Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
1 Achtet darauf, dass ihr euere Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei euerem Vater, der im Himmel ist.
Und deshalb gebietet Er, dies sorgfältiger zu meiden: Hütet euch, eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen zu üben. Wir müssen unser Herz bewachen, denn wir haben es mit einer unsichtbaren Schlange zu tun, gegen die wir uns hüten müssen, die heimlich eindringt und verführt; aber wenn das Herz rein ist, in das der Feind einzudringen vermochte, spürt der Gerechte bald, dass er von einem fremden Geist angetrieben wird; wenn aber sein Herz voller Bosheiten wäre, bemerkt er die Eingebung des Teufels nicht so leicht, und deshalb lehrte Er uns zuerst: Zürne nicht, Begehre nicht, denn wer unter dem Joch dieser Übel steht, kann nicht auf sein eigenes Herz achten. Aber wie kann es sein, dass wir unser Almosen nicht vor den Menschen geben sollten? Oder wenn dies möglich ist, wie können sie so gegeben werden, dass wir nichts davon wissen? Denn wenn ein Armer vor uns in der Gegenwart von jemandem erscheint, wie sollen wir ihm heimlich Almosen geben können? Wenn wir ihn beiseite führen, muss man sehen, dass wir ihm geben. Beachte also, dass Er nicht einfach sagte: Nicht vor den Menschen, sondern hinzufügte: um von ihnen gesehen zu werden. Wer also Gerechtigkeit nicht aus diesem Beweggrund tut, auch wenn er sie vor den Augen der Menschen tut, ist deshalb nicht zu verurteilen; denn wer etwas um Gottes willen tut, sieht in seinem Herzen nichts als Gott, um dessentwillen er es tut; wie ein Arbeiter immer den vor Augen hat, der ihm die Arbeit anvertraut hat.