Remigius von Auxerre
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
28 Und was sorgt ihr euch wegen der Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. 29 Ich sage euch aber: selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen!
Geistlich sind mit den Vögeln des Himmels die Heiligen gemeint, die im Wasser der heiligen Taufe wiedergeboren sind; und durch Hingabe erheben sie sich über die Erde und suchen den Himmel. Die Apostel werden wertvoller als diese genannt, weil sie die Häupter der Heiligen sind. Unter den Lilien können auch die Heiligen verstanden werden, die ohne die Mühe der gesetzlichen Zeremonien allein durch den Glauben Gott gefielen; von ihnen heißt es: Mein Geliebter, der unter den Lilien weidet. (Hld 2,16.) Die heilige Kirche wird auch unter den Lilien verstanden wegen der Weiße ihres Glaubens und des Wohlgeruchs ihres guten Wandels, von der an derselben Stelle gesagt wird: Wie die Lilie unter den Dornen. Mit dem Gras werden die Ungläubigen bezeichnet, von denen es heißt: Das Gras ist verdorrt, und seine Blumen sind verwelkt. (Jes 40,7.) Mit dem Ofen die ewige Verdammnis; so dass der Sinn ist: Wenn Gott den Ungläubigen zeitliche Güter gewährt, wie viel mehr wird Er euch ewige Güter gewähren!