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Catena Aurea · Evangelium secundum Lucam
195 Kommentare der Kirchenväter · 12 Versabschnitte
Lukasevangelium 11 in der Bibel lesen1 Eines Tages betete er an einem Ort. Als er geendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger gelehrt hat. 2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme. 3 Gib uns täglich unser notwendiges Brot. 4 Und vergib uns unsere Sünden; / denn auch wir vergeben jedem, der uns schuldet.Und führe uns nicht in Versuchung.
35 KommentareCatena Aurea · Lk 11
Nach dem Bericht über die Schwestern, die die beiden Leben der Kirche bezeichneten, wird unser Herr nicht ohne Grund sowohl selbst betend als auch Seine Jünger das Beten lehrend dargestellt, da das Gebet, das Er lehrte, in sich das Geheimnis jedes Lebens enthält und die Vollkommenheit der Leben selbst nicht durch unsere eigene Kraft, sondern durch Gebet erlangt wird. Daher wird gesagt: Und es geschah, dass Er an einem bestimmten Ort betete.

Catena Aurea · Lk 11
Da Er nun jedes Gut im Überfluss besitzt, warum betet Er, da Er voll ist und nichts bedarf? Darauf antworten wir, dass es Ihm gemäß der Weise Seiner Heilsordnung im Fleisch ziemt, menschliche Bräuche zur gelegenen Zeit zu befolgen. Denn wenn Er isst und trinkt, war Er zu Recht gewohnt zu beten, damit Er uns lehre, in dieser Pflicht nicht lau zu sein, sondern in unseren Gebeten eifriger und ernsthafter zu sein.
Catena Aurea · Lk 11
(in Matt.) Die Jünger, die eine neue Lebensweise gesehen hatten, wünschten eine neue Form des Gebets, da es im Alten Testament mehrere Gebete gab. Daher folgt: Als Er aufgehört hatte, sagte einer Seiner Jünger zu Ihm: Herr, lehre uns beten, damit wir nicht gegen Gott sündigen, indem wir um eines statt eines anderen bitten oder indem wir uns Gott im Gebet in einer Weise nähern, die sich nicht ziemt.
Catena Aurea · Lk 11
Und um die Art der Lehre aufzuzeigen, fährt der Jünger fort: wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Von dem du uns wahrlich gesagt hast, dass unter denen, die von Frauen geboren sind, keiner größer aufgestanden ist als er. Und weil du uns geboten hast, große und ewige Dinge zu suchen, woher sollen wir zur Erkenntnis dieser gelangen, wenn nicht von Dir, unserem Gott und Heiland?
Catena Aurea · Lk 11
(Orat. Dom. Serm. 1.) Er entfaltet die Lehre des Gebets für Seine Jünger, die weise die Erkenntnis des Gebets begehren, und leitet sie an, wie sie Gott bitten sollen, sie zu erhören.

Catena Aurea · Lk 11
(Const. Monast. cap. 1.) Es gibt zwei Arten des Gebets, eine aus Lobpreis mit Demut, die andere aus Bitten und zurückhaltender. Wann immer du also betest, brich nicht zuerst in Bitten aus; sondern wenn du deine Neigung verurteilst, flehe Gott an, als ob du dazu gezwungen wärst. Und wenn du zu beten beginnst, vergiss alle sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe, sondern beginne mit dem Lobpreis Dessen, der alle Dinge erschaffen hat. Daher wird hinzugefügt: Und Er sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, sprecht: Unser Vater.
Catena Aurea · Lk 11
(App. Serm. 84.) Das erste Wort, wie gnädig ist es? Du wagst nicht, dein Gesicht zum Himmel zu erheben, und plötzlich empfängst du die Gnade Christi. Aus einem bösen Knecht wirst du ein guter Sohn. Rühme dich also nicht deines Wirkens, sondern der Gnade Christi; denn darin ist keine Arroganz, sondern Glaube. Zu verkünden, was du empfangen hast, ist nicht Stolz, sondern Hingabe. Erhebe daher deine Augen zu deinem Vater, der dich durch die Taufe gezeugt, dich durch Seinen Sohn erlöst hat. Sage Vater als Sohn, aber beanspruche keine besondere Gunst für dich. Allein von Christus ist Er der besondere Vater, von uns der gemeinsame Vater. Denn Christus allein hat Er gezeugt, uns aber erschaffen. Und deshalb wird nach Matthäus, wenn es heißt: Unser Vater, (Matt. 6:9.) hinzugefügt: der du bist in den Himmeln, das heißt in jenen Himmeln, von denen gesagt wurde: Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes. (Ps. 19:1.) Himmel ist, wo die Sünde aufgehört hat und wo kein Stachel des Todes ist.
Catena Aurea · Lk 11
Aber Er sagt nicht: der du bist in den Himmeln, als ob Er auf jenen Ort beschränkt wäre, sondern um den Hörer zum Himmel zu erheben und ihn von irdischen Dingen wegzuziehen.
Catena Aurea · Lk 11
(Orat. Dom. Serm. 2.) Siehe, wie große Vorbereitung du brauchst, um kühn zu Gott sagen zu können: O Vater, denn wenn du deine Augen auf weltliche Dinge gerichtet hast oder nach dem Lob der Menschen strebst oder ein Sklave deiner Leidenschaften bist und dieses Gebet sprichst, scheine ich Gott sagen zu hören: ‚Während du, der du von verdorbenem Leben bist, den Urheber des Unvergänglichen deinen Vater nennst, verunehrst du mit deinen befleckten Lippen einen unvergänglichen Namen. Denn Er, der dir gebot, Ihn Vater zu nennen, gab dir nicht die Erlaubnis, Lügen zu sprechen.‘ (et serm. 3.). Aber das Höchste aller guten Dinge ist, Gottes Namen in unserem Leben zu verherrlichen. Daher fügt Er hinzu: Geheiligt werde dein Name. Denn wer ist so niedrig, dass er, wenn er das reine Leben der Gläubigen sieht, nicht den Namen verherrlicht, der in einem solchen Leben angerufen wird. Derjenige also, der in seinem Gebet sagt: Dein Name, den ich anrufe, werde in mir geheiligt, betet dies: „Möge ich durch Deine mitwirkende Hilfe gerecht gemacht werden, indem ich von allem Bösen abstehe.“

Catena Aurea · Lk 11
Denn wie wenn ein Mensch die Schönheit der Himmel betrachtet, sagt er: Ehre sei Dir, o Gott; so auch, wenn er die tugendhaften Handlungen eines Menschen sieht, da die Tugend des Menschen Gott viel mehr verherrlicht als die Himmel.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Oder es wird gesagt: Geheiligt werde dein Name; das heißt, Deine Heiligkeit werde aller Welt bekannt, und sie lobe Dich würdig. Denn Lob ziemt den Aufrichtigen, (Ps. 33.) und daher befiehlt Er ihnen, für die Reinigung der ganzen Welt zu beten.

Catena Aurea · Lk 11
Denn unter denen, zu welchen der Glaube noch nicht gekommen ist, wird der Name Gottes noch verachtet. Wenn aber die Strahlen der Wahrheit auf sie geleuchtet haben, werden sie das Allerheiligste bekennen. (Dan. 9:24.)
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Und weil im Namen Jesu die Herrlichkeit Gottes des Vaters ist, wird der Name des Vaters geheiligt werden, sobald Christus erkannt wird.
Catena Aurea · Lk 11
Oder weil der Name Gottes von Götzendienern und Irrenden Götzen und Geschöpfen beigelegt wird, ist er noch nicht so geheiligt, dass er von denen getrennt wäre, von denen er es sein sollte. Er lehrt uns daher zu beten, dass der Name Gottes dem allein wahren Gott zugeeignet werde; dem allein gehört, was folgt: Dein Reich komme, damit alle Herrschaft, Gewalt und Macht und das Reich der Welt niedergelegt werde, zusammen mit der Sünde, die in unseren sterblichen Gliedern herrscht.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Wir bitten auch, vom Herrn von der Verderbnis befreit und aus dem Tod genommen zu werden. Oder, nach einigen: Dein Reich komme, das heißt: Möge Dein Heiliger Geist über uns kommen, um uns zu reinigen.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Denn dann kommt das Reich Gottes, wenn wir seine Gnade erlangt haben. Denn er selbst sagt: Das Reich Gottes ist in euch. (Lk 17:21.)

Catena Aurea · Lk 11
Oder die, welche dies sagen, scheinen zu wünschen, dass der Heiland aller die Welt wieder erleuchte. Aber er hat uns befohlen, in Gebet jene wahrhaft furchtbare Zeit zu erbitten, damit die Menschen erkennen, dass es ihnen geziemt, nicht in Trägheit und Rückständigkeit zu leben, damit jene Zeit nicht die feurige Strafe über sie bringe, sondern vielmehr ehrlich und nach seinem Willen, damit jene Zeit ihnen Kronen flechte. Daher folgt nach Matthäus: Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Catena Aurea · Lk 11
Als ob er sagte: Mache uns fähig, o Herr, dem himmlischen Leben zu folgen, damit wir, was immer Du willst, auch wollen.
Catena Aurea · Lk 11
(Orat. Dom. serm. 4.) Denn da er sagt, dass das Leben des Menschen nach der Auferstehung dem der Engel ähnlich sein wird, folgt, dass unser Leben in dieser Welt so geordnet sein soll im Hinblick auf das, was wir danach erhoffen, dass wir, im Fleisch lebend, nicht nach dem Fleisch leben. Dadurch aber zerstört der wahre Arzt der Seelen die Natur der Krankheit, damit die, welche von der Krankheit ergriffen wurden, wodurch sie vom göttlichen Willen abgewichen sind, sogleich von der Krankheit befreit werden, indem sie mit dem göttlichen Willen vereint werden. Denn die Gesundheit der Seele ist die rechte Erfüllung des Willens Gottes.

Catena Aurea · Lk 11
(in Enchirid. c. 116.) Es scheint nach dem Evangelisten Matthäus, dass das Gebet des Herrn sieben Bitten enthält, aber Lukas hat es in fünf zusammengefasst. Und in Wahrheit widerspricht der eine nicht dem anderen, sondern der letztere hat durch seine Kürze angedeutet, wie jene sieben zu verstehen sind. Denn der Name Gottes wird im Geist geheiligt, aber das Reich Gottes wird bei der Auferstehung des Leibes kommen. Lukas nun, der zeigt, dass die dritte Bitte gewissermaßen eine Wiederholung der beiden ersten ist, wollte sie so verstanden wissen, indem er sie ausließ. Dann fügte er drei weitere hinzu. Und zuerst vom täglichen Brot, indem er sagte: Gib uns Tag für Tag unser tägliches Brot.
Catena Aurea · Lk 11
(App. Serm. 84.) Im Griechischen lautet das Wort ἐπιούσιον, das heißt etwas zur Substanz Hinzugefügtes. (supersubstantialem) Es ist nicht jenes Brot, das in den Leib eingeht, sondern jenes Brot des ewigen Lebens, das die Substanz unserer Seele stützt. Aber die Lateiner nennen dieses „täglich“, was die Griechen „kommend“ nennen. Wenn es täglich Brot ist, warum wird es ein Jahr alt gegessen, wie es bei den Griechen im Osten Brauch ist? Nimm täglich, was dir für den Tag nützt; lebe so, dass du täglich gewürdigt wirst zu empfangen. Der Tod unseres Herrn wird dadurch bezeichnet und die Vergebung der Sünden, und nimmst du nicht täglich an jenem Brot des Lebens teil? Wer eine Wunde hat, sucht geheilt zu werden; die Wunde ist, dass wir unter der Sünde sind, die Heilung ist das himmlische und furchtbare Sakrament. Wenn du täglich empfängst, kommt täglich das „Heute“ zu dir. Christus ist dir Heute; (Hebr. 13:8.) Christus ersteht dir täglich.
Catena Aurea · Lk 11
Oder das Brot der Seelen ist die göttliche Kraft, die das kommende ewige Leben bringt, wie das Brot, das aus der Erde kommt, das zeitliche Leben erhält. Aber indem er „täglich“ sagt, bezeichnet er das göttliche Brot, das kommt und kommen wird, das wir täglich gegeben erbitten, indem wir eine gewisse Gewissheit und Kostbarkeit davon verlangen, da der Geist, der in uns wohnt, eine Tugend gewirkt hat, die alle menschlichen Tugenden übersteigt, wie Keuschheit, Demut und die übrigen.

Catena Aurea · Lk 11
Nun denken vielleicht einige, es sei für Heilige unpassend, von Gott leibliche Güter zu erbitten, und geben deshalb diesen Worten einen geistlichen Sinn. Aber wenn man zugesteht, dass das Hauptanliegen der Heiligen sein sollte, geistliche Gaben zu erlangen, so geziemt es ihnen doch zu sehen, dass sie ohne Tadel ihr gemeinsames Brot erbitten, gemäß dem Gebot unseres Herrn. Denn daraus, dass er ihnen befiehlt, um Brot zu bitten, das heißt um tägliche Nahrung, scheint er anzudeuten, dass sie nichts besitzen, sondern vielmehr eine ehrenvolle Armut üben sollen. Denn es ist nicht Sache derer, die Brot haben, es zu erbitten, sondern vielmehr derer, die von Not bedrückt werden.

