
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(Epist. 185. 5.) Aber wer, der nüchternen Geistes ist, würde zu Königen sagen: Es ist nicht eure Sache, wer religiös oder wer gottlos lebt? Man kann ihnen nicht einmal sagen, dass es nicht ihre Sache sei, wer keusch oder wer unkeusch lebt. Es ist zwar besser, dass Menschen durch rechte Lehre als durch Strafen dazu geführt werden, Gott zu dienen; doch hat es vielen genützt, wie die Erfahrung uns bestätigt hat, zuerst durch Schmerz und Furcht gezwungen zu werden, damit sie später belehrt werden oder dazu gebracht werden, in Taten dem zu entsprechen, was sie in Worten gelernt hatten. Die besseren Menschen werden zwar von Liebe geleitet, aber die Mehrzahl der Menschen wird durch Furcht bearbeitet. Sie sollen am Fall des Apostels Paulus lernen, wie Christus ihn zuerst zwang und danach lehrte.