
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(Serm in Mont. i. 19.) Denn der Herr war bereit, nicht nur auf die andere Wange geschlagen zu werden für das Heil der Menschen, sondern mit Seinem ganzen Leib gekreuzigt zu werden. Es könnte gefragt werden: Was bedeutet ausdrücklich die rechte Wange? Da das Antlitz das ist, wodurch ein Mensch erkannt wird, bedeutet, auf das Antlitz geschlagen zu werden, nach dem Apostel, verachtet und geringgeschätzt zu werden. Aber da wir nicht ‚rechtes Antlitz‘ und ‚linkes Antlitz‘ sagen können, und doch einen zweifachen Namen haben, einen vor Gott und einen vor der Welt, wird es gleichsam in die rechte Wange und die linke Wange aufgeteilt, damit jeder Jünger Christi, der verachtet wird, weil er Christ ist, bereit sei, noch mehr verachtet zu werden für irgendeine Ehre dieser Welt, die er haben mag. Alle Dinge, in denen wir Unrecht erleiden, werden in zwei Arten eingeteilt, von denen die eine das ist, was nicht wiederhergestellt werden kann, die andere, was wiederhergestellt werden kann. In jener Art, die nicht wiederhergestellt werden kann, pflegen wir den Trost der Rache zu suchen. Denn was nützt es, wenn du, geschlagen, wieder schlägst, wird dadurch der deinem Körper zugefügte Schaden wiedergutgemacht? Aber der von Wut geschwollene Geist sucht solche Linderungen.