Theophylakt von Ohrid
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
45 Ein Gesetzeslehrer entgegnete ihm: Meister, mit diesem Reden beleidigst du auch uns. 46 Er aber sagte: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Unerträgliche Lasten bürdet ihr den Menschen auf und ihr selbst rührt die Lasten mit keinem Finger an. 47 Weh euch! Ihr baut den Propheten Grabmäler, euere Väter aber haben sie getötet! 48 Also bezeugt ihr die Taten euerer Väter und stimmt ihnen zu; denn jene haben sie getötet, ihr aber baut (die Grabmäler). 49 Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, 50 damit das Blut aller Propheten, das seit Erschaffung der Welt vergossen wurde, von diesem Geschlecht gefordert wird, 51 vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempel umgebracht wurde. Ja, ich sage euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden. 52 Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr abgehalten. 53 Als er von dort weggegangen war, begannen die Pharisäer und Gesetzeslehrer, ihm heftig zuzusetzen und ihn über vielerlei auszufragen, 54 und lauerten darauf, etwas aus seinem Mund aufzufangen.
Denn wenn mehrere einen Menschen über verschiedene Gegenstände befragen, da er nicht allen zugleich antworten kann, so meinen törichte Menschen, er sei im Zweifel. Auch dies gehörte zu ihrem bösen Anschlag gegen ihn; sie suchten aber auch auf andere Weise seine Redegewalt zu beherrschen, nämlich indem sie ihn dazu reizten, etwas zu sagen, wodurch er verurteilt werden könnte; daher folgt: Sie lauerten ihm auf und suchten etwas aus seinem Mund zu fangen, um ihn anklagen zu können. Nachdem Lukas zuerst vom „Zwingen“ gesprochen hat, sagt er nun, etwas aus seinem Mund zu fangen oder zu erhaschen; einmal nämlich fragten sie ihn über das Gesetz, um den als Gotteslästerer zu überführen, der Mose anklagte; ein andermal aber über den Kaiser, um ihn als Verräter und Rebellen gegen die Majestät des Kaisers anzuklagen.