
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
20 Denn ich sage euch: Wenn euere Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Wer aber tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Hohen Rat verfallen sein. Und wer sagt: Du Narr!, soll der Feuerhölle verfallen sein.
(De Civ. Dei, i. 20.) Wir halten es nicht, weil wir gehört haben: Du sollst nicht töten, deshalb für unerlaubt, einen Zweig abzupflücken, gemäß dem Irrtum der Manichäer, noch betrachten wir es als auf vernunftlose Tiere ausgedehnt; durch die gerechteste Anordnung des Schöpfers ist ihr Leben und Tod unseren Bedürfnissen unterworfen. Es bleibt also nur der Mensch, von dem wir es verstehen können, und zwar nicht irgendein anderer Mensch, noch du allein; denn wer sich selbst tötet, tut nichts anderes als einen Menschen töten. Doch haben jene in keiner Weise gegen dieses Gebot gehandelt, die unter Gottes Autorität Kriege führten, oder die, mit der Verwaltung bürgerlicher Macht betraut, durch gerechteste und vernünftigste Anordnungen Verbrechern den Tod zufügten. Auch Abraham wurde nicht der Grausamkeit beschuldigt, sondern empfing sogar das Lob der Frömmigkeit, weil er bereit war, Gott im Töten seines Sohnes zu gehorchen. Ausgenommen von diesem Gebot sind jene, denen Gott befiehlt, getötet zu werden, sei es durch ein allgemeines gegebenes Gesetz oder durch besondere Ermahnung zu einer bestimmten Zeit. Denn der ist nicht der Töter, der dem Befehl dient, wie ein Griff dem, der mit einem Schwert schlägt, noch ist Samson anders freizusprechen für die Zerstörung seiner selbst zusammen mit seinen Feinden, als weil er so vom Heiligen Geist insgeheim unterwiesen wurde, der durch ihn die Wunder wirkte.