Catena Aurea · Lk 11
(in Reg. brev. ad inter. 252.) Als ob er sagte: Für dein tägliches Brot, nämlich das, was für unsere täglichen Bedürfnisse dient, vertraue nicht auf dich selbst, sondern fliehe zu Gott darum und mache ihm die Nöte deiner Natur bekannt.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 23. in Matt.) Wir müssen also von Gott die Notwendigkeiten des Lebens erbitten; nicht Vielfalt von Speisen und gewürzte Weine und die anderen Dinge, die dem Gaumen schmeicheln, während sie den Magen belasten und den Geist stören, sondern Brot, das die leibliche Substanz stützen kann, das heißt, das nur für den Tag ausreicht, damit wir keine Sorge für den Morgen tragen. Aber wir richten nur eine Bitte um sinnliche Dinge, damit das gegenwärtige Leben uns nicht beunruhige.
Catena Aurea · Lk 11
(Orat. Dom. Serm. 5.) Nachdem er uns gelehrt hat, durch gute Werke Vertrauen zu fassen, lehrt er uns als Nächstes, die Vergebung unserer Vergehen zu erflehen, denn es folgt: Und vergib uns unsere Sünden.
Catena Aurea · Lk 11
(in Matt.) Dies wurde notwendigerweise hinzugefügt, denn niemand wird ohne Sünde gefunden, damit wir nicht wegen menschlicher Schuld an der heiligen Teilnahme gehindert werden. Denn während wir verpflichtet sind, Christus alle Art von Heiligkeit darzubringen, der seinen Geist in uns wohnen lässt, sind wir zu tadeln, wenn wir unsere Tempel nicht rein für ihn halten. Aber dieser Mangel wird durch die Güte Gottes ausgeglichen, die der menschlichen Schwachheit die strenge Strafe der Sünde erlässt. Und diese Tat wird gerecht vom gerechten Gott vollbracht, wenn wir gleichsam unseren Schuldnern vergeben, nämlich denen, die uns verletzt haben und nicht zurückerstattet haben, was geschuldet war. Daher folgt: Denn auch wir vergeben jedem, der uns verschuldet ist.

Catena Aurea · Lk 11
Denn er wünscht, wenn ich so sagen darf, Gott zum Nachahmer der Geduld zu machen, die Menschen üben, damit die Güte, die sie ihren Mitknechten erwiesen haben, sie in gleicher Weise von Gott in gleichem Maße zu empfangen suchen, der jedem Menschen gerecht vergilt und allen Menschen Barmherzigkeit zu erweisen weiß.

Catena Aurea · Lk 11
Wenn wir dies bedenken, sollten wir unseren Schuldnern Barmherzigkeit erweisen. Denn sie sind für uns, wenn wir weise sind, die Ursache unserer größten Vergebung; und obwohl wir nur wenige Dinge tun, werden wir viele finden. Denn wir schulden dem Herrn viele und große Schulden, von denen, wenn der kleinste Teil von uns gefordert würde, wir bald zugrunde gehen würden.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Aber was ist die Schuld außer Sünde? Wenn du nicht empfangen hättest, würdest du keinem anderen Geld schulden. Und deshalb wird dir Sünde zugerechnet. Denn du hattest Geld, mit dem du reich geboren wurdest und nach dem Gleichnis und Bild Gottes gemacht, aber du hast verloren, was du damals hattest. Wie wenn du Stolz anlegst, verlierst du das Gold der Demut, hast du die Schuld des Teufels quittiert, die nicht notwendig war; der Feind hielt den Schuldschein, aber der Herr kreuzigte ihn und tilgte ihn mit seinem Blut. Aber der Herr ist fähig, der unsere Sünden weggenommen und unsere Schulden vergeben hat, uns vor den Fallstricken des Teufels zu bewahren, der gewohnt ist, Sünde in uns hervorzubringen. Daher folgt: Und führe uns nicht in Versuchung, wie wir sie nicht ertragen können, sondern wie der Ringer wünschen wir nur solche Versuchung, wie die menschliche Verfassung sie ertragen kann.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Denn es ist unmöglich, nicht vom Teufel versucht zu werden, aber wir beten darum, dass wir nicht unseren Versuchungen überlassen werden. Was nun durch göttliche Zulassung geschieht, wird Gott manchmal in der Schrift zugeschrieben. Und auf diese Weise führt er uns in Versuchung, indem er nicht die Zunahme der Versuchung hindert, die über unsere Kraft geht.

Catena Aurea · Lk 11
(in Orat. Dom.) Oder: Der Herr befiehlt uns zu beten: Führe uns nicht in Versuchung, damit wir nicht die Erfahrung von lüsternen und selbst herbeigeführten Versuchungen machen. Jakobus aber lehrt diejenigen, die nur für die Wahrheit kämpfen, sich nicht durch unfreiwillige und beschwerliche Versuchungen entmutigen zu lassen, indem er sagt: Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet. (Jak 1,2.)

Catena Aurea · Lk 11
(in reg. brev. ad inter. 221.) Es ziemt sich jedoch nicht, dass wir durch unsere Gebete leibliche Bedrängnisse erbitten. Denn Christus hat den Menschen überall allgemein geboten zu beten, dass sie nicht in Versuchung geraten. Wenn aber einer bereits hineingeraten ist, ist es angemessen, vom Herrn die Kraft zum Ausharren zu erbitten, damit in uns jene Worte erfüllt werden: Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. (Mt 10,22.)

Catena Aurea · Lk 11
(in Enchirid. c. 116.) Was aber Matthäus an das Ende gestellt hat: Sondern erlöse uns von dem Übel, hat Lukas nicht erwähnt, damit wir verstehen, dass es zu dem Vorhergehenden gehört, das von der Versuchung gesprochen wurde. Er sagt also: Sondern erlöse uns, nicht: „Und erlöse uns“, wodurch klar bewiesen wird, dass dies nur eine Bitte ist: „Tu dies nicht, sondern dies.“ Jeder aber soll wissen, dass er darin von dem Übel erlöst wird, wenn er nicht in Versuchung geführt wird.
Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Denn jeder Mensch sucht von dem Übel erlöst zu werden, das heißt von seinen Feinden und von der Sünde; wer sich aber Gott hingibt, fürchtet den Teufel nicht, denn wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein? (Röm 8,31.)
5 Dann sagte er zu ihnen: Wer von euch hat wohl einen Freund und geht mitten in der Nacht zu ihm und sagt: Freund, leihe mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde ist auf der Reise zu mir gekommen und ich habe ihm nichts vorzusetzen -- 7 würde jener von drinnen antworten: Belästige mich nicht! Die Tür ist bereits geschlossen und meine Kinder und ich sind zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir (etwas) geben? 8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufsteht und ihm gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
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Catena Aurea · Lk 11
Der Heiland hatte zuvor auf die Bitte seiner Apostel hin gelehrt, wie die Menschen beten sollen. Es könnte aber geschehen, dass diejenigen, die diese heilsame Lehre empfangen hatten, ihre Gebete zwar nach der ihnen gegebenen Form darbrachten, aber nachlässig und matt, und dann, wenn sie in dem ersten oder zweiten Gebet nicht erhört wurden, aufhörten zu beten. Damit dies also nicht unser Fall sei, zeigt er durch ein Gleichnis, dass die Feigheit in unseren Gebeten schädlich ist, dass es aber von großem Nutzen ist, in ihnen Ausdauer zu haben. Daher heißt es: Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund.
Catena Aurea · Lk 11
Gott ist jener Freund, der alle Menschen liebt und will, dass alle gerettet werden.

Catena Aurea · Lk 11
Wer ist uns ein größerer Freund als der, der seinen Leib für uns hingegeben hat? Nun ist uns hier eine andere Art von Gebot gegeben, dass wir zu allen Zeiten, nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, Gebete darbringen sollen. Denn es folgt: Und wird um Mitternacht zu ihm kommen. (Ps 119,62.) Wie David es tat, als er sagte: Um Mitternacht stehe ich auf, um dir zu danken. Denn er fürchtete nicht, die aus dem Schlaf zu wecken, die er als stets wachend kannte. Denn wenn David, der auch mit den notwendigen Angelegenheiten eines Königreichs beschäftigt war, so heilig war, dass er siebenmal am Tag Gott Lob darbrachte, (Ps 119,164.) was sollen wir tun, die wir umso mehr beten sollten, je häufiger wir durch die Schwäche unseres Geistes und Leibes sündigen? Wenn du aber den Herrn, deinen Gott, liebst, wirst du fähig sein, nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere Gunst zu erlangen. Denn es folgt: Und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote, usw.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 105) Was aber sind diese drei Brote anderes als die Speise des himmlischen Geheimnisses? Denn es kann sein, dass einer einen Freund hatte, der ihn um etwas bat, was er ihm nicht geben konnte, und dann feststellt, dass er nicht hat, was er geben muss. Ein Freund kommt also zu dir auf seiner Reise, das heißt in diesem gegenwärtigen Leben, in dem alle als Fremde dahinziehen und niemand Besitzer bleibt, sondern jedem gesagt wird: Zieh weiter, o Fremder, gib dem Platz, der kommt. (Sir 29,27.) Oder vielleicht kommt ein Freund von dir von einem schlechten Weg (das heißt von einem bösen Leben), ermüdet und die Wahrheit nicht findend, durch deren Hören und Annehmen er glücklich werden kann. Er kommt zu dir wie zu einem Christen und sagt: „Gib mir einen Grund“, und fragt vielleicht nach dem, was du aus der Einfalt deines Glaubens nicht weißt, und da du nichts hast, womit du seinen Hunger stillen kannst, bist du gezwungen, es in den Büchern des Herrn zu suchen. Denn vielleicht ist das, was er fragte, im Buch enthalten, aber dunkel. Es ist dir nicht erlaubt, Paulus selbst oder Petrus oder einen Propheten zu fragen, denn jene ganze Familie ruht jetzt bei ihrem Herrn, und die Unwissenheit der Welt ist sehr groß, das heißt, es ist Mitternacht, und dein Freund, der vom Hunger bedrängt wird, drängt darauf, nicht zufrieden mit einem einfachen Glauben; soll er also verlassen werden? Geh daher zum Herrn selbst, bei dem die Familie schläft, klopfe an und bete; von dem hinzugefügt wird: Und er wird von innen antworten und sagen: Mühe mich nicht. Er zögert zu geben, weil er wünscht, dass du das Verzögerte umso eifriger begehrst, damit es nicht, sogleich gegeben, gemein werde.

Catena Aurea · Lk 11
(Const. Mon. c. 1.) Denn vielleicht zögert er absichtlich, um deinen Eifer und dein Kommen zu ihm zu verdoppeln, und damit du weißt, was die Gabe Gottes ist, und eifrig bewahrst, was gegeben wird. Denn was ein Mensch mit großer Mühe erwirbt, sucht er sicher zu bewahren, damit er nicht mit dessen Verlust auch seine Mühe verliere.
Catena Aurea · Lk 11
(ordin.) Er nimmt also nicht die Freiheit zu bitten weg, sondern ist umso mehr darauf bedacht, das Verlangen zu beten zu entfachen, indem er die Schwierigkeit zeigt, das zu erlangen, worum wir bitten. Denn es folgt: Die Tür ist jetzt verschlossen.

Catena Aurea · Lk 11
Dies ist die Tür, von der auch Paulus erbittet, dass sie ihm geöffnet werde, indem er fleht, nicht nur durch seine eigenen Gebete, sondern auch durch die des Volkes unterstützt zu werden, damit ihm eine Tür der Rede geöffnet werde, um das Geheimnis Christi zu verkünden. (Kol 4,3.) Und vielleicht ist das die Tür, die Johannes geöffnet sah, und es wurde ihm gesagt: Komm herauf, und ich will dir zeigen, was danach geschehen muss. (Offb 4,1.)

Catena Aurea · Lk 11
(Qu. Ev. l. ii. qu. 21.) Die damals erwähnte Zeit ist also die der Hungersnot des Wortes, wenn der Verstand verschlossen ist, (Am 8,11.) und diejenigen, die die Weisheit des Evangeliums gleichsam als Brot austeilten und in der ganzen Welt predigten, sich jetzt in ihrer geheimen Ruhe beim Herrn befinden. Und das ist es, was hinzugefügt wird: Und meine Kinder sind bei mir im Bett.
Catena Aurea · Lk 11
Zu Recht nennt er diejenigen Kinder, die durch die Waffen der Gerechtigkeit für sich Freiheit von Leidenschaften beansprucht haben, und zeigt, dass das Gute, das wir durch Übung erworben haben, von Anfang an in unserer Natur angelegt war. Denn wenn jemand das Fleisch aufgibt und durch ein Leben in der Ausübung einer tugendhaften Lebensweise die Leidenschaften überwunden hat, dann wird er wie ein Kind und ist unempfindlich gegenüber den Leidenschaften. Unter dem Bett aber verstehen wir die Ruhe Christi.
Catena Aurea · Lk 11
(ordin.) Und wegen des Vorhergehenden fügt er hinzu: Ich kann nicht aufstehen und dir geben, was sich auf die Schwierigkeit des Erlangens beziehen muss.

Catena Aurea · Lk 11
(de Quæst. Ev. lib. ii. qu. 21.) Oder aber: Der Freund, zu dem um Mitternacht der Besuch gemacht wird, um die drei Brote zu leihen, ist offensichtlich als Allegorie gemeint, so wie eine Person, die mitten in Bedrängnis steht, Gott bitten könnte, dass er ihr zu verstehen gebe die Dreifaltigkeit, durch die sie die Bedrängnisse dieses gegenwärtigen Lebens trösten kann. Denn seine Not ist die Mitternacht, in der er gezwungen ist, so dringend in seiner Bitte um die drei zu sein. Durch die drei Brote nun wird bezeichnet, dass die Dreifaltigkeit eines Wesens ist. Der Freund aber, der von seiner Reise kommt, wird als das Verlangen des Menschen verstanden, das der Vernunft gehorchen sollte, aber dem Brauch der Welt gehorchte, den er den Weg nennt, weil alles auf ihm dahinzieht. Wenn nun der Mensch zu Gott bekehrt wird, wird auch jenes Verlangen vom Brauch zurückgerufen. Wenn er aber nicht durch jene innere Freude getröstet wird, die aus der geistlichen Lehre entspringt, die die Dreifaltigkeit des Schöpfers verkündet, ist der in großer Bedrängnis, der von irdischen Sorgen niedergedrückt wird, da er doch angewiesen ist, sich aller äußeren Freuden zu enthalten, und innen keine Erquickung aus der Freude der geistlichen Lehre hat. Und doch wird durch das Gebet bewirkt, dass der, der es verlangt, Verständnis von Gott empfängt, auch wenn niemand da ist, durch den die Weisheit gepredigt würde. Denn es folgt: Und wenn jener fortfährt, usw. Das Argument wird vom Geringeren auf das Größere geschlossen. Denn wenn ein Freund von seinem Bett aufsteht und nicht aus der Kraft der Freundschaft gibt, sondern aus Überdruss, wie viel mehr gibt Gott, der ohne Überdruss am reichlichsten gibt, was immer wir erbitten?

Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Wenn du aber die drei Brote erlangt hast, das heißt die Speise und Erkenntnis der Dreifaltigkeit, hast du sowohl die Quelle des Lebens als auch der Speise. Fürchte dich nicht. Höre nicht auf. Denn jenes Brot wird nicht zu Ende gehen, sondern deinem Mangel ein Ende setzen. Lerne und lehre. Lebe und iss.
Catena Aurea · Lk 11
Oder aber: Die Mitternacht ist das Ende des Lebens, zu dem viele zu Gott kommen. Der Freund aber ist der Engel, der die Seele aufnimmt. Oder die Mitternacht ist die Tiefe der Versuchungen, in der der Gefallene von Gott drei Brote erbittet, die Linderung der Nöte seines Leibes, seiner Seele und seines Geistes; durch die wir in unseren Versuchungen in keine Gefahr geraten. Der Freund aber, der von seiner Reise kommt, ist Gott selbst, der durch Versuchungen prüft, wer ihm nichts vorzusetzen hat und wer in der Versuchung geschwächt wird. Wenn er aber sagt: Und die Tür ist verschlossen, müssen wir verstehen, dass wir vor den Versuchungen vorbereitet sein sollen. Nachdem wir aber in sie hineingefallen sind, ist das Tor der Vorbereitung verschlossen, und da wir unvorbereitet gefunden werden, sind wir in Gefahr, wenn Gott uns nicht bewahrt.
9 Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch aufgetan. 10 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der, wenn ihn sein Sohn um einen Fisch bittet, ihm statt des Fisches eine Schlange gäbe? 12 Oder wenn er um ein Ei bittet, ihm einen Skorpion gäbe? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, eueren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.
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Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Nachdem der Herr das Gleichnis beiseitegelegt hatte, fügte er eine Ermahnung hinzu und drängte uns ausdrücklich, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen, bis wir empfangen, was wir suchen. Daher sagt er: Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben werden.

Catena Aurea · Lk 11
Die Worte: Ich sage euch, haben die Kraft eines Eides. Denn Gott lügt nicht, aber wann immer er seinen Hörern etwas mit einem Eid kundtut, offenbart er die unentschuldbare Kleinheit unseres Glaubens.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 23. in Matt.) Mit dem Bitten nun meint er das Gebet, mit dem Suchen aber Eifer und Sorge, wie er hinzufügt: Sucht, so werdet ihr finden. Denn die Dinge, die gesucht werden, erfordern große Sorgfalt. Und dies ist besonders bei Gott der Fall. Denn es gibt viele Dinge, die unsere Sinne blockieren. So wie wir nach verlorenem Gold suchen, so lasst uns eifrig nach Gott suchen. Er zeigt auch, dass wir, obwohl er nicht sogleich die Tore öffnet, dennoch warten müssen. Daher fügt er hinzu: Klopft an, so wird euch geöffnet werden; denn wenn ihr weiter sucht, werdet ihr gewiss empfangen. Aus diesem Grund, und weil die verschlossene Tür euch klopfen lässt, hat er nicht sogleich eingewilligt, damit ihr inständig bittet.
Catena Aurea · Lk 11
(Severus Antioch.) Oder mit dem Wort „anklopfen“ meint er vielleicht das wirksame Suchen, denn man klopft mit der Hand, aber die Hand ist das Zeichen eines guten Werkes. Oder diese drei können auf andere Weise unterschieden werden. Denn es ist der Anfang der Tugend, zu bitten, den Weg der Wahrheit zu erkennen. Der zweite Schritt aber ist, zu suchen, wie wir auf diesem Weg gehen müssen. Der dritte Schritt ist, wenn ein Mensch zur Tugend gelangt ist, an die Tür zu klopfen, damit er in das weite Feld der Erkenntnis eintrete. All dies erlangt der Mensch durch das Gebet. Oder: Bitten heißt zwar beten, aber Suchen heißt, durch gute Werke zu tun, was unseren Gebeten entspricht. Und Anklopfen heißt, im Gebet ohne Unterlass zu verharren.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 105.) Aber Er würde uns nicht so zum Bitten ermutigen, wenn Er nicht geben wollte. Es erröte die menschliche Trägheit: Er ist bereitwilliger zu geben als wir zu empfangen.

Catena Aurea · Lk 11
Wer nun etwas verheißt, soll eine Hoffnung auf das Verheißene vermitteln, damit der Gehorsam den Geboten folge, der Glaube den Verheißungen. Und deshalb fügt er hinzu: Denn jeder, der bittet, empfängt.
Catena Aurea · Lk 11
Aber jemand könnte zu wissen begehren, wie es kommt, dass die, welche beten, nicht erhört werden? Darauf müssen wir antworten, dass derjenige, der sich auf rechte Weise ans Suchen macht und nichts von dem unterlässt, was zur Erlangung unserer Bitten dient, wirklich empfangen wird, worum er gebetet hat, dass es ihm gegeben werde. Wenn aber ein Mensch sich vom Gegenstand einer rechten Bitte abwendet und nicht bittet, wie es sich geziemt, bittet er nicht. Und deshalb ist es so, dass er, wenn er nicht empfängt, wie hier verheißen wird, keine Lüge vorliegt. Denn ebenso, wenn ein Lehrer sagt: „Wer zu mir kommen will, wird die Gabe der Unterweisung empfangen“, verstehen wir darunter einen Menschen, der in wirklichem Ernst zu einem Lehrer geht, damit er sich eifrig und sorgfältig seinem Unterricht widme. Daher sagt auch Jakobus: Ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr übel bittet (Jak 4,3), nämlich um eitler Lüste willen. Aber jemand wird sagen: Nein, wenn Menschen bitten, göttliche Erkenntnis zu erlangen und ihre Tugend wiederzuerlangen, erlangen sie es nicht? Darauf müssen wir antworten, dass sie nicht baten, die Güter für sich selbst zu empfangen, sondern damit sie dadurch Lob ernteten.

Catena Aurea · Lk 11
(in Const. c. 1.) Wenn sich auch jemand aus Trägheit seinen Begierden hingibt und sich selbst in die Hände seiner Feinde ausliefert, so hilft ihm Gott weder noch erhört er ihn, weil er sich durch die Sünde von Gott entfremdet hat. Es ziemt sich also für einen Menschen, alles, was ihm gehört, darzubringen, aber zu Gott zu schreien, dass er ihm helfe. Nun müssen wir die göttliche Hilfe nicht lässig erflehen, noch mit einem hin und her schwankenden Geist, weil ein solcher nicht nur nicht erlangt, was er sucht, sondern vielmehr Gott zum Zorn reizt. Denn wenn ein Mensch, der vor einem Fürsten steht, sein Auge nach innen und außen gerichtet hält, damit er nicht etwa bestraft werde, wie viel mehr muss er vor Gott wachsam und zitternd stehen? Wenn du aber durch die Sünde aufgerüttelt nicht imstande bist, standhaft nach Kräften zu beten, so zügle dich, damit du, wenn du vor Gott stehst, deinen Geist auf Ihn richtest. Und Gott verzeiht dir, weil du nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Schwachheit nicht so vor Seinem Angesicht erscheinen kannst, wie du solltest. Wenn du dich also so beherrschst, dann gehe nicht weg, bis du empfängst. Denn wann immer du bittest und nicht empfängst, geschieht es, weil deine Bitte ungehörig war, sei es ohne Glauben, sei es leichtfertig, sei es um Dinge, die dir nicht nützlich sind, oder weil du aufgehört hast zu beten. Aber manche erheben häufig den Einwand: „Warum beten wir? Weiß Gott denn nicht, was wir brauchen?“ Er weiß es zweifellos und gibt uns alle zeitlichen Dinge reichlich, noch bevor wir bitten. Aber wir müssen zuerst gute Werke und das Himmelreich begehren; und dann, nachdem wir begehrt haben, im Glauben und in Geduld bitten und in unsere Gebete alles einbringen, was uns nützlich ist, wobei wir von unserem eigenen Gewissen keiner Schuld überführt werden.

Catena Aurea · Lk 11
Das Argument, das zum häufigen Gebet überredet, ist also die Hoffnung, das zu erlangen, worum wir bitten. Der Grund der Überredung lag zuerst im Gebot, danach ist er in jenem Beispiel enthalten, das Er vorführt, indem Er hinzufügt: Wenn ein Sohn von einem von euch Brot erbittet, wird er ihm einen Stein geben? usw.

Catena Aurea · Lk 11
In diesen Worten gibt uns der Erlöser eine sehr notwendige Unterweisung. Denn oft geben wir aus dem Impuls der Lust leichtsinnig schädlichen Begierden nach. Wenn wir irgendetwas Derartiges von Gott erbitten, werden wir es nicht erlangen. Um dies zu zeigen, führt Er ein offensichtliches Beispiel aus den Dingen an, die vor unseren Augen liegen, aus unserer täglichen Erfahrung. Denn wenn dein Sohn dich um Brot bittet, gibst du es ihm gerne, weil er eine gesunde Speise sucht. Wenn er aber aus Unverstand bittet, einen Stein zu essen, gibst du ihm ihn nicht, sondern hältst ihn vielmehr davon ab, seine schädliche Begierde zu befriedigen. So dass der Sinn sein kann: Welcher von euch aber, wenn sein Sohn ihn um Brot bittet (das der Vater gibt), wird ihm einen Stein geben? (das heißt, wenn er darum bäte.) Dasselbe Argument gilt auch für die Schlange und den Fisch; wovon er hinzufügt: Oder wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm statt eines Fisches eine Schlange geben? Und in gleicher Weise beim Ei und Skorpion, wovon er hinzufügt: Oder wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion anbieten?
Catena Aurea · Lk 11
Bedenke also: Wenn das Brot nicht wirklich die Speise der Seele in der Erkenntnis ist, ohne die sie nicht gerettet werden kann, wie zum Beispiel die wohlgeordnete Regel eines gerechten Lebens. Der Fisch aber ist die Liebe zur Unterweisung, etwa die Beschaffenheit der Welt zu erkennen und die Wirkungen der Elemente und was sonst noch die Weisheit behandelt. Daher gibt Gott nicht statt Brot einen Stein, den der Teufel Christus zu essen wünschte, noch gibt Er statt eines Fisches eine Schlange, welche die Äthiopier essen, die unwürdig sind, Fische zu essen. Noch gibt Er im Allgemeinen statt des Nährenden das, was nicht essbar und schädlich ist, was sich auf den Skorpion und das Ei bezieht.

Catena Aurea · Lk 11
(de Quæst. Ev. lib. ii. qu. 22.) Oder mit dem Brot ist die Liebe gemeint, weil wir ein größeres Verlangen danach haben und sie so notwendig ist, dass ohne sie alles andere nichts ist, wie ein Tisch ohne Brot kärglich ist. Ihr entgegengesetzt ist die Herzenshärte, die er mit einem Stein verglich. Mit dem Fisch aber wird der Glaube an unsichtbare Dinge bezeichnet, sei es wegen der Wasser der Taufe, sei es weil er aus unsichtbaren Orten genommen wird, die das Auge nicht erreichen kann. Weil auch der Glaube, obwohl von den Wellen dieser Welt umhergeworfen, nicht zerstört wird, wird er zu Recht mit einem Fisch verglichen, dem entgegengesetzt er die Schlange wegen des Giftes der Täuschung gesetzt hat, die durch böse Überredung ihren ersten Samen im ersten Menschen hatte. Oder mit dem Ei wird die Hoffnung verstanden. Denn das Ei ist die noch nicht gebildete junge Frucht, aber durch Pflege erhofft, dem entgegengesetzt er den Skorpion gesetzt hat, dessen vergifteter Stachel von hinten zu fürchten ist; wie der Hoffnung entgegengesetzt ist, zurückzublicken, da die Hoffnung auf die Zukunft vorwärts auf das gerichtet ist, was vor uns liegt.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 105.) Was Großes redet die Welt zu dir und brüllt es dir hinter deinem Rücken zu, damit du zurückblickst! O unreine Welt, warum schreist du! Warum versuchst du, ihn abzuwenden! Du möchtest ihn festhalten, während du selbst zugrunde gehst; was würdest du tun, wenn du ewig bestündest? Wen würdest du nicht mit Süße täuschen, wenn du Bitteres als falsche Speise einflößen kannst?

Catena Aurea · Lk 11
Nun schließt er aus dem eben gegebenen Beispiel: Wenn nun ihr, die ihr böse seid (d. h. einen Geist habt, der des Bösen fähig und nicht gleichförmig und fest im Guten ist wie Gott), versteht, gute Gaben zu geben; wie viel mehr euer himmlischer Vater?
Catena Aurea · Lk 11
Oder er nennt die Liebhaber der Welt böse, die jene Dinge geben, die sie nach ihrem Sinn für gut halten, die auch von Natur aus gut sind und dazu nützlich, das unvollkommene Leben zu unterstützen. Daher fügt er hinzu: Versteht, euren Kindern gute Gaben zu geben. Sogar die Apostel, die durch das Verdienst ihrer Erwählung die Güte der allgemeinen Menschheit übertroffen hatten, werden im Vergleich zur göttlichen Güte böse genannt, da nichts von sich aus gut ist außer Gott allein. Was aber hinzugefügt wird: Wie viel mehr wird euer himmlischer Vater den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten, wofür Matthäus geschrieben hat: wird denen, die ihn bitten, gute Gaben geben, zeigt, dass der Heilige Geist die Fülle der Gaben Gottes ist, da alle Vorteile, die aus der Gnade der Gaben Gottes empfangen werden, aus jener Quelle fließen.

