
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
13 Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen.
(Epist. 130, 12.) Und welche anderen Worte wir auch immer gebrauchen mögen, sei es als Einleitung, um die Zuneigung zu beleben, oder als Abschluss, um sie zu vermehren, wir sagen nichts mehr, als was im Gebet des Herrn enthalten ist, wenn wir recht und zusammenhängend beten. Denn wer sagt: Verherrliche dich unter allen Völkern, wie du unter uns verherrlicht wirst, (Sir. 36,4.) was sagt er anderes als: Geheiligt werde dein Name? (Ps. 80,3.) Wer betet: Zeige dein Angesicht, und wir werden gerettet werden, was ist das anderes als zu sagen: Dein Reich komme? (Ps. 119,133.) Zu sagen: Leite meine Schritte nach deinem Wort, was ist das mehr als: Dein Wille geschehe? (Spr. 30,8.) Zu sagen: Gib mir weder Armut noch Reichtum, was ist das anderes als: Gib uns heute unser tägliches Brot? Herr, gedenke Davids und all seiner Barmherzigkeit! (Ps. 131,1.) und: Wenn ich Böses mit Bösem vergolten habe, (Ps. 7,4.) was anderes als: Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben? Wer sagt: Entferne weit von mir alle Gier des Bauches, was sagt er anderes als: Führe uns nicht in Versuchung? (Ps. 59,1.) Wer sagt: Rette mich, mein Gott, vor meinen Feinden, was sagt er anderes als: Erlöse uns von dem Bösen? Und wenn du so alle Worte der heiligen Gebete durchgehst, wirst du nichts finden, was nicht im Gebet des Herrn enthalten ist. Wer also solche Worte spricht, die keine Beziehung zu diesem evangelischen Gebet haben, betet fleischlich; und ein solches Gebet weiß ich nicht, warum wir es nicht für unerlaubt erklären sollten, da der Herr die Wiedergeborenen nur lehrt, geistig zu beten. Wer aber im Gebet sagt: Herr, vermehre meinen Reichtum, füge meine Ehren hinzu; und das aus Verlangen nach solchen Dingen, nicht in der Absicht, den Menschen nach Gottes Willen durch solche Dinge zu dienen; ich denke, dass er nichts im Gebet des Herrn findet, worauf er solche Bitten stützen könnte. Ein solcher möge dann aus Scham davon abgehalten werden, für solche Dinge zu beten, wenn nicht gar sie zu begehren. Wenn er aber Scham vor dem Verlangen hat, das Verlangen aber dennoch überwindet, wird er besser tun, um Befreiung von dem Übel des Verlangens zu dem zu beten, zu dem wir sagen: Erlöse uns von dem Bösen.