
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
22 Das Licht des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge gesund ist, wird dein ganzer Leib licht sein. 23 Wenn aber dein Auge krank ist, wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn also das Licht in dir Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
Oder; Das Auge, von dem Er spricht, ist nicht das äußere, sondern das innere Auge. Das Licht ist der Verstand, durch den die Seele Gott sieht. Wer sein Herz Gott zugewandt hat, hat ein Auge voll Licht; das heißt, sein Verstand ist rein, nicht durch den Einfluss weltlicher Begierden verzerrt. Die Finsternis in uns sind unsere leiblichen Sinne, die stets die Dinge begehren, die zur Finsternis gehören. Wer also ein reines Auge hat, das heißt einen geistlichen Verstand, bewahrt seinen Leib im Licht, das heißt ohne Sünde; denn obwohl das Fleisch Böses begehrt, widersteht ihm doch die Seele durch die Macht der göttlichen Furcht. Wer aber ein Auge hat, das heißt einen Verstand, der entweder durch den Einfluss der bösen Leidenschaften verfinstert oder durch böse Begierden befleckt ist, besitzt seinen Leib in Finsternis; er widersteht dem Fleisch nicht, wenn es Böses begehrt, weil er keine Hoffnung im Himmel hat, welche Hoffnung allein uns die Kraft gibt, der Begierde zu widerstehen.