
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
7 Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden. Denn sie meinen erhört zu werden, wenn sie viele Worte machen. 8 Macht es also nicht wie sie. Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet.
(Epist. 130, 10.) Doch lange im Gebet zu verharren ist nicht, wie einige meinen, das, was hier mit ‚viele Worte machen‘ gemeint ist. Denn viel reden ist eines, andauernde Inbrunst ein anderes. Denn vom Herrn selbst ist geschrieben, dass Er eine ganze Nacht im Gebet verharrte und sehr lange betete und uns ein Beispiel gab. Die Brüder in Ägypten sollen häufige Gebete verrichten, aber sehr kurze und gleichsam hastige Stoßgebete, damit nicht jene Inbrunst des Geistes, die für uns im Gebet am förderlichsten ist, durch längeres Andauern gewaltsam abgebrochen werde. Darin zeigen sie selbst hinreichend, dass diese Inbrunst des Geistes, da sie nicht erzwungen werden kann, wenn sie nicht andauern kann, so doch, wenn sie angedauert hat, nicht gewaltsam abgebrochen werden darf. Das Gebet sei also ohne viele Worte, aber nicht ohne viel Flehen, wenn dieser inbrünstige Geist aufrechterhalten werden kann; denn viele Worte im Gebet machen heißt, in einer notwendigen Sache mehr Worte als nötig zu gebrauchen. Aber viel flehen heißt, mit andauernder Herzenswärme Den zu bedrängen, an den unsere Bitte gerichtet ist; denn oft wird diese Sache mehr durch Seufzer als durch Worte, mehr durch Weinen als durch Rede bewirkt.