Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
29 Wenn dich daher dein rechtes Auge zur Sünde reizt, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30 Und wenn dich deine rechte Hand zur Sünde reizt, so haue sie ab und wirf sie von dir. Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle fährt.
Das Auge des Fleisches ist der Spiegel des inneren Auges. Der Leib hat auch seinen eigenen Sinn, das heißt das linke Auge, und seinen eigenen Appetit, das heißt die linke Hand. Aber die Teile der Seele werden rechte genannt, denn die Seele wurde sowohl mit freiem Willen als auch unter dem Gesetz der Gerechtigkeit erschaffen, damit sie sowohl recht sehe als auch recht handle. Die Glieder des Leibes aber, da sie nicht mit freiem Willen, sondern unter dem Gesetz der Sünde stehen, werden linke genannt. Doch befiehlt er uns nicht, den Sinn oder Appetit des Fleisches abzuschneiden; wir können die Begierden des Fleisches behalten und doch nicht danach handeln, aber wir können nicht abschneiden, dass wir die Begierden haben. Wenn wir aber willentlich Böses beabsichtigen und denken, dann ärgern uns unsere rechten Begierden und unser rechter Wille, und daher befiehlt er uns, sie abzuschneiden. Und diese können wir abschneiden, weil unser Wille frei ist. Oder andernfalls; Jedes Ding, wie gut es auch an sich sein mag, das uns oder andere ärgert, sollen wir von uns abschneiden. Zum Beispiel, eine Frau zu religiösen Zwecken zu besuchen, diese gute Absicht ihr gegenüber kann ein rechtes Auge genannt werden, aber wenn ich sie oft besuche und in das Netz der Begierde gefallen bin, oder wenn jemand, der zusieht, Anstoß nimmt, dann ärgert mich das rechte Auge, das heißt etwas an sich Gutes. Denn das rechte Auge ist die gute Absicht, die rechte Hand ist das gute Verlangen.