
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
31 Es ist auch gesagt worden: Wer seine Frau entlässt, soll ihr einen Scheidebrief geben. 32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer wegen Unzucht, der macht sie zur Ehebrecherin, und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
(cont. Faust. xix. 26.) Das Gebot des Herrn, dass eine Ehefrau nicht entlassen werden darf, steht nicht im Widerspruch zum Gebot des Gesetzes, wie Manichäus behauptete. Hätte das Gesetz erlaubt, dass jeder, der wollte, seine Frau entlassen dürfe, so wäre es in der Tat das genaue Gegenteil, keinen entlassen zu dürfen. Aber die Schwierigkeit, die Mose sorgfältig in den Weg legt, zeigt, dass er keineswegs ein Freund dieser Praxis war. Denn er verlangte einen Scheidebrief, dessen Ausstellung und Verzögerung oft jähzornige Wut und Zwietracht abkühlen würde, zumal nach hebräischem Brauch nur die Schriftgelehrten die hebräischen Buchstaben verwenden durften, in denen sie eine einzigartige Fertigkeit beanspruchten. Zu diesen also würde das Gesetz den senden, dem es gebot, einen Scheidebrief zu geben, wenn er seine Frau entlassen wollte, der zwischen ihm und seiner Frau vermitteln und sie wieder versöhnen könnte, es sei denn, die Gemüter wären zu eigensinnig, um sich durch Friedensratschläge bewegen zu lassen. So hat Er also weder das Gesetz der Alten durch Hinzufügung von Worten ergänzt, noch hat Er das von Mose gegebene Gesetz zerstört, indem Er Dinge anordnete, die ihm widersprechen, wie Manichäus behauptete; sondern Er wiederholte und bestätigte vielmehr alles, was das hebräische Gesetz enthielt, so dass alles, was Er in eigener Person mehr als jenes sprach, entweder die Auslegung im Blick hatte, die an verschiedenen dunklen Stellen des Gesetzes dringend nötig war, oder die genauere Beachtung seiner Anordnungen.