Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
16 Wenn ihr fastet, so schaut nicht finster drein wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten.
Denn da jenes Gebet, das in demütigem Geist und zerknirschtem Herzen dargebracht wird, einen bereits starken und disziplinierten Geist zeigt; wer aber in Selbstgenuss versunken ist, keinen demütigen Geist und kein zerknirschtes Herz haben kann; so ist es klar, dass ohne Fasten das Gebet schwach und kraftlos sein muss; deshalb, wenn jemand für irgendeine Not, in der sie sich befinden mochten, beten wollte, verbanden sie das Fasten mit dem Gebet, weil es eine Hilfe dafür ist. Dementsprechend fügt der Herr nach seiner Lehre über das Gebet eine Lehre über das Fasten hinzu und sagt: Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht wie die Heuchler traurig dreinschauen. Der Herr wusste, dass Eitelkeit aus jedem guten Werk entspringen kann, und deshalb befiehlt er uns, das Dornengestrüpp der Ruhmsucht auszurotten, das im guten Boden wächst, damit es nicht die Frucht des Fastens ersticke. Denn obwohl es nicht sein kann, dass das Fasten bei jemandem nicht entdeckt wird, ist es doch besser, dass das Fasten dich zeigt, als dass du dein Fasten zeigst. Aber es ist unmöglich, dass jemand beim Fasten fröhlich ist, deshalb sagte er nicht: Sei nicht traurig, sondern: Mache dich nicht traurig; denn die, die sich durch irgendeine falsche Zurschaustellung ihrer Betrübnis entdecken, sind nicht traurig, sondern machen sich traurig; wer aber von Natur aus infolge anhaltenden Fastens traurig ist, macht sich nicht traurig, sondern ist es.