
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
37 Während er redete, lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Er ging hin und legte sich zu Tisch. 38 Als der Pharisäer sah, dass er sich vor der Mahlzeit nicht (die Hände) wusch, wunderte er sich. 39 Da sagte der Herr zu ihm: Ja, ihr Pharisäer, das Äußere von Becher und Schüssel reinigt ihr; euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. 40 Ihr Toren! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? 41 Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, als Almosen, dann ist alles für euch rein. 42 Doch weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und jedem Gemüse, aber über das Recht und die Liebe zu Gott geht ihr hinweg. Das Eine aber sollte man tun und das Andere nicht unterlassen. 43 Weh euch Pharisäern! Ihr liebt die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Marktplätzen. 44 Weh euch! Ihr seid wie unkenntliche Grabstätten, über die die Leute hinweggehen, ohne es zu wissen.
(Hom. 72. in Joan.) Nun sagt er: Gebt Almosen, nicht Unrecht. Denn das Almosen ist das, was frei ist von allem Unrecht. Es macht alles rein und ist vortrefflicher als das Fasten; obwohl dieses schmerzhafter ist, ist jenes nützlicher. Es erleuchtet die Seele, bereichert sie und macht sie gut und schön. Wer beschließt, mit den Bedürftigen Mitleid zu haben, wird eher von der Sünde ablassen. Denn wie der Arzt, der gewohnt ist, die Kranken zu heilen, leicht durch die Unglücksfälle anderer betrübt wird, so werden auch wir, wenn wir uns der Erleichterung anderer gewidmet haben, leicht das Gegenwärtige verachten und zum Himmel erhoben werden. Die Salbung des Almosens ist also kein geringes Gut, da sie auf jede Wunde angewendet werden kann.