Catena Aurea · Lk 11
(Dial. 1. de Trin.) Wenn nun der Heilige Geist nicht von der Substanz Gottes wäre, der allein gut ist, würde Er keineswegs gut genannt werden, da unser Herr es ablehnte, gut genannt zu werden, insofern Er Mensch geworden ist.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 105.) Daher, o habgieriger Mensch, was suchst du? Oder wenn du etwas anderes suchst, was wird dir genügen, dem der Herr nicht genügt?
14 Er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon ausgetrieben war, konnte der Stumme reden. Die Volksscharen staunten. 15 Einige von ihnen aber sagten: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus. 16 Andere aber forderten ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen.
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(non occ.) Der Herr hatte verheißen, dass der Heilige Geist denen gegeben werde, die darum bitten; dessen gesegnete Wirkungen zeigt Er indeed klar im folgenden Wunder. Daher folgt: Und Jesus trieb einen Teufel aus, und dieser war stumm.
Catena Aurea · Lk 11
Nun wird er κωφὸς genannt, was gewöhnlich einen bezeichnet, der nicht spricht. Es wird auch für einen verwendet, der nicht hört, aber richtiger für einen, der weder hört noch spricht. Wer aber von Geburt an nicht gehört hat, kann notwendigerweise nicht sprechen. Denn wir sprechen jene Dinge, die wir durch Hören zu sprechen gelehrt werden. Wenn jedoch jemand sein Gehör durch eine Krankheit verloren hat, die über ihn gekommen ist, hindert ihn nichts am Sprechen. Der aber, der vor den Herrn gebracht wurde, war sowohl stumm im Sprechen als auch taub im Hören.
Catena Aurea · Lk 11
(in Matt.) Nun nennt Er den Teufel taub oder stumm, da er die Ursache dieses Übels ist, dass das göttliche Wort nicht gehört werden sollte. Denn der Teufel stumpft durch die Wegnahme der Schnelligkeit des menschlichen Gefühls das Gehör unserer Seele ab. Christus kommt daher, damit Er den Teufel austreibe und wir das Wort der Wahrheit hören. Denn Er heilte einen, damit Er einen allgemeinen Vorgeschmack der Rettung des Menschen schaffe. Daher folgt: Und als er den Teufel ausgetrieben hatte, sprach der Stumme.
Catena Aurea · Lk 11
Doch jener Besessene wird von Matthäus als nicht nur stumm, sondern auch blind beschrieben. Drei Wunder wurden also gleichzeitig an einem Menschen vollbracht. Der Blinde sieht, der Stumme spricht, und der von einem Teufel Besessene wird befreit. Ähnliches geschieht täglich bei der Bekehrung der Gläubigen, so dass, nachdem der Teufel zuerst ausgetrieben ist, sie das Licht sehen und dann jene Münder, die zuvor schwiegen, gelöst werden, um die Lobpreisungen Gottes zu sprechen.

Catena Aurea · Lk 11
Als nun das Wunder vollbracht war, pries die Menge Ihn mit lauten Lobpreisungen und die Herrlichkeit, die Gott gebührte. Wie es folgt: Und das Volk staunte.
Catena Aurea · Lk 11
Aber da die Menge, die man für unwissend hielt, immer über die Taten unseres Herrn staunte, bemühten sich die Schriftgelehrten und Pharisäer, sie zu leugnen oder durch eine kunstvolle Auslegung zu verdrehen, als wären sie nicht das Werk einer göttlichen Macht, sondern eines unreinen Geistes. Daher folgt: Aber einige von ihnen sagten: Er treibt die Teufel durch Beelzebub aus, den Fürsten der Teufel. Beelzebub war der Gott von Akkaron. Denn Beel ist indeed Baal selbst. Zebub aber bedeutet Fliege. Nun wird er Beelzebub genannt als der Mann der Fliegen, nach dessen abscheulichsten Praktiken der Oberste der Teufel so benannt wurde.

Catena Aurea · Lk 11
Andere aber suchten mit ähnlichen Pfeilen des Neides ein Zeichen vom Himmel von ihm. Wie es folgt: Und andere, die ihn versuchten, suchten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Als ob sie sagten: „Obwohl du einen Dämon aus dem Menschen ausgetrieben hast, ist dies dennoch kein Beweis göttlicher Kraft. Denn wir haben noch nichts gesehen, was den Wundern früherer Zeiten gliche. Mose führte das Volk mitten durch das Meer (Exod. 14), und Josua, sein Nachfolger, ließ die Sonne in Gibeon stehen (Jos. 10,13). Aber du hast uns nichts von diesen Dingen gezeigt.“ Denn ein Zeichen vom Himmel zu fordern, zeigte, dass der Sprecher damals von einer solchen Gesinnung gegenüber Christus beeinflusst war.
17 Da er ihre Gedanken kannte, sagte er zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst entzweit ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andere. 18 Wenn aber auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie soll dann sein Reich Bestand haben? Denn ihr sagt, dass ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe. 19 Wenn ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann euere Söhne sie aus? Deshalb werden sie euere Richter sein. 20 Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.
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Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 41. in Matt.) Da der Verdacht der Pharisäer völlig unbegründet war, wagten sie nicht, ihn aus Furcht vor der Menge zu verbreiten, sondern erwogen ihn in ihren Herzen. Daher heißt es: Er aber, der ihre Gedanken kannte, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst gespalten ist, wird verwüstet werden.
Catena Aurea · Lk 11
Er antwortete nicht auf ihre Worte, sondern auf ihre Gedanken, damit sie wenigstens gezwungen würden, an seine Macht zu glauben, der die Geheimnisse des Herzens sieht.

Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Er antwortete ihnen nicht aus den Schriften, da sie diese nicht beachteten, sondern sie fälschlich auslegten; sondern er antwortet ihnen aus alltäglichen Dingen. Denn ein Haus und eine Stadt, wenn sie gespalten ist, wird schnell zunichte gemacht; ebenso ein Reich, als nichts stärker ist. Denn die Eintracht der Bewohner erhält Häuser und Reiche. Wenn ich also, sagt er, Dämonen durch einen Dämon austreibe, gibt es Zwietracht unter ihnen, und ihre Macht vergeht. Daher fügt er hinzu: Wenn aber Satan gegen sich selbst gespalten ist, wie soll er bestehen? Denn Satan widersteht nicht sich selbst, noch schadet er seinen Soldaten, sondern stärkt vielmehr sein Reich. Allein durch göttliche Kraft also zermalme ich Satan unter meinen Füßen.

Catena Aurea · Lk 11
Darin zeigt er auch, dass sein eigenes Reich ungeteilt und ewig ist. Diejenigen also, die keine Hoffnung in Christus haben, sondern glauben, dass er Dämonen durch den Obersten der Dämonen austreibt, deren Reich, sagt er, ist nicht ewig. Dies bezieht sich auch auf das jüdische Volk. Denn wie kann das Reich der Juden ewig sein, wenn durch das Volk des Gesetzes Jesus verleugnet wird, der vom Gesetz verheißen ist? So widerstreitet sich teilweise der Glaube des jüdischen Volkes selbst; die Herrlichkeit der Gottlosen ist gespalten, durch Spaltung zerstört. Und deshalb wird das Reich der Kirche für immer bleiben, weil ihr Glaube ungeteilt in einem Leib ist.
Catena Aurea · Lk 11
Auch das Reich des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ist nicht geteilt, weil es mit ewiger Beständigkeit versiegelt ist. Die Arianer sollen also aufhören zu sagen, dass der Sohn geringer sei als der Vater, aber der Heilige Geist geringer als der Sohn, da deren Reich eines ist, auch ihre Macht eine ist.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 23. in Matt) Dies ist also die erste Antwort; die zweite, die sich auf seine Jünger bezieht, gibt er wie folgt: Und wenn ich durch Beelzebub Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Er sagt nicht: „Meine Jünger“, sondern eure Söhne, um ihren Zorn zu besänftigen.

Catena Aurea · Lk 11
Denn die Jünger Christi waren Juden und stammten dem Fleische nach von Juden ab, und sie hatten von Christus Macht über unreine Geister erhalten und befreiten die, die von ihnen bedrängt wurden, im Namen Christi. Da also eure Söhne Satan in meinem Namen unterwerfen, ist es nicht reiner Wahnsinn zu sagen, dass ich meine Macht von Beelzebub habe? Ihr werdet also durch den Glauben eurer Kinder verurteilt. Daher fügt er hinzu: Darum werden sie eure Richter sein.

Catena Aurea · Lk 11
(ut sup.) Denn da die, die von euch ausgehen, mir gehorsam sind, ist es klar, dass sie die verurteilen werden, die das Gegenteil tun.
Catena Aurea · Lk 11
Oder aber: Mit den Söhnen der Juden meint er die Exorzisten jenes Volkes, die Dämonen durch Anrufung Gottes austrieben. Als ob er sagte: Wenn das Austreiben von Dämonen durch eure Söhne Gott zugeschrieben wird, nicht den Dämonen, warum hat in meinem Fall nicht dasselbe Werk dieselbe Ursache? Darum werden sie eure Richter sein, nicht in der Vollmacht, Gericht zu üben, sondern in der Tat, da sie das Austreiben von Dämonen Gott zuschreiben, ihr aber Beelzebub, dem Obersten der Dämonen.

Catena Aurea · Lk 11
Da also, was ihr sagt, das Gepräge der Verleumdung trägt, ist es klar, dass ich durch den Geist Gottes Dämonen austreibe. Daher fügt er hinzu: Wenn ich aber durch den Finger Gottes Dämonen austreibe, ist ohne Zweifel das Reich Gottes zu euch gekommen.

Catena Aurea · Lk 11
(de cons. Ev. l. ii. c. 38.) Dass Lukas vom Finger Gottes spricht, wo Matthäus den Geist gesagt hat, nimmt nichts von ihrer Übereinstimmung im Sinn, sondern lehrt uns vielmehr eine Lektion, damit wir wissen, welche Bedeutung wir dem Finger Gottes geben sollen, wann immer wir ihn in den Schriften lesen.

Catena Aurea · Lk 11
(de Quæst. Ev. l. ii. qu. 17.) Nun wird der Heilige Geist Finger Gottes genannt wegen der Verteilung der Gaben, die durch ihn jedem gegeben werden, sei es Menschen oder Engeln, jedem seine eigene Gabe. Denn in keinem unserer Glieder ist die Teilung offensichtlicher als in unseren Fingern.

Catena Aurea · Lk 11
Oder der Heilige Geist wird aus diesem Grund Finger Gottes genannt. Der Sohn wurde Hand und Arm des Vaters genannt (Ps. 98,1), denn der Vater wirkt alles durch ihn. Wie nun der Finger nicht vom Hand getrennt ist, sondern von Natur aus ein Teil von ihr; so ist der Heilige Geist wesensgleich mit dem Sohn vereint, und durch ihn wirkt der Sohn alles.

Catena Aurea · Lk 11
Noch würdest du denken, dass bei der Zusammenfügung unserer Glieder eine Teilung der Kraft stattfindet, denn in einem ungeteilten Ding kann es keine Teilung geben. Und daher muss die Bezeichnung Finger auf die Form der Einheit bezogen werden, nicht auf die Unterscheidung der Kraft.

Catena Aurea · Lk 11
(Orat. 2. con. Arian.) Aber zu dieser Zeit zögert unser Herr wegen seiner Menschheit nicht, von sich als geringer als der Heilige Geist zu sprechen, indem er sagt, dass er durch ihn Dämonen austreibe, als ob die menschliche Natur nicht ausreiche, um Dämonen ohne die Kraft des Heiligen Geistes auszutreiben.

Catena Aurea · Lk 11
Und deshalb wird mit Recht gesagt: Das Reich Gottes ist zu euch gekommen, das heißt: „Wenn ich als Mensch durch den Geist Gottes Dämonen austreibe, wird die menschliche Natur durch mich bereichert, und das Reich Gottes ist gekommen.“

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 41. ut sup.) Aber es wird gesagt: zu euch, damit er sie zu sich ziehe; als ob er sagte: Wenn Wohlstand zu euch kommt, warum verachtet ihr eure Güter?

Catena Aurea · Lk 11
Zugleich zeigt er, dass es eine königliche Macht ist, die der Heilige Geist besitzt, in dem das Reich Gottes ist, und dass wir, in denen der Geist wohnt, ein königliches Haus sind.
Catena Aurea · Lk 11
(in Matt.) Oder er sagt: Das Reich Gottes ist zu euch gekommen, was bedeutet: „ist gegen euch gekommen, nicht für euch.“ Denn furchtbar ist die zweite Ankunft Christi für untreue Christen.
21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, dann ist sein Besitz sicher. 22 Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und ihn überwindet, dann nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verlassen hatte, und verteilt seine Beute. 23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
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Catena Aurea · Lk 11
Da es aus vielen Gründen notwendig war, die Spitzfindigkeiten seiner Gegner zu widerlegen, bedient sich unser Herr nun eines sehr klaren Beispiels, durch das er denen, die es bedenken wollen, beweist, dass er die Macht der Welt durch eine ihm selbst innewohnende Kraft überwindet, indem er sagt: Wenn ein starker Mann bewaffnet seinen Palast bewacht.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 41. in Matt.) Er nennt den Teufel einen starken Mann, nicht weil er von Natur aus so ist, sondern mit Bezug auf seine alte Herrschaft, deren Ursache unsere Schwäche war.

Catena Aurea · Lk 11
Denn vor der Ankunft des Erlösers pflegte er die Herden eines anderen, nämlich Gottes, mit großer Gewalt zu rauben und sie gleichsam in seinen eigenen Stall zu tragen.
Catena Aurea · Lk 11
Die Waffen des Teufels sind alle Arten von Sünden; auf sie vertrauend, überwand er die Menschen.
Catena Aurea · Lk 11
Die Welt aber nennt er seinen Palast, die in der Bosheit liegt (1 Joh 5,19), worin er bis zur Ankunft unseres Erlösers die höchste Macht genoss, weil er ohne jeden Widerstand in den Herzen der Ungläubigen ruhte. Doch mit einer stärkeren und mächtigeren Kraft hat Christus gesiegt und ihn besiegt, indem er alle Menschen befreite. Daher wird hinzugefügt: Wenn aber ein Stärkerer als er über ihn kommt und ihn überwindet, usw.

