Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
5 Wenn ihr betet, so seid nicht wie die Heuchler; denn sie beten gern, wenn sie in den Synagogen und an den Straßenecken stehen, um sich vor den Leuten zu zeigen. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten. 6 Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer und schließe deine Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten.
Aber ich vermute, dass der Herr hier nicht den Ort meint, sondern die Absicht dessen, der betet; denn es ist lobenswert, in der Versammlung der Gläubigen zu beten, wie gesagt wird: In euren Kirchen preiset Gott. (Ps. 68:26.) Wer also so betet, dass er von Menschen gesehen wird, blickt nicht auf Gott, sondern auf den Menschen, und soweit es seine Absicht betrifft, betet er in der Synagoge. Wer aber seinen Sinn im Gebet ganz auf Gott richtet, obwohl er in der Synagoge betet, scheint dennoch mit sich selbst im Verborgenen zu beten. An den Straßenecken, nämlich damit sie den Anschein erwecken, zurückgezogen zu beten; und so erlangen sie ein zweifaches Lob, sowohl dass sie beten, als auch dass sie zurückgezogen beten.