
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eueres Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr dafür? Machen nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur euere Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
(Serm. in Mont. i. 21.) Dass es Abstufungen in der Gerechtigkeit der Pharisäer gab, die unter dem alten Gesetz stand, zeigt sich darin, dass viele sogar die hassten, von denen sie geliebt wurden. Wer also seinen Nächsten liebt, ist eine Stufe aufgestiegen, obwohl er noch seinen Feind hasst; was in dem ausgedrückt wird: und sollst deinen Feind hassen; was nicht als Gebot für die Gerechten zu verstehen ist, sondern als Zugeständnis an die Schwachen.