Catena Aurea · Lk 11
Denn sobald das Wort des allerhöchsten Gottes, der Geber aller Stärke und der Herr der Heerscharen, Mensch geworden war, griff er ihn an und nahm ihm seine Waffen.
Catena Aurea · Lk 11
Seine Waffen sind also die List und die Ränke der geistigen Bosheit, seine Beute aber sind die Menschen selbst, die von ihm getäuscht wurden.

Catena Aurea · Lk 11
Denn die Juden, die lange Zeit von ihm in Unkenntnis Gottes und in Sünde gefangen gehalten worden waren, wurden von den heiligen Aposteln zur Erkenntnis der Wahrheit herausgerufen und Gott dem Vater durch den Glauben an den Sohn dargebracht.

Catena Aurea · Lk 11
Christus verteilt auch die Beute und zeigt damit die treue Wache, welche die Engel über das Heil der Menschen halten.
Catena Aurea · Lk 11
Als Sieger verteilt Christus auch die Beute, was ein Zeichen des Triumphes ist; denn er führte die Gefangenschaft gefangen und gab den Menschen Gaben, indem er einige zu Aposteln, einige zu Evangelisten, einige zu Propheten und einige zu Hirten und Lehrern bestellte. (Eph 4,8.11)

Catena Aurea · Lk 11
(ubi sup.) Als Nächstes haben wir die vierte Antwort, wo hinzugefügt wird: Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; als ob er sagte: Ich will die Menschen Gott darbringen, aber Satan das Gegenteil. Wie also könnte der, der nicht mit mir wirkt, sondern das Meine zerstreut, so mit mir vereint sein, dass er mit mir die Dämonen austreibt? Es folgt: Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Catena Aurea · Lk 11
Als ob er sagte: Ich bin gekommen, um die Söhne Gottes zu sammeln, die er zerstreut hat. Und Satan selbst, da er nicht mit mir ist, versucht die zu zerstreuen, die ich gesammelt und gerettet habe. Wie also verschafft mir der, dem ich mit all meinen Kräften widerstehe, Macht?

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 41. in Matt.) Wenn aber der, der nicht mit mir wirkt, mein Widersacher ist, wie viel mehr der, der mir widersteht? Mir scheint jedoch, dass er hier unter einem Bild auf die Juden anspielt und sie mit dem Teufel zusammenstellt. Denn auch sie handelten dagegen und zerstreuten die, die er sammelte.
24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch wasserlose Gegenden und sucht einen Ruheplatz. Und wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. 25 Und kommt er und findet es ausgefegt und geschmückt, 26 dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit, die noch schlimmer sind als er, und sie ziehen ein und wohnen darin. Und so wird das Ende jenes Menschen schlimmer sein als sein Anfang.
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Catena Aurea · Lk 11
Nach dem Vorhergehenden fährt unser Herr fort zu zeigen, wie es kam, dass das jüdische Volk zu diesen Ansichten über Christus herabgesunken war, indem er sagt: Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, usw. Denn dass dieses Beispiel sich auf die Juden bezieht, hat Matthäus erklärt, wenn er sagt: So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen. (Mt 12,45) Denn die ganze Zeit, in der sie in Ägypten lebten und die Bräuche der Ägypter befolgten, wohnte in ihnen ein böser Geist, der aus ihnen ausgetrieben wurde, als sie das Lamm als Vorbild Christi opferten und mit seinem Blut besprengt wurden und so dem Verderber entgingen.

Catena Aurea · Lk 11
Der Vergleich gilt also zwischen einem Menschen und dem ganzen jüdischen Volk, aus dem durch das Gesetz der unreine Geist ausgetrieben worden war. Weil aber bei den Heiden, deren Herzen zuerst unfruchtbar waren, später aber in der Taufe mit dem Tau des Geistes benetzt wurden, der Teufel wegen ihres Glaubens an Christus keine Ruhe finden konnte (denn für die unreinen Geister ist Christus ein flammendes Feuer), kehrte er zum jüdischen Volk zurück. Daher folgt: Und da er keine findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin.
Catena Aurea · Lk 11
Das heißt zu denen, die aus Israel sind, die er nichts Göttliches in sich besitzen sah, sondern verlassen und leer, damit er dort Wohnung nehme; und so folgt: Und als er kam, fand er es gekehrt und geschmückt.

Catena Aurea · Lk 11
Denn Israel, mit einer bloß äußeren und oberflächlichen Schönheit geschmückt, bleibt innerlich umso mehr in seinem Herzen befleckt. Denn sie hat niemals ihre Feuer im Wasser der heiligen Quelle gelöscht oder gemildert, und mit Recht kehrte der unreine Geist zu ihr zurück und brachte sieben andere Geister mit, die böser waren als er selbst. Daher folgt: Und er geht hin und nimmt sieben andere Geister mit, die böser sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen dort. Denn in Wahrheit hat sie die sieben Wochen des Gesetzes (d. h. von Ostern bis Pfingsten) und das Geheimnis des achten Tages frevelhaft entweiht. Wie also über uns die siebenfachen Gaben des Geistes vermehrt werden, so fällt über sie der gesamte gesammelte Angriff der unreinen Geister. Denn die Zahl sieben wird häufig für das Ganze genommen.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 43. in Matt.) Die bösen Geister, die in den Seelen der Juden wohnen, sind nun schlimmer als in früheren Zeiten. Denn damals wüteten die Juden gegen die Propheten, jetzt erheben sie ihre Hände gegen den Herrn der Propheten, und deshalb erlitten sie Schlimmeres von Vespasian und Titus als in Ägypten und Babylon. Daher folgt: Und der letzte Zustand jenes Menschen wird schlimmer als der erste. Damals hatten sie auch die Vorsehung Gottes und die Gnade des Heiligen Geistes bei sich; jetzt aber sind sie sogar dieses Schutzes beraubt, so dass nun ein größerer Mangel an Tugend herrscht, ihre Schmerzen heftiger sind und die Tyrannei der bösen Geister schrecklicher ist.

Catena Aurea · Lk 11
Der letzte Zustand ist auch schlimmer als der erste, nach den Worten des Apostels: Es wäre besser, den Weg der Wahrheit nicht erkannt zu haben, als nach der Erkenntnis wieder davon abzufallen. (2 Petr 2,21)
Catena Aurea · Lk 11
Dies kann sich auch auf bestimmte Häretiker oder Schismatiker beziehen, oder sogar auf einen schlechten Katholiken, von dem zur Zeit seiner Taufe der böse Geist ausgefahren ist. Und er wandert in trockenen Stätten umher, das heißt, seine listige Absicht ist es, die Herzen der Gläubigen zu prüfen, die von allem unsteten und vergänglichen Wissen gereinigt sind, ob er irgendwo die Fußspuren seiner Ungerechtigkeit einpflanzen kann. Aber er sagt: Ich will in mein Haus zurückkehren, von wo ich ausgegangen bin. Und hier müssen wir uns hüten, dass die Sünde, die wir in uns als ausgelöscht betrachteten, uns durch unsere Nachlässigkeit unversehens überwältigt. Aber er findet sein Haus gekehrt und geschmückt, das heißt durch die Gnade der Taufe vom Makel der Sünde gereinigt, doch ohne Eifer in guten Werken wieder aufgefüllt. Mit den sieben bösen Geistern, die er zu sich nimmt, bezeichnet er alle Laster. Und sie werden böser genannt, weil er nicht nur jene Laster haben wird, die den sieben geistlichen Tugenden entgegengesetzt sind, sondern auch durch seine Heuchelei vorgeben wird, die Tugenden selbst zu besitzen.

Catena Aurea · Lk 11
(ut sup.) Lasst uns die folgenden Worte so aufnehmen, als wären sie nicht nur zu ihnen, sondern auch zu uns gesagt: Und der letzte Zustand jenes Menschen wird schlimmer sein als der erste; denn wenn wir erleuchtet und von unseren früheren Sünden befreit wieder in denselben Weg der Bosheit zurückkehren, wird unsere späteren Sünden eine schwerere Strafe erwarten.
Catena Aurea · Lk 11
Es kann auch einfach verstanden werden, dass unser Herr diese Worte hinzufügte, um den Unterschied zwischen den Werken Satans und den Seinen aufzuzeigen, dass Er in Wahrheit immer danach strebt, das zu reinigen, was befleckt wurde, Satan aber danach, mit noch größerer Befleckung zu beflecken, was gereinigt wurde.
27 Als er das sagte, erhob eine Frau aus der Menge die Stimme und sagte zu ihm: Selig der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du dich genährt hast! 28 Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und befolgen!
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Während die Schriftgelehrten und Pharisäer unseren Herrn versuchten und Lästerungen gegen Ihn ausstießen, bekannte eine gewisse Frau mit großer Kühnheit Seine Menschwerdung, wie es folgt: Und es geschah, als er dies redete, erhob eine gewisse Frau aus der Menge ihre Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, usw. Dadurch widerlegt sie sowohl die Verleumdungen der anwesenden Herrscher als auch den Unglauben zukünftiger Häretiker. Denn wie damals die Juden durch die Lästerung der Werke des Heiligen Geistes den wahren Sohn Gottes leugneten, so haben in späteren Zeiten die Häretiker, indem sie leugneten, dass die Immerjungfrau Maria durch die mitwirkende Kraft des Heiligen Geistes aus der Substanz ihres Fleisches zur Geburt des eingeborenen Sohnes diente, gesagt, wir dürften nicht bekennen, dass der, welcher der Menschensohn war, wahrhaft von derselben Substanz mit dem Vater sei. Wenn aber das Fleisch des Wortes Gottes, der nach dem Fleische geboren wurde, als fremd gegenüber dem Fleische seiner jungfräulichen Mutter erklärt wird, welchen Grund gibt es dann, warum der Leib, der Ihn trug, und die Brüste, die Ihm zu trinken gaben, selig gepriesen werden? Mit welcher Begründung nehmen sie an, dass Er durch ihre Milch genährt wurde, aus deren Samen sie leugnen, dass Er empfangen wurde? Während doch nach den Ärzten aus ein und derselben Quelle beide Ströme fließen. Aber die Frau preist nicht nur die selig, die würdig war, aus ihrem Leib das Wort Gottes zu gebären, sondern auch die, welche durch das Hören des Glaubens geistig dasselbe Wort empfangen und durch Eifer in guten Werken, sei es in ihren eigenen oder in den Herzen ihrer Nächsten, es hervorbringen und nähren wollten; denn es folgt: Aber er sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und es bewahren.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 44. in Matt.) In dieser Antwort suchte Er nicht, Seine Mutter zu verleugnen, sondern zu zeigen, dass Seine Geburt ihr nichts genützt hätte, wenn sie nicht wirklich fruchtbar in Werken und Glauben gewesen wäre. Wenn es aber Maria nichts nützte, dass Christus aus ihr geboren wurde, ohne die innere Tugend ihres Herzens, wie viel weniger wird es uns nützen, einen tugendhaften Vater, Bruder oder Sohn zu haben, während wir selbst der Tugend fremd sind.
Catena Aurea · Lk 11
Aber sie war die Mutter Gottes und daher in der Tat selig, insofern sie zur zeitlichen Dienerin des fleischgewordenen Wortes gemacht wurde; doch umso mehr selig, weil sie die ewige Bewahrerin desselben immer zu liebenden Wortes blieb. Aber dieser Ausdruck erschreckt die Weisen der Juden, die nicht das Wort Gottes hören und bewahren, sondern es leugnen und lästern wollten.
29 Als die Volksscharen zusammenströmten, sagte er: Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Jona. 30 Denn wie Jona den Bewohnern von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für dieses Geschlecht sein. 31 Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieses Geschlechts auftreten und sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier ist mehr als Salomo. 32 Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen dieses Geschlecht auftreten und es verurteilen; denn sie haben sich auf die Predigt Jonas hin bekehrt. Hier ist mehr als Jona.
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Unser Herr war mit zwei Arten von Fragen angegriffen worden; denn einige beschuldigten Ihn, Er treibe Dämonen durch Beelzebub aus, und ihnen galt bis zu diesem Punkt Seine Antwort; und andere versuchten Ihn und forderten von Ihm ein Zeichen vom Himmel, und diese fährt Er nun fort zu beantworten. Wie es folgt: Als aber das Volk sich in Scharen versammelte, begann er zu sagen: Dies ist ein böses Geschlecht, usw.

Catena Aurea · Lk 11
Damit du erkennst, dass das Volk der Synagoge mit Unehre behandelt wird, während die Seligkeit der Kirche vermehrt wird. Aber wie Jona ein Zeichen für die Niniviten war, so wird auch der Menschensohn für die Juden sein. Daher wird hinzugefügt: Sie fordern ein Zeichen; und es wird ihnen kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona.

Catena Aurea · Lk 11
(in Esai. 7.) Ein Zeichen ist eine Sache, die offen vor Augen geführt wird und in sich die Offenbarung von etwas Verborgenem enthält, wie das Zeichen des Jona den Abstieg zur Hölle, die Himmelfahrt Christi und Seine Auferstehung von den Toten darstellt. Daher wird hinzugefügt: Denn wie Jona ein Zeichen für die Niniviten war, so wird auch der Menschensohn für dieses Geschlecht sein. Er gibt ihnen ein Zeichen, nicht vom Himmel, weil sie unwürdig waren, es zu sehen, sondern aus den tiefsten Tiefen der Hölle; ein Zeichen nämlich Seiner Menschwerdung, nicht Seiner Göttlichkeit; Seines Leidens, nicht Seiner Verherrlichung.

