
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(Serm. in Mont. i. 20.) Dass er gebietet: Und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab, muss auf den Sinn bezogen werden; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. (2 Kor 9,7.) Und jeder, der empfängt, borgt zwar, obwohl nicht er es ist, der zurückzahlen wird, sondern Gott, der dem Barmherzigen vielfach vergilt. Oder, wenn du unter Borgen nur das Nehmen mit Versprechen der Rückzahlung verstehen willst, müssen wir das Gebot des Herrn so verstehen, dass es beide Arten der Gewährung von Hilfe umfasst; ob wir nun geradeheraus geben oder leihen, um wieder zu empfangen. Und von dieser letzten Art, Barmherzigkeit zu erweisen, ist gut gesagt: Wende dich nicht ab, das heißt, sei nicht deshalb zurückhaltend zu leihen, als ob, weil der Mensch dir zurückzahlen wird, Gott es deshalb nicht tun werde; denn was du auf Gottes Befehl tust, kann nicht ohne Frucht sein.