
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
9 So sollt ihr beten:Unser Vater im Himmel, / geheiligt werde dein Name,
(Serm. in Mont. ii. 5.) Oder; in den Himmeln ist unter den Heiligen und Gerechten; denn Gott ist nicht im Raum enthalten. Denn die Himmel sind buchstäblich die oberen Teile des Universums, und wenn man meint, Gott sei in ihnen, dann sind die Vögel verdienstvoller als die Menschen, da sie ihre Wohnung näher bei Gott haben müssen. Aber Gott ist nahe, (Ps. 34,18.) es wird nicht zu den Menschen von hoher Gestalt gesagt oder zu den Bewohnern der Berggipfel; sondern zu den Zerbrochenen im Herzen. Aber wie der Sünder ‚Erde‘ genannt wird, denn Erde bist du, und zur Erde musst du zurückkehren, (Gen. 3,19.) so könnte andererseits der Gerechte ‚der Himmel‘ genannt werden. So wäre es also zu Recht gesagt: Der Du bist in den Himmeln, denn es scheint geistig ebenso viel Unterschied zwischen Gerechten und Sündern zu bestehen wie örtlich zwischen Himmel und Erde. Um dies zu bezeichnen, wenden wir beim Gebet unsere Gesichter nach Osten, nicht als ob Gott nur dort wäre und alle anderen Teile der Erde verließe; sondern damit der Geist erinnert werde, sich jener Natur zuzuwenden, die vortrefflicher ist, das heißt Gott, wenn sein Leib, der von der Erde ist, dem vortrefflicheren Leib zugewandt wird, der vom Himmel ist. Denn es ist wünschenswert, dass alle, Klein und Groß, rechte Vorstellungen von Gott haben, und daher ist es für solche, die ihre Gedanken nicht auf geistige Naturen richten können, besser, dass sie Gott als im Himmel seiend denken denn auf Erden.