Catena Aurea · Lk 11
Wie nun das Zeichen des Jona ein Typus des Leidens unseres Herrn ist, so ist es auch ein Zeugnis der schweren Sünden, welche die Juden begangen haben. Wir können sogleich sowohl die mächtige Stimme der Warnung als auch die Erklärung der Barmherzigkeit bemerken. Denn durch das Beispiel der Niniviten wird sowohl eine Strafe angedroht als auch ein Heilmittel versprochen. Daher dürfen auch die Juden nicht an der Vergebung verzweifeln, wenn sie nur Buße tun wollen.
Catena Aurea · Lk 11
Nun bekehrt Jona, nachdem er aus dem Bauch des Wals hervorgegangen war, die Männer von Ninive durch seine Predigt; aber als Christus wieder auferstand, glaubte das jüdische Volk nicht. So war bereits ein Urteil über sie gefallen, wovon ein zweites Beispiel folgt, wie es heißt: Die Königin des Südens wird beim Gericht mit den Männern dieses Geschlechts auftreten und sie verurteilen.
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Gewiss nicht durch irgendeine Autorität zu richten, sondern durch den Gegensatz einer besseren Tat. Wie es folgt: Denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist mehr als Salomo. „Hier“ ist an dieser Stelle nicht das Pronomen, sondern das Ortsadverb, das heißt: „Es ist einer unter euch gegenwärtig, der unvergleichlich erhabener ist als Salomo.“ Er sagte nicht: „Ich bin größer als Salomo“, damit Er uns lehre, demütig zu sein, obwohl fruchtbar an geistlichen Gnaden. Als ob Er sagte: „Die heidnische Frau eilte herbei, um Salomo zu hören, und unternahm eine so lange Reise, um in der Kenntnis der sichtbaren Lebewesen und der Kräfte der Kräuter unterrichtet zu werden. Ihr aber, die ihr daneben steht und die Weisheit selbst hört, die euch unsichtbare und himmlische Dinge lehrt und ihre Worte mit Zeichen und Wundern bestätigt, seid dem Wort fremd und missachtet die Wunder ohne Verstand.“
Catena Aurea · Lk 11
Wenn aber die Königin des Südens, die zweifellos zu den Auserwählten gehört, beim Gericht zusammen mit den Gottlosen auferstehen wird, haben wir einen Beweis für die eine Auferstehung aller Menschen, der Guten wie der Bösen, und dass dies nicht nach jüdischen Fabeln tausend Jahre vor dem Gericht geschieht, sondern beim Gericht selbst.

Catena Aurea · Lk 11
Indem Er hierin auch das jüdische Volk verurteilt, drückt Er nachdrücklich das Geheimnis der Kirche aus, die in der Königin des Südens durch das Verlangen, Weisheit zu erlangen, von den äußersten Enden der ganzen Erde versammelt wird, um die Worte des friedenstiftenden Salomo zu hören; eine Königin offensichtlich, deren Reich ungeteilt ist und die aus verschiedenen und fernen Völkern zu einem Leib aufersteht.
Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 7. Cant.) Wie sie nun die Königin der Äthiopier war und in einem weit entfernten Land, so war die Kirche der Heiden am Anfang in Finsternis und weit entfernt von der Erkenntnis Gottes. Als aber Christus, der Fürst des Friedens, aufleuchtete, während die Juden noch in Finsternis waren, kamen die Heiden dorthin und brachten Christus den Weihrauch der Frömmigkeit, das Gold der göttlichen Erkenntnis und kostbare Steine, das heißt den Gehorsam gegen Seine Gebote.
Catena Aurea · Lk 11
Oder weil der Süden in der Schrift als warm und lebensspendend gepriesen wird, deshalb kommt die Seele, die im Süden herrscht, das heißt in allem geistlichen Wandel, um die Weisheit Salomos zu hören, des Fürsten des Friedens, des Herrn, unseres Gottes (d. h. sie wird erhoben, um Ihn zu betrachten), zu dem niemand kommen wird, es sei denn, er herrscht in einem guten Leben. Aber Er bringt als Nächstes ein Beispiel von den Niniviten, indem Er sagt: Die Männer von Ninive werden beim Gericht mit diesem Geschlecht auftreten und es verurteilen.

Catena Aurea · Lk 11
(non occ.) Das Urteil der Verurteilung kommt von Menschen, die denen, die verurteilt werden, ähnlich oder unähnlich sind. Von ähnlichen zum Beispiel, wie im Gleichnis von den zehn Jungfrauen, aber von unähnlichen, wenn die Niniviten diejenigen verurteilen, die zur Zeit Christi lebten, damit ihre Verurteilung umso bemerkenswerter sei. (Hom. 43. in Matt.). Denn die Niniviten waren zwar Barbaren, diese aber Juden. Die einen genossen die prophetische Lehre, die anderen hatten das göttliche Wort nie empfangen. Zu den ersteren kam ein Knecht, zu den letzteren der Herr, von dem der eine die Zerstörung vorhersagte, der andere das Himmelreich predigte. Allen Menschen war also bekannt, dass die Juden eher hätten glauben sollen, aber das Gegenteil geschah; daher fügt er hinzu: Denn sie taten Buße auf die Predigt des Jona, und siehe, hier ist mehr als Jona.

Catena Aurea · Lk 11
Im Mysterium besteht die Kirche aus zwei Dingen: entweder aus der Unwissenheit über die Sünde, was sich hauptsächlich auf die Königin des Südens bezieht, oder aus dem Aufhören zu sündigen, was sich auf die reuigen Niniviten bezieht. Denn die Buße tilgt das Vergehen, die Weisheit bewahrt davor.

Catena Aurea · Lk 11
(de Cons. Ev. lib. ii. c. 39.) Lukas erzählt dies zwar an derselben Stelle wie Matthäus, aber in etwas anderer Reihenfolge. Wer aber sieht nicht, dass es eine müßige Frage ist, in welcher Reihenfolge unser Herr jene Dinge sagte, da wir doch durch die höchst kostbare Autorität des Evangelisten lernen sollen, dass es keine Falschheit gibt. Aber nicht jeder Mensch wird die Worte eines anderen in derselben Reihenfolge wiederholen, in der sie aus seinem Mund hervorgingen, da die Reihenfolge selbst keinen Unterschied in Bezug auf die Tatsache macht, ob es so ist oder nicht.
33 Niemand zündet ein Licht an und stellt es in einen verborgenen Winkel oder unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Eintretenden das Licht sehen. 34 Das Licht des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge gesund ist, wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn es aber krank ist, wird auch dein Leib finster sein. 35 Sieh also zu, dass das Licht in dir nicht etwa Finsternis ist. 36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist und gar keinen finsteren Teil an sich hat, wird er so erleuchtet sein, wie wenn dich das Licht mit seinem Glanz erhellt.
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Die Juden sagten, dass unser Herr Seine Wunder nicht um des Glaubens willen wirkte, d. h. damit sie an Ihn glaubten, sondern um den Beifall der Zuschauer zu gewinnen, d. h. damit Er mehr Anhänger hätte. Er widerlegt daher diese Verleumdung und sagt: Niemand zündet ein Licht an und stellt es an einen verborgenen Ort oder unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter.
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Unser Herr spricht hier von Sich selbst und zeigt, dass, obwohl Er oben gesagt hatte, dass diesem bösen Geschlecht kein Zeichen gegeben werden solle außer dem Zeichen des Jona, dennoch der Glanz Seines Lichtes keineswegs vor den Gläubigen verborgen bleiben sollte. Er selbst entzündet das Licht, der das Gefäß unserer Natur mit dem Feuer Seiner Göttlichkeit erfüllte; und dieses Licht wollte Er gewiss weder vor den Gläubigen verbergen noch unter einen Scheffel stellen, das heißt, es im Maß des Gesetzes einschließen oder auf die Grenzen des einen jüdischen Volkes beschränken. Sondern Er stellte es auf einen Leuchter, das heißt auf die Kirche, denn Er hat unseren Stirnen den Glauben an Seine Menschwerdung eingeprägt, damit die, welche mit wahrem Glauben in die Kirche eintreten wollen, das Licht der Wahrheit klar sehen können. Schließlich ermahnt Er sie, daran zu denken, nicht nur ihre Werke, sondern auch ihre Gedanken und die Absichten des Herzens zu reinigen und zu läutern. Denn es folgt: Das Licht des Leibes ist das Auge.

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Entweder ist der Glaube das Licht, wie geschrieben steht: Dein Wort, o Herr, ist eine Leuchte für meine Füße. (Ps. 119:105.) Denn das Wort Gottes ist unser Glaube. Aber eine Leuchte kann nicht leuchten, wenn sie ihre Beschaffenheit nicht von etwas anderem empfangen hat. Daher werden auch die Kräfte unseres Geistes und unserer Sinne erleuchtet, damit das Stück Geld, das verloren war, gefunden werde. Niemand stelle also den Glauben unter das Gesetz, denn das Gesetz ist an bestimmte Grenzen gebunden, die Gnade ist unbegrenzt; das Gesetz verdunkelt, die Gnade macht klar.
Catena Aurea · Lk 11
Oder aber, weil die Juden, als sie die Wunder sahen, sie aus der Bosheit ihres Herzens anklagten, deshalb sagt ihnen unser Herr, dass sie, obwohl sie das Licht, das heißt ihren Verstand, von Gott empfangen hatten, so von Neid verdunkelt waren, dass sie seine Wunder und Erbarmungen nicht erkannten. Aber zu diesem Zweck haben wir unseren Verstand von Gott empfangen, dass wir ihn auf einen Leuchter stellen, damit auch die anderen, die eintreten, das Licht sehen. Der Weise ist freilich schon eingetreten, aber der Lernende wandert noch. Als ob er zu den Pharisäern sagte: Ihr solltet euren Verstand gebrauchen, um die Wunder zu erkennen und sie anderen zu verkünden, da ihr seht, dass das, was ihr seht, nicht Werke des Beelzebub, sondern des Sohnes Gottes sind. Daher fügt er, den Sinn festhaltend, hinzu: Das Licht des Leibes ist das Auge.
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Denn den Namen Auge gibt er besonders unserem Verstand, aber die ganze Seele, obwohl sie nicht körperlich ist, nennt er metaphorisch den Leib. Denn die ganze Seele wird durch den Verstand erleuchtet.
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Aber wie, wenn das Auge des Leibes licht ist, der Leib licht sein wird, wenn es aber dunkel ist, auch der Leib dunkel sein wird, so ist es mit dem Verstand in Bezug auf die Seele. Daher folgt: Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib voll Licht sein; wenn es aber böse ist, wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein.
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Denn der Verstand begehrt von seinem Ursprung her nur die Einfalt, die keine Heuchelei, keine Arglist und keine Spaltung in sich enthält.

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(Hom. 20. in Matt.) Wenn wir also den Verstand verdorben haben, der die Leidenschaften entfesseln kann, haben wir der ganzen Seele Gewalt angetan und leiden schreckliche Finsternis, geblendet durch die Verkehrtheit unseres Verstandes. Daher fügt er hinzu: Sieh also zu, dass das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis sei. Er spricht von einer Finsternis, die wahrgenommen werden kann, aber ihren Ursprung in sich selbst hat und die wir überall mit uns herumtragen, da das Auge der Seele ausgelöscht ist. Über die Kraft dieses Lichtes fährt er fort zu sagen: Wenn nun dein ganzer Leib voll Licht ist, usw. usw.
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Das heißt: Wenn dein materieller Leib, wenn das Licht einer Kerze auf ihn scheint, voll Licht wird, so dass keines deiner Glieder mehr in Finsternis ist; um wie viel mehr, wenn du nicht sündigst, wird dein ganzer geistiger Leib so voll Licht sein, dass sein Glanz mit dem Leuchten einer Kerze verglichen werden kann, während das Licht, das im Leib war und das Finsternis zu sein pflegte, dorthin gelenkt wird, wohin der Verstand befiehlt.

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(Epist. 41.) Oder aber: Das Licht und Auge der Kirche ist der Bischof. Es ist also notwendig, dass, wie der Leib recht gelenkt wird, solange das Auge rein bleibt, aber fehlgeht, wenn es verdorben wird, so auch in Bezug auf den Prälaten, je nach seinem Zustand, die Kirche in gleicher Weise Schiffbruch erleiden oder gerettet werden muss.

