
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(de Mendac. 15.) Die Dinge, die von den Heiligen im Neuen Testament getan werden, dienen als Beispiele für das Verständnis jener Schriften, die in die Form von Geboten gefasst sind. So lesen wir bei Lukas: Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem biete auch die andere dar. (Lukas 6,29.) Nun gibt es kein vollkommeneres Beispiel der Geduld als das des Herrn; doch Er sagte, als Er geschlagen wurde, nicht: ‚Siehe, die andere Wange‘, sondern: Wenn ich übel geredet habe, so bezeuge, dass es übel ist; wenn aber gut, warum schlägst du mich? (Johannes 18,23.) Damit zeigt Er uns, dass jenes Darbieten der anderen Wange im Herzen geschehen soll.