
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auch auf Erden.
(ubi sup.) Oder: wie von den Gerechten, so von den Sündern; als ob Er gesagt hätte: Wie die Gerechten Deinen Willen tun, so mögen es auch die Sünder tun; sei es durch Bekehrung zu Dir, sei es durch Empfang des gerechten Lohnes eines jeden, was im letzten Gericht geschehen wird. Oder: Unter Himmel und Erde können wir den Geist und das Fleisch verstehen. Wie der Apostel sagt: „Mit meinem Geiste diene ich dem Gesetz Gottes“ (Röm 7,25), sehen wir den Willen Gottes im Geiste erfüllt. Aber in jener Veränderung, die den Gerechten dort verheißen ist: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“; das heißt: Wie der Geist Gott nicht widersteht, so möge das Fleisch dem Geiste nicht widerstehen. Oder: „wie im Himmel, so auf Erden“, wie in Christus Jesus selbst, so in Seiner Kirche; wie in dem Mann, der den Willen Seines Vaters tat, so in der Frau, die mit Ihm vermählt ist. Und Himmel und Erde können passend als Mann und Frau verstanden werden, da ja die Erde vom Himmel ihre Früchte hervorbringt.