Catena Aurea · Lk 11
(28. Mor. c. 12.) Oder aber: Unter dem Namen Leib wird jede einzelne Handlung verstanden, die ihrer eigenen Absicht folgt, gleichsam als das Auge der Betrachter. Daher wird gesagt: Das Licht des Leibes ist das Auge, weil durch den Strahl einer guten Absicht die verdienstvollen Teile einer Handlung Licht empfangen. Wenn nun dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib voll Licht sein; denn wenn wir in Einfalt des Herzens recht beabsichtigen, vollbringen wir ein gutes Werk, auch wenn es nicht gut zu sein scheint. Und wenn dein Auge böse ist, wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein; denn wenn mit verkehrter Absicht sogar eine rechte Sache getan wird, so ist sie, obwohl sie in den Augen der Menschen zu glänzen scheint, vor dem Richterstuhl des inneren Richters doch mit Finsternis bedeckt. Daher wird auch zu Recht hinzugefügt: Sieh also zu, dass das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis sei. Denn wenn wir das, was wir gut zu tun meinen, durch eine schlechte Absicht verdunkeln, wie viele sind dann die Übel selbst, die wir, auch wenn wir sie tun, als Übel erkennen?
Catena Aurea · Lk 11
Wenn er nun hinzufügt: Wenn also dein ganzer Leib usw., so meint er mit dem ganzen unseres Leibes alle unsere Werke. Wenn du also ein gutes Werk mit guter Absicht getan hast und in deinem Gewissen nichts hast, was einem dunklen Gedanken nahekommt, so wirst du, auch wenn es geschieht, dass dein Nächster durch deine guten Handlungen Schaden erleidet, dennoch für die Einfalt deines Herzens hier mit Gnade und in Zukunft mit herrlichem Licht belohnt werden; was er bezeichnet, indem er hinzufügt: Und wie der helle Schein einer Kerze wird es dir leuchten. Diese Worte richteten sich besonders gegen die Heuchelei der Pharisäer, die nach Zeichen suchten, um ihn zu fangen.
37 Während er redete, lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Er ging hin und legte sich zu Tisch. 38 Als der Pharisäer sah, dass er sich vor der Mahlzeit nicht (die Hände) wusch, wunderte er sich. 39 Da sagte der Herr zu ihm: Ja, ihr Pharisäer, das Äußere von Becher und Schüssel reinigt ihr; euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. 40 Ihr Toren! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? 41 Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, als Almosen, dann ist alles für euch rein. 42 Doch weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und jedem Gemüse, aber über das Recht und die Liebe zu Gott geht ihr hinweg. Das Eine aber sollte man tun und das Andere nicht unterlassen. 43 Weh euch Pharisäern! Ihr liebt die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Marktplätzen. 44 Weh euch! Ihr seid wie unkenntliche Grabstätten, über die die Leute hinweggehen, ohne es zu wissen.
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Catena Aurea · Lk 11
Der Pharisäer, während unser Herr noch weiter sprach, lädt ihn in sein Haus ein. Wie es heißt: Und während er sprach, bat ihn ein gewisser Pharisäer, mit ihm zu speisen.
Catena Aurea · Lk 11
Lukas sagt ausdrücklich: Und als er diese Dinge sprach, um zu zeigen, dass er noch nicht ganz beendet hatte, was er zu sagen beabsichtigte, sondern einigermaßen unterbrochen wurde, weil der Pharisäer ihn zum Essen bat.

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(de Con. Evan. lib. ii. c. 40.) Denn um dies zu berichten, hat Lukas eine Abweichung von Matthäus vorgenommen an der Stelle, wo beide erwähnt hatten, was unser Herr über das Zeichen des Jona, die Königin des Südens und den unreinen Geist gesagt hatte; nach dieser Rede sagt Matthäus: Während er noch zum Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und wollten mit ihm sprechen; Lukas aber, der auch in jener Rede unseres Herrn einige Aussprüche unseres Herrn erzählt hat, die Matthäus ausgelassen hat, weicht nun von der Ordnung ab, die er bis dahin mit Matthäus eingehalten hatte.
Catena Aurea · Lk 11
Demnach, nachdem ihm gesagt worden war, dass seine Mutter und seine Brüder draußen stünden, und er gesagt hatte: Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter, wird uns zu verstehen gegeben, dass er auf die Bitte des Pharisäers zum Essen ging.

Catena Aurea · Lk 11
Denn Christus, der die Bosheit jener Pharisäer kannte, lässt sich absichtlich darauf ein, sie zu ermahnen, nach der Art der besten Ärzte, die denen, die gefährlich krank sind, ihre eigenen Heilmittel bringen. Daher folgt: Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. Aber was Anlass zu den Worten Christi gab, war, dass die unwissenden Pharisäer Anstoß daran nahmen, dass er, während die Menschen ihn für einen großen Mann und Propheten hielten, sich ihren unvernünftigen Bräuchen nicht anpasste. Daher wird hinzugefügt: Aber der Pharisäer begann zu denken und bei sich zu sagen: Warum hat er sich nicht vor dem Essen gewaschen?

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(Serm. 106.) Denn jeden Tag vor dem Essen wuschen sich die Pharisäer mit Wasser, als ob eine tägliche Waschung eine Reinigung des Herzens sein könnte. Aber der Pharisäer dachte bei sich, sprach es aber nicht aus; dennoch hörte es der, der die Geheimnisse des Herzens wahrnimmt. Daher folgt: Und der Herr sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel; aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit.

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Nun hätte unser Herr auch andere Worte gebrauchen können, um den törichten Pharisäer zu ermahnen, aber er ergreift die Gelegenheit und formt seine Zurechtweisung aus den Dingen, die gerade vor ihm lagen. Zur Stunde der Mahlzeiten nämlich nimmt er als Beispiel den Becher und die Schüssel und zeigt damit, dass es den aufrichtigen Dienern Gottes ziemt, gewaschen und rein zu sein, nicht nur von körperlicher Unreinheit, sondern auch von dem, was im Inneren im Bereich der Seele verborgen liegt, so wie jedes der Gefäße, die für den Tisch verwendet werden, von aller inneren Verunreinigung frei sein soll.

Catena Aurea · Lk 11
Nun beachte, dass unsere Leiber durch die Erwähnung irdischer und zerbrechlicher Dinge bezeichnet werden, die, wenn sie aus geringer Höhe fallen, zerbrechen, und dass das, was der Geist im Inneren erwägt, leicht durch die Sinne und Handlungen des Leibes ausgedrückt wird, so wie das, was der Becher in sich enthält, außen glänzt. Daher wird auch später zweifellos mit dem Wort Becher das Leiden des Leibes bezeichnet. Du siehst also, dass nicht das Äußere des Bechers und der Schüssel uns verunreinigt, sondern das Innere. Denn er sagte: Aber euer Inneres ist voll Raub und Bosheit.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 106.) Aber wie kam es, dass er den Mann, von dem er eingeladen worden war, nicht verschonte? Ja vielmehr, er verschonte ihn durch Zurechtweisung, damit er, wenn er korrigiert würde, ihn im Gericht verschonen könnte. Weiter zeigt er uns, dass auch die Taufe, die einmal gespendet wird, durch den Glauben reinigt; aber der Glaube ist etwas Inneres, nicht Äußeres. Die Pharisäer verachteten den Glauben und gebrauchten Waschungen, die äußerlich waren; während sie innerlich voller Befleckung blieben. Der Herr verurteilt dies und sagt: Ihr Toren, hat nicht der, der das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht?
Catena Aurea · Lk 11
Als ob er sagte: Er, der beide Naturen des Menschen gemacht hat, will, dass jede gereinigt werde. Dies richtet sich gegen die Manichäer, die meinen, nur die Seele sei von Gott geschaffen, das Fleisch aber vom Teufel. Es richtet sich auch gegen diejenigen, die die Sünden des Fleisches, wie Unzucht, Diebstahl und dergleichen, verabscheuen; während sie die Sünden des Geistes, die vom Apostel nicht weniger verurteilt werden, als geringfügig missachten.

Catena Aurea · Lk 11
Unser Herr aber lehrte uns als guter Meister, wie wir unsere Leiber von Befleckung reinigen sollen, indem er sprach: „Doch gebt Almosen von dem, was ihr habt, und siehe, alles ist euch rein.“ Du siehst, welche Heilmittel es gibt; das Almosen reinigt uns, das Wort Gottes reinigt uns, nach dem, was geschrieben steht: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ (Joh 15,3.)

Catena Aurea · Lk 11
(de Op. et Eleem.) Der Barmherzige gebietet uns, Barmherzigkeit zu erweisen; und weil er die retten will, die er um einen großen Preis erlöst hat, lehrt er, dass die, welche nach der Gnade der Taufe befleckt wurden, wieder rein gemacht werden können.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 72. in Joan.) Nun sagt er: Gebt Almosen, nicht Unrecht. Denn das Almosen ist das, was frei ist von allem Unrecht. Es macht alles rein und ist vortrefflicher als das Fasten; obwohl dieses schmerzhafter ist, ist jenes nützlicher. Es erleuchtet die Seele, bereichert sie und macht sie gut und schön. Wer beschließt, mit den Bedürftigen Mitleid zu haben, wird eher von der Sünde ablassen. Denn wie der Arzt, der gewohnt ist, die Kranken zu heilen, leicht durch die Unglücksfälle anderer betrübt wird, so werden auch wir, wenn wir uns der Erleichterung anderer gewidmet haben, leicht das Gegenwärtige verachten und zum Himmel erhoben werden. Die Salbung des Almosens ist also kein geringes Gut, da sie auf jede Wunde angewendet werden kann.
Catena Aurea · Lk 11
(quod superest.) Er spricht von „dem, was über“ unsere notwendige Nahrung und Kleidung hinausgeht. Denn dir wird nicht geboten, Almosen so zu geben, dass du dich durch Mangel verzehrst, sondern dass du nach Befriedigung deiner Bedürfnisse die Armen nach besten Kräften unterstützt. Oder es muss so verstanden werden: Tu das, was in deiner Macht steht, das heißt, was das einzige Heilmittel ist, das denen bleibt, die bisher so vieler Bosheit gefrönt haben; gib Almosen. Dieses Wort bezieht sich auf alles, was mit nützlichem Mitleid getan wird. Denn nicht nur der gibt Almosen, der den Hungrigen Speise gibt und dergleichen, sondern auch der, welcher dem Sünder vergibt, für ihn betet und ihn zurechtweist, indem er ihn mit einer korrigierenden Strafe heimsucht.
Catena Aurea · Lk 11
Oder er meint: „Das, was obenauf liegt.“ Denn der Reichtum beherrscht das Herz des Habgierigen.

Catena Aurea · Lk 11
Die ganze Absicht dieser schönen Rede zielt also darauf ab, dass sie uns zur Einfachheit einlädt und zugleich den Luxus und die Weltlichkeit der Juden verurteilt. Und dennoch wird auch ihnen die Aufhebung ihrer Sünden verheißen, wenn sie der Barmherzigkeit folgen wollen.

Catena Aurea · Lk 11
(Serm. 106.) Aber wenn sie nicht gereinigt werden können, es sei denn, sie glauben an den, der das Herz durch den Glauben reinigt, was ist das, was er sagt: Gebt Almosen, und siehe, alles ist euch rein? Lasst uns darauf achten, und vielleicht erklärt er es uns selbst.

Catena Aurea · Lk 11
Oder er sagt es als Tadel gegen die Pharisäer, die nur jene Vorschriften von ihrem Volk streng beachtet wissen wollten, die ihnen selbst fruchtbare Erträge einbrachten. Daher ließen sie nicht einmal die kleinsten Kräuter aus, verachteten aber das Werk, die Liebe zu Gott einzuflößen, und die gerechte Ausübung des Gerichts.
Catena Aurea · Lk 11
Denn weil sie Gott verachteten und die heiligen Dinge gleichgültig behandelten, gebietet er ihnen, die Liebe zu Gott zu haben; mit dem Gericht aber meint er die Liebe zum Nächsten. Denn wenn ein Mensch seinen Nächsten gerecht richtet, entspringt das seiner Liebe zu ihm.

Catena Aurea · Lk 11
Oder Gericht, weil sie nicht alles, was sie tun, prüfen; Liebe, weil sie Gott nicht von Herzen lieben. Damit er uns aber nicht zum Eifer für den Glauben unter Vernachlässigung der guten Werke mache, fasst er die Vollkommenheit eines guten Menschen in wenigen Worten zusammen: Dieses solltet ihr getan haben und jenes nicht lassen.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 73. in Matt.) Wo tatsächlich die jüdische Reinigung behandelt wurde, überging er sie völlig, aber da der Zehnte eine Art Almosen ist und die Zeit noch nicht gekommen war, die Bräuche des Gesetzes völlig zu zerstören, sagt er: Dieses solltet ihr getan haben.

Catena Aurea · Lk 11
Er tadelt auch die Arroganz der prahlerischen Juden, die den Vorrang suchten; denn es folgt: Wehe euch, Pharisäer, denn ihr liebt die obersten Sitze in den Synagogen usw.

Catena Aurea · Lk 11
Durch die Dinge, die er an uns tadelt, macht er uns besser. Denn er will, dass wir frei von Ehrgeiz sind und nicht nach leerem Schein statt nach der Wirklichkeit streben, was die Pharisäer damals taten. Denn die Begrüßungen der Menschen und die Herrschaft über sie bewegen uns nicht, wirklich nützlich zu sein, denn diese Dinge fallen den Menschen zu, auch wenn sie nicht gut sind. Daher fügt er hinzu: Wehe euch, die ihr wie Gräber seid, die nicht erscheinen. Denn indem sie Begrüßungen von Menschen empfangen und Autorität über sie ausüben wollen, um für groß gehalten zu werden, unterscheiden sie sich nicht von verborgenen Gräbern, die zwar äußerlich mit Schmuck glänzen, innerlich aber voll aller Unreinheit sind.

Catena Aurea · Lk 11
Und wie Gräber, die nicht erscheinen, täuschen sie durch ihre äußere Schönheit und beeindrucken die Vorübergehenden durch ihr Aussehen; wie es folgt: Und die Menschen, die darüber gehen, wissen es nicht; so sehr, dass sie in Wahrheit, obwohl sie äußerlich Schönes versprechen, innerlich jede Art von Befleckung einschließen.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 73.) Dass die Pharisäer so waren, kann nicht verwundern. Aber wenn wir, die wir gewürdigt wurden, Tempel Gottes zu sein, plötzlich zu Gräbern werden, die nur voll Verderbnis sind, das ist wahrlich das tiefste Elend.

