Pseudo-Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
11 Unser tägliches Brot gib uns heute,
Wir beten: Gib uns heute unser tägliches Brot, nicht nur damit wir zu essen haben, was sowohl Gerechten als auch Sündern gemeinsam ist; sondern damit wir, was wir essen, aus der Hand Gottes empfangen, was nur den Heiligen zukommt. Denn dem gibt Gott Brot, der es auf gerechte Weise erwirbt; dem aber, der es durch Sünde erwirbt, gibt es der Teufel. Oder weil es, da es von Gott gegeben wird, geheiligt empfangen wird; und deshalb fügt Er hinzu ‚unser‘, das heißt, solches Brot, wie wir es für uns bereitet haben, das mögest Du uns geben, damit es durch Deine Gabe geheiligt werde. Wie der Priester das Brot vom Laien nimmt, es heiligt und es ihm dann darbringt; das Brot ist zwar sein, der es als Opfergabe brachte, aber dass es geheiligt wird, ist die Wohltat des Priesters. Er sagt ‚unser‘ aus zwei Gründen. Erstens, weil alles, was Gott uns gibt, Er durch uns anderen gibt, damit wir von dem, was wir von Ihm empfangen, den Hilflosen mitteilen. Wer also von dem, was er durch eigene Mühe erwirbt, nichts anderen zukommen lässt, isst nicht nur sein eigenes Brot, sondern auch das Brot anderer. Zweitens: Wer Brot isst, das er gerecht erworben hat, isst sein eigenes Brot; wer aber Brot isst, das er mit Sünde erworben hat, isst das Brot anderer.