
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
33 Ferner habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, sondern du sollst dem Herrn deine Schwüre halten. 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist der Thron Gottes, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du vermagst nicht, ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 So sei euer Wort: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.
(de Mendac. 15.) Aber was wir durch bloße Worte nicht verstehen konnten, das können wir aus dem Verhalten der Heiligen entnehmen, in welchem Sinn verstanden werden soll, was leicht in die entgegengesetzte Richtung gezogen werden könnte, wenn es nicht durch Beispiele erklärt würde. Der Apostel hat in seinen Briefen Eide verwendet und zeigt uns dadurch, wie jenes zu verstehen ist: Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, nämlich damit wir nicht dadurch, dass wir uns überhaupt das Schwören erlauben, zur Bereitschaft zu schwören gelangen, von der Bereitschaft zur Gewohnheit des Schwörens, und von der Gewohnheit des Schwörens in den Meineid fallen. Und so findet man, dass der Apostel einen Eid nur im Schreiben verwendet hat, da der größere Gedanke und die Vorsicht, die jenes erfordert, keinen Versprecher zulassen. Doch ist das Gebot des Herrn so allgemein: Schwört überhaupt nicht, dass Er es sogar im Schreiben verboten zu haben scheint. Aber da es eine Gottlosigkeit wäre, Paulus zu beschuldigen, dieses Gebot übertreten zu haben, besonders in seinen Briefen, müssen wir das Wort überhaupt so verstehen, dass es besagt: Soweit es in deiner Macht steht, sollst du das Schwören nicht zur Gewohnheit machen, es nicht als etwas Gutes anstreben, an dem du Gefallen findest.