
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
33 Ferner habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, sondern du sollst dem Herrn deine Schwüre halten. 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du vermagst nicht, ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 So sei euer Wort: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.
(Serm. in Mont. i. 17.) Oder: Es wird hinzugefügt: Beim Himmel usw., weil die Juden sich nicht gebunden fühlten, wenn sie bei solchen Dingen schworen. Als hätte Er gesagt: Wenn ihr beim Himmel und bei der Erde schwört, denkt nicht, dass ihr euren Eid nicht dem Herrn, eurem Gott, schuldet, denn es ist erwiesen, dass ihr bei dem geschworen habt, dessen Thron der Himmel und dessen Fußschemel die Erde ist; was nicht so gemeint ist, als hätte Gott solche Glieder auf Himmel und Erde gesetzt, nach Art eines sitzenden Menschen; sondern jener Sitz bezeichnet Gottes Gericht über uns. Und da im ganzen Umfang dieses Universums der Himmel die höchste Schönheit hat, wird gesagt, dass Gott auf den Himmeln sitzt, um zu zeigen, dass die göttliche Macht vortrefflicher ist als der überragendste Glanz der Schönheit; und Er steht auf der Erde, um eine geringere Schönheit zum niedrigsten Gebrauch zu verwenden. Geistlich werden durch die Himmel heilige Seelen bezeichnet, durch die Erde die sündigen, da der Geistliche alles richtet. (1 Kor. 2,15.) Zum Sünder aber wird gesagt: Erde bist du, und zur Erde sollst du zurückkehren. (Gen. 3,19.) Und wer unter einem Gesetz bleiben will, wird unter ein Gesetz gestellt, und deshalb fügt Er hinzu: Es ist der Schemel seiner Füße. Nicht bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs; dies ist besser gesagt als ‚es ist meine‘; obwohl es als dasselbe verstanden wird. Und weil Er auch wahrhaft Herr ist, schuldet, wer bei Jerusalem schwört, seinen Eid dem Herrn. Nicht bei deinem Haupt. Was könnte jemand für völlig sein eigenes Eigentum halten als sein eigenes Haupt? Aber wie ist es unser, wenn wir nicht die Macht haben, ein Haar schwarz oder weiß zu machen? Wer also bei seinem eigenen Haupt schwört, schuldet seine Gelübde auch dem Herrn; und daraus kann das Übrige verstanden werden.