
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um eueren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als das Kleid?
(De Op. Monach. 1) Denn sie sagen, der Apostel habe nicht von persönlicher Arbeit gesprochen, wie der von Bauern oder Handwerkern, als er sagte: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (et seq. 2 Thess. 3:10.) Denn er könne nicht so sehr dem Evangelium widersprechen, wo es heißt: „Darum sage Ich euch: Sorget nicht.“ Daher müssen wir in jenem Wort des Apostels geistliche Werke verstehen, von denen es anderswo heißt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen.“ (1 Kor. 3:6.) Und so glauben sie, dem apostolischen Gebot gehorsam zu sein, indem sie das Evangelium so auslegen, dass es von der Nicht-Sorge für die Bedürfnisse des Leibes spricht, und der Apostel von geistlicher Arbeit und Nahrung. Zuerst wollen wir beweisen, dass der Apostel meinte, die Diener Gottes sollten mit dem Leib arbeiten. Er hatte gesagt: „Ihr selbst wisst, wie ihr uns nachahmen sollt, dass wir nicht unruhig unter euch waren, noch das Brot eines anderen umsonst aßen; sondern unter Mühe und Anstrengung arbeiteten wir Tag und Nacht, um keinem von euch zur Last zu fallen. Nicht dass wir nicht die Macht hätten, sondern damit wir uns selbst euch als Vorbild gäben, dem ihr nachahmen sollt. Denn als wir bei euch waren, lehrten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Was sollen wir dazu sagen, da er durch sein Beispiel lehrte, was er als Gebot übergab, indem er selbst mit eigenen Händen arbeitete. Dies wird aus der Apostelgeschichte bewiesen, wo gesagt wird, dass er bei Aquila und seiner Frau Priscilla blieb und mit ihnen arbeitete, denn sie waren Zeltmacher. (Apg. 18:3.) Und doch hatte der Herr dem Apostel als Verkünder des Evangeliums, als Soldat Christi, als Pflanzer des Weinbergs, als Hirte seiner Herde bestimmt, dass er vom Evangelium leben sollte; aber er lehnte diese Zahlung ab, die ihm rechtmäßig zustand, um sich selbst als Beispiel denen zu geben, die forderten, was ihnen nicht zustand. Diejenigen sollen dies hören, die nicht jene Macht haben, die er hatte; nämlich umsonst Brot zu essen und nur mit geistlicher Arbeit zu arbeiten. Wenn sie nämlich Evangelisten sind, wenn Diener des Altars, wenn Spender der Sakramente, haben sie diese Macht. Oder wenn sie in dieser Welt Besitztümer gehabt hätten, durch die sie sich ohne Arbeit hätten ernähren können, und diese bei ihrer Bekehrung zu Gott den Bedürftigen ausgeteilt hätten, dann wäre ihre Schwachheit zu glauben und zu ertragen. Und es wäre nicht wichtig, an welchem Ort er die Verteilung vornahm, da es nur ein Gemeinwesen aller Christen gibt. Aber diejenigen, die aus dem Landleben, dem Handwerk oder der gewöhnlichen Arbeit in den Dienst Gottes eintreten, sind nicht zu entschuldigen, wenn sie nicht arbeiten. Denn es ziemt sich keineswegs, dass in jenem Leben, in dem Senatoren zu Arbeitern werden, arbeitende Männer müßig werden; oder dass dort, wo Herren von Landgütern ihre Luxusgüter aufgegeben haben, ländliche Sklaven kommen, um Luxus zu finden. Wenn aber der Herr sagt: „Sorget nicht“, meint Er nicht, dass sie sich nicht das beschaffen sollen, was sie brauchen, wo immer sie es ehrlich können, sondern dass sie nicht auf diese Dinge schauen und nicht um ihretwillen tun sollen, was ihnen in der Verkündigung des Evangeliums geboten ist; denn diese Absicht nannte Er kurz zuvor das Auge.