
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
(ubi sup.) Oder wir können es von dieser sichtbaren Sonne und vom Regen verstehen, durch den die Früchte genährt werden, wie die Gottlosen im Buch der Weisheit klagen: Die Sonne ist für uns nicht aufgegangen. (Weish. 5,6.) Und vom Regen ist gesagt: Ich will den Wolken gebieten, dass sie nicht auf es regnen. (Jes. 5,6.) Doch ob es dies oder jenes ist, es ist von der großen Güte Gottes, die uns zur Nachahmung vorgelegt wird. Er sagt nicht: ‚die Sonne‘, sondern: seine Sonne, das heißt die Sonne, die er selbst gemacht hat, damit wir dadurch ermahnt werden, mit wie großer Freigebigkeit wir jene Dinge spenden sollen, die wir nicht erschaffen, sondern als Geschenk von ihm empfangen haben.