
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
37 Während er redete, lud ihn ein Pharisäer zum Essen ein. Er ging hin und legte sich zu Tisch. 38 Als der Pharisäer sah, dass er sich vor der Mahlzeit nicht (die Hände) wusch, wunderte er sich. 39 Da sagte der Herr zu ihm: Ja, ihr Pharisäer, das Äußere von Becher und Schüssel reinigt ihr; euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. 40 Ihr Toren! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen? 41 Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, als Almosen, dann ist alles für euch rein. 42 Doch weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze und Raute und jedem Gemüse, aber über das Recht und die Liebe zu Gott geht ihr hinweg. Das Eine aber sollte man tun und das Andere nicht unterlassen. 43 Weh euch Pharisäern! Ihr liebt die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Marktplätzen. 44 Weh euch! Ihr seid wie unkenntliche Grabstätten, über die die Leute hinweggehen, ohne es zu wissen.
Nun hätte unser Herr auch andere Worte gebrauchen können, um den törichten Pharisäer zu ermahnen, aber er ergreift die Gelegenheit und formt seine Zurechtweisung aus den Dingen, die gerade vor ihm lagen. Zur Stunde der Mahlzeiten nämlich nimmt er als Beispiel den Becher und die Schüssel und zeigt damit, dass es den aufrichtigen Dienern Gottes ziemt, gewaschen und rein zu sein, nicht nur von körperlicher Unreinheit, sondern auch von dem, was im Inneren im Bereich der Seele verborgen liegt, so wie jedes der Gefäße, die für den Tisch verwendet werden, von aller inneren Verunreinigung frei sein soll.