
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
(Serm. in Mont. i. 23.) Nach dieser Regel müssen wir hier verstehen, wovon Johannes spricht: Er gab ihnen die Macht, Söhne Gottes zu werden. Einer ist sein Sohn von Natur; wir werden Söhne durch die Macht, die wir empfangen haben; das heißt, sofern wir das erfüllen, was uns geboten ist. So sagt er nicht: Tut dies, weil ihr Söhne seid; sondern: Tut dies, damit ihr Söhne werdet. Indem er uns dazu beruft, beruft er uns zu seiner Ähnlichkeit, denn er sagt: Er lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und Ungerechte. Unter der Sonne können wir nicht diese sichtbare verstehen, sondern jene, von der gesagt ist: Euch, die ihr den Namen des Herrn fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen; (Mal. 4,2.) und unter dem Regen das Wasser der Lehre der Wahrheit; denn Christus wurde gesehen und wurde sowohl Guten als auch Bösen gepredigt.