
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.
(ubi sup.) Die Zahl dieser Sätze ist sorgfältig zu beachten; diesen sieben Graden der Seligkeit entspricht die Wirkung jenes siebenfältigen Heiligen Geistes, den Isaias beschrieben hat. Aber wie er dort mit dem Höchsten begann, so beginnt er hier mit dem Niedrigsten; denn dort wird gelehrt, dass der Sohn Gottes zum Niedrigsten herabsteigen wird; hier, dass der Mensch vom Niedrigsten zur Ähnlichkeit mit Gott aufsteigen wird. Hier wird der erste Platz der Furcht gegeben, die den Demütigen zukommt, von denen gesagt wird: Selig die Armen im Geiste, das heißt jene, die nicht Hohes denken, sondern fürchten. Der zweite ist die Frömmigkeit, die den Sanftmütigen gehört; denn wer fromm sucht, verehrt, tadelt nicht, widersteht nicht; und das heißt sanftmütig werden. Der dritte ist die Erkenntnis, die jenen gehört, die trauern, die gelernt haben, welchen Übeln sie versklavt sind, die sie einst als Güter verfolgten. Der vierte, die Tapferkeit, gehört mit Recht denen, die hungern und dürsten, die, nach Freude an wahren Gütern suchend, sich mühen, von irdischen Begierden abzulassen. Der fünfte, der Rat, ist angemessen für die Barmherzigen, denn es gibt ein Heilmittel, um von so großen Übeln zu befreien, nämlich zu geben und anderen auszuteilen. Der sechste ist die Einsicht und gehört den Reinen im Herzen, die mit geläutertem Auge sehen können, was das Auge nicht sieht. Der siebte ist die Weisheit und kann den Friedensstiftern zugewiesen werden, in denen keine aufrührerische Regung ist, sondern die dem Geist gehorchen. So wird der eine Lohn, das Himmelreich, unter verschiedenen Namen vorgelegt. An erster Stelle wird, wie es recht war, das Himmelreich gesetzt, welches der Anfang der vollkommenen Weisheit ist; als ob gesagt würde: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Den Sanftmütigen ein Erbe, als denen, die in Frömmigkeit die Ausführung des Willens des Vaters suchen. Den Trauernden Trost, als Personen, die wissen, was sie verloren hatten und worin sie versunken waren. Den Hungernden Fülle, als Erquickung für die, welche für das Heil arbeiten. Den Barmherzigen Barmherzigkeit, damit denen, die dem besten Rat gefolgt sind, das erwiesen werde, was sie anderen erwiesen haben. Den Reinen im Herzen die Fähigkeit, Gott zu schauen, als Menschen, die ein reines Auge tragen, um die Dinge der Ewigkeit zu verstehen. Den Friedensstiftern die Ähnlichkeit mit Gott. Und all dies, glauben wir, kann in diesem Leben erreicht werden, wie wir glauben, dass es in den Aposteln erfüllt wurde; denn was die Dinge nach diesem Leben betrifft, so können sie mit keinen Worten ausgedrückt werden.