Glossa ordinaria
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
33 Ferner habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, sondern du sollst dem Herrn deine Schwüre halten. 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du vermagst nicht, ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 So sei euer Wort: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.
(non occ.) Der Herr hat bisher gelehrt, sich davon zu enthalten, den Nächsten zu verletzen, indem Er Zorn mit Mord, Lust mit Ehebruch und die Entlassung einer Frau mit einem Scheidebrief verbietet. Nun fährt Er fort, zu lehren, sich von der Verletzung Gottes zu enthalten, indem Er nicht nur den Meineid als ein Übel an sich verbietet, sondern sogar alle Eide als Ursache des Übels, und sagt: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören. Es steht in Leviticus: Du sollst nicht falsch schwören bei meinem Namen; (Kap. 19,12.) und dass sie sich nicht Götter aus dem Geschöpf machen sollten, wird ihnen geboten, Gott ihre Eide zu leisten und nicht bei irgendeinem Geschöpf zu schwören: Dem Herrn sollst du deine Eide leisten; das heißt, wenn du Anlass hast zu schwören, sollst du beim Schöpfer und nicht beim Geschöpf schwören. Wie in Deuteronomium geschrieben steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und bei seinem Namen schwören. (Kap. 6,13.)