Remigius von Auxerre
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Weil die höchste Vollkommenheit der Liebe nicht über die Liebe zu den Feinden hinausgehen kann, fährt der Herr, sobald er uns geboten hat, unsere Feinde zu lieben, fort: Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Er ist wahrhaft vollkommen, da allmächtig; der Mensch, da vom Allmächtigen unterstützt. Denn das Wort ‚wie‘ wird in der Schrift manchmal für Identität und Gleichheit verwendet, wie in jenem: Wie ich mit Mose war, so will ich mit dir sein; (Jos. 1,5.) manchmal nur, um Ähnlichkeit auszudrücken, wie hier.