
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
33 Niemand zündet ein Licht an und stellt es in einen verborgenen Winkel oder unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Eintretenden das Licht sehen. 34 Das Licht des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge gesund ist, wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn es aber krank ist, wird auch dein Leib finster sein. 35 Sieh also zu, dass das Licht in dir nicht etwa Finsternis ist. 36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist und gar keinen finsteren Teil an sich hat, wird er so erleuchtet sein, wie wenn dich das Licht mit seinem Glanz erhellt.
(28. Mor. c. 12.) Oder aber: Unter dem Namen Leib wird jede einzelne Handlung verstanden, die ihrer eigenen Absicht folgt, gleichsam als das Auge der Betrachter. Daher wird gesagt: Das Licht des Leibes ist das Auge, weil durch den Strahl einer guten Absicht die verdienstvollen Teile einer Handlung Licht empfangen. Wenn nun dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib voll Licht sein; denn wenn wir in Einfalt des Herzens recht beabsichtigen, vollbringen wir ein gutes Werk, auch wenn es nicht gut zu sein scheint. Und wenn dein Auge böse ist, wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein; denn wenn mit verkehrter Absicht sogar eine rechte Sache getan wird, so ist sie, obwohl sie in den Augen der Menschen zu glänzen scheint, vor dem Richterstuhl des inneren Richters doch mit Finsternis bedeckt. Daher wird auch zu Recht hinzugefügt: Sieh also zu, dass das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis sei. Denn wenn wir das, was wir gut zu tun meinen, durch eine schlechte Absicht verdunkeln, wie viele sind dann die Übel selbst, die wir, auch wenn wir sie tun, als Übel erkennen?