
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 5
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem, der euch Böses tut, nicht, sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halt auch die andere hin. 40 Und dem, der dich vor Gericht bringen und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel. 41 Und wer dich nötigt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.
(Serm. in Mont. i. 19.) Denn die Gerechtigkeit der Pharisäer ist eine geringere Gerechtigkeit, nämlich das Maß der gleichen Vergeltung nicht zu überschreiten; und dies ist der Anfang des Friedens; aber vollkommener Friede ist, alle solche Vergeltung zu verweigern. Zwischen jener ersten Weise also, die nicht nach dem Gesetz war, nämlich dass ein größeres Übel für ein geringeres zurückgegeben werde, und dieser, die der Herr gebietet, um Seine Jünger vollkommen zu machen, nämlich dass kein Übel für ein Übel zurückgegeben werde, hält diese die Mitte, dass ein gleiches Übel zurückgegeben werde, was so der Übergang von äußerster Zwietracht zu äußerstem Frieden war. Wer also zuerst einem anderen Böses tut, entfernt sich am weitesten von der Gerechtigkeit; und wer nicht zuerst ein Unrecht tut, aber wenn ihm Unrecht geschieht, mit einem schwereren Unrecht vergilt, ist etwas von der äußersten Ungerechtigkeit abgewichen; wer nur vergilt, was er empfangen hat, gibt noch etwas mehr auf, denn es wäre nur strenges Recht, dass der, welcher der erste Angreifer ist, einen größeren Schaden erleiden sollte als der, den er zugefügt hat. Diese so teilweise begonnene Gerechtigkeit vollendet Er, der gekommen ist, das Gesetz zu erfüllen. Die zwei dazwischenliegenden Stufen lässt Er zu verstehen; denn es gibt einen, der nicht so viel, sondern weniger vergilt; und es gibt noch über ihm einen, der überhaupt nicht vergilt; doch dies scheint dem Herrn zu wenig, wenn du nicht auch bereit bist, Unrecht zu erleiden. Daher sagt Er nicht: Vergilt nicht Böses mit Bösem, sondern: Widerstehet nicht dem Übel, nicht nur vergilt nicht, was dir angetan wird, sondern widerstehe nicht, dass es dir nicht angetan werde. Denn so erklärt Er entsprechend jenes Wort: Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, biete ihm auch die andere dar. Was als ein hoher Teil der Barmherzigkeit denen bekannt ist, die solchen dienen, die sie sehr lieben; von denen sie, sei es mürrisch oder wahnsinnig, vieles ertragen, und wenn es für ihre Gesundheit ist, sich anbieten, mehr zu ertragen. Der Herr also, der Arzt der Seelen, lehrt Seine Jünger, die Krankheiten derer mit Geduld zu ertragen, für deren geistliche Gesundheit sie sorgen sollen. Denn alle Bosheit kommt aus einer Krankheit des Geistes; nichts ist unschuldiger als der, welcher gesund und von vollkommener Gesundheit in der Tugend ist.