Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
1 Achtet darauf, dass ihr euere Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei euerem Vater, der im Himmel ist.
Was wirst du von Gott empfangen, der du Gott nichts gegeben hast? Was um Gottes willen getan wird, ist Gott gegeben und wird von Ihm empfangen; was aber wegen der Menschen getan wird, ist in den Wind geworfen. Aber welche Weisheit ist es, unsere Güter hinzugeben, leere Worte zu ernten und den Lohn Gottes verachtet zu haben? Ja, du täuschst sogar den Menschen, auf dessen gutes Wort du hoffst; denn er denkt, du tust es um Gottes willen, sonst würde er dich eher tadeln als loben. Doch müssen wir annehmen, dass nur der seine Arbeit wegen der Menschen tut, der sie mit seinem ganzen Willen und seiner Absicht tut, die vom Gedanken an sie beherrscht wird. Wenn aber ein müßiger Gedanke, der danach strebt, von Menschen gesehen zu werden, im Herzen eines Menschen aufsteigt, aber vom verständigen Geist widerstanden wird, ist er deshalb nicht der Menschengefälligkeit zu verurteilen; denn dass der Gedanke ihm kam, war die Leidenschaft des Fleisches, was er wählte, war das Urteil seiner Seele.