
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(Epist. 138. 2.) Einige wenden ein, dass dieses Gebot Christi völlig unvereinbar mit dem bürgerlichen Leben in Gemeinwesen sei; Wer, sagen sie, würde, wenn er es hindern könnte, die Plünderung seines Besitzes durch einen Feind erleiden; oder würde nicht das erlittene Übel einer geplünderten Provinz Roms den Plünderern nach den Rechten des Krieges vergelten? Aber diese Gebote der Geduld sind in Bereitschaft des Herzens zu beobachten, und jene Barmherzigkeit, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, muss immer durch den Willen erfüllt werden. Doch müssen wir oft eine barmherzige Schärfe im Umgang mit den Halsstarrigen anwenden. Und auf diese Weise, wenn das irdische Gemeinwesen die christlichen Gebote halten wird, wird sogar Krieg nicht ohne gute Werke der Nächstenliebe geführt werden, um unter den Besiegten friedliche Harmonie der Frömmigkeit und Gerechtigkeit zu errichten. Denn jener Sieg ist dem nützlich, dem er die Lizenz zur Sünde entreißt; da nichts unglücklicher für Sünder ist als das Glück ihrer Sünden, das eine Straflosigkeit nährt, die Strafe nach sich zieht, und ein böser Wille wird gestärkt wie ein innerer Feind.