Origenes
Catena Aurea · Lukasevangelium 11
9 Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch aufgetan. 10 Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der, wenn ihn sein Sohn um einen Fisch bittet, ihm statt des Fisches eine Schlange gäbe? 12 Oder wenn er um ein Ei bittet, ihm einen Skorpion gäbe? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, eueren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.
Aber jemand könnte zu wissen begehren, wie es kommt, dass die, welche beten, nicht erhört werden? Darauf müssen wir antworten, dass derjenige, der sich auf rechte Weise ans Suchen macht und nichts von dem unterlässt, was zur Erlangung unserer Bitten dient, wirklich empfangen wird, worum er gebetet hat, dass es ihm gegeben werde. Wenn aber ein Mensch sich vom Gegenstand einer rechten Bitte abwendet und nicht bittet, wie es sich geziemt, bittet er nicht. Und deshalb ist es so, dass er, wenn er nicht empfängt, wie hier verheißen wird, keine Lüge vorliegt. Denn ebenso, wenn ein Lehrer sagt: „Wer zu mir kommen will, wird die Gabe der Unterweisung empfangen“, verstehen wir darunter einen Menschen, der in wirklichem Ernst zu einem Lehrer geht, damit er sich eifrig und sorgfältig seinem Unterricht widme. Daher sagt auch Jakobus: Ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr übel bittet (Jak 4,3), nämlich um eitler Lüste willen. Aber jemand wird sagen: Nein, wenn Menschen bitten, göttliche Erkenntnis zu erlangen und ihre Tugend wiederzuerlangen, erlangen sie es nicht? Darauf müssen wir antworten, dass sie nicht baten, die Güter für sich selbst zu empfangen, sondern damit sie dadurch Lob ernteten.