
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
9 So sollt ihr beten:Unser Vater im Himmel, / geheiligt werde dein Name,
(Serm. in Mont. ii. 4.) Da wir in jeder Bitte zuerst die Gunst dessen gewinnen müssen, den wir anflehen, und danach erwähnen, worum wir bitten; und dies tun wir gewöhnlich, indem wir etwas zum Lob dessen sagen, den wir anflehen, und es an die Spitze unserer Bitte stellen; so befiehlt uns der Herr, nicht mehr zu sagen als nur: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln. Vieles wurde über sie zum Lob Gottes gesagt, doch finden wir nie, dass den Kindern Israels gelehrt wurde, Gott als ‚Unser Vater‘ anzureden; Er wird ihnen vielmehr als Herr über Sklaven vor Augen gestellt. Aber über das Volk Christi sagt der Apostel: Wir haben den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater, (Röm. 8,15.) und das nicht aufgrund unserer Verdienste, sondern aus Gnade. Dies also drücken wir im Gebet aus, wenn wir sagen: Vater; dieser Name erweckt auch Liebe. Denn was kann einem Vater teurer sein als Söhne? Und ein flehender Geist, indem die Menschen zu Gott sagen: Unser Vater. Und eine gewisse Zuversicht, dass wir erlangen werden; denn was wird Er Seinen Söhnen nicht geben, wenn sie Ihn bitten, der ihnen zuerst das gegeben hat, dass sie Söhne sein sollten? Schließlich, welche große Sorge ergreift seinen Geist, dass er, nachdem er Gott seinen Vater genannt hat, eines solchen Vaters nicht unwürdig sei. Dadurch werden die Reichen und Vornehmen ermahnt, wenn sie Christen geworden sind, nicht hochmütig zu sein gegenüber den Armen oder wahrhaft Geborenen, die wie sie Gott als Unser Vater anreden können; und sie können dies daher nicht wahrhaft oder fromm sagen, es sei denn, sie erkennen jene als Brüder an.