Catena Aurea · Lk 11
(con. Julian. lib. 10.) Hier sagt nun der abtrünnige Julian, dass wir Gräber meiden müssen, die Christus für unrein erklärt; aber er kannte die Kraft der Worte unseres Erlösers nicht, denn er befahl uns nicht, von den Gräbern wegzugehen, sondern verglich mit ihnen das heuchlerische Volk der Pharisäer.
45 Ein Gesetzeslehrer entgegnete ihm: Meister, mit diesem Reden beleidigst du auch uns. 46 Er aber sagte: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Unerträgliche Lasten bürdet ihr den Menschen auf und ihr selbst rührt die Lasten mit keinem Finger an. 47 Weh euch! Ihr baut den Propheten Grabmäler, euere Väter aber haben sie getötet! 48 Also bezeugt ihr die Taten euerer Väter und stimmt ihnen zu; denn jene haben sie getötet, ihr aber baut (die Grabmäler). 49 Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, 50 damit das Blut aller Propheten, das seit Erschaffung der Welt vergossen wurde, von diesem Geschlecht gefordert wird, 51 vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempel umgebracht wurde. Ja, ich sage euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden. 52 Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr abgehalten. 53 Als er von dort weggegangen war, begannen die Pharisäer und Gesetzeslehrer, ihm heftig zuzusetzen und ihn über vielerlei auszufragen, 54 und lauerten darauf, etwas aus seinem Mund aufzufangen.
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Catena Aurea · Lk 11
Ein Tadel, der die Sanftmütigen erhebt, ist dem Stolzen gewöhnlich verhasst. Als daher unser Erlöser die Pharisäer tadelte, weil sie vom rechten Weg abwichen, wurde die Gruppe der Gesetzeslehrer von Bestürzung ergriffen. Daher heißt es: Da antwortete einer von den Gesetzeslehrern und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns.
Catena Aurea · Lk 11
In welch beklagenswertem Zustand ist das Gewissen, das beim Hören des Wortes Gottes es als Vorwurf gegen sich selbst auffasst und in der Darstellung der Strafe der Gottlosen seine eigene Verurteilung erkennt.
Catena Aurea · Lk 11
Nun waren die Gesetzeslehrer von den Pharisäern verschieden. Denn die Pharisäer waren vom Rest abgesondert und hatten das Aussehen einer religiösen Sekte; die aber im Gesetz bewandert waren, waren die Schriftgelehrten und Doktoren, die Rechtsfragen lösten.

Catena Aurea · Lk 11
Christus aber erhebt eine schwere Anklage gegen die Gesetzeslehrer und bezwingt ihren törichten Stolz, wie es folgt: Und er sprach: Wehe auch euch, ihr Gesetzeslehrer, denn ihr ladet den Menschen usw. Er führt ein offensichtliches Beispiel zu ihrer Belehrung an. Das Gesetz war für die Juden eine Last, wie die Jünger Christi bekennen, aber diese Gesetzeslehrer schnürten gesetzliche Lasten zusammen, die nicht getragen werden konnten, und legten sie denen auf, die unter ihnen waren, während sie selbst darauf bedacht waren, keinerlei Mühe zu haben.
Catena Aurea · Lk 11
Sooft auch der Lehrer das tut, was er lehrt, erleichtert er die Last, indem er sich selbst als Beispiel anbietet. Wenn er aber nichts von dem tut, was er andere lehrt, erscheinen die Lasten denen, die seine Lehre annehmen, schwer, da sie selbst ihr Lehrer nicht zu tragen vermag.
Catena Aurea · Lk 11
Nun wird ihnen zu Recht gesagt, dass sie die Bürden des Gesetzes nicht einmal mit einem Finger berühren würden, das heißt, sie erfüllen nicht im Geringsten jenes Gesetz, das sie zu halten vorgeben und anderen zur Beachtung überliefern, entgegen der Praxis ihrer Väter, ohne Glauben und die Gnade Christi.
Catena Aurea · Lk 11
So gibt es auch jetzt viele strenge Richter über die Sünder, doch schwache Kämpfer; lastenauferlegende Gesetzgeber, doch schwache Lastenträger; die weder die Strenge des Lebens annehmen noch berühren wollen, obwohl sie sie von ihren Untergebenen streng fordern.

Catena Aurea · Lk 11
Nachdem er also die lastenauferlegende Handlungsweise des Gesetzeslehrers verurteilt hat, erhebt er eine allgemeine Anklage gegen alle führenden Männer der Juden und spricht: Wehe euch, die ihr die Gräber der Propheten baut, und eure Väter haben sie getötet.

Catena Aurea · Lk 11
Dies ist eine gute Antwort auf den törichten Aberglauben der Juden, die beim Bau der Gräber der Propheten die Taten ihrer Väter verurteilten, aber durch Nacheiferung der Schlechtigkeit ihrer Väter das Urteil auf sich selbst zurückfallen lassen. Denn nicht das Bauen, sondern die Nachahmung ihrer Taten wird als Verbrechen angesehen. Daher fügt er hinzu: Wahrlich, ihr bezeugt, dass ihr billigt, usw.
Catena Aurea · Lk 11
Sie gaben zwar vor, um die Gunst der Menge zu gewinnen, dass sie über den Unglauben ihrer Väter entsetzt seien, da sie durch prächtige Ehrung der Erinnerung an die von ihnen getöteten Propheten deren Taten verurteilten. Aber durch ihre eigenen Handlungen bezeugen sie, wie sehr sie mit der Schlechtigkeit ihrer Väter übereinstimmen, indem sie jenen Herrn mit Schmach behandeln, den die Propheten vorhergesagt haben. Daher wird hinzugefügt: Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich will ihnen Propheten und Apostel senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen.

Catena Aurea · Lk 11
Die Weisheit Gottes ist Christus. Die Worte bei Matthäus lauten nämlich: Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise.
Catena Aurea · Lk 11
Wenn aber dieselbe Weisheit Gottes Propheten und Apostel gesandt hat, so sollen die Häretiker aufhören, Christus einen Anfang von der Jungfrau zuzuschreiben; sie sollen nicht länger behaupten, einen Gott des Gesetzes und der Propheten, einen anderen des Neuen Testaments. Denn obwohl die apostolische Schrift oft mit dem Namen Propheten nicht nur jene bezeichnet, die die kommende Menschwerdung Christi vorhersagen, sondern auch jene, die die zukünftigen Freuden des Himmelreiches vorhersagen, so sollte ich doch niemals annehmen, dass diese in der Reihenfolge der Aufzählung vor die Apostel zu stellen sind.

Catena Aurea · Lk 11
(Apol. 1. de fuga sua.) Wenn sie nun töten, wird der Tod der Getöteten lauter gegen sie schreien; wenn sie verfolgen, senden sie Denkmäler ihrer Ungerechtigkeit aus, denn die Flucht lässt die Verfolgung der Leidenden zum großen Schimpf der Verfolger gereichen. Denn niemand flieht vor dem Barmherzigen und Sanften, sondern eher vor dem Grausamen und Böswilligen. Und daher folgt: Damit das Blut aller Propheten, die seit Grundlegung der Welt getötet wurden, von diesem Geschlecht gefordert werde.
Catena Aurea · Lk 11
Es wird gefragt: Wie kommt es, dass das Blut aller Propheten und Gerechten von dem einen Geschlecht der Juden gefordert wird, während doch viele Heilige sowohl vor der Menschwerdung als auch danach von anderen Völkern getötet wurden? Doch es ist die Art der Schriften, häufig zwei Menschengeschlechter zu zählen, das eine der Guten, das andere der Bösen.

Catena Aurea · Lk 11
Obwohl er also ausdrücklich von diesem Geschlecht spricht, bezeichnet er nicht nur jene, die damals bei ihm standen und zuhörten, sondern jeden Menschenmörder. Denn Gleiches wird Gleichem zugeschrieben.

Catena Aurea · Lk 11
(Hom. 74. in Matt.) Wenn er aber meint, dass die Juden Schlimmeres erleiden werden, so wird dies nicht unverdient sein, denn sie haben gewagt, Schlimmeres zu tun als alle. Und sie wurden durch keine ihrer vergangenen Heimsuchungen gebessert, sondern als sie andere sündigen und bestraft sahen, wurden sie nicht besser, sondern taten dasselbe; doch wird es nicht geschehen, dass einer für die Sünden anderer Strafe erleidet.
Catena Aurea · Lk 11
Unser Herr aber zeigt, dass die Juden die Bosheit Kains geerbt haben, da er hinzufügt: Vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, usw. Abel, insofern er von Kain getötet wurde; Zacharias aber, den sie zwischen dem Tempel und dem Altar töteten, war, wie einige sagen, der Zacharias aus alter Zeit, der Sohn des Priesters Jojada.
Catena Aurea · Lk 11
Warum er mit dem Blut Abels beginnt, der der erste Märtyrer war, brauchen wir uns nicht zu wundern; warum aber bis zum Blut des Zacharias, ist eine Frage, da doch nach ihm viele getötet wurden, sogar bis zur Geburt unseres Herrn, und bald nach seiner Geburt die Unschuldigen, es sei denn vielleicht, weil Abel ein Hirte war, Zacharias ein Priester. Und der eine wurde auf dem Feld getötet, der andere im Vorhof des Tempels, Märtyrer jeder Klasse, das heißt, unter ihren Namen sind sowohl Laien als auch jene, die im Dienst des Altars stehen, vorgebildet.
Catena Aurea · Lk 11
(Orat. in Diem Nat. Christi.) Einige aber sagen, dass Zacharias, der Vater des Johannes, durch den Geist der Weissagung das Geheimnis der unbefleckten Jungfräulichkeit der Mutter Gottes vorausschauend, sie keineswegs vom für Jungfrauen abgesonderten Teil des Tempels trennte, um zu zeigen, dass es in der Macht des Schöpfers aller Dinge lag, eine neue Geburt zu offenbaren, während er doch der Mutter nicht die Ehre ihrer Jungfräulichkeit nahm. Dieser Teil aber war zwischen dem Altar und dem Tempel, in dem der eherne Altar stand, wo sie ihn aus diesem Grund töteten. Es wird auch gesagt, dass sie, als sie hörten, dass der König der Welt kommen würde, aus Furcht vor Unterwerfung absichtlich den angriffen, der von seinem Kommen Zeugnis ablegte, und den Priester im Tempel töteten.
Catena Aurea · Lk 11
(Geometer.) Andere aber geben einen anderen Grund für die Tötung des Zacharias an. Denn beim Mord der Kinder sollte der selige Johannes mit den übrigen desselben Alters getötet werden, aber Elisabeth raffte ihren Sohn aus der Mitte des Gemetzels auf und suchte die Wüste. Und als die Soldaten des Herodes Elisabeth und das Kind nicht finden konnten, wandten sie ihren Zorn gegen Zacharias und töteten ihn, während er im Tempel diente.

Catena Aurea · Lk 11
(in Esai. 1.) Dieses Wort Wehe, das mit unerträglichem Schmerz ausgesprochen wird, passt zu jenen, die kurz darauf in schwere Strafe hinausgeworfen werden sollten.

Catena Aurea · Lk 11
Nun sagen wir, das Gesetz selbst ist der Schlüssel der Erkenntnis. Denn es war sowohl ein Schatten als auch ein Vorbild der Gerechtigkeit Christi, daher ziemte es sich für die Gesetzeslehrer als Unterweiser des mosaischen Gesetzes und der Worte der Propheten, dem jüdischen Volk in gewissem Maße die Erkenntnis Christi zu offenbaren. Dies taten sie nicht, sondern schmälerten im Gegenteil die göttlichen Wunder und sprachen gegen seine Lehre: Warum hört ihr ihn? So nahmen sie also den Schlüssel der Erkenntnis weg. Daher folgt: Ihr seid nicht eingetreten, und die eintreten wollten, habt ihr gehindert. Aber auch der Glaube ist der Schlüssel der Erkenntnis. Denn durch den Glauben kommt auch die Erkenntnis der Wahrheit, nach dem Wort des Jesaja: Wenn ihr nicht glaubt, werdet ihr nicht verstehen. (Jes. 7,9. LXX.) Die Gesetzeslehrer also haben den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen, indem sie die Menschen nicht an Christus glauben ließen.

Catena Aurea · Lk 11
(de qu. Ev. l. ii. q. 23.) Aber der Schlüssel der Erkenntnis ist auch die Demut Christi, die sie weder selbst verstehen wollten noch andere verstehen ließen.

Catena Aurea · Lk 11
Auch jetzt werden jene unter dem Namen der Juden verurteilt und künftiger Strafe unterworfen, die, während sie sich selbst die Lehre der göttlichen Erkenntnis anmaßen, sowohl andere hindern als auch selbst nicht anerkennen, was sie bekennen.

Catena Aurea · Lk 11
(de con. Ev. lib. ii. c. 75.) All dies berichtet Matthäus, sei gesagt worden, nachdem unser Herr nach Jerusalem gekommen war. Lukas aber erzählt es hier, als unser Herr noch auf der Reise nach Jerusalem war. Daher erscheinen sie mir als ähnliche Reden, von denen Matthäus die eine, Lukas die andere wiedergegeben hat.
Catena Aurea · Lk 11
Wie wahr aber die Anklagen des Unglaubens, der Heuchelei und der Gottlosigkeit waren, die gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten vorgebracht wurden, bezeugen sie selbst, indem sie nicht Buße tun, sondern den Lehrer der Wahrheit zu fangen suchen; denn es folgt: Und als er dies zu ihnen sagte, begannen die Pharisäer und Schriftgelehrten, ihn heftig zu bedrängen.

Catena Aurea · Lk 11
Dieses Bedrängen wird nun so verstanden, dass sie auf ihn eindrangen, ihm drohten oder gegen ihn wüteten. Sie begannen aber, seine Worte auf vielfache Weise zu unterbrechen, wie es folgt: Und ihn zu zwingen, über viele Dinge zu sprechen.
Catena Aurea · Lk 11
Denn wenn mehrere einen Menschen über verschiedene Gegenstände befragen, da er nicht allen zugleich antworten kann, so meinen törichte Menschen, er sei im Zweifel. Auch dies gehörte zu ihrem bösen Anschlag gegen ihn; sie suchten aber auch auf andere Weise seine Redegewalt zu beherrschen, nämlich indem sie ihn dazu reizten, etwas zu sagen, wodurch er verurteilt werden könnte; daher folgt: Sie lauerten ihm auf und suchten etwas aus seinem Mund zu fangen, um ihn anklagen zu können. Nachdem Lukas zuerst vom „Zwingen“ gesprochen hat, sagt er nun, etwas aus seinem Mund zu fangen oder zu erhaschen; einmal nämlich fragten sie ihn über das Gesetz, um den als Gotteslästerer zu überführen, der Mose anklagte; ein andermal aber über den Kaiser, um ihn als Verräter und Rebellen gegen die Majestät des Kaisers anzuklagen.