
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau begehrlich anblickt, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen.
(Mor. xxi. 2.) Wer aber seine Augen unvorsichtig umherschweifen lässt, wird oft von der Lust der Sünde ergriffen, und in Begierden verstrickt beginnt er zu wünschen, was er nicht wollte. Groß ist die Kraft des Fleisches, uns nach unten zu ziehen, und der Reiz der Schönheit, einmal durch das Auge ins Herz aufgenommen, ist kaum durch Anstrengung zu verbannen. Wir müssen daher von Anfang an auf der Hut sein, wir dürfen nicht auf das blicken, was zu begehren unrechtmäßig ist. Damit nämlich das Herz im Gedanken rein bewahrt werde, müssen die Augen, die gleichsam auf der Lauer stehen, uns zur Sünde zu reißen, von lüsternen Blicken abgewandt werden.