
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
34 Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
(ubi sup.) Oder anders; „Morgen“ wird nur von der Zeit gesagt, in der die Zukunft auf die Vergangenheit folgt. Wenn wir also ein gutes Werk wirken, denken wir nicht an Irdisches, sondern an Himmlisches. „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“, das heißt: Nimm Speise und dergleichen, wenn du sie nehmen solltest, das ist, wenn die Notwendigkeit beginnt, es zu verlangen. Denn „ausreichend für den Tag ist seine eigene Plage“, das heißt, es genügt, dass die Notwendigkeit zwingt, diese Dinge zu nehmen; Er nennt es Plage, weil es Strafcharakter hat, insofern es zu unserer Sterblichkeit gehört, die wir durch Sündigen erworben haben. Zu dieser Notwendigkeit der weltlichen Strafe füge also kein weiteres Gewicht hinzu, damit du sie nicht nur erfüllst, sondern sie sogar so erfüllst, dass du dich als Gottes Soldat erweist. Doch hierin müssen wir vorsichtig sein, dass wir nicht, wenn wir einen Diener Gottes sehen, der sich bemüht, das Notwendige für sich selbst oder für die ihm Anvertrauten zu beschaffen, sofort urteilen, er sündige gegen dieses Gebot des Herrn, indem er für den morgigen Tag besorgt sei. Denn der Herr selbst, dem Engel dienten, hielt es um des Beispiels willen für gut, einen Beutel zu tragen. Und in der Apostelgeschichte steht geschrieben, dass für die Zukunft Nahrung, die zum Leben notwendig war, zu einer Zeit bereitgestellt wurde, als eine Hungersnot drohte. Was der Herr also verurteilt, ist nicht die Beschaffung dieser Dinge nach Menschenart, sondern wenn jemand wegen dieser Dinge nicht als Gottes Soldat kämpft.