
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
2 Wenn du also Almosen gibst, so lass nicht vor dir her trompeten, wie es die Heuchler in den Synagogen und in den Gassen machen, um von den Menschen gelobt zu werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon erhalten. 3 Du aber, wenn du Almosen gibst, dann soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, 4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibt. Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten.
(ubi sup.) Aber nach dieser Auslegung wird es kein Fehler sein, Rücksicht darauf zu nehmen, den Gläubigen zu gefallen; und doch ist es uns verboten, als Ziel irgendeines guten Werkes das Gefallen irgendeiner Art von Menschen zu setzen. Wenn du jedoch willst, dass Menschen deine Handlungen nachahmen, die ihnen gefallen mögen, müssen sie sowohl vor Ungläubigen als auch vor Gläubigen getan werden. Wenn wir wiederum nach einer anderen Auslegung unter der linken Hand unseren Feind verstehen und dass unser Feind nicht wissen soll, wenn wir unser Almosen geben, warum heilte der Herr selbst barmherzig Menschen, als die Juden um Ihn standen? Und wie müssen wir auch mit unserem Feind selbst nach jenem Gebot umgehen: Wenn dein Feind hungert, speise ihn. (Spr. 25:21.) Eine dritte Auslegung ist lächerlich: dass die linke Hand die Ehefrau bezeichnet und dass, weil Frauen gewöhnlich in Sachen der Ausgaben aus der Familienkasse verschwiegener sind, daher die Wohltätigkeiten des Ehemannes vor der Ehefrau geheim gehalten werden sollten, um häuslichen Streit zu vermeiden. Aber dieses Gebot ist ebenso an Frauen wie an Männer gerichtet; was ist dann die linke Hand, vor der Frauen ihr Almosen verbergen sollen? Ist auch der Ehemann die linke Hand der Ehefrau? Und da geboten wird, dass sie einander mit guten Werken bereichern, ist es klar, dass sie ihre guten Taten nicht verbergen dürfen; noch darf ein Diebstahl begangen werden, um Gott zu dienen. Aber wenn in irgendeinem Fall etwas heimlich getan werden muss, aus Rücksicht auf die Schwachheit des anderen, obwohl es nicht unerlaubt ist, so ist doch klar, dass die Ehefrau hier nicht mit der linken Hand gemeint sein kann, und zwar aus dem Zusammenhang des ganzen Abschnitts; nein, nicht einmal eine solche, die er wohl link nennen könnte. Aber das, was an den Heuchlern getadelt wird, nämlich dass sie Menschenlob suchen, das ist es, was dir verboten wird zu tun; die linke Hand scheint daher das Wohlgefallen am Menschenlob zu bezeichnen; die rechte Hand bezeichnet die Absicht, die göttlichen Gebote zu erfüllen. Wann immer sich also ein Verlangen, Ehre von Menschen zu erlangen, mit dem Gewissen dessen vermischt, der Almosen gibt, dann weiß die linke Hand, was die rechte Hand, das rechte Gewissen, tut. Lass also die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, bedeutet: Lass nicht das Verlangen nach Menschenlob sich mit deinem Gewissen vermischen. Aber unser Herr verbietet noch stärker, dass die linke Hand allein in uns wirkt, als dass sie sich in die Werke der rechten Hand einmischt. Die Absicht, mit der Er all dies sagte, zeigt sich darin, dass Er hinzufügt: damit dein Almosen im Verborgenen sei; das heißt, allein in deinem guten Gewissen, das kein menschliches Auge sehen noch Worte entdecken können, obwohl vieles fälschlich über viele gesagt wird. Aber dein gutes Gewissen selbst genügt dir, um deinen Lohn zu verdienen, wenn du deinen Lohn von dem erwartest, der allein dein Gewissen sehen kann. Das ist es, was Er hinzufügt: Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Viele lateinische Handschriften haben: öffentlich.