
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
(de Doctr. Christ. i. 30.) Dass durch das Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben, die ganze Menschheit gemeint war, zeigte der Herr im Gleichnis von dem Mann, der halbtot liegen gelassen wurde, welches uns lehrt, dass unser Nächster jeder ist, der zu irgendeiner Zeit in den Fall kommen mag, unserer Werke der Barmherzigkeit zu bedürfen; und wer sieht nicht, dass dies keinem verweigert werden darf, wenn der Herr sagt: Tut Gutes denen, die euch hassen.