
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
26 Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer aber von euch kann mit seinen Sorgen seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzufügen?
(De Op. Monach. 23.) Einige argumentieren, dass sie nicht arbeiten sollten, weil die Vögel des Himmels weder säen noch ernten. Warum achten sie dann nicht auf das, was folgt: „noch sammeln sie in Scheunen“? Warum suchen sie, ihre Hände müßig und ihre Speicher voll zu haben? Warum mahlen sie tatsächlich Korn und bereiten es zu? Denn das tun die Vögel nicht. Oder selbst wenn sie Menschen finden, die sie überreden können, ihnen täglich fertige Speisen zu liefern, schöpfen sie wenigstens Wasser aus der Quelle und stellen es für sich auf den Tisch, was die Vögel nicht tun. Wenn sie aber auch nicht dazu getrieben werden, sich Gefäße mit Wasser zu füllen, dann sind sie einen neuen Schritt der Gerechtigkeit über die hinausgegangen, die damals in Jerusalem waren (vgl. Apg. 11:29), die aus Korn, das ihnen als freie Gabe gesandt wurde, Brote machten oder machen ließen, was die Vögel nicht tun. Aber nichts für den morgigen Tag aufzubewahren, kann von denen nicht beachtet werden, die sich viele Tage lang vom Anblick der Menschen zurückgezogen haben und niemanden zu sich kommen lassen, um in großer Inbrunst des Gebets zu leben. Was? Willst du sagen, dass die Menschen, je heiliger sie werden, in dieser Hinsicht desto unähnlicher den Vögeln des Himmels werden? Was Er über die Vögel des Himmels sagt, sagt Er zu dem Zweck, dass keiner seiner Diener denke, Gott habe keine Gedanken für ihre Bedürfnisse, wenn sie sehen, dass Er sogar für diese geringeren Geschöpfe sorgt. Und Gott nährt auch die nicht, die ihr Brot durch eigene Arbeit verdienen; und weil Gott gesagt hat: „Rufe mich an am Tag der Not, und Ich will dich erretten“ (Ps. 50:15), hätte der Apostel deshalb nicht fliehen, sondern still bleiben sollen, um ergriffen zu werden, damit Gott ihn errette, wie Er die drei Jünglinge aus der Mitte des Feuers errettete. Wenn jemand dies den Heiligen bei ihrer Flucht vor Verfolgung entgegenhielte, würden sie antworten, dass sie Gott nicht versuchen dürften, und dass Gott, wenn es Ihm gefiele, sie so erretten würde, wie Er Daniel aus den Löwen, Petrus aus dem Gefängnis errettet hatte, als sie sich nicht mehr selbst helfen konnten; aber dass, indem Er ihnen die Flucht möglich machte, sie durch Flucht gerettet wurden, sie von Gott gerettet wurden. In gleicher Weise würden solche Diener Gottes, die die Kraft haben, ihre Nahrung durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen, leicht jedem antworten, der ihnen dies aus dem Evangelium über die Vögel des Himmels entgegenhielte, dass sie weder säen noch ernten; und würden sagen: Wenn wir durch Krankheit oder ein anderes Hindernis nicht arbeiten können, wird Er uns nähren, wie Er die Vögel nährt, die nicht arbeiten. Aber wenn wir arbeiten können, dürfen wir Gott nicht versuchen, da auch diese unsere Fähigkeit Seine Gabe ist; und dass wir hier leben, leben wir aus Seiner Güte, die uns fähig gemacht hat zu leben; Er nährt uns, durch den die Vögel des Himmels genährt werden; wie Er sagt: „Euer himmlischer Vater nährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert?“