
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
27 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau begehrlich anblickt, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen.
Zwischen πάθος und προπάθεια, das heißt zwischen der tatsächlichen Leidenschaft und der ersten spontanen Regung des Geistes, besteht folgender Unterschied: Die Leidenschaft ist sogleich eine Sünde; die spontane Regung des Geistes aber, obwohl sie am Übel der Sünde teilhat, wird doch nicht als begangene Verfehlung angerechnet. Wenn also einer eine Frau ansieht und sein Geist dabei getroffen wird, so liegt eine Prop passion vor; gibt er dieser nach, so geht er von der Prop passion zur Leidenschaft über, und dann fehlt nicht mehr der Wille, sondern die Gelegenheit zur Sünde. Wer also eine Frau ansieht, sie zu begehren, das heißt, sie so ansieht, dass er sie begehrt und danach trachtet, sie zu erlangen, von dem wird mit Recht gesagt, dass er in seinem Herzen Ehebruch mit ihr begeht.