
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
5 Dann sagte er zu ihnen: Wer von euch hat wohl einen Freund und geht mitten in der Nacht zu ihm und sagt: Freund, leihe mir drei Brote; 6 denn einer meiner Freunde ist auf der Reise zu mir gekommen und ich habe ihm nichts vorzusetzen -- 7 würde jener von drinnen antworten: Belästige mich nicht! Die Tür ist bereits geschlossen und meine Kinder und ich sind zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir (etwas) geben? 8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufsteht und ihm gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
Wer ist uns ein größerer Freund als der, der seinen Leib für uns hingegeben hat? Nun ist uns hier eine andere Art von Gebot gegeben, dass wir zu allen Zeiten, nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht, Gebete darbringen sollen. Denn es folgt: Und wird um Mitternacht zu ihm kommen. (Ps 119,62.) Wie David es tat, als er sagte: Um Mitternacht stehe ich auf, um dir zu danken. Denn er fürchtete nicht, die aus dem Schlaf zu wecken, die er als stets wachend kannte. Denn wenn David, der auch mit den notwendigen Angelegenheiten eines Königreichs beschäftigt war, so heilig war, dass er siebenmal am Tag Gott Lob darbrachte, (Ps 119,164.) was sollen wir tun, die wir umso mehr beten sollten, je häufiger wir durch die Schwäche unseres Geistes und Leibes sündigen? Wenn du aber den Herrn, deinen Gott, liebst, wirst du fähig sein, nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere Gunst zu erlangen. Denn es folgt: Und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote, usw.