
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
34 Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
„Morgen“ bedeutet in der Schrift die zukünftige Zeit, wie Jakob in Genesis sagt: „Morgen wird meine Gerechtigkeit mir Gehör verschaffen.“ (Gen. 30,33.) Und im Trugbild Samuels sagt die Pythonisse zu Saul: „Morgen wirst du mit mir sein.“ (1 Sam. 28,19.) Er gibt ihnen also nach, dass sie sich um die gegenwärtigen Dinge kümmern, obwohl Er ihnen verbietet, für die zukünftigen zu sorgen. Denn ausreichend für uns ist der Gedanke an die gegenwärtige Zeit; überlassen wir Gott die ungewisse Zukunft. Und das ist es, was Er sagt: „Der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“; das heißt, er wird seine eigene Sorge mit sich bringen. Denn „ausreichend für den Tag ist seine eigene Plage“. Mit „Plage“ meint Er hier nicht das, was der Tugend entgegengesetzt ist, sondern Mühsal, Bedrängnis und die Härten des Lebens.