
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 dann lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh erst hin und versöhne dich mit deinem Bruder. Dann komm und bringe deine Gabe dar.
(ubi sup.) Wenn diese Anweisung wörtlich genommen wird, könnte sie einige zu der Annahme verleiten, dass dies tatsächlich so getan werden müsste, wenn unser Bruder anwesend ist, denn es kann keine lange Zeit gemeint sein, wenn uns geboten wird, unsere Opfergabe dort vor dem Altar zu lassen. Denn wenn er abwesend oder möglicherweise jenseits des Meeres ist, wäre es absurd anzunehmen, dass die Opfergabe vor dem Altar gelassen werden müsste, um sie darzubringen, nachdem wir über Land und Meer gegangen sind, um ihn zu suchen. Deshalb müssen wir einen inneren, geistigen Sinn des Ganzen erfassen, wenn wir es ohne Absurdität verstehen wollen. Die Gabe, die wir Gott darbringen, sei es Gelehrsamkeit oder Rede oder was auch immer, kann von Gott nicht angenommen werden, wenn sie nicht vom Glauben getragen wird. Wenn wir also einem Bruder in irgendetwas geschadet haben, müssen wir hingehen und uns mit ihm versöhnen, nicht mit den leiblichen Füßen, sondern in Gedanken des Herzens, wenn du in demütiger Zerknirschung dich zu den Füßen deines Bruders niederwerfen kannst im Angesicht Dessen, dem du deine Opfergabe darbringen willst. Denn so kannst du, als ob Er gegenwärtig wäre, mit ungeheucheltem Herzen Seine Vergebung suchen; und von dort zurückkehren, das heißt, deine Gedanken wieder auf das zurückbringen, was du zuerst begonnen hattest zu tun, und deine Opfergabe darbringen.