
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 6
7 Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heiden. Denn sie meinen erhört zu werden, wenn sie viele Worte machen. 8 Macht es also nicht wie sie. Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn bittet.
(Serm. in Mont. ii. 3.) Dennoch könnte man fragen, welchen Nutzen das Gebet überhaupt hat, ob es in Worten oder in Betrachtung der Dinge verrichtet wird, wenn Gott bereits weiß, was für uns notwendig ist. Die geistige Haltung des Gebets beruhigt und reinigt die Seele und macht sie fähiger, die göttlichen Gaben zu empfangen, die in sie eingegossen werden. Denn Gott erhört uns nicht wegen der durchschlagenden Kraft unserer Bitten; Er ist allezeit bereit, uns Sein Licht zu geben, aber wir sind nicht bereit, es zu empfangen, sondern zu anderen Dingen geneigt. Im Gebet geschieht also eine Hinwendung des Leibes zu Gott und eine Reinigung des inneren Auges, während jene weltlichen Dinge, die wir begehrten, ausgeschlossen werden, damit das Auge des Geistes, eins geworden, das eine Licht zu ertragen vermag und in ihm verweile mit jener Freude, durch die das glückliche Leben vollendet wird.