird hinzugefügt werden, damit du lernst, dass die Dinge, die jetzt sind, nichts sind im Vergleich zur Größe der Dinge, die sein werden.

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(Serm. in Mont. ii. 17.) Aber wenn wir lesen, dass der Apostel Hunger und Durst litt, lasst uns nicht denken, dass Gottes Verheißungen ihm versagt blieben; denn diese Dinge sind eher Hilfen. Jener Arzt, dem wir uns völlig anvertraut haben, weiß, wann Er geben und wann Er vorenthalten wird, wie Er es am meisten zu unserem Vorteil beurteilt. So dass, sollten uns diese Dinge jemals fehlen (wie Gott es oft zulässt, um uns zu üben), es unseren festen Vorsatz nicht schwächen, sondern ihn vielmehr bestätigen, wenn er wankt.
34 Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
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(ap. Anselm.) Nachdem Er die Sorge um die Dinge des Tages verboten hat, verbietet Er nun die Sorge um zukünftige Dinge, eine so fruchtlose Sorge, die aus dem Fehler der Menschen stammt, mit diesen Worten: Seid nicht besorgt um den morgigen Tag.

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„Morgen“ bedeutet in der Schrift die zukünftige Zeit, wie Jakob in Genesis sagt: „Morgen wird meine Gerechtigkeit mir Gehör verschaffen.“ (Gen. 30,33.) Und im Trugbild Samuels sagt die Pythonisse zu Saul: „Morgen wirst du mit mir sein.“ (1 Sam. 28,19.) Er gibt ihnen also nach, dass sie sich um die gegenwärtigen Dinge kümmern, obwohl Er ihnen verbietet, für die zukünftigen zu sorgen. Denn ausreichend für uns ist der Gedanke an die gegenwärtige Zeit; überlassen wir Gott die ungewisse Zukunft. Und das ist es, was Er sagt: „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“; das heißt, er wird seine eigene Sorge mit sich bringen. Denn „ausreichend für den Tag ist seine eigene Plage“. Mit „Plage“ meint Er hier nicht das, was der Tugend entgegengesetzt ist, sondern Mühsal, Bedrängnis und die Härten des Lebens.

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Nichts bereitet dem Geist so viel Schmerz wie Angst und Sorge. Dass Er sagt: „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“, entspringt dem Wunsch, das, was Er spricht, deutlicher zu machen; zu diesem Zweck verwendet Er eine Prosopopöie der Zeit, nach der Gewohnheit vieler, die zum einfachen Volk sprechen; um sie stärker zu beeindrucken, führt Er den Tag selbst ein, der über seine allzu schweren Sorgen klagt. Hat nicht jeder Tag genug eigene Last in seinen eigenen Sorgen? Warum fügt ihr ihnen dann noch die hinzu, die einem anderen Tag gehören?
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Anders; Mit „heute“ sind solche Dinge bezeichnet, die für uns in diesem gegenwärtigen Leben notwendig sind; „morgen“ bezeichnet die Dinge, die überflüssig sind. „Seid also nicht besorgt für den morgigen Tag“ bedeutet demnach: Sucht nicht, mehr zu haben, als für euer tägliches Leben notwendig ist, denn das, was darüber hinausgeht, d. h. „morgen“, wird für sich selbst sorgen. „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“ ist so viel wie: Wenn ihr Überflüssiges angehäuft habt, werden sie für sich selbst sorgen, ihr werdet sie nicht genießen, sondern sie werden viele Herren finden, die für sie sorgen. Warum solltet ihr also um die Dinge besorgt sein, deren Besitz ihr aufgeben müsst? „Ausreichend für den Tag ist seine eigene Plage“ ist so viel wie: Die Mühe, die ihr für das Notwendige auf euch nehmt, ist genug; müht euch nicht für überflüssige Dinge.

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(ubi sup.) Oder anders; „Morgen“ wird nur von der Zeit gesagt, in der die Zukunft auf die Vergangenheit folgt. Wenn wir also ein gutes Werk wirken, denken wir nicht an Irdisches, sondern an Himmlisches. „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“, das heißt: Nimm Speise und dergleichen, wenn du sie nehmen solltest, das ist, wenn die Notwendigkeit beginnt, es zu verlangen. Denn „ausreichend für den Tag ist seine eigene Plage“, das heißt, es genügt, dass die Notwendigkeit zwingt, diese Dinge zu nehmen; Er nennt es Plage, weil es Strafcharakter hat, insofern es zu unserer Sterblichkeit gehört, die wir durch Sündigen erworben haben. Zu dieser Notwendigkeit der weltlichen Strafe füge also kein weiteres Gewicht hinzu, damit du sie nicht nur erfüllst, sondern sie sogar so erfüllst, dass du dich als Gottes Soldat erweist. Doch hierin müssen wir vorsichtig sein, dass wir nicht, wenn wir einen Diener Gottes sehen, der sich bemüht, das Notwendige für sich selbst oder für die ihm Anvertrauten zu beschaffen, sofort urteilen, er sündige gegen dieses Gebot des Herrn, indem er für den morgigen Tag besorgt sei. Denn der Herr selbst, dem Engel dienten, hielt es um des Beispiels willen für gut, einen Beutel zu tragen. Und in der Apostelgeschichte steht geschrieben, dass für die Zukunft Nahrung, die zum Leben notwendig war, zu einer Zeit bereitgestellt wurde, als eine Hungersnot drohte. Was der Herr also verurteilt, ist nicht die Beschaffung dieser Dinge nach Menschenart, sondern wenn jemand wegen dieser Dinge nicht als Gottes Soldat kämpft.

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Dies ist weiter unter der vollen Bedeutung der göttlichen Worte enthalten. Uns wird geboten, nicht um die Zukunft besorgt zu sein, weil für unser Leben die Plage der Tage, in denen wir leben, ausreichend ist, das heißt die Sünden, damit all unser Denken und Mühen darauf verwendet werde, diese wegzuwaschen. Und wenn unsere Sorge nachlässig ist, wird die Zukunft dennoch für sich selbst sorgen, insofern uns eine Ernte ewiger Liebe in Aussicht gestellt ist, die von Gott bereitgestellt wird.